mini|Die katholische Pfarrkirche Christkönig in Saarbrücken-St. Arnual mini|Kircheninneres mit Blick zur Apsis mini|Kircheninneres mit Blick zur Orgelempore mini|Chorkuppel
Die Christkönig-Kirche ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in St. Arnual, einem Stadtteil der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Das Patrozinium ist Christkönig. In der Denkmalliste des Saarlandes ist die Kirche als Einzeldenkmal im Ensemble An der Christ-König-Kirche aufgeführt.Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Landeshauptstadt Saarbrücken (PDF; 653 kB), abgerufen am 9. August 2012. Hinsichtlich der christologischen Intention seiner Ikonographie ist das in einer expressionistisch interpretierten romanischen sowie byzantinischen Formensprache gestaltete Sakralgebäude von besonderer theologie- und kunstgeschichtlichen Bedeutung. Die Kirchengemeinde gehört zum Bistum Trier.
Geschichte Vorgeschichte
Die Einwohner der ursprünglichen Stadt Saarbrücken, der heutige Stadtteil Alt-Saarbrücken, gehörten im Mittelalter zur Pfarrei der Stiftskirche St. Arnual. Saarbrücken besaß aber schon im 13. Jahrhundert eine eigene Kapelle. Der Bau dieser Kapelle geschah unter der Regierung der Gräfin Lauretta (1233–1271), wozu der Metzer Bischof Philipp von Flörchingen (1261–1264) am 23. August 1261 die Erlaubnis gegeben hatte.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150-jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 12–13 unter Bezugnahme auf das Chartularium Saraepontanum, S. 337, Nr. 64.
Diese Kapelle war dem hl. Nikolaus von Myra geweiht worden. Nachdem die alte Kapelle baufällig geworden war, errichtete Baumeister Hans von Zabern an ihrer Stelle im Jahr 1476 die heutige gotische Saarbrücker Schlosskirche. Dennoch blieben Saarbrücken und St. Johann weiterhin vom St. Arnualer Stift abhängig. Erst im Jahr 1549 gab das Stiftskapitel seine Erlaubnis, dass ein von ihm bestellter Priester in Saarbrücken residierte und die Schlosskirche zur Pfarrkirche St. Nikolaus erhoben wurde.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 15–16.
Nachdem im Jahr 1575 durch Beschluss von Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken die Reformation zwangsweise eingeführt worden war, gab es bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Saarbrücken keine katholische Pfarrei mehr. Am 9. Mai 1803 wurde im damals zu Frankreich (Département de la Sarre) gehörenden Saarbrücken eine Kantonspfarrei errichtet, die aber über keine eigene Kirche verfügte, sondern die katholische Kirche in St. Johann mitnutzen musste. Erst in den Jahren 1885 bis 1887 konnte mit dem Bau der Kirche St. Jakob, die nach Plänen des Architekten und Dombaumeisters Arnold Güldenpfennig aus Paderborn errichtet worden war, wieder eine eigene katholische Pfarrkirche in Benutzung genommen werden.Pfarramt Christkönig Saarbrücken (Hrsg.): 25 Jahre Pfarrei Christkönig Saarbrücken, Ein Jubiläumsheft (Sondernummer des Pfarrbriefes „Freude ins Haus“), Saarbrücken 1954, S. 15. Das diesbezügliche Jakobus-Patrozinium hatte man vom Jakobus-Altar der mittelalterlichen Burgkapelle zu Saarbrücken übernommen.
Die Saarbrücker Pfarrei St. Jakob, die im Jahr 1887 erst 2800 Katholiken gezählt hatte, entwickelte sich in den Folgejahren – trotz der Verluste des Ersten Weltkrieges zahlenmäßig rasant: 5390 (1897), 8600 (1906), 9600 (1910), 11000 (1914), 12000 (1920), 13000 (1926), 14000 (1928).Pfarramt Christkönig Saarbrücken (Hrsg.): 25 Jahre Pfarrei Christkönig Saarbrücken, Ein Jubiläumsheft (Sondernummer des Pfarrbriefes „Freude ins Haus“), Saarbrücken 1954, S. 15.
Planungen Im Dezember 1919 wandte sich der damalige Pfarrer der Saarbrücker Pfarrei St. Jakob, Johann Ludger Schlich (1876–1950, seit 1913 Pfarrer in St. Jakob, 1929 Pfarrer der Christkönigskirche und Dechant von Saarbrücken sowie Päpstlicher Hausprälat, 1935 Entlassung nach Auseinandersetzungen mit der NSDAP),Frederik Simon: Milieumanagement als Seelsorge, Pfarrer Dr. Johann Ludger Schlich und der Katholizismus an der Saar von 1913 bis 1935, Dissertation Trier 2019.Frederik Simon: Pfarrer Dr. Johann Ludger Schlich und die katholische Pressearbeit an der Saar 1920–1935, in: Archiv für Mittelrheinische Kirchengeschichte 68 (2016), S. 337–362.Bernhard Haupert und Franz Josef Schäfer: Saarländischer katholischer Klerus zwischen Anpassung und Widerstand 1933–1935, Studie zum politischen Verständnis und Handeln des katholischen Klerus, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 46 (1998), S. 99–157, hier 116–118.Edgar Schwer: Der Erste Saarländische Katholikentag am 3. Juni 1923, Hintergründe – Umfeld – Presse, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 53/54 (2005/2006), S. 193–230, hier 201 f. an das Bischöfliche Generalvikariat in Trier mit der Bitte um eine Verkleinerung der katholischen Großstadtpfarreien der Hauptstadt des Saargebietes, da die Seelsorge durch allein vier Pfarreien nicht mehr adäquat zu leisten sei. Saarbrücken war damals in die Pfarreien St. Johann (St. Johann an der Saar), St. Eligius mit der Filialkirche Herz Jesu (beide Burbach), St. Josef (Malstatt) sowie St. Jakob (Alt-Saarbrücken) unterteilt.
Schlich forderte in seinem Schreiben die Errichtung einer Pfarrei im Stadtteil St. Arnual. Die dortige Stiftskirche St. Arnual war durch die durch das Saarbrücker Grafenhaus im Jahr 1575 eingeführte Reformation evangelisch geworden. Die im Jahr 1919 in St. Arnual lebenden 300 bis 400 Katholiken (bei 1600 Protestanten) mussten zum Besuch der Messe in die etwa vier Kilometer entfernte Jakobskirche in Alt-Saarbrücken gehen. Das Einzugsgebiet St. Arnuals umfasste allerdings bereits annähernd 1200 Katholiken. Zusammen mit den 3100 Katholiken, die im Wohngebiet saarabwärts bis zum Schlossplatz lebten, umfasste das abzupfarrende Gebiet etwa 4300 Menschen, sodass der Altpfarrei St. Jakob noch etwa 9800 Gläubige verblieben.
Das Pfarrgebiet erstreckte sich links der Saar über die Gemarkungen von St. Arnual und Alt-Saarbrücken vom Spicherner Bann bis zur Alten Brücke, von dort über die linke Seite der Schlossbergstraße und den Schlossplatz über die Talstraße zur Spichererbergstraße.Pfarramt Christkönig Saarbrücken (Hrsg.): 25 Jahre Pfarrei Christkönig Saarbrücken, Ein Jubiläumsheft (Sondernummer des Pfarrbriefes „Freude ins Haus“), Saarbrücken 1954, S. 16.
Notkirchen Bereits im Ersten Weltkrieg hatte man mit dem Abhalten von katholischen Messen im St. Arnualer Garnisonslazarett begonnen, um die Seelsorge zu erleichtern. Da das Garnisonslazarett allerdings mit der Besetzung Saarbrückens durch die Französische Armee nach dem Ersten Weltkrieg von dieser requiriert worden war, musste man sich nach einer alternativen Örtlichkeit umsehen. So wurde ab September 1920 der 70 Quadratmeter große Festsaal des St. Arnualer Gasthauses Fried angemietet, um dort provisorische Heilige Messen abzuhalten. Somit konnten nach 345 Jahren Unterbrechung erstmals wieder regelmäßig katholische Messen in St. Arnual gelesen werden. Nach Unstimmigkeiten mit der protestantischen Gastwirtsfamilie und aufgrund der Unzulänglichkeit des Festsaales wurde der Mietvertrag bereits nach drei Jahren gekündigt, sodass man sich erneut auf die Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit machen musste.
So stellte Pfarrer Schlich, der seit 1920 gewähltes Mitglied des Saarbrücker Stadtrates war, bei der Stadtverwaltung einen Antrag auf Ankauf eines Baugrundstücks für eine katholische Kirche in St. Arnual, den der Saarbrücker Stadtrat am 6. September 1921 genehmigte. Der Stadtrat verkaufte den Baugrund der heutigen Christkönigskirche (3235 Quadratmeter, 1928 um 81 Quadratmeter vergrößert) – gegen den Widerstand der Linksparteien, der Liberalen sowie der Mitglieder der Saarbrücker FreimaurerlogeJohann Ludger Schlich: Zur Geschichte des Kirchenbaues, in: Johann Ludger Schlich (Hrsg.): Blätter der Erinnerung an die Benediktion der Christkönigkirche in Saarbrücken am 7. Juli 1929, Saarbrücken 1929, S. 12–19, hier S. 18. – zu erheblich vergünstigten Konditionen. Bis zur Vollendung einer neuen Kirche sollte der Gottesdienst in einer ehemaligen Kaserne stattfinden. Die Regierungskommission des Saargebietes gestattete daraufhin im Mai 1924 die Nutzung eines fast 200 Quadratmeter großen Fahrzeugschuppens an der Barbarastraße in Saarbrücken als Notkirche.
Architektenwettbewerb
Am 14. April 1924 erfolgte die Gründung eines Kirchbauvereins, der die erforderlichen Finanzmittel für den Kirchbau beschaffen sollte. Bis zum Jahr 1929 hatte der Verein nahezu 174.000 Franken durch Spendensammlungen aufgetrieben. Die Kollekten der mittwöchlichen Josefsmessen in St. Jakob erbrachten bis zum 1. Mai 1929 eine Summe von 7750 Franken. Beim Baubeginn war eine Bausumme von 972.200 Franken einschließlich der Sammlungen des Kirchenbauvereins und der Ersparnisse aus der Kirchensteuer vorhanden.Johann Ludger Schlich: Zur Geschichte des Kirchenbaues, in: Johann Ludger Schlich (Hrsg.): Blätter der Erinnerung an die Benediktion der Christkönigkirche in Saarbrücken am 7. Juli 1929, Saarbrücken 1929, S. 12–19, hier S. 16 und 19.
Am 25. März 1925 war ein Architektenwettbewerb unter den katholischen Baumeistern des Saargebietes, des besetzten Gebietes des Deutschen Reiches sowie Württembergs und Badens zur Gestaltung einer Kirche und des dazugehörigen Pfarrhauses ausgeschrieben worden. Der neue Saarbrücker Sakralbau sollte hinsichtlich seiner Außenmauern in Werkstein erstellt werden und Raum für 1650 Gottesdienstbesucher bieten. Zum Baustil wurden keine besonderen Vorgaben erlassen. Moderne Stilelemente waren zugelassen und ein schlanker Turm sowie eine Kuppel wurden angeregt. Bis zum Stichtag am 15. Juli gingen Entwürfe von 57 Architekten ein. Eine Jury entschied sich schließlich aus Kostengründen für den Entwurf „Porta coeli“ (Himmelspforte, vgl. ) des Kölner Architekten Carl/Karl Colombo (* 19. Mai 1875 in Köln; † 1. Dezember 1943 ebenda),http://www.christkoenig.handshake.de/kirche/arch01.htm abgerufen am 24. Februar 2020. obwohl man mit Teilen seiner Kirchengestaltung, insbesondere der Kuppelbeleuchtung, der Fenster sowie der Eingänge, nicht zufrieden war. Die örtliche Bauleitung übernahm der Saarbrücker Architekt Albert Eichbaum. Die Saarbrücker Christkönigskirche hat innerhalb des Werkes von Karl Colombo eine besondere Bedeutung, da seine Kölner Kirchen im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder in den ursprünglichen Formen aufgebaut wurden.
Der Kirchengemeinde war trotz erheblicher Einwände der Stadtverwaltung zur Auflage gemacht worden, dass das Pfarrhaus sehr schmal und verhältnismäßig hoch zu bauen sei. Bis zu seiner Erweiterung von fünf auf sieben Achsen wies das Pfarrhaus eine ungestaltete Brandmauer zum Saarufer hin auf. Plan der Stadt Saarbrücken war es gewesen, im Anschluss an das Pfarrhaus eine geschlossene vierstöckige Häuserreihe mit Mansardegeschoss bis zum Ende der Präsident-Baltz-Straße zu errichten, sodass die Christkönigskirche von hohen Häusern umstellt worden wäre. Der Sakralbau wäre dann vom Blickpunkt der Bismarckbrücke über die Saar praktisch nicht mehr zu sehen gewesen. Architekt Karl Colombo hätte das Pfarrhaus am liebsten nur anderthalb Geschosse hoch angelegt, um die Turmfassade der Kirche umso beeindruckender wirken zu lassen. In der unmittelbaren Folgezeit unterblieb der Bau der hohen Häuserzeile und wurde aufgrund des Baues der Saarbrücker Stadtautobahn in den Jahren 1961 bis 1963 dann ganz aufgegeben, sodass die Blickachse auf die Christkönigskirche freiblieb.Franz Ronig: Die katholische Pfarrkirche Christkönig zu Saarbrücken, in: 50 Jahre Pfarrei Christkönig in Saarbrücken 1929–1979: eine Kirchengemeinde im Licht und unter dem Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, Saarbrücken 1979, S. 21–48.
Patrozinium Geplantes Arnual-Patrozinium