miniatur|Gerd Volker Heene Gerd Volker Heene (* 25. Mai 1926 in Homburg; † 13. Oktober 2009 in Ludwigshafen am Rhein) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.
Leben Gerd Volker Heene wuchs in Homburg auf. Gerade 17 Jahre alt, wurde er 1943 zur Kriegsmarine eingezogen und kurz darauf auf einem Kriegsschiff der Klasse Zerstörer in der Ostsee eingesetzt. Nach Versetzung zur Infanterie wurde er im Frühjahr 1945 bei Rothenburg ob der Tauber verwundet und war zum Kriegsende im Lazarett Traunstein. 1945/1946 absolvierte er das Nachkriegsabitur und studierte von 1946 bis 1950 Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Die Diplom-Hauptprüfung legte er als Jahrgangsbester bei Egon Eiermann ab.
Im Anschluss daran machte er sich selbständig, errichtete zunächst Wohnhäuser und fand durch die Planung und den Bau einiger Industrie- und Krankenhausbauten für die Universität des Saarlandes einen ersten Zugang zu diesen nach funktionalen Gesichtspunkten zu entwickelnden Großbauwerken. (PDF; 376 kB) abgerufen am 30. November 2012 Im Jahr 1957 ging er mit dem in Ludwigshafen am Rhein ansässigen Industriearchitekten Heinrich Schmitt eine Partnerschaft ein. Ab 1971 führte er das Architekturbüro alleine weiter und gründete im Jahre 1988 eine Niederlassung in München, die mittlerweile von einem seiner Söhne betrieben wird., abgerufen am 30. November 2012. Durch eine oft projektbedingte Vielzahl von Auslandsaufenthalten entstanden ganze Bilder-Zyklen von in Bleistift, Tinte oder Aquarellfarben gefertigten Eindrücken, die nicht nur den Flair der schönen weiten Welt, sondern auch den Architekten bzw. Konstrukteur spürbar werden lassen. abgerufen am 30. November 2012 Von 1971 bis 1991 war Gerd Volker Heene Professor für Industriebau, Industrialisiertes Bauen und Entwerfen an der Technischen Universität Kaiserslautern.Klaus A. Ludwig: Universität Kaiserslautern. Wer ist wo 90/91. Kaiserslautern 1991, S. 366. Seine Forschungsschwerpunkte bezogen sich in jener Zeit nicht nur auf den Entwurf von Industrie-, Büro- und AnlagebautenDAB, Ausgabe 12.1977 Industriebau in Gestalt und Form und DAB, Ausgabe 5.1990 Architektur von Industrie und Gewerbebauten - Entwicklungen, Auswirkungen, Tendenzen, sondern auch auf die Entwicklung von spezifischen Konstruktionssystemen im Industriebau sowie auf industrialisierte Baumethoden.
Nachdem er das Architekturbüro an seine Nachfolger weitergegeben hatte, widmete er sich einem letzten großen Thema, nämlich der „Baustelle Pantheon“ in Rom. Hierbei gelang es ihm, sowohl durch eine detaillierte und mehrere Jahre in Anspruch genommene Spurensuche als auch durch eine Vielzahl von maßstabsgerechten Konstruktionsskizzen einen Einblick auf die Entstehungsgeschichte und den Bauablauf dieses Meisterwerks des römischen Tempelbaus zu vermitteln. Mit Akribie erbrachte er den Beweis, dass diese grandiose Kuppel in antiker Zeit abschnittsweise hergestellt werden konnte, was vor allem durch ihr räumliches Tragwerksverhalten gewährleistet war., abgerufen am 1. Dezember 2012.
Heene war verheiratet und hatte eine Tochter und zwei Söhne. Er starb nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren in Ludwigshafen am Rhein.
Bauten (Auswahl) Gerd Volker Heene galt neben Walter Henn als einer der wichtigsten Vertreter des modernen Industriebaus. Die von ihm geplanten und errichteten Gebäude zeigen trotz der technisch-konstruktiven und funktionalen Komponenten die bei dem Entwurf von hochkomplexen Industrie- und Anlagebauten berücksichtigt werden müssen, ein hohes Maß an Innovation.
Produktionsanlagen 1964–1966: Pharmazeutische Fabrik Knoll AG in Ludwigshafen 1966–1984: Magnetbandfabrik der BASF AG in Willstätt 1970–1975: Pharmazeutische Fabrik der Dr. K. Thomae GmbH in Biberach 1970–1975: Pharmafabrik der Merck-Brasil in Rio de Janeiro 1973–1975: Pharmafabrik für Merck Sharp+Dohme in Bad Aibling 1974–1976: Pharmafabrik der Asta-Werke in Künsebeck 1974–1977: Pharmafabrik E. Scheurich & Robins in AppenweierDBZ, Ausgabe 8.1978 Pharmafabrik Appenweier 1975–1976: Pharmafabrik der Boehringer Mannheim in Barcelona 1975–1976: Pharmafabrik der Cyanamid GmbH in Wolfrathshausen 1976–1977: Pharmafabrik der ICI-Pharma in Plankstadt 1976–1978: Pharmafabrik Wülfing + Bauer in Gronau 1979–1986: Pharmafabrik der Troponwerke in Köln 1980–1981: Produktionsgebäude der Eisai in Misato, Japan 1981–1983: Pharmafabrik Specia in St. Genis-Laval, Frankreich 1982–1984: Pharmafabrik Weimer in Rastatt 1985: Pharmaproduktion Feststoffe der Merck KGaA in Darmstadt 1986: Logistikgebäude und Hochregallager der CYANAMID Forschung GmbH in Wolfratshausen 1989: Pharmafabrik Köhler Chemie in Alsbach 1992: Pharmafabrik der Roemmers S.A.I.C.F. in Buenos Aires 1994–1996: Pharmaproduktion und Logistikzentrum der Fresenius AG in Friedberg 1995: Pharma-Wirkstoffbetrieb der Boehringer Ingelheim Pharma KG in IngelheimBoehringer Ingelheim, Industriearchitektur abgerufen am 1. Dezember 2012
Gebäude für Forschung und Entwicklung 1969–1971: Institut für Biophysik der Universität des Saarlandes in HomburgDBZ, Ausgabe 10.1972 Medizinische Universitätsklinik, Homburg 1974–1977: Neubau für den Technischen Überwachungs-Verein Baden e.V. (TÜV) in MannheimMannheimer Morgen, Ausgabe Nr. 290 vom 16. Dezember 1977 Der TÜV prüft nicht nur Kraftfahrzeuge 1982–1983: Forschungsgebäude für Biochemie der Firma Dr. Thomae in Biberach 1983–1984: Mess- und Prüfzentrum der Firma Carl Freudenberg in Weinheim 1984–1985: Forschungszentrum der Boehringer Mannheim GmbH in Penzberg, abgerufen am 1. Dezember 2012. 1986–1989: Forschungszentrum der Schott Glaswerke in Mainz-MarienbornSchott glass made of ideas, abgerufen am 1. Dezember 2012. 1987–1988: Forschungszentrum für die Shell Forschung GmbH in SchwabenheimindustrieBau, Ausgabe 2.1993 Shell Forschung GmbH in Schwabenheim 1987–1991: Forschungsgebäude für Qualitätskontrolle der Knoll AG in Ludwigshafen
Büro- und Verwaltungsgebäude 1973–1974: Verwaltungsgebäude für die Kassenärztliche Vereinigung in Neustadt (Weinstraße) 1973: Büroneubau der GAG in Ludwigshafen 1975: Ausbildungszentrum der BASF AG in Ludwigshafen 1975–1977: Bildungs- und Rechenzentrum der Allgemeinen Ortskrankenkasse Eisenberg (Pfalz)DBZ, Ausgabe 7.1979 Bildungs- und Rechenzentrum der AOK, Eisenberg 1980–1982: Verwaltungszentrum der Firma Merck in Darmstadt 1982–1984: Ausbildungszentrum der Berufsgenossenschaft Chemie in MaikammerDBZ, Ausgabe 12.1986 Ausbildungszentrum Maikammer 1987: Bürogebäude der Ciba-Geigy in Lampertheim 1988: Ausbildungszentrum der Rheinischen Olefinwerke in Wesseling 1991: Verwaltungszentrum mit Kantine der Boehringer Mannheim Italia S.P.A. in Mailand 1994–1996: Modernisierung der Verwaltungsgebäude der Industrie- und Handelskammer Pfalz in Ludwigshafen
Krankenhausbauten 1962: Erweiterung Physiologisches Institut im Uni-Klinikum des Saarlandes in Homburg 1962–1963: Institut für Medizinische Biologie und Biophysik im Uni-Klinikum des Saarlandes in Homburg 1965–1969: Medizinische Klinik im Uni-Klinikum des Saarlandes in Homburg 1975: Medizinische Poliklinik im Uni-Klinikum des Saarlandes in Homburg
Wohnhäuser 1962–1966: Apartmenthäuser an der Froschlache in Ludwigshafen (mit Heinrich Schmitt)Bauen + Wohnen Heft 4/1967 (doi:10.5169/seals-332846) 1969–1970: Wohnhaus in Split-Level-Bauweise in OggersheimGlasforum Heft 3/1975 vor 1975: Wohnhaus in Battenberg (Pfalz)Bauen + Wohnen Heft 9/1976 (doi:10.5169/seals-335547)
Schriften Planen und Bauen (mit Francoise Choay und Lilo Heene): Le Corbusier. (= Große Meister der Architektur, Band 2.) Ravensburg 1960. Bauten der Industrie. (Band 1: Planung, Entwurf, Konstruktion / Band 2: Ein internationaler Querschnitt) Callwey, München 1955. (mit Rolf Berner und Michael Werling): Anlagebauten. Kaiserslautern 1982. (mit Rolf Berner, Franz Hart und Michael Werling): Flachdach. Architektur, Konstruktion. Gütersloh 1983, ISBN 3-570-01306-5. Grundlagen des industrialisierten Bauens. Kaiserslautern 1984. Flachdach. Technik, Abdichtung, Detail. Gütersloh 1986, ISBN 3-570-02033-9. (mit Jörg Brandt, Friedbert Kind-Barkauskas): Fassaden. Konstruktion und Gestaltung mit Betonfertigteilen. Beton-Verlag, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7640-0242-5. Architektenausbildung Industriebau. Kaiserslautern 1989. (mit Helmut C. Schulitz und Peter Kaup): Industriebau vor Ort. (Förderprojekt des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. in Zusammenarbeit mit der RWE AG) Köln 1990. Konstruktion, Gestaltung, Detail. Studienarbeiten 1989–1991. (= Veröffentlichung des Fachbereichs A/RU/BI der Universität Kaiserslautern, Band 3.) Kaiserslautern 1991. „Reflexionen“ über das Räumliche in der Architektur. (Vortrag von Prof. Heene anlässlich seiner Emeritierung am 27. Juni 1991, gehalten an der Universität Kaiserslautern) In: DAB, 4/1992. Baustelle Pantheon. Planung, Konstruktion, Logistik. Düsseldorf 2004, ISBN 3-7640-0448-7.
Künstlerisches Schaffen Unterwegs… Aus Skizzenbüchern 1960–1970. Mannheim 1970. Häuser… Gedanken beim Zeichnen. Mannheim 1978. Toscana. Skizzenbuch 1986–1988. Kaiserslautern 1986. Zeichnungen und Aquarelle 1975–1993. Battenberg (Pfalz) 1993. Bauernhäuser in den Alpen. Ludwigshafen 1997.
Buchillustrationen Marcel Pagnol: Marcel und Isabelle, München 1961.
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Einzelnachweise
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