mini|hochkant|Wilhelm Fassbinder bei der Arbeit mini|Signatur Wilhelm Fassbinder (* 20. April 1858 in Köln; † 10. August 1915 ebenda) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur. Sein Werk ist sowohl dem Historismus als auch der Reformkunst zuzuordnen.Johannes Maubach, Marianne Vogt-Werling, Michael Werling: Der Friedhof Ehrenfeld. Denkmäler und Persönlichkeiten. Köln 2011, S. 40 ff.

Leben Wilhelm Fassbinder besuchte zunächst die Elementarschule in Köln. Danach erlernte er in der Werkstatt seines Stiefvaters Johann (Jean) Nothen das Handwerk eines Steinmetz. Da Nothen in der dekorativen Bildhauerei in Köln einen Namen hatte, erhielt Fassbinder in diesem Atelier auch eine künstlerische Ausbildung, die ihn in kürzester Zeit zu hoher Qualität und großer Anerkennung führte. Ein wesentlicher Teil seines Werkes ist mit dem Melaten-Friedhof in Köln verbunden, für diesen über 200 Jahre alten Zentralfriedhof schuf er 71 Grabmäler mit zum Teil überlebensgroßen Naturstein-Skulpturen und Bronzeapplikationen.Johannes Maubach, Marianne Vogt-Werling, Michael Werling: Der Friedhof Ehrenfeld. Denkmäler und Persönlichkeiten. Köln 2011, S. 38 ff. Die Bauplastik ist ein zweiter Schwerpunkt in seinem Schaffen gewesen. Für das Kaiser-Wilhelm-Brunnendenkmal in Daun erhielt Fassbinder am Tag der Einweihung (20. Oktober 1911) durch Kaiser Wilhelm II. persönlich den preußischen Kronenorden 4. Klasse verliehen.

Fassbinder, der in seinem Kölner Atelier im Haus Venloer Straße 17Im Jahre 1884 lässt sich ein Atelier in Klingelpütz 27 nachweisen. Ab 1885 ist die Venloerstr. 17 als Atelieradresse angegeben und 1889 sogar eine Zweigstelle bei Melaten, Aachenerstr. 5, (vgl. Josef Abt: Bildhauer und Steinmetze in Kölner Adressbüchern 1797-1941/42. Köln 1986, S. 18). bis zu zwölf Steinmetze beschäftigte,Josef Abt: Der Kölner Bildhauer Wilhelm Fassbinder und die Restaurierung des Brauweiler Hagelkreuzes im Jahre 1897. In: Pulheimer Beiträge zur Geschichte. Band 29. Pulheim 2005, S. 204 ff. war Mitglied des Vereins zur Förderung der Bildhauerkunst im Rheinland und in WestfalenUlrike E. Meyer-Woeller: Grabmäler des 19. Jahrhunderts im Rheinland zwischen Identität, Anpassung und Individualität. Dissertation, Bonn 1999. . und der Vereinigung Kölner Bildhauer. Letzteren ging es besonders um die Beteiligung von Kölner Künstlern bei der Ausführung der Figuren am Kölner Rathausturm.Am 18. Oktober 1900 wurde ein Ratsbeschluss zur Fertigung von 70 Skulpturen für die Obergeschosse des Rathausturmes in Köln gefasst, die in den Jahren 1901 bis 1902 von unterschiedlichen Bildhauern, u. a. auch von Fassbinder ausgeführt wurden. Diese Werke sind bis auf geringe Reste im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Fassbinder hat sich für dieses Projekt mit Kaiser Friedrich Barbarossa beschäftigt. Ob die Figur ausgeführt wurde, ist nach Camilla G. Kaul: Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser. Bilder eines nationalen Mythos im 19. Jahrhundert (= Bonner Beiträge zur Kunstgeschichte. Band 4/2.) Köln 2007, ISBN 978-3-412-16906-0, unbekannt. Hierbei war er nicht nur Mitglied, sondern auch Schriftführer und sein Atelier Sitz der Vereinigung. Außerdem engagierte er sich als erster Vorsitzender im Kölner Meister-Wilhelm-Bund, dessen vorrangiges Anliegen war, die Standesinteressen der Bildhauerzunft entsprechend zu vertreten. Des Weiteren war er Mitglied der Künstler-Vereinigung deutscher Bildhauer und Mitglied im Ausschuss für das Kölner Haus auf der Kölner Werkbundausstellung 1914., abgerufen am 10. August 2012. Weitere Mitgliedschaften, z. B. beim Deutschen Roten Kreuz oder dem Kölner Männer-Gesang-Verein, der sich auch der Wohltätigkeit verpflichtet fühlte, bestätigen Fassbinders Förderung gemeinnütziger Bestrebungen. Wilhelm Fassbinder war mit Gertrud Hinsen, der Tochter des Rektors der Domschule, verheiratet. Die beiden hatten drei Kinder: Magdalena Maria (* 1886), den Opernsänger Johann Friedrich Wilhelm Fassbinder (1887–1946) und die Konzertharfenistin Antonie Gertrud (* 1890). Fassbinder starb im Alter von nur 57 Jahren überraschend an einem Schlaganfall.

Werke im öffentlichen Raum (soweit bekannt) Grabanlagen auf dem Melaten-Friedhof mini|hochkant|Büste von Gerhard Schönen auf dem Kölner Melaten-Friedhof (1894) mini|hochkant|Grabanlage Zwirner, Kreuzstele für Agnes Zwirner Folgende 71 Grabanlagen (gegliedert nach „Datum der Werkausführung/Familienname/Grabmaltyp/Position“) befinden sich auf dem Melaten-Friedhof:Vogt-Werling / Werling 2010 (vgl. Literatur); Die einzelnen Positionen sind auf der beiliegenden DVD entsprechend auffindbar. 1890: Mann, Stele mit Wangen, HWG, 239 1890: Noss, Stele mit Wangen, Fl. 60, Nr. 3 1890: Lindgens, Stele mit Wangen, Lit. K, Nr. 164–167 1891: Gladbach, Kreuzstele, Fl. 70, Nr. 8 1892: Zwirner, Kreuzstele, HWG, Nr. 133 1892: Leisen, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 60, Nr. 5 1893: Traine / Hellmers u. a., Urnenstele mit Wangen, Fl. 60, Nr. 21 1894: Schönen, Büstenstele, Lit. J, Nr. 176 1894: Creutzer, Stele, Fl. 72, Nr. 170–172 1894: Weiden / Schwann, Obelisk, Fl. 61, Nr. 342–345 1894: Christoffel, Stele mit Wangen, Fl. 63, Nr. 8–11 1895: Christoph, Kreuz, Fl. 58, Nr. 38–41 1895: Lüthgen, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 58, Nr. 60–63 1895: Dumont / von Heyderstaedt / Hamm, Kreuzstele, Fl. 60, Nr. 9 1895: Feith / Höchsten / Weber, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 60, Nr. 22 1895: Rehe / Eich / Trück / Jaworski, Baldachingrab mit Urne, Fl. 60, Nr. 6 1895: Wittgenstein, Kreuzstele mit Wangen, HWG, Nr. 9 1895: Schloesser / Heyer, Ädikula mit Wangen, Fl. 70, Nr. 9 1895: Reichensperger, Kreuzstele mit Wangen, Lit. F, Nr. 182 a–b 1895: Berndorff / Weingärtner, Stele mit Liegeplatten, HWG, Nr. 338 1895: Diel / Mosler / Ruckert, Urnenstele mit Wangen, HWG, Nr. 151 1897: Nolte, Urnenstele mit Wangen, Fl. 40, Nr. 50–53 1898: Wagner/Schneider, Urnenstele, Fl. 45, Nr. 21–22 1898: Tillmann u. a., Kreuzstele mit Wangen, HWG, Nr. 14 1899: Risch, Obelisk mit Wangen, Fl. 76, Nr. 22 1900: Böhle, Ehem. Kreuzstele, Lit. V, Nr. 54–55 1900: Meurer / Homberg, Ehem. Kreuzstele mit Wangen, Fl. 67, Nr. 4 1900: Hölscher, Stele, Fl. 70, Nr. 2 1900: Beckmann, Stele mit Wangen, Fl. 76, Nr. 20 1900: Creutz, Figurenstele mit Wangen, Fl. 76, Nr. 4 1900: Zingser, Urnenstele mit Wangen, Fl. 60, Nr. 13 1900: Leiberz, Ehem. Kreuzstele mit Wangen, Fl. A, Nr. 71–74 1900: Richartz / Feuser, Stele mit Wangen, Lit. O, Nr. 89–90 1900: Molinari / Fonck, Ehem. Kreuzstele, HWG, Nr. 13 1901: Lauff, Ädikula mit Wangen, Fl. 47, Nr. 12–13 1901: Goecke, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 73, Nr. 64–67 1901: Wirth, Ädikula mit Wangen, Fl. 63a, Nr. 13 1902: Heydorn, Stele, Fl. 62, Nr. 5–6 1902: Zöllner, Stele mit Wangen, Fl. 67a, Nr. 8 1902: Wegelin / Haubrich, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 70a, Nr. 2 1903: Firmenich, Stele, Fl. 67a, Nr. 2 1903: Menken, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 79, Nr. 28–29 1903: Lietzmann, Stele mit Wangen, Fl. 70a, Nr. 6 1904: Trimborn/Holter, Obelisk mit Wangen, Fl. 67a, Nr. 4 1905: Auer, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 61, Nr. 106–109 1905: Meurer, Obelisk mit Wangen, Fl. 69a, Nr. 6 1905: Hoffsümmer, Stele mit Wangen, Fl. 94, Nr. 114–115 1905: Brandt / Claussen, Stele mit Kenotaph, HWG, Nr. 286 1905: von Mallinckrodt / von Schnitzler, Portalgrab, HWG, Nr. 105–106 1906: Suren / Kümmel, Stele mit Wangen, Fl. 89, Nr. 54–55 1906: Welsch / Wagner, Stele mit Wangen, Fl. 29, Nr. 57–58 1907: Möller, Portalgrab, Fl. 60, Nr. 10 1908: Kauert, Stele mit Wangen, Fl. 98, Nr. 6–7 1908: Wildt, Ädikula mit Wangen, Fl. 74, Nr. 183–184 1908: Hassel / Roeser, Urnenstele, Fl. 71, Nr. 99–100 1908: Sauer, Stele mit Wangen, Fl. 76a, Nr. 1 1909: Graven, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 76, Nr. 39–40 1909: Kyll / Oheim, Stele, Fl. 60, Nr. 52–54 1910: Metz, Stele, Fl. 69a, Nr. 10 1910: Eigel, Kreuzstele mit Wangen, Fl. W, Nr. 79–80 1911: Prior, Stele, Fl. S, Nr. 120–122 1912: Werner, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 63a, Nr. 227–231 1912: Meynen, Portalgrab, Fl. 76, Nr. 2 1913: Büchel / Depenheuer / Hollmann / Bernskin, Kreuzstele mit Wangen, Ädikula mit Wangen, Fl. 66, Nr. 10 1914: Somborn / Wallerstein, Stele mit Wangen, Fl. 4 in O, Nr. 43–44 1914: Schlieper, Obelisk, Lit. I, Nr. 237–377 1914: Raduschatt, Stele, Lit. O, Nr. 22–23 1915: von Langen, Stele, Fl. 70a, Nr. 8 mini|hochkant|Trauernde auf dem Hauptfriedhof in Iserlohn Neben den o. a. Grabdenkmälern auf dem Friedhof Melaten sind weitere Werke zu finden auf dem Jüdischen Friedhof in Köln-Deutz bzw. den Kölner Friedhöfen in Deutz, Kalk,Eberhard Becker, Michael Werling: Der alte Friedhof in Köln-Kalk. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Köln 2008, ISBN 978-3-935735-07-0. Ehrenfeld, Esch, Worringen und Poll. Außerhalb Kölns lassen sich Grabanlagen in Bonn, Brühl, Blatzheim-Niederbolheim, Pulheim-Brauweiler und Bergheim nachweisen.Köln, Liste der erhaltenswerten Grabstätten auf den Kölner Friedhöfen, Köln 1979 bis 1992. Auf dem Hauptfriedhof in Iserlohn befindet sich auf der Grabstätte Vogt die „Trauernde“, eine 176 cm hohe sitzende Marmorskulptur, die 1914 geschaffen wurde.Oberkreisdirektor des Märkischen Kreises (Hrsg.), Helmut Pahl: Skulpturen Märkischer Grab- und Gedenkstätten. o. O. 1983. Nr. 30.

Freiplastiken / Statuen 1906: Dortmund, Steinplatz- bzw. Eisengießerbrunnen (Original der bronzenen Eisengießer-Skulptur 1943 eingeschmolzen, restliche Brunnenanlage im Zweiten Weltkrieg zerstört, Rekonstruktion 1990 am Freiherr-von-Stein-Platz)Der Eisengießer-Brunnen. Ein Denkmal stellt sich vor! In: Echo der Vielfalt, Zeitschrift für interkulturellen Dialog in Dortmund. Juli 2010, S. 7. ( PDF, zuletzt abgerufen am 20. April 2018). o. J.: Kaiserslautern, Marktbrunnen

Kaiser- und Bismarck-Denkmäler 1897: Langerwehe, KaiserdenkmalFassbinder, Wilhelm. In: Hermann Alexander Müller, Hans Wolfgang Singer(Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Band 6 (2. Nachtrag mit Berichtigungen), Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1922, S. 91 (). 1903: Dortmund, Kaiserdenkmal 1905: Altenkirchen, Kaiserdenkmal 1911: Dessau, Kaiserdenkmal 1911: Daun, Brunnendenkmal für Kaiser Wilhelm II. (ehem. mit Bronzerelief des Kaisers), heute mit Gedenktafel für die Gefallenen des Kreises Daun im Zweiten Weltkrieg o. J.: Bernkastel, Kaiserdenkmal o. J.: Heinsberg, Kaiserdenkmal o. J.: Dortmund-Dorstfeld, Bismarckdenkmal mit Brunnen o. J.: Malmedy, Kaiserdenkmal

Kriegerdenkmäler 1903: Euskirchen, Kriegerdenkmal auf dem Bahnhofsvorplatz für die Gefallenen der Feldzüge 1864, 1866 und 1870/71; preußischer Infanterist mit Fahne und Säbel (1928 auf den Hindenburgplatz umgesetzt und dort im Zweiten Weltkrieg zerstört)Der Bahnhof auf www.euskirchen.de, abgerufen am 20. April 2018. 1904: Malmedy, Kriegerdenkmal mit Viktoria-Standbild 1905: Altenkirchen, Kaiserbrunnen zu Ehren von 80 Gefallenen aus dem Kreis Euskirchen in den Feldzügen 1864, 1866, 1870/71Chronik 1901–1910 auf wiki.westerwald-gymnasium.de, zuletzt abgerufen am 20. April 2018. 1906: Bernkastel, Kriegerdenkmal 1908: Heinsberg, Kriegerdenkmal 1908: Arzfeld, Kriegerdenkmal o. J.: Gerolstein, Denkmal für die Gefallenen des Klöppelkrieges

Bauschmuck 1899: Beteiligung am figürlichen Fassadenschmuck der Handelsschule (heute: Hansagymnasium) in Köln, Hansaring 56; Standbild Gustav von Mevissen, eventuell auch Standbild Ludolf CamphausenHansa-Gymnasium auf www.bildindex.de, zuletzt abgerufen am 20. April 2018. 1910: antikisierende Schmuckfassade des Wasserturms am Swister Berg in ZülpichWasserturm am Swister Berg/Zülpich, abgerufen am 8. August 2012.

Weitere Werke nach 1860: Ausführung des Taufbeckens aus Carrara-Marmor für die Trinitatiskirche in Köln nach Entwurf von Arthur Eberhard, abgerufen am 11. August 2012. 1912: Bronzebüste des Kölner Unternehmers Franz Clouth (seit 2004 verschollen)Zur Bronzebüste von Franz Clouth, abgerufen am 8. August 2012.

Literatur Fassbinder, Wilhelm. In: Friedrich Jansa: Deutsche Bildende Künstler in Wort und Bild. Leipzig 1912, S. 147.