Löcknitz ist eine Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland) und ein Dorf (Verwaltungssitz des Amtes Löcknitz-Penkun). Sie bildet für ihre Umgebung ein Grundzentrum. - zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015

Geografie Geografische Lage Die im Landesteil Vorpommern gelegene Gemeinde Löcknitz befindet sich an einer Furt des Flusses Randow zwischen Pasewalk und Stettin (Szczecin). Nördlich und südlich von Löcknitz erstreckt sich die breite Flussaue des Randowbruchs. Die Randow bildete sich vor 14.000 Jahren während der Rosenthaler Staffel im Pommerschen Stadium der Weichsel-Kaltzeit als Abfluss des Schmelzwassers des sich im 1.000 bis 6.000 Meter breiten Netze-Randow-Urstromtal zurückziehenden Inlandeises heraus.Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ausbreitung der Inlandeismassen in den Kaltzeiten des Pleistozäns. Interaktive Online-Karte. Abgerufen am 31. Mai 2014. Von der Randow als ursprünglich linkem Nebenarm der Oder blieb bis heute nur noch ein kleiner Fluss mit wenigen Metern Breite übrig.Förderverein Burgfried Löcknitz e. V. (Hrsg.): Ortschronik von Löcknitz. Teil I. S. 5.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Löcknitz gehört der Ortsteil Gorkow.Hauptsatzung der Gemeinde Löcknitz, § 2 (PDF; 374 kB)

Wohnplätze sind Bollbrücke und Löcknitzer Kamp.

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend, grenzt Löcknitz an die folgenden Gemeinden: Rothenklempenow, Boock, Plöwen, Ramin, Bergholz und Rossow.

Geschichte

Name In einer Schenkungsurkunde des Herzogs Bogislaw II. von Pommern von 1212 ist als Zeuge Thomas de Lokenitz als bischöflicher Vogt der Burg Löcknitz aufgeführt und der Name Löcknitz zum ersten Mal erwähnt. In einer weiteren Urkunde von 1267 wird der Ort Lokenitz (slawisch für Fluss der Pfützen, Sumpfloch oder Grubenniederung) nochmals urkundlich genannt. Auch die durch Löcknitz fließende Randow wurde bis etwa 1700 überwiegend Lochnitza genannt. In einer Schenkungsurkunde von 1216 wurde der Fluss zum ersten Mal mit diesem Namen erwähnt, ein weiteres Mal 1288 in einer Urkunde, die die Grenzen der Uckermark beschreibt. Der Begriff Randow hingegen war ursprünglich nur die Bezeichnung für die Sumpfgebiete entlang des Flusses im Randowbruch.Förderverein Burgfried Löcknitz (Hrsg.): Ortschronik von Löcknitz (Teil I), S. 7 u. 10–12.

Frühe Geschichte mini|Wahrzeichen von Löcknitz: Die Burg Löcknitz mit Bergfried Grabungsfunde belegen die Besiedlung des Gebietes bereits in der Steinzeit. Im 7./8. Jahrhundert siedelten slawische Ukranen in der Gegend. Die Slawenburg Lokenitza war ursprünglich wahrscheinlich um 1100 von Pommern erbaut worden. Im 13. Jahrhundert wurde, wahrscheinlich unter dem pommerschen Herzog Barnim I. „dem Städtegründer“ eine deutsche Burg aus Ziegelmauerwerk errichtet.

Mittelalter Löcknitz war wegen seiner Lage an der Furt am Fluss Randow und an der Grenze zwischen Pommern und Brandenburg oft umkämpft. Es gehörte bis 1250 zum Herzogtum Pommern. Mit dem Abschluss des Vertrages von Landin wechselte Löcknitz dann in einem Gebietstausch zur Mark Brandenburg, wo es bis 1373 verblieb. Von 1295 bis 1373 waren die Uckermark mit Löcknitz zwischen den Herzögen von Pommern, den Markgrafen von Brandenburg, den Herzöge von Polen, den Bischöfen von Cammin, den Königen von Dänemark und den Herzögen von Mecklenburg stark umkämpft. Der Vertrag von Fürstenwalde befriedete vorübergehend das Gebiet. Noch 1373, spätestens 1385, erwarb Herzog Swantibor III. von Pommern-Stettin Burg und Ort Löcknitz vom Bistum Cammin. Löcknitz gehörte dadurch bis 1468 erneut zu Pommern. Die Herren von Wussow begannen nach den Zerstörungen durch Kriege mit der Sanierung und dem Ausbau der Burg zu einem Schloss und behielten Löcknitz bis 1416. Spätestens 1433 wurde Löcknitz von Pommern als Lehen an die Familie von Heydebreck bis 1468 gegeben. Nach dem Tod von Herzog Otto III. von Pommern-Stettin und dem Ausbruch des Stettiner Erbfolgestreites kam es erneut zum Krieg zwischen Pommern und Brandenburg und Löcknitz wurde 1468 von Brandenburg erobert. 1471 wurden von Brandenburg neue Burghauptleute und Amtmänner eingesetzt. Löcknitz gehörte seit 1468 als Amt bis 1818 zur Region Uckermark in Brandenburg. Kurfürst Albrecht III. Achilles von Brandenburg belehnte 1479 Werner von der Schulenburg mit der erblichen Hauptmannschaft über die Burg Löcknitz, die bis 1688 im Besitz dieser Familie war.Lemcke: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirkes Stettin, S. 68–70.Förderverein Burgfried Löcknitz (Hrsg.): Ortschronik von Löcknitz (Teil I), S. 10–17. Die Familie vergrößerte seine Besitzungen und ließ 1557 neben der Burg ein Schloss errichten.

16./17. Jahrhundert Im Dreißigjährigen Krieg drangen 1627 kaiserliche Truppen in die Uckermark ein, besetzten u. a. Löcknitz und zogen gegen Zahlung von 9000 Talern durch den Herzog von Pommern wieder ab. Im Sommer 1627 besetzten kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Wallenstein erneut den Ort und 1630 schwedische Truppen; diese blieben.Förderverein Burgfried Löcknitz (Hrsg.): Ortschronik von Löcknitz (Teil I), S. 18–23. Löcknitz hatte durch Krieg und die Pest von 1637/38 von 197 Bauern nur noch 48, von 80 Kossätenstellen lediglich eine. Nach dem Westfälischen Frieden verblieb Löcknitz bei Brandenburg. mini|links|Theatrum Europaeum 1633–1738 (Matthäus Merian): „Grundtriß des Hösten Grentzhaußes Löckenitz. So die Schweden eingenommen hernachmahls aber durch Chur Brandenburg widerumb erobert worden. So geschehen dort 3. Febris A° 1676“.

mini|Beschießung von Löcknitz, 1676 Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg von 1674 bis 1679 kam es im Raum von Löcknitz 1675 erneut zu Kampfhandlungen zwischen Schweden und Brandenburg. Um weitere Einfälle der Schweden von Löcknitz aus nach Brandenburg und in die Uckermark zu verhindern, unternahm Brandenburg 1675/76 seinen sog. Pommernfeldzug. Dabei eroberte sie 1676 die Festung Löcknitz.

1672 hieß es: „Löcknitz, wo von alters her ein Städtchen, so aber jetzt ruiniert und ist hier selbst nichts zu finden, als nebst der renovierten Festung, ein Königliches Vorwerk, das Posthaus, der Krug und eine Schäferei, die Mühle und einige andere Häuser.“Eintrag im Kirchenbuch der Gemeinde Löcknitz von 1672, zitiert nach: Förderverein Burgfried Löcknitz (Hrsg.): Ortschronik von Löcknitz (Teil I), S. 22. Die Hugenotten fanden Niederlassungen auch in der Uckermark, und brachten den Tabakanbau und die Seidenraupenzucht mit.

18. Jahrhundert mini|Ort und Burg Löcknitz von 1759 Während des Großen Nordischen Krieges von 1700 bis 1721 durchzogen russische, preußische und sächsische Truppen im Kampf gegen Schweden die Uckermark. Dadurch und durch die Pest von 1710 wurde Löcknitz heimgesucht. Im Frieden von Stockholm von 1720 musste Schweden das südliche Vorpommern an Preußen abtreten. Die Löcknitzer Festung verlor deshalb an Bedeutung.Förderverein Burgfried Löcknitz (Hrsg.): Ortschronik von Löcknitz (Teil I), S. 29–30. Für 1740 sind für Löcknitz drei Postkutschenlinien bekannt.

Durch Melioration fanden im Gebiet ab 1730 Trockenlegungen statt. Der gewünschte Erfolg blieb jedoch aus, da der untere Randowbruch zwischen Löcknitz und Eggesin immer noch nicht reguliert war. Die Regulierungsarbeiten an der Randow wurden wieder eingestellt und um 1745 fortgesetzt.

Im Siebenjährigen Krieg eroberten 1757 schwedische Truppen im Oktober den Ort, verloren ihn aber im Dezember. Es gab 1760 außer der Burg, dem Schloss, den Resten der Festungsanlage und dem Amt nur noch 25 Wohnhäuser.

19. Jahrhundert mini|Ruinen des Bergfrieds und des Kellergewölbes der Burg Löcknitz von 1842

1805 wurde die Schlosskapelle wegen ihres desolaten Bauzustands abgerissen. Preußen wurde 1806 von französischen Truppen besetzt; am 28. Oktober auch Löcknitz. Einquartierung und Verpflegung der französischen Truppen und der ihrer Verbündeten mussten hingenommen werden. Zur Kostendeckung wurde 1807 die Domäne Löcknitz aufgelöst und große Teile der Ländereien parzelliert und einschließlich der Burg und des Schlosses an Privatbesitzer verkauft. Ab März 1812 musste Löcknitz erneut starke Truppenverbände der französischen Grande Armée zur Einquartierung aufnehmen. Seit April 1813 belagerten preußische und russische Truppen Stettin, die jedoch die Festung und das Umland einschließlich Löcknitz erst im Dezember 1813 endgültig zurückerobern konnten.

1818 fand in Preußen eine Verwaltungsreform statt. Löcknitz wechselte von Brandenburg nach Pommern und gehörte von 1818 bis 1939 zum Kreis Randow im Regierungsbezirk Stettin in der preußischen Provinz Pommern.

1832 war in Löcknitz ein Großbrand ausgebrochen, bei dem etwa die Hälfte des Ortes zerstört wurde. Ab 1820 wurde die Chaussee Pasewalk-Löcknitz-Stettin gebaut. Mit dem Bau der Chaussee Prenzlau-Pasewalk-Anklam-Stralsund von 1832 bis 1836 fand Löcknitz auch Anschluss an das überregionale Straßenverkehrsnetz. 1878/79 folgte die Chaussee Löcknitz-Brüssow-Prenzlau und verband den Ort mit Brandenburg und der Uckermark. 1862 war Löcknitz durch die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft an das preußische Eisenbahnnetz angeschlossen worden. 1863 wurden die Eisenbahnstrecken Angermünde-Pasewalk-Anklam-Stralsund sowie Pasewalk-Löcknitz-Stettin eröffnet.

mini|links|Schloss und Bergfried um 1851 Bis 1841 standen auch noch größere Teile der Burg Löcknitz, jedoch stellten der Bergfried sowie das Kellergewölbe faktisch nur noch Ruinen dar. Das Schloss war 1851 von der nahen Schlossbrauerei grundlegend renoviert worden. 1863/64 wurde die provisorische, baufällig Notkirche aus Fachwerk wie das alte Pfarrhaus abgerissen. 1871 konnte die neue Kirche geweiht werden.Förderverein Burgfried Löcknitz (Hrsg.): Ortschronik von Löcknitz (Teil I), S. 43–44 u. 47. Löcknitz profitierte vom wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerzeit, so dass ab 1890 entlang der Chausseestraße Wohnhäuser und Geschäfte entstanden sowie verschiedene Industriebetriebe. Eine Sparkasse gibt es seit 1881. 1893 entstand ein neues Schulhaus, das heutige Bürgerhaus (Alte Schule). Ab 1888 waren an der Randow erneut Meliorations- und Kultivierungsarbeit notwendig.

20. Jahrhundert mini|Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Löcknitz

Deutsches Kaiserreich und Erster Weltkrieg Zwischen 1910 und 1911/12 gab es in Löcknitz zahlreiche Brände und einen Wiederaufbau durch neue Wohn- und Geschäftshäuser aus Ziegelmauerwerk. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs sowie in den 1920er/1930er Jahren entstanden neue Straßenzüge und Wohnsiedlungen.

Weimarer Republik Beim Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 kam es auch in der Gegend von Löcknitz zu Auseinandersetzungen zwischen rechts-konservativen Truppenteilen und linken Arbeiterverbänden. 1921 stellte die Gemeinde eine Pflichtfeuerwehr auf. 1928 und 1935 wurden in Löcknitz die Chausseestraße neu gepflastert. 1926 und 1928 erfolgten der Bau des Wasserturmes und die Verlegung der ersten Wasserleitungen.

Unter dem Motto „Löcknitz – Stätte der Erholung: Wasser, Wald und frische Luft“ wurde der Ort 1930 anerkannter Luftkurort in Pommern. Es gab in den 1930er/1940er Jahren in Löcknitz rund 70 Hotels, Gaststätten, Kaufhäuser, Läden und Geschäfte, 35 Handwerksbetriebe sowie mit zwei Sägewerken, einer Möbelfabrik, einem Baubetrieb und die Molkerei sowie insgesamt fünf Industriebetriebe.

Zeit des Nationalsozialismus