Hallo Spencer ist eine deutsche Puppenspielserie mit Klappmaulfiguren, die von 1979 bis 2001 vom NDR produziert wurde. Insgesamt entstanden 275 Folgen (darunter eine unvollendete) und mindestens 16 Sonderausgaben, die im Ersten, den Dritten Programmen und auf dem KiKA ausgestrahlt wurden. Mitte der 1990er Jahre lief die Serie auch auf dem kommerziellen Sender Nickelodeon, später auf dem Bezahl-Fernsehsender Premiere und ab 2009 bei Arte. Zuletzt war sie im März 2011 im NDR Fernsehen zu sehen.

Handlung und Konzept Die Akteure in Hallo Spencer sind verschiedene menschliche wie anthropomorphe, durch Puppen dargestellte Figuren. Die meisten haben nicht nur einen eigenen Charakter, sondern eine feste Rolle im Gemeinschaftsgefüge. Der namensgebende Spencer ist Moderator der Sendung, der Bücherwurm Lexi ein Bibliothekar, drei Figuren bilden die Band „Quietschbeus“. Andere, wie der Drache Poldi, haben allerdings keine weitere Aufgabe. Die meisten der Hauptfiguren leben gemeinsam in einem kreisförmig angelegten Ort namens Spencerdorf. In einem Großteil der Folgen wird eine Geschichte aus dem Dorf erzählt. Diese zeichnen sich durch Humor, aber auch durch für Kinderserien typische pädagogische Inhalte aus (wie z. B. in Folge 3 Mal oben, mal unten). Immer wiederkehrende Elemente sind die Lieder der Quietschbeus, Poldis Fresssucht („Ich will dir fressen!“), Lexis Besserwisserei, Nepomuks Griesgrämigkeit, Kasimirs selbstlose Gutmütigkeit und andere Eigenschaften der Dorfbewohner. Die Hauptfiguren stellen Identifikationsangebote für Zuschauer unterschiedlichen Alters dar.

Es gibt auch einige andere „Typen“ von Folgen. In einigen Folgen werden Geschichten von Max und Molly erzählt. In anderen Folgen erzählt/zeigt Spencer im Studio Filme bzw. Geschichten (Folgen 63, 64, 95 bis 97 und 109 bis 114). Eine Reihe von Folgen spielen außerdem in der Stadt, in welcher Spencer wohnt. Teilweise erzählt Spencer auch hier selbst Geschichten. Spätere Folgen spielen in der Jungdrachenschule, die Poldi besucht.

Ab der 1995er Staffel bzw. Folge 238 (Die Überraschung) verabschiedete sich Hallo Spencer endgültig vom Prinzip der klassischen Runddorffolgen. Die Folgen 238 bis 249 sind sogenannte Magazinfolgen. Die Folgen 250 bis 275 spielen in der Puppenwerkstatt bzw. im Plastikstudio und bestehen neben der Rahmengeschichte aus zahlreichen Einspielfilmen.

Die einzelnen Folgen hängen mit ein paar Ausnahmen inhaltlich nicht zusammen, die Figuren werden also nicht älter, und Ereignisse in einzelnen Episoden bringen meistens keine dauerhafte Veränderung der Umgebung mit sich.

Allerdings machen sich bei einigen Charakteren deutliche Wandlungen im Laufe der Produktionsjahre bemerkbar: Poldi – Der Jungdrache wirkt in den ersten Folgen häufig unreif und relativ aggressiv; er wird daher von den meisten Dorfbewohnern in aller Regel gemieden. Später ist er freundlicher und verantwortungsbewusster. In einer Folge lernt er, dass es „Ich will dich fressen“, statt „Ich will dir fressen“, heißt, benutzt aber weiter die falsche Form, damit er verbessert wird und so ins Gespräch kommt. Kasimir – Sein Charakter veränderte sich mit einem Puppenspielerwechsel; in den späteren Folgen, in denen ihm Martin Leßmann seine Stimme lieh, lässt er sich weniger gefallen, wird selbstbewusster und stellt andererseits seine Moralvorstellungen offensiver heraus. Lexi – Er verliebt sich in Folge 53 (Lexis große Liebe) in Lisa; eines der wenigen Vorkommnisse, die deutlichen Einfluss über eine einzelne Folge hinaus besitzen. Karl-Heinz – Er bekam mit der Spielerin Maria Happel einen ausgeprägten hessischen Dialekt, den ihre Nachfolgerin Karime Vakilzadeh weiterentwickelte und das Auftreten des Bandleaders entsprechend verändert hat. Lulu – In der ersten Staffel ist sie sehr naiv, weiß zum Beispiel nicht einmal, dass Eiszapfen im warmen Zimmer schmelzen. Ab Folge 8 (Zu früh – zu spät) wird sie allmählich reifer und erwachsener.

Hintergrund Die Serie wurde 1978 von den NDR-Redakteuren Angelika Paetow und Winfried Debertin erdacht. Debertin hat dazu die Figuren entwickelt und in seiner Werkstatt gebaut. Die Regie der ersten Folgen führten Peter Podehl und Armin Maiwald, der auch Spencers Begrüßungsspruch: „Hallo, Leute, von A bis Z, von 1 bis 100, von Norden bis Süden, von Osten bis Westen, da bin ich wieder, euer lieber, guter, alter Spencer!“ entwickelte. Maiwald zog sich nach Fertigstellung der zweiten Staffel von der Produktion zurück. Die Regie blieb hauptsächlich in den Händen von Peter Podehl, der auch den Großteil der Drehbücher (etwa 200) schrieb. In einigen Folgen führte außerdem Christoph Busse Regie.

Das Dorf ist ringförmig angelegt, mit folgender Ordnung (im Uhrzeigersinn): Spencers Studio – Lexis Pilz – Schloss Nepomukhausen – Kasimirs Kastanie – Poldis Krater (bzw. Kraterlandschaft) – Das Hausboot der Zwillinge – Kreuzung mit Wegweiser – Eisenbahnwagen von Elvis und Lulu – Showdeko/Studio der Quietschbeus.

Wegen des Todes von Kasimir-Puppenspieler Herbert Langemann blieb die Folge Kasi braucht Hilfe (Folge 87) unvollendet und wurde nicht gesendet.

Am 7. September 2001 wurde die bisher letzte Folge (275. Poldi und Mucki) auf KiKA ausgestrahlt.

Zum 25. Jubiläum 2004 wurden die Originalkulissen in den Heide-Park Soltau verlegt. Dort wurden durch Audio-Animatronics in der Spencer-Show neue Geschichten rund um das Runddorf aufgeführt. Nach der Vorführung fuhren die Figuren in ihre Ausgangspositionen zurück, bis zu drei Shows pro Stunde waren möglich. Rund 2,5 Millionen Euro kostete die Entwicklung und der Aufbau der Attraktion. Ursprünglich sollten dort auch neue Folgen aufgezeichnet werden, dies konnte jedoch nicht realisiert werden. Mit Ablauf der Lizenz wurde die Show eingestellt und in dem Gebäude zum Saisonstart 2017 eine andere Show eröffnet (Ghostbusters 5D). Die mechanischen Audio-Animatronic-Nachbildungen der Originalfiguren wurden genau wie die originalen Kulissen danach mehrere Jahre in der ehemaligen Diskothek MicMac in Moisburg im Landkreis Harburg gelagert, wo sie infolge mehrerer Einbrüche zwischen 2021 und 2022 entwendet wurden.

Vorspann Das Intro der Serie ist eine kreative Kollage, präsentiert von einer roten und einer blauen Knetgummifigur, den sogenannten „Plonsters“, die in der Serie ansonsten weder auftreten noch genannt werden. In den verschiedenen Bildkollagen werden auch fast alle Hauptakteure der Serie abgebildet. Die Szene wurde mit Stop-Motion-Technik abgedreht.

Musikalisch begleitet wird die Introduktion von jazziger Musik im Shufflerhythmus, gespielt von einem Jazzorchester. Nach den Tutti-Bläsern, Klavier, Akkordeon, Schlagzeug und Bass fällt die markante Posaunenmelodie besonders auf, welche mit bestimmten Techniken, wie Growls, Shakes und Glissandi, aber auch dem aufgesetzten Dämpfer einen besonders rauen und schrillen Klang bekommt.

Ab Folge 75 wird ein neuer Vor- und Abspann verwendet, allerdings noch immer mit den bekannten Knetfiguren. Es war eine Anregung von Peter Podehl, dass im Abspann nun auch die Mitwirkenden genannt werden.

Die Serie im Ausland Die Auslandsrechte an Hallo Spencer wurden 1989 von NDR International an Haim Saban verkauft. Die Serie läuft seitdem u. a. in den USA, in der Volksrepublik China, in Spanien, Portugal, Singapur, Malaysia, Australien, Neuseeland, Griechenland, Belarus, im Vereinigten Königreich, Dänemark, Norwegen, Schweden und den Niederlanden.

Die US-amerikanische Fassung unter dem Titel The Hallo Spencer Show wurde stark bearbeitet. Die Folgen sind rund 7 Minuten kürzer und enthalten am Ende ein Lied, in dem die Handlung der Folge nochmal in einem Sprechgesang zusammengefasst wird. Damit die US-amerikanischen Zuschauer sich nicht über das Schild Hallo Spencer im Studio wundern, bekam Spencer den Vornamen Hallo. Auch einige andere Namen wurden geändert. So wurde Elvis in „Elmar“, Nepomuk in „Grumpowsky“ (Kurzform „Grumpy“) und die Quietschbeus in „The Screech Boys“ umbenannt. Spencerdorf wurde zu Spencerville. Da es schon ein Spencerville in Ohio gibt, wurde die Handlung dorthin verlegt.

Für die Ausstrahlung auf Arte wurden 26 Episoden erstmals französisch synchronisiert. Die 2009 erstausgestrahlte französische Fassung nennt sich Salut Spencer und alle Namen der Dorfbewohner wurden weitestgehend im Original gehalten. Nur Nepomuk erhielt eine andere Anrede, nämlich „Monsieur de la Grande“.

Figuren Dorfbewohner Spencer Spencer ist Protagonist und Moderator seiner eigenen Sendung. Zusätzlich ist er Bürgermeister des Spencerdorfes. Scheint er zu Beginn der Serie noch außerhalb des Dorfes zu wohnen (Folge 8: Er kommt erst nach Elvis von „zu Hause“ ins Studio; Folge 12: Spencer berichtet von seinen Nachbarn – alles Hinweise darauf, dass er zur Arbeit pendelt), ist er während der 1988/89er Staffel (Folgen 115–128) vorübergehend obdachlos (Folge 115: Man sieht Spencer im Studio schlafen, Folge 127: Spencer putzt sich ebenda die Zähne). Seit den Folgen aus der Hallerstraße wohnt Spencer anscheinend wieder in der Stadt, ab Folge 130 (Die Sommerparty) zeigt er sich auch in seinem dortigen Wohnzimmer.

Spencer überwacht das Runddorf mit seinem Monitor. Wichtige Attribute sind sein blauer Sessel, die Rohrpost, das Visophon, mit dem er einzelne Dorfbewohner oder auch alle zusammen als Konferenzschaltung kontaktieren kann und sein braun kariertes Sakko samt passender Schiebermütze. Er ist der einzige Charakter, der in jeder Folge die Vierte Wand durchbricht und direkt zu den Zuschauern spricht, die übrigen Figuren wenden sich nur sehr selten dem Publikum zu (Ausnahme ist Elvis, der die Zuschauer häufig vom Studio aus begrüßt und/oder verabschiedet). Eine besondere Fertigkeit, die ihn in der Serie unabdingbar macht, ist sein Fingerschnipp, mit dem er in der Lage ist, zu jedem beliebigen Schauplatz im Dorf zu schalten. Als er etwa krankheitsbedingt durch Elvis vertreten werden muss, erreicht dieser einen Szenewechsel nur, indem er auf den Schreibtisch haut und dabei „Fingerschnipp“ ruft. Ein anderes Mal spielt er gar eine Videoaufzeichnung von Spencers Fingerschnipp ab.

Spencer hat (wie Nepomuk, Poldi und die frühe Lulu) Arme, in denen die Arme eines weiteren Puppenspielers stecken, und somit bewegliche Hände und Finger und nicht solche, die mit einem angebrachten Stab geführt werden wie bei den meisten anderen Puppen. Sprecher: Joachim Hall; Hände: Jürgen Meuter († 2024)

Elvis Seit der zweiten Staffel (Folge 6: Viele Wünsche) als Spencers Assistent tätig, wird Elvis oft zu Botendiensten, Meinungsumfragen oder um Fehler zu korrigieren oder durchzuführen, vorgeschickt. Mit seinem Karteikasten nimmt er nebenbei die Funktion des Einwohnermeldeamtes wahr. Elvis ist bisweilen simpel, versteht Zusammenhänge oft langsam bis gar nicht, weshalb er zu Jähzorn und auch Eifersucht neigt. In Folgen, in denen Märchen, Sagen oder Opern nachgestellt werden, wird ihm daher häufig die Rolle des Nebenbuhlers oder sogar des bösen Charakters zugeteilt. Seit der ersten Max-und-Molly-Staffel (Folgen 60–64) ist Elvis als leidenschaftlicher Videothekar bekannt, auf seine große Sammlung wird auch in späteren Folgen zurückgegriffen.

Elvis wohnt in der ersten Staffel mit seiner Freundin Lulu und deren Schwester Peggy in einer Drei-Zimmer-Wohnung in einer wohl nahegelegenen Stadt, danach mit Lulu in einem stillgelegten Eisenbahnwagen, dem Traumexpress. Elvis’ Hobby ist die Pflege und Hege von Kakteen. Sprecher: Wilhelm Helmrich (Folgen 1 bis 187; 1979–1991), Matthias Hirth (Folgen 188 bis 249; 1992–1995)

Lulu Lulu wohnt mit Elvis im Eisenbahnwagen Traumexpress. Sie hat einen Erfindergeist, ist modebewusst und hat schon eine eigene Kollektion entworfen.