Bad Hall ist eine Stadtgemeinde und Kurort mit Einwohnern (Stand ) in Oberösterreich im Bezirk Steyr-Land im Traunviertel.
Geografie
Bad Hall liegt etwa 30 km südlich der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz und knapp 20 Straßenkilometer westlich von Steyr. Es liegt an der Voralpen Straße (B 122) und nahe der Kremstal Straße (B 139).
Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 6,4 km, von West nach Ost 4 km. 6,8 % der Fläche sind bewaldet, 74,4 % sind landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung Die Stadtgemeinde umfasst die Katastralgemeinden Bad Hall, Großmengersdorf und Hehenberg. Ortschaften (neben Bad Hall) sind (jeweils Dorf): Furtberg, Haid, Hehenberg sowie Kleinmengersdorf.4. Teil: Gemeinden – Oberösterreich – 37. Bad Hall. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline (Verlag Österreich), Wien 2002, .
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Steyr.
Nachbargemeinden
Geschichte Ortsgeschichte Schon die Kelten kannten die Salzquelle im Sulzbachtal. Später wurde aus dem Wasser Salz für den Verzehr gewonnen. In der Stiftungsurkunde des Klosters Kremsmünster aus dem Jahre 777 wird von 3 Salzsiedern gesprochen: salinam, que ad Sulzibach est, et tres homines ibi habitantes salem coquentes (‚die Saline, die am Sulzbach liegt, und drei Männer leben dort, die Salz kochen‘). Zitiert in I. Hausner (Bearb.): Altdeutsches Namenbuch. Die Überlieferung der Ortsnamen in Österreich und Südtirol von den Anfängen bis 1200. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Kommission für Mundartforschung, Wien, 1989 ff., S. 486. Aus der kleinen mittelalterlichen Handwerkersiedlung hat sich mit der Zeit ein regionales Zentrum entwickelt. Während am Westhang des Sulzbachtales und der Herrschaft des Klosters Kremsmünster ein Pfarrdorf – heute Pfarrkirchen – entstand, bildete sich am Osthang unter den Herzögen von Österreich ein Handels- und Verwaltungsort, der lange den Namen Herzogenhall führte, ein typischer Hall-Name der Salzgewinnung. Dieser Ort erhielt um 1287 das Marktrecht, was ihn zu einem der ältesten Märkte Österreichs macht.
Um 1600 war Hall die bedeutendste Hellebardenschmiede Mitteleuropas. Viele Waffen aus der Produktion von Schmiedemeister Pankraz Taller und Peter Schreckseisen finden sich im Grazer Zeughaus.Katharina Ulbrich: Die Waffenschmiede zu Hall. Hellebarden und Spieße aus dem Raum Bad Hall in die ganze Welt. In: EuroJournal Pyhrn-Eisenwurzen. Nr. 1/2 aus Jahrgang 1999/00. Schiffkorn, Puchenau 2000, , S. 26 ff ().
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Den Heilwert des Wassers aus der Salzquelle am Sulzbach erkannte man erst mit dem Aufblühen des Heilbäderwesens am Beginn des 19. Jahrhunderts. 1826 wurde die erste kleine Badeanstalt gegründet. 1827 wurde erstmals das Wasser analysiert und ein hoher Jodgehalt festgestellt. 1837 erwirkte der Arzt Josef Starzengruber bei der Landesregierung die erste Badeordnung. Doch erst mit Übernahme der Heilquelle durch das Land Oberösterreich 1855 konnte ein umfangreicher Kurbetrieb aufgebaut werden. Seit 1876 trägt der Ort das Prädikat „Bad“.
Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Bad Hall wie viele Kurorte auch einen starken Aufschwung. Dies wurde durch die Eröffnung der Kremstalbahn 1881 - an der aber nur der benachbarte Ort Rohr einen Bahnhof hatte - noch verstärkt. Bad Hall galt nun als „Weltkurort“. Berühmte Personen kamen hierher. Gustav Mahler gab 1880 im Kurpark sein Debüt als Dirigent. Nach Rückschlägen durch Kriege und Weltwirtschaftskrise entstand ab 1948 ein moderner Kurbetrieb.
Bad Hall wurde am 20. August 2001 von der Oberösterreichischen Landesregierung zur Stadt erhoben.
Bevölkerungsentwicklung
miniatur|hochkant=0.75|Bad Hall, (Adalbert-)Stifter-Park,1909 als (neuer) Teil des Kurparks zu Ehren Stifters benannt. — Siehe: . In: adalbertstifter.at. Abgerufen am 25. Oktober 2010. Gustav-Mahler-Gedenktafel.Die auf der Gedenktafel angebrachte Darstellung der Wirkungsstätte Mahlers bezieht sich auf das als Sommertheater zwischen 1. Juni 1870 und dem Ende der Kursaison 1884 genutzte einstöckige, ca. 600 Zuschauer fassende Interimstheater, das in Holz ausgeführt war, ungeeignet zur Beleuchtung durch offenes Licht und daher nur an Nachmittagen bespielt wurde. – Siehe: Pertlwieser: Frühgeschichte. S. 103, 107, 116, sowie: miniatur|Quelltempel der TassiloquelleErbaut 1855. – Eva Bakos, Thomas P. Widmann, Elke Schäle-Schmitt (Red.): Oberösterreich. Seen und Berge. 2., aktualisierte Auflage. HB-Bildatlas, Band 218. HB-Verlag, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-616-06119-1, S. 95. miniatur|hochkant=0.75|Bad Hall, Stifterpark-Widmungstafel (2005) miniatur|Bad Hall, Kurpark, Tassilo-Gradiergrotte (2005) miniatur|Erdölförderstelle und Bohrturm am Ortsrand von Bad Hall im März 2009
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Hall mini|Gradiergrotte im Kurpark Bad Hall
Schloss Hall Katholische Pfarrkirche Bad Hall hl. Erlöser Evangelische Pfarrkirche Bad Hall Tassiloquelle: Die älteste Jod-Sole-Quelle Bad Halls. Erste Erwähnung in der Gründungsurkunde des Klosters Kremsmünster (777). Vom Vorhof des Quelltempels wird auch heute noch die heilkräftige TassiloquelleJosef Seegen: Handbuch der allgemeinen und speciellen Heilquellenlehre. 2., neu bearbeitete Auflage. Braumüller, Wien 1862, OBV, S. 491–494 (Volltext online auf Google Books). zum Gesundheitszentrum geleitet. Der Quelltempel befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Pfarrkirchen bei Bad Hall. Kurhaus Heimatmuseum, Eduard-Bach-Straße 4, ehemaliges Kaiser-Franz-Josef-Badehaus (auch: Neues Badehaus), eröffnet am 1. Juni 1908. Planung: Matthäus Schlager (1870–1959),Ferdinand Krackowizer, Franz Berger: Biographisches Lexikon des Landes Österreich ob der Enns. Gelehrte, Schriftsteller und Künstler Oberösterreichs seit 1800. Institut für Ostbairische Heimatforschung, Passau/Linz an der Donau 1931, S. 290 (). Innenausstattung: Mauriz Balzarek. Landesvilla1912–1914 nach den Plänen von Mauriz Balzarek (1872–1945) errichtet. Gilt als der bedeutendste Jugendstilbau Oberösterreichs. – Aus: Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs. Geschichte der österreichischen Bundesländer. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1987, ISBN 3-486-54081-5, S. 369. Musikpavillon Kurpark Bad Hall:Katharina Ulbrich: 150 Jahre Kurpark Bad Hall. In: EuroJournal Linz – Mühlviertel – Böhmerwald. Heft 2/2005, XI. Jahrgang. Kultur Plus (Hrsg.), Linz 2005, S. 13 (). zwischen 1855 und 1857 als Landschaftsgarten (damals: Badgarten) von Josef Runkel (1817–1899), dem Hofgärtner des Stifts Kremsmünster, angelegtKatharina Ulbrich: Josef Runkel (1817–1899), der Planer des Landschaftsgartens in Bad Hall. In: EuroJournal Linz – Mühlviertel – Böhmerwald. Heft 2/2005, XI. Jahrgang. Kultur Plus (Hrsg.), Linz 2005, S. 14 (). Stifterpark: Zwischen 1900 und 1902 geschaffene Erweiterung des Kurparks (inklusive des 9.000 m² großen Gartens der Villa Rabl) Stadttheater Bad Hall: Das Theater hat seinen Schwerpunkt auf Oper, Operetten- und Musicalaufführungen gelegt.1883–1884 nach Plänen des Wiener Architekten Wurm (d. i.: Alois Maria Wurm, ab 1909: von Arnkreuz; 1843–1920) erbaut, am 31. Mai 1885 unter dem Linzer Direktor Julius Laska (1850–1933) eröffnet. – Siehe: Pertlwieser: Frühgeschichte. S. 116, sowie: Forum Hall: Im Forum Hall befinden sich drei Museen: das Heimatmuseum, die Haustürensammlung und das Handwerkermuseum. Das Heimatmuseum zeigt die Entwicklung von Bad Hall von der Handwerkersiedlung zum Kurort. Die Haustürensammlung zeigt alte Handwerkskunst anhand von mehr als 100 Türen.Elke Dannhäuser (Red.), Peter Elgaß (Hrsg.): Tür und Tor. Der Katalog zur internationalen Ausstellung der Stadtgemeinde Bad Hall und des Forum Hall. Internationale Ausstellung „Tür und Tor“, Handwerk und Kunst in Metall. 10. Mai bis 26. Okt. 2003, Bad Hall Oberösterreich. Hephaistos, Immenstadt-Werdenstein 2003, ISBN 3-931951-20-0. Das Handwerkermuseum zeigt 23 Landhandwerke, weiters eine Dokumentation des Strukturwandels des Handwerks
Musik Kurkonzerte: In Bad Hall finden regelmäßig Kurkonzerte mit dem Kurorchester Bad Hall statt. Das Orchester geht auf die im Jahr 1855 gegründete Cur-Musikkapelle zurück. Der berühmteste Dirigent des Kurorchesters war Gustav Mahler.Mahler (1860–1911) verbrachte die gesamte Saison 1880 als Kapellmeister in Bad Hall. Zu seinen Aufgaben soll es gehört haben, vor jeder Vorstellung die Noten auf die Pulte zu legen, das Klavier abzustauben und während der Pause das Baby Mitzi Zwerenz (Tochter des Theaterdirektors) in ihrem Kinderwagen rund um das Theater zu fahren. – Siehe: Pertlwieser: Frühgeschichte. S. 113.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Bahn: Bad Hall war von 1887 bis 1992 mit der Bahnstrecke Rohr–Bad Hall sowie von 1891 bis 1933 mit der Schmalspurbahn nach Pergern (Steyrtalbahn) an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Heute sind diese Strecken abgetragen, und Bad Hall ist mit der Eisenbahn nicht mehr erreichbar. Der nächstgelegene Bahnhof Rohr-Bad Hall der Pyhrnbahn liegt rund 5 Kilometer vom Ortszentrum Bad Halls entfernt. Regelmäßige Verbindungen mit dem Postbus bestehen unter anderem nach Linz, Steyr und Kirchdorf an der Krems. Der ehemalige Bahnhof, der im Jugendstil erbaut wurde, steht unter Denkmalschutz und wurde 2009 innen umgebaut. Er beherbergt jetzt ein Café sowie zwei kleine Gewerbebetriebe und ist nun zentraler Bestandteil des Einkaufszentrums „am Bahnhof“, das nach der Abtragung der verbliebenen Abstellgleise und des ehemaligen Lagerhauses 2011 fertiggestellt wurde. Straße: Durch Bad Hall führt die Voralpen Straße B 122 von Amstetten nach Sattledt. Die nächstgelegene Autobahn ist die West Autobahn A 1. Die Anschlussstelle in Sattledt liegt rund 15 Kilometer vom Ortszentrum Bad Halls entfernt.
Öffentliche Einrichtungen Eurotherme Bad Hall: Das stark jodhaltige Heilwasser (Jodidgehalt 30 bis 50 mg pro Liter) von Bad Hall stammt heute nicht nur aus der aus Urzeiten bekannten Quelle am Sulzbach, sondern aus mehreren Bohrsonden. Sie wurden in den 1950er Jahren im Zuge der Suche nach Erdöl niedergebracht und führten bis in 2247 m Tiefe. Öl wurde nicht gefunden, jedoch jenes Depot angebohrt, aus dem die alte Heilquelle am Sulzbach ihr Wasser erhält. Die Herkunft der Heilwässer von Bad Hall steht in unmittelbaren Zusammenhang mit den weiter westlich anzutreffenden Erdölvorkommen.
Das Heilwasser von Bad Hall wirkt therapeutisch vor allem bei Erkrankungen der Gefäße (Herz, Arterien und Venen, Bluthochdruck) sowie der Augen, Atemwege und Gelenke. Freiwillige Feuerwehr Bad Hall Rotes Kreuz Bad Hall Wasserversorgung: Die Wasserversorgung der Stadt gewährleistet der Wasserverband Bad Hall. Die Quellen liegen in der Gemeinde Kremsmünster. Über ein Leitungsnetz von 43 Kilometer werden jährlich etwa 450.000 Kubikmeter Wasser verteilt (Stand 2018).
Bildung Volksschule Bad Hall Mittelschule (NMS) Bad Hall Kindergarten und Hort Bad Hall Musikschule Bad Hall
mini|Caritas Seniorenwohnhaus Schloss Hall
Pflege und Betreuung Im Schloss Hall betreibt die Caritas Oberösterreich ein Seniorenwohnhaus.
Politik mini|Rathaus in Bad Hall Der Gemeinderat hat 31 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 14 SPÖ und 3 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 ÖVP, 10 SPÖ, 3 FPÖ und 3 BZÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 ÖVP, 5 FPÖ, 5 SPÖ, 3 GRÜNE, 1 BZÖ und 1 WBH. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 7 SPÖ, 5 GRÜNE, 4 FPÖ und 1 WBH.
Bürgermeister Bürgermeister seit 1850 waren:
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