alt=|mini|Eicher Traktor (1949) Eicher war ein Hersteller von Traktoren, Landmaschinen und Motoren. Das Unternehmen wurde 1936 von den Brüdern Josef und Albert Eicher (* 1. August 1907 in ForsternWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 259.) im oberbayerischen Forstern gegründet und erreichte vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren einen großen Marktanteil. 1984 musste das Unternehmen erstmals, am 6. März 1992 zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Danach wurde die Eicher Landmaschinen Vertriebs GmbH gegründet, die bei MFT in Cunewalde bis 2001 Schmalspurtraktoren produzieren ließ. Der Markenname „Eicher“ wurde in Europa zuletzt 2009 vom niederländischen Landmaschinenhändler Hissink & Zonen benutzt und ist in Indien bei Eicher Goodearth heute noch in Gebrauch.
Geschichte 1934–1942 Josef Eicher sen., Vater der Gründer Josef Eicher (geb. 1906) und Albert Eicher (geb. 1907) betrieb ab 1934 eine Vertretung für Opel und Daimler-Benz Kraftfahrzeuge in Forstern.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 7 Um sich die Arbeit zu erleichtern, begannen die zwei Brüder 1935 damit, einen Messerbalken, wie er früher von Pferden gezogen wurde, an einen Kraftwagen zu bauen. Diese Lösung war in der Praxis aber nicht sonderlich praktisch. Die Brüder Eicher bauten 1935 selber einen Traktor mit drei Rädern.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 8 Bei diesem war das einzelne Vorderrad aber nicht mittig, sondern in einer Spur mit dem rechten Hinterrad angeordnet. Bei Vorführungen der Maschinen auf Nachbarhöfen zeigte sich eine große Nachfrage und ein großer Bedarf nach Traktoren. In Folge baute Eicher 1936 einen ersten Dieselschlepper mit einem 14,7 kW (20 PS) starken Deutz-Dieselmotor. Der Motor war mit einem Rahmen verschweißt. In diesen wurde die Hinterachse eingeflanscht. Das Getriebe war an den Motor geflanscht und gab die Kraft über eine Gelenkwelle an die Hinterachse weiter. Der Mähantrieb ging von dort über einen offenen Kettenantrieb. Ein Jahr später, 1937, war Eicher erstmals auf der DLG-Ausstellung in München vertreten.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 11 Die Blockbauweise der Eicher-Schlepper mit Motoren von Deutz und Getrieben von Prometheus setzte sich in den folgenden Jahren durch. Es wurden immer mehr Schlepper verkauft, es konnten sogar Traktoren nach Österreich exportiert werden.
Eicher blieb weiter erfolgreich, auch da die Schlepper die Auflagen des Schell-Plans erfüllten.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 10 Ab dem 14. Oktober 1941 firmierte das Unternehmen als Gebr. Eicher Traktorenbau OHG.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 12
1942–1945 Während des Zweiten Weltkrieges baute Eicher Traktoren mit Holzgas-Motor, dies machten staatliche Auflagen nötig.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 11 Zudem baute Eicher Metallschlitten zum Transport von Flugzeugmotoren, die bei BMW in München für die Kriegsproduktion verwendet wurden.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 14
1945–1951 alt=|mini|Eicher ED 16 (1952) Nach dem Krieg wurde die Produktion der Vorkriegstraktoren wieder aufgenommen. 1948 konnte schließlich die erste Nachkriegsentwicklung vorgestellt werden, der Eicher ED 16/I. Eicher stattete den Traktor mit einem selbstentwickelten Motor, dem ED 1 aus. Der Einzylindermotor leistete 12 kW (16 PS)Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 12. Der Typ Eicher ED 16/I war weltweit der erste Traktor mit luftgekühltem Dieselmotor, der nach dem Viertaktverfahren arbeitete. Stihl stellte zeitgleich einen Traktor mit luftgekühltem Zweitakt-Dieselmotor vor Michael Bruse, Karel Vermoesen: Alle Traktoren von Eicher, Band I und Band II, 2. Auflage Willich 2002, Verlag Klaus Rabe. Die luftgekühlten Motoren mit separatem Radialgebläse für jeden Zylinder sollten später ein Erkennungszeichen für Eicher-Traktoren werden. In den folgenden Jahren wurde das Produktprogramm stark ausgebaut, mit den Modellen Eicher 30 (1949, mit Südbremse-Motor), Eicher 25/I (1950, mit wassergekühltem Deutz-Motor) und Eicher L 28 (1953, mit luftgekühltem Deutz-Motor). Der Namensbestandteil ED stand für Eicher Diesel. Auch die Produktion stieg ständig an. Während 1950 der 2000ste Eicher-Traktor gebaut wurde, wurde 1953 bereits der 20.000ste Eicher fertiggestellt.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 15
Eicher erwarb am 1. Juli 1951 die Fahrzeug- und Maschinenbau GmbH (kurz: Famag) in Dingolfing.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 17 Dadurch konnte das Unternehmen in einer viel größeren Tiefe produzieren, denn mit Famag übernahm man auch eine eigene Gießerei. Die Anhängerproduktion von Famag wurde von Eicher vorerst weitergeführt. Die Brüder Eicher wollten neben der Schlepperproduktion zudem eine eigene Produktion für Landmaschinen aufziehen. Daraus entwickelte sich auch der Werbespruch von Eicher: „Für den Bauern ein sicheres Pfand: Schlepper und Geräte aus einer Hand“. Zum speziell auf die eigenen Schlepper abgestimmten Programm gehörten Pflüge, Erntemaschinen, Lader, Grubber, Eggen und Fräsen (Eicher-Rekord-Krümler).Oldtimer Traktor, VF Verlagsgesellschaft mbH, Ausgabe Juli 2023, ISSN 1862-1716, Seite 11.
Das Eicher-Rad Als Höhepunkt dieser erfolgreichen Zeit gelang es Albert Eicher 1951 erstmals, mit einer ungewöhnlichen Aktion sowohl das Interesse des Fachpublikums als auch der breiten Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, dem Eicher-Rad. Erstmals öffentlich gezeigt wurde das Eicher-Rad im Mai 1951 auf der DLG-Ausstellung in Köln. Der Erfolg war sensationell. Das Konzept des Eicher-Rads war ein Eicher EKL 15, der aus eigener Kraft in einem Looping seine Kreise drehte.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 13
Für das Eicher-Rad werden zwei kreisförmig gebogene U-Schienen parallel aufgestellt, die die Spurführung bilden. In ihrem Inneren fährt ein Eicher-Schlepper herum, auf der Außenseite übernimmt ein mit dem Traktor verbundenes Gegenfahrwerk zwei Aufgaben: Einerseits verhindert es, dass der Schlepper im oberen Bereich des Fahrbahnringes herunterfällt, andererseits wird durch die starke Verspannung des Schleppers mit dem Gegenfahrwerk der nötige Anpressdruck erzeugt, damit die steilen Stellen links und rechts im Ring allein mit der Reibung zwischen Reifen und Fahrbahn bewältigt werden können. Am Schlepper waren einige Veränderungen erforderlich: Um zu verhindern, dass bei der Fahrt kopfüber die Batterie ausläuft, wurde auf diese verzichtet und der Motor von Hand angeworfen. Der Treibstofftank wurde unter Druck gesetzt, sodass auch bei Fahrt kopfüber der Motor mit Kraftstoff versorgt werden kann. Das Eicherrad ist erhalten und noch heute eine Attraktion auf Oldtimertreffen.
1952–1957 alt=|mini|Geräteträger Eicher Kombi 1953 erhielten Josef und Albert Eicher das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1956 wurde der kleinste Traktor der Eicher Unternehmensgeschichte vorgestellt, der EKL 11/2 mit Deutz-Motor F1 L 612 und 8 kW (11 PS). 1954 wurde mit dem 44,2 kW (60 PS) starken Eicher L 60 der bislang stärkste Eicher-Traktor vorgestellt.
1955 kam der erste eigene Mehrzylindermotor, der ED 2e, auf den Markt. Er leistete 22 kW (30 PS) und zusammen mit dem Getriebe ZF A 15 wurde er im Eicher ED 30 verbaut. 1957 kam mit dem ED 3d der erste Eicher-Dreizylindermotor auf den Markt. Er wurde zusammen mit dem Getriebe ZF A 24 als Eicher ED 50 mit 37 kW (50 PS) und mit dem ZF A 26 als 44 kW (60 PS) starker Eicher ED 60 verkauft.
Als Renk ein Getriebe anbot, das es ermöglichte, einen allradgetriebenen Traktor mit vier gleich großen Rädern zu bauen, baute Eicher die Modelle ED 22 Allrad und ED 30 Allrad.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 57 Der Wendekreis dieser Schlepper war sehr groß und dieser damit unhandlich. Da es zwischen der Vorder- und Hinterachse kein Längsdifferential gab, war er bei Straßenfahrten sehr unruhig. Zudem war der Allradantrieb permanent. Deshalb wurde der Schlepper bei Eicher auch als Spezialmaschine für den Einsatz in steilen Hanglagen oder im Wald beworben.
Bereits im Jahr 1953 wurde bei Eicher der erste Geräteträger konstruiert. Er wurde aber erst ab 1955 in Serie gefertigt und erhielt den Namen G 19 Kombi. Er wurde auf Basis des EKL 15/II mit dem Hurth G 85 gebaut. 1956 wurde die Baureihe der Geräteträger um das Modell G 13 Muli mit einem 10 kW (13 PS) Hatz-Motor erweitert.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 68
1958–1967 mini|Eicher Leopard mini|Eicher Puma Typ ES 202 mini|Eicher Tiger EM 235 mit Holzspalter mini|Eicher Königstiger EM 300 alt=|mini|Eicher Farm-Express Im Jahr 1958 überarbeitete Eicher fast die gesamte Produktpalette und brachte 1959 die komplett neue „Raubtierserie“ auf den Markt, diese startete mit den Modellen Panther, Tiger, und Königstiger 1959 und wurde 1960 um den Leopard und den Mammut ergänzt.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 88 Mit der Raubtierserie begann bei Eicher auch die Produktion von Schmalspurschleppern. 1960 wurde der Puma eingeführt.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 124
Mit dem indischen Importeur Goodearth zusammen gründete Eicher 1959 ein Gemeinschaftsunternehmen, um in Indien Eicher-Traktoren zu fertigen, daraus ging der Fahrzeughersteller Eicher Motors hervor.
1962 wurde die Raubtierserie überarbeitet und nach oben ausgebaut. Optisch auffälligste Veränderung ist, dass die Scheinwerfer direkt an der Motorhaube befestigt wurden.
Die zweite Neuerung kam mit der Allradversion EA 600 des Mammut II und 1963 folgte der Königstiger Allrad EA 400. Speziell für den Transport auf der Straße entwickelte Eicher in den kommenden Jahren einen kleinen LKW, den Farm-Express, dieser wurde erstmals 1962 auf der DLG-Ausstellung in München präsentiert. Nachfolger des Farm-Express war der transexpress. Dieser wurde ab 1966 auch für Magirus-Deutz als 70 D 6 F gebaut.Albert Mößmer: Eicher – Das Typenbuch, Seite 178
Große Aufmerksamkeit erregte 1964 ein völlig neuartiger Pflugroboter, der Agrirobot. Dieser Pflug war in der Lage, vollkommen ohne menschliche Überwachung Felder alleine umzupflügen. Die Idee war, zuerst an beiden Seiten des Feldes eine Querfurche anzubringen. Danach sollte der Agrirobot das ganze Feld automatisch und störungsfrei pflügen. Angetrieben wurde dieser automatische Pflug von dem Eicher-Motor EDK 3 mit 29,4 kW (40 PS). Gesteuert wurde das Gefährt durch Taster an beiden Enden. Diese stellten sicher, dass der Pflug immer in der Furche lief und am Rand des Ackers die Richtung wechselte. Um das Konzept nachhaltig weiterzuentwickeln, fehlten Eicher die finanziellen Mittel.Walter Sack: Eicher Traktoren und Landmaschinen, Seite 81ff
1966 wurde die Geräteträgerserie durch die neuen Modelle Unisuper mit Leistungen von 18,4 kW (25 PS), 22 kW (30 PS) und 29,4 kW (40 PS) ersetzt. Schon ab 1963 experimentierte Eicher mit einem stufenlosen hydrostatischen Fahrantrieb für Traktoren, dieser wurde 1966 im Mammut der 3000er Reihe auf den Markt gebracht. Dennoch blieb hier der Werbeeffekt bedeutender als der kommerzielle Erfolg, von allen Versionen des hydrostatisch angetriebenen Schleppers (inkl. der Nachfolgetypen 3019/3020) wurden in den nächsten fünf Jahren nicht einmal 100 Stück verkauft.
1968–1969 mini|Eicher Wotan II Im Jahr 1968 erneuerte Eicher die Standardtraktoren. Mit Hilfe des Designers Ernest Igl wurde das äußere Erscheinungsbild bei Beibehaltung der grundlegenden Technik neu gestaltet, die Benennung nach Raubtiernamen wurde beibehalten. Eine neue Vorderachse mit Einzelradfederung und gegossenem Vorderachsbock wurde eingeführt. Aus ergonomischen Gesichtspunkten und wegen der ansprechenden Form wurde eine Seitenschaltung eingebaut. Auch eine Duplokupplung wurde wieder gebaut, allerdings hatte diese ein anderes Funktionsschema als die erste.