JavaScript (kurz JS) ist eine Skriptsprache, die ursprünglich 1995 von Netscape für dynamisches HTML in Webbrowsern entwickelt wurde, um Benutzerinteraktionen auszuwerten, Inhalte zu verändern, nachzuladen oder zu generieren und so die Möglichkeiten von HTML zu erweitern. Heute wird JavaScript auch außerhalb von Browsern angewendet, etwa auf Servern und in Microcontrollern.
Der heutige Name der ursprünglich LiveScript genannten Sprache entstand 1996 aus einer Kooperation von Netscape mit Sun Microsystems. Deren Java-Applets, erstellt mit der gleichfalls 1995 veröffentlichten Programmiersprache Java, wurden mithilfe von LiveScript in den Netscape Navigator integriert. Um die Popularität von Java zu nutzen, wurde LiveScript in JavaScript umbenannt, obwohl die beiden Sprachen voneinander unabhängig entwickelt wurden und völlig unterschiedliche Grundkonzepte aufweisen.
Der als ECMAScript (ECMA 262) standardisierte Sprachkern von JavaScript beschreibt eine dynamisch typisierte, objektorientierte, aber klassenlose Skriptsprache. Sie wird allen objektorientierten Programmierparadigmen unter anderem auf der Basis von Prototypen gerecht, deren Deklaration ab ECMAScript 6 mit einer Syntax ermöglicht wird, wie sie ähnlich auch bei klassenbasierten Programmiersprachen üblich ist. In JavaScript lässt sich je nach Bedarf objektorientiert, prozedural oder funktional programmieren.
Entwicklung Die Syntax von JavaScript ähnelt C-Abkömmlingen. Trotz der Namens- und syntaktischen Ähnlichkeit hat JavaScript nur geringe Gemeinsamkeiten mit Java. So wird in JavaScript Vererbung nicht durch Klassen, sondern durch Prototypen unterstützt.
JavaScript wurde früher hauptsächlich clientseitig eingesetzt. JavaScript bzw. die ECMAScript-Implementierungen ermöglichen aber beispielsweise mit dem Framework Node.js und als JScript bzw. JScript .NET in einer ASP- bzw. ASP.NET-Umgebung auf Microsoft Internet Information Services auch serverseitige Anwendungen. Weitere Beispiele für serverseitige JavaScript-Programmierung sind POW und Jaxer, die auf der Mozilla-JavaScript-Engine SpiderMonkey aufsetzen, V8CGI, welches auf der JavaScript-Implementierung V8 aufbaut und in den Apache HTTP Server integriert wird, sowie QML, eine erweiterte Form von JavaScript zum Zeichnen von Oberflächen und Animationen.
Die Sprache wird auch als Skriptsprache für Spiele und Anwendungsprogramme eingesetzt, da der Sprachkern nur wenige Objekte enthält und dadurch der zur Ausführung von in JavaScript formulierten Skripten erforderliche Interpreter relativ klein gehalten werden kann.
Außerdem wird JavaScript als Verkehrssprache in der Datenbank MongoDB sowie in Microcontrollern eingesetzt.
Verwendung Typische Anwendungsgebiete Typische Anwendungsgebiete von JavaScript im Webbrowser sind: dynamische Manipulation von Webseiten über das Document Object Model Plausibilitätsprüfung (Datenvalidierung) von Formulareingaben noch vor der Übertragung zum Server Anzeige von Dialogfenstern Senden und Empfangen von Daten, ohne dass der Browser die Seite neu laden muss (Ajax) Vorschlagen von Suchbegriffen während der Eingabe Werbebanner oder Laufschriften Verschleierung von E-Mail-Adressen zur Bekämpfung von Spam mehrere Frames auf einmal wechseln oder die Seite aus dem Frameset lösen Schreib- und Lesezugriff auf Cookies und den Web Storage innerhalb des Browsers
Missbrauch Einige Anwendungen, die mit JavaScript möglich sind, agieren teilweise gegen den Wunsch des Benutzers oder widersprechen dem Prinzip der geringsten Überraschung. Einige Browser bieten daher Funktionen an, die derartige JavaScript-Funktionen unterdrücken.
Beispiele: mini|Hinweis im Firefox-Browser bei vielen Dialogfenstern
Verschleiern der Internetadresse, auf die ein gegebener Link verweist Deaktivieren des Kontextmenüs, um zu erschweren, dass Bilder oder die gesamte Seite abgespeichert werden können Deaktivieren der Kopierfunktion, um zu erschweren, dass Texte oder Bilder kopiert werden können Unaufgeforderte (Werbe-)Pop-ups oder Pop-unders oder aufeinanderfolgende Dialogfenster, die den Benutzer behindern Ungewolltes Schließen des Browserfensters Ungewollte Größenänderung des Browserfensters Barrierearme Webseiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch bei abgeschaltetem JavaScript möglichst uneingeschränkt nutzbar bleiben. Teilweise schränkt das deaktivierte JavaScript die Benutzbarkeit einer Webseite ein. Maßnahmen, die an den Sicherheitseinstellungen des Browsers vorbei ein Wiedererkennen eines Benutzers bei einem späteren Besuch einer Website erlauben (siehe Anonymität im Internet) Bei anfälligen Webanwendungen kann JavaScript auch von Dritten missbraucht werden, etwa per XSS (Codeeinschleusung).
Geschichte Am 18. September 1995 veröffentlichte Netscape mit der Vorversion des Navigators 2.0 einen Browser mit einer eingebetteten Skriptsprache, die zu diesem Zeitpunkt LiveScript hieß und von Brendan Eich entwickelt worden war. Die Sprache konnte u. a. Formulareingaben des Benutzers vor dem Absenden überprüfen. Am 4. Dezember 1995 verkündeten Netscape und Sun Microsystems eine Kooperation, die die Interaktion von LiveScript direkt mit Java-Applets zum Ziel hatte. Sun entwickelte die nötigen Java-Klassen, Netscape die Schnittstelle LiveConnect und benannte die Sprache in JavaScript um (JavaScript 1.0). JavaScript ist seit der Übernahme von Sun Microsystems eine Marke des Unternehmens Oracle.
Mit der ersten Beta-Version des Navigators 3.0 führte Netscape am 29. April 1996 JavaScript 1.1 ein. In selbiger Version gab es die Neuerungen, auf Bilder zugreifen und sogenannte Rollover-Grafiken erstellen zu können. LiveConnect war jetzt fester Bestandteil des Browsers. Mit der Beta-Version des Internet Explorers 3 stellte Microsoft im Mai 1996 seinen ersten JScript-fähigen Browser vor. Dies war der Beginn des Browserkriegs.
Mit der Ankündigung des Netscape Communicators wurde JavaScript 1.2 am 15. Oktober 1996 veröffentlicht; der Netscape Communicator 4.0 mit JavaScript 1.2 erschien jedoch erst am 4. Juni 1997. Ebenfalls im Juni 1997 veröffentlichte die European Computer Manufacturers Association ihren Standard ECMA-262 (ECMAScript), der zusammen mit Netscape entwickelt worden war und die Grundelemente einer Skriptsprache standardisieren sollte. Diese wurde im April 1998 zur ISO-Norm ISO/IEC 16262:1998 Information technology – ECMAScript language specification. Am 1. Oktober 1997 kam der Internet Explorer 4 heraus, der den Sprachumfang von JavaScript 1.1 abdeckte. Darüber hinaus wurden eigene Erweiterungen veröffentlicht, die zu Kompatibilitätsunterschieden zwischen Navigator und Internet Explorer führten und eine DOM-ähnliche Syntax zur Verfügung stellten, die es ermöglichte, auf alle Elemente der Webseite zuzugreifen und diese beliebig verändern zu können.
Der in Java implementierte JavaScript-Interpreter Rhino wurde ab Version 6.0 als Teil der Java-Laufzeitumgebung standardmäßig mitgeliefert. Im Juli 1998 wurde mit der Beta-Version des Netscape Communicators 4.5 JavaScript 1.3, welche schon in der Version 4.06 des Netscape Communicators vorhanden war, veröffentlicht. Im Oktober 1998 stellte Netscape JavaScript 1.4 vor. Diese Version war vollständig kompatibel mit ECMA-262. Ein Browser mit der Unterstützung dieser Version erschien jedoch nicht. Im April 2000 kam mit der Preview Release 1 des Navigators 6 JavaScript 1.5 und DOM Level 1. Am 5. Juni 2002 erschien Mozilla 1.0 mit JavaScript 1.5 (JavaScript in der Version 1.5 entspricht ECMA-262 Version 3), am 29. November 2005 Mozilla Firefox 1.5 mit JavaScript 1.6, am 12. Juli 2006 Mozilla Firefox 2.0b1 mit JavaScript 1.7 und am 18. Dezember 2007 Mozilla Firefox 3.0b2 mit JavaScript 1.8.
Versionsgeschichte von JavaScript +Versionsgeschichte Version Veröffentlichung Entsprechung Netscape Navigator Mozilla Firefox Internet Explorer Opera Safari Google Chrome März 1996 2.0 3.0 August 1996 3.0 Juni 1997 4.0–4.05 Oktober 1998 ECMA-262 1st edition / ECMA-262 2nd edition 4.06–4.7x 4.0 Netscape Server November 2000 ECMA-262 3rd edition 6.0 1.0 5.5 (JScript 5.5) 6 (JScript 5.6) 7 (JScript 5.7) 8 (JScript 6) 6.0 7.0 8.0 9.0 November 2005 1.5 + Array extras + Array & String generics + E4X 1.5 3.0 3.1 Oktober 2006 1.6 + Pythonic generators + Iterators + let + destructuring assignments 2.0 3.2 4.0 1.0 Juni 2008 1.7 + Generator expressions + Expression closures 3.0 Juni 2009 1.8 + geringfügige Updates 3.5 Januar 2010 1.8.1 + geringfügige Updates 3.6 Juli 2010 1.8.1 + ECMAScript 5 Compliance 4 9.0 (JScript 9.0)
Versionsgeschichte von ECMAScript (ECMA-262) Die aktuelle Version ist die Version 2025, die im Juni 2025 als „ECMAScript 2025“ veröffentlicht wurde. Dieser sollen jährliche Updates folgen. Die Entwicklung der Standards erfolgt auf GitHub.
Version publiziert am Unterschiede zur Vorgängerversion Editor align="center" Juni 1997 erste Version Guy L. Steele, Jr. align="center" Juni 1998 Änderungen zwecks Kompatibilität zum internationalen Standard ISO/IEC 16262 Mike Cowlishaw align="center" Dez. 1999 Neu sind reguläre Ausdrücke, bessere Verarbeitung von Zeichenketten, Kontrollfluss, Fehlerbehandlung mit try/catch, bessere Fehlerbehandlung, bessere Formatierung bei der Ausgabe von Zahlen usw. Mike Cowlishaw align="center" abgebrochen Wegen Uneinigkeit in Bezug auf die Zukunft der Sprache wurde die weitere Entwicklung des komplexen Entwurfes zu ECMAScript 4 eingestellt. Einige Ideen werden in ES6 wieder aufleben. align="center" Dez. 2009 Im „strict mode“ wird eine erweiterte Fehlerprüfung eingeschaltet. Unklare Sprachkonstrukte von ECMAScript 3 werden entschärft und neue Features wie getter- und setter-Methoden, Unterstützung von JSON usw. hinzugefügt.Changes to JavaScript, Part 1: EcmaScript 5 Pratap Lakshman, Allen Wirfs-Brock align="center" Juni 2011 Entspricht dem internationalen Standard ISO/IEC 16262:2011, Version 3 Pratap Lakshman, Allen Wirfs-Brock Juni 2015 Neue Syntax für komplexe Applikationen wie Klassen und Module, die aber mit ähnlicher Terminologie wie in ECMAScript 5 (strict mode) definiert werden können. Neue Sprachbestandteile wie for/of-Schleifen, teilweise an Python angelehnte Syntax usw. Der Codename lautet “Harmony” und wurde bis kurz vor Verabschiedung als „ECMAScript 6“ bezeichnet, also „ES6“siehe englische WP. Allen Wirfs-Brock Juni 2016 ** (Potenzfunktion), Array.prototype.includes, diverse Anpassungen an Generatoren, destruktiven ZuweisungenBrian TerlsonJuni 2017async/await, diverse Object-FunktionenBrian TerlsonJuni 2018JavaScript-Standard ECMAScript 2018 offiziell verabschiedet heise.de, am 28. Juni 2018global, import(), Rest/Spread Properties, for-await-of (Asynchronous Iterators), String-Padding, …Brian TerlsonJuni 2019Array#{flat,flatMap}, Object.fromEntries, String#{trimStart,trimEnd}, Symbol#description, …Brian Terlson, Bradley Farias, Jordan HarbandJuni 2020String.matchAll, BigInt, import(), …Jordan Harband, Kevin SmithJuni 2021String.prototype.replaceAll, WeakRefs, Logical Assignment Operators, …Jordan Harband, Shu-yu Guo, Michael Ficarra, Kevin GibbonsECMAScript® 2022 Language SpecificationJuni 2022Private Methoden und Felder in Klassen, Statische Initialisierungs-Blöcke in Klassen, await außerhalb von async-Funktionen, …Shu-yu Guo, Michael Ficarra, Kevin GibbonsJuni 2023Hashbang-Grammar, Symbole für WeakMaps, neue Array-FunktionenJuni 2024Die Möglichkeit die Größe von ArrayBuffers und SharedArrayBuffers zu ändern und zu transferieren, Gruppierungsfunktionen via Object.groupBy() und Map.groupBy(), einfachere Weg resolvers von Promises zu erhalten, /v Flag in Regulären AusdrückenShu-yu Guo, Michael Ficarra, Kevin GibbonsJuni 2025Iterator-Objekt, die Möglichkeit JSON-Dateien als Module zu importieren, Promise.try-Methode, neue Set-Methode, neues typed Array 'Float16Array' Shu-yu Guo, Michael Ficarra, Kevin Gibbons
Sicherheit Sandbox-Prinzip