Anholt (plattdeutsch Aanoldt) ist ein Stadtteil von Isselburg im nordrhein-westfälischen Kreis Borken. Von 1347 bis zu seiner Eingemeindung 1975 besaß Anholt das Stadtrecht. Das Gebiet Anholts war vom Mittelalter bis 1806 zugleich das Territorium der Herrschaft Anholt im Heiligen Römischen Reich. Durch den Reichsdeputationshauptschluss des Jahres 1803 bildete es den territorialen Anknüpfungspunkt zur Entstehung des westfälischen Fürstentums Salm.

Anholt liegt auf einer Höhe von über NN unmittelbar an der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden Zum Ort gehören die Bauerschaften Dwarsefeld, Regniet, Hahnerfeld und Breels. In Anholt leben derzeit 4.107 Menschen (Stand 31. Dezember 2012).

Im Jahre 2019 feierte Anholt seinen 850. „Geburtstag“ (den 850. Jahrestag der Ersterwähnung im Jahre 1169).

Geschichte mini|Lage der Herrschaft Anholt 1789 mini|Rathaus am Anholter Markt mini|Parkweg auf dem ehemaligen Stadtwall Der Anfang bzw. das Entstehen von Anholt liegen im Dunkeln. 1169 wurde ein Herr von Sulen (Zuilen) und Anholt als Gefolgsmann des Utrechter Bischofs Godefried von Rhenen genannt, und unter Bischof Balduin (1178–1196) ist im Lehnsregister des Bistums ein „here van Anholt“ aufgeführt. Die Edelherren von Zuylen (Zuilen, Sulen) gelten daher als die Erbauer der Anholter Burg. 1234 trat der erste namentliche „Herr van Anehalte“, Stephan I. von Zuylen, auf.

mini|Wappen Herrschaft Anholt Die Burg Anholt und die Ansiedlung waren zu einer reichsunmittelbaren Herrschaft geworden, mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches als ihren Lehnsherrn. Das Lehensverhältnis zu Utrecht scheint Anfang des 14. Jahrhunderts als nicht mehr existent, so erhielt Anholt am 25. Mai 1347 durch Stephan IV. von Zuylen stadtähnliche Privilegien, die unter Dietrich II. von Zuylen am 1. Mai 1349 zum Stadtrecht erweitert wurden. In größeren Territorien verliehen die Landesherren Städten von in etwa vergleichbarer Größe wie Anholt lediglich den Status von Minderstädten, so zum Beispiel der Bischof von Münster an Werne und Schöppingen. In Kleinstterritorien hingegen, in denen die Landesherren nicht zwischen bedeutenderen und weniger bedeutenden Städten zu unterscheiden hatten, erhielten auch kleine Städte das volle Stadtrecht, so Anholt durch die Herren von Zuylen oder Burgsteinfurt durch die Edelherren von Steinfurt. Anholt wurde durch die Stadtgründung zugleich Grenz- und Residenzstadt.

Die Grenzlage Anholts zwischen dem Hochstift Münster im Osten, dem Herzogtum Kleve im Süden und dem Herzogtum Geldern im Norden und Westen gab Anlass zu immer neuen Streitigkeiten und wechselnden Abhängigkeiten. Noch 1353 bestätigte Dietrich II., dem Erzbischof von Köln, dass Burg und Stadt Anholt für das Erzbistum ein Offenhaus sei.Theodor Joseph Lacomblet (Hrsg.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Teil 3: 1301–1400. Wolf, Düsseldorf 1853, Urkunde Nr. 517, S. 421.

Die Stadt Anholt wurde stark befestigt. Drei Stadttore, die Außen- und Binnengräben sowie Stadtmauer und Wall schützen die Stadt in schweren Zeiten. Verursacht durch den nicht eindeutigen Ursprung seiner Lehensherkunft, hatten die Herren von Anholt mit den Territorial-Ansprüchen seiner westlichen Nachbarn zu kämpfen.

Durch das politische Geschick der Herren von Anholt konnte sie sich gegen Ansprüche wehren und ihre Reichsunmittelbarkeit bis 1806 (Reichsdeputationshauptschluss) behaupten.

Das Gebiet der Herrschaft Anholt scheint von alters her unverändert durch folgende Punkte begrenzt worden zu sein: Im Nordosten „Dreibäumer“ (drei Schlagbäume: Hochstift Münster, Grafschaft Zutphen und Grafschaft Anholt), im Osten die Issel, im Süden die Clevische Landwehr, im Westen wiederum bis zur Einmündung in die Issel, die „Wildtsche Brücke“ vor Gendringen und von hier aus zum Norden bis zur Bocholter Aa.

Anholt gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Durch Heirat kam Anholt 1641 an die Fürsten Salm, die es nach dem Verlust ihrer linksrheinischen Gebiete zur Residenz ihrer münsterländischen Entschädigungslande machten (Fürstentum Salm). Das Fürstentum wurde 1810 von Frankreich annektiert. 1815 nach dem Wiener Kongress fiel es an Preußen (Provinz Westfalen).

Chronologie der Herren von Anholt und geschichtliche Fakten Haus Zuylen-Anholt, auch Zuilen-Anholt oder Sulen-Anholt (unvollständig)

1169 erste Erwähnung der Herren von Anholt im Lehnsregister des Bistums Utrecht Stephan I. (1234–1249), vermutlich Gründung der Eigenkirche des Geschlechts Zuylen-Anholt (frühes 12. Jahrhundert) Stephan II. (1260–1299) Johann I. (1281–1303), die Ansiedlung Anholt wird mit Wall und Plankenzaun befestigt Stephan IV. († 1347), Erwähnung einer Altarstelle in Bredenasle, wird als „Moderkerk“ (Mutterkirche) bezeichnet Dietrich II. (* um 1310; † 1364) verleiht Stadtrecht, die Stadt Anholt erhält 1349 eine Stadtmauer mit drei Stadttoren Stephan VI. (1364–1373) Friedrich (1371–1380) Herberga (1372–1402), Schwester Friedrichs

Haus Gemen-Anholt Hermann III. von Gemen (1370–1399) ⚭ Herberga von Zuylen Margaretha von Gemen (1388–1405)

Haus Bronckhorst-Batenburg

Gisbert I. (1402–1429) ⚭ Margaretha von Gemen Dietrich I. (1429–1451), alle pfarrherrlichen Rechte gehen von der „Moderkerk“ auf die Eigenkirche innerhalb Anholts über. Gisbert II. (1451–1473) gründet die St.-Antonius-Gilde Jacob I. (1473–1512) Erwähnung einer Schützenbruderschaft

Besetzung durch Karl von Egmond, Herzog von Geldern (1512–1537) 1498 Die Befestigungsanlagen werden durch Wall und Außengraben verstärkt 1501 Jacob lässt die alte „Moderkerk“ vor den Toren der Stadt abtragen. 1521 Bau der Bockwindmühle 1534 Anholt zählt 80 Feuerstellen Dietrich II. (1537–1549) Dietrich III. (1549–1575) 1550 Anholt zählt 150 Feuerstellen, mit Unterbringung des Anholter Fähnleins (Landsknechte des Herrn von Anholt) 1555 erlässt Dietrich eine Schulordnung für die Herrschaft Anholt, Erwähnung eines Klerken (Knabenchores) 1559 Anholt (kirchlich) wird durch eine Bulle des Papstes Pius IV. Teil des neuerrichteten Bistums Deventer; dieses endete 1597 zu Gunsten des Bischofs von Münster. 1567 ein neues Rathaus wird erbaut, anstelle des alten Rathauses des 14. Jahrhunderts. Jacob II. (1575–1582) Gertrud von Mylendonk (1582–1612), Witwe Jacobs II. Dietrich IV. (1612–1649) Grafen von Bronckhorst-Batenburg, „Grafen von Anholt“, Reichsgrafenwürde verliehen 1621 durch Ferdinand II. an Dietrich IV. und an seinen jüngeren Bruder Johann Jakob von Bronckhorst-Batenburg, Mitglied im westfälischen Reichsgrafenkollegium 1638 Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz belagert Schloss und Stadt

Fürsten zu Salm Leopold Philipp Carl (1619–1663) ⚭ Maria Anna Gräfin von Bronkhorst-Batenburg, Tochter Dietrichs, 1641 dritte Fürstin zu Salm Erstellung des Mühlenkanals Carl Theodor Otto (1663–1710) Erzieher Kaiser Josephs I. in Wien 1702 Pest in Anholt Pfarrer Gottfried Theodor Ebereich erreicht durch Vermittlung des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, dass sich Jesuiten in Anholt niederlassen. Sie sollen den katholischen Geist im Gebiet um Anholt neu beleben (Rekatholisierung).

Ludwig Otto (1710–1738) 1711 Überfall und Plünderung der Stadt und des Schlosses durch die französische Rheinarmee im Rahmen des Spanischen Erbfolgekriegs, 1721 Vollendung des Umbaues der alten Burg in eine barocke Residenz Nicolaus Leopold (1738–1770) Seit 1743 Fürsten zu Salm-Salm 1747 Bau der neuen Windmühle 1760 Aufschüttung des Mühlberges in Nickelsdorp Ludwig Carl Otto (1770–1778) Constantin (1778–1828) Eroberung Hollands durch die Franzosen, viele Protestanten aus Holland fliehen nach Anholt Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich und Souveränität durch Unterzeichnung der Rheinbundakte (1806) Fürstentum Salm; Verlust der Souveränität durch französische Annexion (1810/1811), Standesherr im Königreich Preußen (ab 1815) 1793 Pater Emilius Schollmeyer gründet eine Erziehungsanstalt für Jungen und Mädchen im Batenburg’schen Haus Von 1811 bis 1814 war Anholt durch die französische Annexion „Mairie d’Anholt“. 1813 durch das Verbot in Kirchen zu bestatten wurden die Särge und Grabtafeln von der Pfarrkirche in die 1670 erbaute Kapelle in der Regniet überführt. Seit dieser Zeit dient die Gruftkapelle als fürstliche Erbbegräbnisstätte. 1795 Anholter Soziität Wilhelm Florentin (1828–1846) 1829 Gründung einer Singschule und eines Gesangsvereins unter Organist Heitmann 1837 Gründung der Handwerksschule 1840 Gründung des Bürger-Schützenvereins Anholt 1844 Gründung eines Pfeifen und Trommlercorps 1851 Grundsteinlegung der neuen St. Pankratius-Kirche (Anholter Dom), 12. Mai 1862 Einweihung durch den Bischof von Münster, 1869 Vollendung der beiden 57 m hohen Kirchtürme. 1857 Gründung der Rektoratsschule in kirchlicher Trägerschaft, 1939 Auflösung durch das nationalsozialistische Regime 1862 Die alte Stadtkirche wird abgetragen. Alfred I. (1846–1886) 1850 Gründung des Augusta Hospitales durch Gattin Fürstin Augusta, 1852 Berufung der Clemensschwestern aus Münster 1858 Patronat und Mitbegründer des Anholter Kirchenchores Leopold (1886–1908) Gründete den Leopoldpark und ließ ein Chalet im Schweizer Stil errichten, heute bekannt als Anholter Schweiz Alfred II. (1908–1923) 1918 Gründung eines Verkehrsvereins, da der Fremdenverkehr zunahm. Nikolaus Leopold Heinrich zu Salm-Salm (1923–1988) Die Stadt wird 1945 durch Brandbomben zu 75 Prozent zerstört, Gründonnerstag 1945 wurden die beiden 57 m hohen Kirchtürme durch die deutsche Wehrmacht gesprengt. Baut die alte Wasserburg nach den Zerstörungen 1945 wieder auf, 1966 Eröffnung des Museums Wasserburg Anholt 1947 traf sich auf Einladung Nikolaus Leopold Fürst zu Salm-Salm der „Anholter Kreis“ mit Namhaften Architekten die die zerstörten westfälischen Städte wie Coesfeld, Rheine, Anholt und Bocholt neu planten und Wiederaufbauten. 1947 Gründung des Anholter Heimatvereins 1949 Gründung des Grenzlandtambourcorps mit Fanfarenzug 1949 Grenzlandkundgebung „Recht auf Heimat“ am 8. Mai 1949 in Anholt (erste größere Veranstaltung an der deutsch-niederländischen Grenze nach 1945) 1964 Neubau des Augusta-Hospitales am Kockenkamp 1972 Gründung des Golfclubs Wasserburg Anholt (18-Loch-Anlage) 1973 M 73 Anholt Jugendorganisation (landesweit Vorbildliche Jugendarbeit) 1974 Gründung des Anholter Bläserkreises 1975 Verlust der politischen Eigenständigkeit durch (Zwangs-)Eingemeindung in die neue Stadt Isselburg Carl Philipp (1988–2024) leitet weitere Renovierungen ein, Wiederherstellung der alten Gärten. 1994 Vertrag von Anholt, der deutsche Bundeskanzler und der niederländische Premierminister sowie die Ministerpräsidenten von NRW und Niedersachsen bekunden die Aufwertung der Grenzgebiete in ihren Ländern. 32. Emanuel Prinz zu Salm-Salm (seit 2024)

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