mini|Abdel Fatah El-Sisi (offizielles Porträtfoto als Präsident, 2017) rahmenlos|zentriert|Unterschrift von Abd al-Fattah as-Sisi Abd al-Fattah Said Husain Chalil as-Sisi (; * 19. November 1954 in Kairo), bekannt als Abdel Fatah El-Sisi, ist ein ägyptischer Feldmarschall und Politiker. Seit Juni 2014 bekleidet er das Amt des Präsidenten Ägyptens, nachdem er sich selbst beim gewaltsamen Staatsstreich von 2013 mithilfe des Militärs an die Macht putschte. As-Sisi ist der erste ägyptische Präsident, der keiner Regimepartei vorsteht; ihm arbeitet die Partei der Zukunft der Nation zu. Sein Regierungsstil wird als autokratisch bzw. autoritär sowie diktatorisch und repressiv bezeichnet. Laut der Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden leitet as-Sisi eine Militärdiktatur, die den ägyptischen Staat und dessen Wirtschaft militarisiert und das Land an den Rand eines wirtschaftlichen Kollapses geführt hat.
Leben Frühe Militärkarriere As-Sisi machte 1977 seinen Abschluss an der Ägyptischen Militärakademie. Anschließend wurde er Offizier der mechanisierten Infanterie im Bereich Panzerbekämpfung und Kampf mit Mörsern. Später nahm er an folgenden Lehrgängen teil: General Command and Staff Course, Egyptian Command and Staff College (1987) General Command and Staff Course, Joint Command and Staff College (Großbritannien 1992) War Course, Fellowship of the Higher War College, Nasser’s Military Sciences Academy (Ägypten 2003) War Course, United States Army War College in Carlisle (USA 2006).
As-Sisi wurde 2008 Kommandeur des Armeebereichs Nord, anschließend Leiter des Militärgeheimdienstes. Nachdem eine Einheit im Zuge der Revolution in Ägypten 2011 etwa 20 Demonstrantinnen vom Tahrir-Platz verschleppt hatte und sie zu einer demütigenden Jungfräulichkeitsuntersuchung gezwungen hatte,Demonstrantinnen zu „Jungfräulichkeits-Tests“ gezwungen. Amnesty International, amnesty.de vom 23. März 2011.Samiha Shafy: Die Jungfrauen vom Tahrir. In: Spiegel Online, 6. Juni 2011 verteidigte as-Sisi das Handeln des Schlägertrupps gegenüber Medien, man habe Vergewaltigungsvorwürfen entgegentreten wollen.Ägyptens neuer Armeechef verteidigte umstrittene Jungfräulichkeitstests. In: Der Standard.at, 13. August 2012. Als Mubarak im Februar 2011 durch die ägyptische Revolution gestürzt wurde, übernahm der Oberste Rat der Streitkräfte, dessen jüngstes Mitglied as-Sisi war, die Macht.Al-Sisi kommt aus der Welt des Geheimdienstes. In: Welt.de, 13. August 2012.
Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte Im August 2012 ernannte der neugewählte Präsident Mohammed Mursi General Sisi als Nachfolger von Mohammed Hussein Tantawi zum Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte. Er wurde zudem unter dem Ministerpräsidenten Hischam Kandil Minister für Verteidigung und Militärproduktion und stellvertretender Ministerpräsident des Landes.
Gewaltsamer Militärputsch gegen Präsident Mursi Wegen der anhaltenden Massenproteste gegen Mursi setzte Sisi am Nachmittag des 1. Juli 2013 allen politischen Kräften ein Ultimatum von 48 Stunden. Am Abend des 3. Juli wurde die Regierung Kandil, der er selbst angehörte, durch einen Militärputsch abgesetzt und Neuwahlen angekündigt. Sisi ernannte Adli Mansur (seit 1. Juli 2013 der Vorsitzende des Obersten Verfassungsgerichts) am 4. Juli zum Übergangspräsidenten des Landes. Er kündigte auch eine neue Präsidentschaftswahl und die Überarbeitung der im Vorjahr beschlossenen Verfassung an, die von den Islamisten geprägt und bei einer Abstimmung mit 64 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 33 Prozent angenommenen worden war. Zahlreiche gesellschaftliche Kräfte begrüßten diese Entwicklung.Putsch in Kairo: Ägyptens Militär stürzt Mursi Spiegel Online, 3. Juli 2013, abgerufen am 3. Juli 2013.Ben Wedeman, Reza Sayah, Matt Smith: Coup topples Egypt's Morsy; deposed president under 'house arrest'. In: CNN.com, 4. Juli 2013 Jedoch führte der Putsch zu erneuten Massenprotesten und zur Eskalation der Situation im Land. Am Morgen des 8. Juli wurden laut der Gewerkschaft ägyptischer Ärzte 84 Demonstranten während des Morgengebetes vor den Kasernen der Nationalgarde vom Militär erschossen, 1000 andere wurden verletzt. („Bis jetzt 84 Gefallene und mehr als 1000 Verwundete in den Gefechten vor den Kasernen der National Garde“), al-Masreyoon, 9. Juli 2013, abgerufen am 10. Juli 2013.
Seit August 2013 wurden Hunderte Demonstranten erschossen, wie etwa beim Blutbad in Kairo und Gizeh 2013. Über 500 Regierungsgegner wurden zumeist in Schnellprozessenhttps://web.archive.org/web/20140324202255/https://www.tagesschau.de/ausland/aegypten-mursi108.html zum Tode verurteilt und Tausende Anhänger sowohl der Muslimbruderschaft als auch demokratische Aktivisten und Politiker wie Ahmed Maher inhaftiert. Andere Politiker wie Mohammed el-Baradei gingen ins Ausland. Demokratische Organisationen und Parteien wurden als „terroristische Vereinigungen“ zerschlagen. Die Medien wurden unter as-Sisis Führung und späterer Präsidentschaft gleichgeschaltet und weitere grundlegende Rechte außer Kraft gesetzt. Bereits das Beschmieren eines Denkmals kann als „terroristischer Akt“ mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe bestraft werden. Wer Kritik an der Politik as-Sisis äußert, gilt als Mitglied einer „ausländischen Verschwörung“.
Am 27. Januar 2014 wurde Sisi zum Feldmarschall, dem höchsten Rang im ägyptischen Militär, befördert, wahrscheinlich auf eigenes Betreiben.Ägypten: Armeechef Sisi lässt sich zum Feldmarschall befördern Spiegel Online, 27. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2014. Seine Verbindungen zu den Vereinigten Staaten gelten als ausgezeichnet, sowohl zur Führung der US-Armee als auch zum amerikanischen Verteidigungsministerium, das Ägyptens Streitkräfte jährlich mit 1,3 Milliarden US-Dollar Militärhilfe unterstützt.
Präsidentschaft
im März 2014 bewarb sich As-Sisi öffentlich in einer Fernsehansprache um das ägyptische Präsidentenamt. Bei der Präsidentschaftswahl 2014 galt er als Favorit auf den Posten, für den mit dem linksgerichteten Politiker Hamdin Sabahi und der koptischen Christin Hala Schukrallah bereits zwei Gegenkandidaten existierten. Um der Verfassung entsprechend als Zivilist zu kandidieren, trat Sisi von seinen Ämtern als Armeechef sowie Verteidigungsminister und Vize-Ministerpräsident zurück.Al-Sisi: Vom Putschisten zum ägyptischen Präsidenten? bei dw.de, 27. März 2014 (abgerufen am 28. März 2014). Er wurde bei 46 % Wahlbeteiligung mit 97 % der Stimmen zum ägyptischen Präsidenten gewählt,Neuer Präsident in Ägypten bei spiegel.de, 29. Mai 2014 (abgerufen am 29. Mai 2014). jedoch gab es Berichte über Unstimmigkeiten und Vorwürfe der Wahlfälschungen.Sissis Wahlsieg gegen das Volk bei zeit.de, 29. Mai 2014 (abgerufen am 29. Mai 2014).Ex-Armeechef vor Wahlsieg in Ägypten bei handelsblatt.de, 29. Mai 2014 (abgerufen am 23. März 2016). Am 8. Juni 2014 wurde Sisi als ägyptischer Präsident vereidigt.
In den folgenden Monaten erließ Präsident As-Sisi, während aufgrund der auf 2015 verschobenen Parlamentswahl keinerlei Parlament tagte, zahlreiche Gesetze, die nach Ansicht von Nichtregierungsorganisationen „die Zivilgesellschaft unter Druck setzen“. Unter anderem wurde das Strafrecht verschärft, wonach es für einheimische und ausländische Nichtregierungsorganisationen Pflicht wurde, sich registrieren zu lassen, und der Erhalt von Geld aus dem Ausland strafbar wurde, wenn damit die Interessen des ägyptischen Staates verletzt würden. Schon kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten stellte Sisi das Großprojekt „neuer Sueskanal“ vor. Dabei soll neben dem bisherigen ein zweiter Kanal entstehen. Das Projekt war schon unter Mursi angeschoben worden, aber in die Kritik geraten, weil es von ausländischen Investoren finanziert werden sollte. Sisi entschied, dass der Bau allein mit ägyptischen Mitteln zu finanzieren sei. Zu diesem Zweck wurden auch Mini-Anteile ausgegeben, damit sich möglichst viele Ägypter beteiligen können.
Nach einem Video, welches die Tötung durch Enthauptung von 21 ägyptischen Kopten in Libyen durch den Islamischen Staat zeigte, entschloss sich as-Sisi zu einem Vergeltungsschlag. Ägypten bombardierte am 16. Februar 2015 Ziele in der vom IS kontrollierten libyschen Stadt Darna. Dabei wurden 40 bis 50 IS-Kämpfer getötet. Bereits zuvor kooperierte die ägyptische Regierung mit dem libyschen Militär, um Extremisten zu bekämpfen. As-Sisi forderte anschließend, den internationalen Einsatz gegen den IS auf Libyen auszuweiten.
Im Juni 2015 kam Sisi auf Einladung der Bundesregierung zu einem Staatsbesuch nach Deutschland. Dieser Besuch stand wegen der zahlreichen Verstöße gegen die Menschenrechte in seinem Land in der Kritik. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte wegen der Verfolgung Oppositioneller und der hohen Anzahl von Todesurteilen in Ägypten ein geplantes Treffen mit As-Sisi ab. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und weitere Organisationen forderten gemeinsam Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die Menschenrechtsverletzungen in Ägypten gegenüber Sisi anzusprechen.
Dieses Problem spitzte sich seit 2016 im Zusammenhang mit dem Fall Regeni zu. Regeni verschwand am 25. Januar 2016 aus Kairo und wurde eine Woche später mit starken Folterspuren tot aufgefunden. Das Europäische Parlament verlangte daraufhin in einer Resolution vom 10. März die Einstellung aller Waffenlieferungen nach Ägypten und betonte „mit tiefer Sorge, dass der Fall Giulio Regeni kein Einzelfall ist, sondern im Zusammenhang mit Folterungen, Todesfällen in Haft und Verschleppungen steht.“ Die ägyptische Organisation „Freiheit für die Mutigen“ dokumentierte, dass seit 2015 in Ägypten im immer größeren Stil die Politik des Verschwindenlassens praktiziert wird, welches ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt. So „verschwanden“ allein zwischen März und Juni 2015 167 säkulare oppositionelle Politiker und Aktivisten von 2011. Manche von ihnen tauchten später in Gefängnissen auf, von anderen fehlte bis dato jedes Lebenszeichen.Julia Gerlach: Der verpasste Frühling, Berlin 2016
2017 erklärte Sisi öffentlich, das Bevölkerungswachstum sei neben dem Terrorismus der größte Gegner der Ägypter. Seine Regierung startete schließlich mit »Zwei sind genug« eine Kampagne für eine Geburtenkontrolle. Tatsächlich hat sich die Bevölkerung Ägyptens innerhalb der letzten 50 Jahre verdreifacht.Bevölkerung Ägyptens. Worldometer, abgerufen am 23. Oktober 2025
mini|hochkant|Sisi während der 55. Münchner Sicherheitskonferenz 2019 2018 trat As-Sisi bei der Präsidentenwahl in Ägypten gegen Moussa Mostafa Moussa von der liberalen al-Ghad-Partei an. Beobachter sahen in dem kaum bekannten Politiker einen Alibi-Kandidaten, nachdem Moussa zuvor Sisi unterstützt hatte und erst im Januar 2018 offizieller Präsidentschaftskandidat geworden war. Zuvor waren mehrere Präsidentschaftsbewerber entweder festgenommen oder zur Aufgabe gezwungen worden. Beispielsweise versuchte Al-Sisis Sicherheitsapparat mit aller Macht, die Gegenkandidaten Shafiq und Anan von einer formalen Kandidatur abzubringen. Shafiq wurde aus seinem Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgewiesen und in Ägypten vier Wochen in einem Hotel festgehalten, bis er später seine Entscheidung bekannt gab, nicht zu kandidieren, weil er „wohl nicht die notwendigen Fähigkeiten besitze und andere besser geeignet seien“. Der Chef der Anti-Korruptionsbehörde Hisham Geneina wurde in seinem Auto von drei Männern überfallen, körperlich misshandelt und später verhaftet. Ebenso erging es Abdel Moneim Abul Fotuh, Präsidentschaftskandidat gegen Mursi und Muslimbruder-Dissident, obwohl er sich bis dahin nicht öffentlich zu einer Kandidatur geäußert hatte. Die verbliebenen Kandidaten, Anwar as-Sadat und Khaled Ali, zogen sich unter diesen Umständen zurück.