miniatur|hochkant|Henry Steel Olcott Henry Steel Olcott ['ɔlkət] (* 2. August 1832 in Orange (New Jersey), USA; † 17. Februar 1907 in Adyar (Madras), Indien) war ein US-amerikanischer Theosoph, einer der Gründer und erster Präsident der Theosophischen Gesellschaft. Später konvertierte er zum Buddhismus. Aufgrund eines im Sezessionskrieg erworbenen militärischen Ranges wurde er häufig nur Oberst (Colonel) Olcott genannt.
Leben und Wirken Kindheit und Jugend Olcott wuchs als ältestes von sechs Kindern einer wohlhabenden puritanischen Familie auf. Nach der Grundschule besuchte er ab 1850 das College an der Columbia University in New York. Bereits ein Jahr später, 1851, machte jedoch sein Vater Bankrott und so musste er wegen Geldmangel sein Studium aufgeben. Die nächsten zwei Jahre arbeitete er in der Nähe seiner Onkel, auf einer Farm in Ohio, in der Landwirtschaft. Die Onkel weckten Olcotts Interesse am Okkultismus und meinten sogar, Olcott selbst hätte in dieser Richtung Fähigkeiten. Zunächst jedoch hatte ihn der Reiz der Landwirtschaft gepackt, und, nachdem er genügend Geld beisammenhatte, ging er 1853 wieder nach New York, diesmal um Agrarwissenschaft zu studieren.
Als Fachmann in der Landwirtschaft Schon 1855 erregte Olcott durch seine Arbeiten über eine wissenschaftlich geführte Musterfarm in Newark Aufmerksamkeit. Daraufhin erhielt er aus Griechenland den Ruf auf den Lehrstuhl für Landwirtschaft an der Universität von Athen, er lehnte jedoch ab. Nach seinem Studium wurde er Mitbegründer der Westchester Farm School, der ersten wissenschaftlichen Landwirtschaftsschule, in Mount Vernon, welche schon bald als fortschrittlichstes Institut über die Grenzen der USA hinaus bekannt wurde. Als Spezialist für Sorghum-Anbau, machte 1857 sein Werk Sorgho and Imphee weltweite Schlagzeilen und brachte ihm unter anderem Angebote aus Südafrika und vom Landwirtschaftsministerium, die er jedoch ebenfalls ablehnte. 1858, nach einer landwirtschaftlichen Forschungsreise durch Europa, wurde er US-Korrespondent der Londoner Zeitung Mark Lane Express und Redakteur bei der New York Tribune, im Bereich Landwirtschaft. Diese Tätigkeiten übte Olcott bis 1860 aus, daneben schrieb er auch, meist landwirtschaftliche, Artikel für eine Reihe anderer Zeitungen.
Ehe und Kinder 1860 (oder 1868?) heiratete er Mary Epplee Morgan, die Tochter eines Episcopal-Pfarrers aus New Rochelle. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die jedoch sämtlich bald starben, zwei bereits bei der Geburt, das dritte nach vier Monaten und das vierte mit zwei Jahren. Besonders der Tod seines vierten Kindes traf Olcott hart und brachte ihn ins Straucheln, häufige Besuche in zwielichtigen Clubs und Alkoholkonsum waren die Folge. Helena Blavatsky soll, als sie Olcott kennenlernte, recht derb über ihn gesagt haben: a gay dog (= ein sorgloser Hund). Die Ehe wurde 1874 geschieden und er heiratete kein zweites Mal.
Im Krieg Mit Ausbruch des Sezessionskrieges 1861, meldete sich Olcott sofort als Freiwilliger auf Seiten der Nordstaaten. Dem signal corps (= Nachrichtenabteilung) zugeteilt, nahm er an einigen Gefechten unter dem Kommando von Ambrose E. Burnside teil. Im Mai 1862 erkrankte er an der Ruhr und kam nach New York ins Lazarett. Nach seiner Gesundung wurde er als Special Commissioner (= Sonderbevollmächtigter) ins Kriegsministerium nach Washington, D.C., mit der Aufgabe Bestechung und Korruption zu bekämpfen, gerufen. Seine Arbeit war so erfolgreich, dass er zum Colonel (= Oberst) befördert wurde und er dieselbe Tätigkeit dann auch auf Wunsch der Marine beim Flottenkommando ausübte. Nach Kriegsende 1865, wurde Olcott Mitglied des dreiköpfigen Untersuchungsausschusses, der den Mord an Präsident Abraham Lincoln zu untersuchen hatte.
Als Rechtsanwalt Olcott kehrte nicht mehr zu seiner früheren Tätigkeit im Bereich Landwirtschaft zurück, sondern begann noch im Jahr 1865 in New York Jura zu studieren. Nach Abschluss dieses Studiums 1868 wurde er in New York als Anwalt zugelassen. Olcott war auf Wirtschaftsrecht spezialisiert und gehörte zu den Anwälten, die sich mit der Untersuchung des Attentats auf Abraham Lincoln beschäftigten. Schon bald unterhielt er eine blühende Kanzlei.Kocku von Stuckrad: Was ist Esoterik? Beck, München 2004, S. 202. Zu seiner Klientel gehörten die Stadt New York, die New Yorker Börse, Versicherungsgesellschaften, Banken und Eisenbahnunternehmen.Daneben arbeitete er in mehreren Regierungsausschüssen an der Formulierung neuer und der Vereinfachung bestehender US-Gesetze mit. Seine Tätigkeit als Rechtsanwalt übte er bis zum Verlassen der USA, Ende 1878 aus.
Als Reporter und Fachmann für Okkultismus 1874 erwachte Olcotts Interesse am Okkultismus erneut, als er in der Zeitschrift Banner of Light über die parapsychologischen Phänomene der Brüder Eddy (William und Horatio) las. Spontan entschloss er sich, der Sache auf den Grund zu gehen und begab sich im Auftrag der Zeitung New York Sun auf die Farm der Brüder, nahe dem kleinen Ort Chittenden bei Rutland in Vermont. Nach zehntägigem Aufenthalt war er von der Echtheit der gesehenen Phänomene überzeugt und veröffentlichte mehrere Artikel über die beobachtete Telekinese, Teleportation, Levitation, Geistheilung und ähnliche Dinge. Die öffentliche Meinung dazu war überwältigend und daraufhin reiste er im Auftrag der New York Daily Graphic erneut nach Chittenden, um diesmal sechs Wochen lang die Phänomene einer noch genaueren Untersuchung zu unterziehen. Auch diesmal kam er zum gleichen positiven Ergebnis und seine daraufhin erschienenen Berichte wurden in den gesamten USA und in Europa publiziert. 1875 veröffentlichte Olcott seine diesbezüglichen Erfahrungen im Werk People from the other world. Durch seine vielbeachteten Arbeiten über parapsychologische Phänomene, wurde er rasch als Kapazität auf diesem Gebiet anerkannt.
Olcott wurde von Bekannten in jener Zeit als ehrlich, praktisch und energisch beschrieben, selbst seine Feinde anerkannten ihn als aufrichtig und unbescholten.
Als Theosoph Die Anfänge mini|250px|Helena Blavatsky und Henry Steel Olcott im Oktober 1888Im Haus der Eddys bei Chittenden hatte sich so etwas wie ein spiritistischer Club gebildet. Am 10. Oktober 1874 traf Olcott dort Helena Blavatsky und diese Begegnung veränderte und prägte von nun an sein Leben bis zu seinem Tod. Olcott war vom Wesen Blavatskys sehr angetan und von ihren übersinnlichen Fähigkeiten geradezu fasziniert. Jedenfalls dokumentierte Olcott zahlreiche Phänomene, von automatischem Schreiben bis zum Verlassen verschlossener Räume, die Blavatsky unter seinen Augen ausgeführt haben soll. Ende des Jahres lernte er auch William Quan Judge kennen, dieser hatte einen Vorabdruck seines Buches People from the other world gelesen und im Anschluss daran Kontakt mit Blavatsky und ihm gesucht. Nach Olcotts eigenen Angaben brachte Blavatsky ihn auch in Kontakt mit sogenannten Meistern der Weisheit, zuerst mit John King (auch Kot Humi oder Koot Humi) und später mit Serapis Bey (auch Master Serapis). Diese "Meister" sollen sowohl ihm allein, als auch Blavatsky und Judge erschienen sein und Anweisungen bzw. Hinweise, sowohl mündlich als auch in Form von sogenannten "Meisterbriefen", gegeben haben. Diese Aussagen sind jedoch nicht nachprüfbar.
Gründung der TG In New York gründete Olcott Anfang 1875 einen "Miracle Club" (= Wunderclub) mit dem Ziel, den Spiritismus zu erforschen, dies erwies sich jedoch nach kurzer Zeit als Fehlschlag. Am 8. September 1875 gründeten Olcott, Blavatsky, Judge u. a. die "Theosophical Society" (= TS = Theosophische Gesellschaft (TG)). In den folgenden Wochen arbeitete Olcott die Statuten der Organisation aus, am 17. November 1875 hielt er die Gründungsrede; dieses Datum wurde allgemein als Gründungstag der TG beibehalten. Auf Judges Vorschlag wurde Olcott zum ersten Präsidenten der TG gewählt. Anfänglich kam die TG nicht recht in Schwung und Olcott investierte sowohl Geld und vor allem viel Zeit in die Organisation und den Aufbau der Gesellschaft. Nebenbei unterstützte er Blavatsky bei ihrem Werk Isis entschleiert, beschäftigte sich mit Buddhismus, Hinduismus, Judentum, Zoroastrismus, der Hermetik, der Kabbala und arbeitete in seinem Beruf als Rechtsanwalt.
Schwierigkeiten in den USA 1876 begann ein geheimer Briefwechsel mit dem in Indien lehrenden Swami Dayananda Saraswati, dem Gründer der Hinduistischen Reformbewegung Arya Samaj. Olcott und Blavatsky stellten die TG und ihre Absichten vor, unter anderem bekannte sich Olcott in einem vom 18. Februar 1878 datierten Brief offen als „Feind der christlichen Religion“ und ersuchte den Swami um Erleuchtung und Ratschläge. Ebenso wurde eine Verbindung beider Gesellschaften ins Auge gefasst und in Form der Theosophical Society of the Arya Samaj auch realisiert. Als der Schriftverkehr mit dem Swami bekannt wurde, gab es eine Welle der Entrüstung inner- und außerhalb der TG. Ende 1878 verließen Olcott und Blavatsky angesichts der Kritik die USA um nach Indien zu reisen. Von US-Präsident Rutherford B. Hayes bekam Olcott ein Empfehlungsschreiben und dazu einen Diplomatenpass, verbunden mit dem Auftrag, die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Asien zu erforschen und Handelsbeziehungen zu knüpfen.
Anfänge in Indien Die Reise nach Indien führte Olcott und Blavatsky über England, wo sie sich im Januar 1879 aufhielten und eine englische TG gegründet wurde. Am 16. Februar 1879 in Bombay angekommen, wurden sie von einer Hindu-Menschenmenge enthusiastisch empfangen. Der Ruf, gegen die christliche Mission sowie westlichen Materialismus zu sein, und für die indischen Traditionen einzutreten, war ihnen vorausgeeilt. Auch Swami Saraswati begrüßte die beiden freundlich, er hegte die Erwartung, dass nun die Vereinigung beider Gesellschaften vollzogen würde, die Gespräche scheiterten jedoch. In Erledigung seines Auftrages von der US-Regierung, organisierte Olcott eine Ausstellung mit amerikanischen Produkten in Bombay. Damit wurde in erster Linie versucht, das englische Wirtschaftsmonopol in Indien zu unterlaufen. Das Hauptquartier der TG wurde, vorerst provisorisch, von New York nach Bombay verlegt, Olcott war weiterhin Präsident. Am 1. Oktober 1879 erschien die erste Ausgabe der Monatszeitschrift The Theosophist, die bis heute herausgegeben wird. Olcott verfasste in den folgenden Jahren zahlreiche Artikel für das Blatt. Die Ausgabe August 1932, immerhin mehr als 200 Seiten, wurde als Hommage zur Gänze Olcott gewidmet.
Übertritt zum Buddhismus Von Mai bis Juli 1880 hielten sich Olcott und Blavatsky auf Ceylon auf. Bei ihrer Ankunft in Colombo wurden sie ebenso enthusiastisch empfangen, wie vor einem Jahr in Bombay, mit dem Unterschied, dass es diesmal Buddhisten waren, die sie willkommen hießen. Hier nahmen beide am 25. Mai Zuflucht zu den 3 Juwelen und verpflichteten sich, die Fünf Silas zu befolgen, durch diese Zeremonie traten sie formell zum Buddhismus über. Ende Mai 1880 gründeten Olcott und Blavatsky die Theosophical Society of Ceylon, die größtenteils buddhistische Züge aufwies. Vor allem durch die Hinwendung Olcotts und Blavatskys zum Buddhismus nahm ab dieser Zeit die Lehre der TG buddhistische Züge an. Diese Ausrichtung blieb bis etwa 1894, als durch Annie Besants immer größeren Einfluss in der TG, eine Richtungsänderung hin zum Hinduismus erfolgte.
Expansion und erster Rückschlag