Die Johanniskirche ist ein denkmalgeschütztes, evangelisch-lutherisches Kirchengebäude in Witten, im Ennepe-Ruhr-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Es gilt als ältestes Gebäude der Stadt. Die Kirchengemeinde gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten, der Teil der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) ist.

Lage Das Kirchengebäude prägt das Stadtbild im Zentrum, direkt neben Rathaus und Markt. Es steht auf einer ummauerten Terrasse oberhalb des Marktplatzes und trägt die Adresse Hauptstraße 4a. Das zugehörige Gemeindehaus befindet sich in der Bonhoefferstraße 10, 58452 Witten.

Geschichte Die Johanniskirche gehört zu der 1214 erstmals beurkundeten Pfarrei, die Johannes dem Täufer und Dionysius von Paris geweiht war. Die Urkunde nennt einen Geistlichen namens „Antonius, decanus in Wittene“ (Antonius, Dechant (=Dekan) in Witten). Das belegt die Existenz eines Konvent der Pfarrerschaft des Bezirks Wattenscheid im Ort Witten. Funde bei Grabungsarbeiten im Umfeld der Kirche im 19. und 20. Jahrhundert beweisen darüber hinaus, dass an ihrer Stelle bereits im 9. oder 10. Jahrhundert ein Kirchenbau – vermutlich eine kleine Kapelle – gestanden haben muss. – Ein Dokument der Stadtgeschichte aus dem 1518 erwähnt die hillige „Kercke St. Johannis“.

Mit Einzug der Reformation in Witten wurde die Johanniskirche im Jahr 1582 ein evangelisches Gotteshaus. – Die erste Orgel für die Kirche hat Johann Georg Alberti 1696 gebaut und auf der Empore in der Kirche installiert. Die Orgelgeschichte der Wittener Johanniskirche in den folgenden 300 Jahren ist stark von den historischen Umbrüchen der Stadt geprägt. Diese lassen sich in drei wesentliche Epochen unterteilen: 1696 erste Orgel, im Zusammenhang mit dem Neuaufbau des Kirchenschiffes und den großen baulichen Erweiterungen im 18. Jahrhundert wurde die alte Barockorgel den neuen akustischen und räumlichen Gegebenheiten der vergrößerten Kirche angepasst. Später musste sie durch ein dem Zeitgeist entsprechendes, romantisch disponiertes Instrument ersetzt werden.

Im Jahre 1715 führte ein Blitzeinschlag in den Kirchturm zu dessen Beschädigung. Ein „Meister Schlingensieb“ besserte die Spitze dann für 120 Taler aus und gab ihr das barocke Aussehen.

Nach mehreren Jahrhunderten Nutzung war die Kirche 1751 so baufällig, dass sie erneuert werden musste. Nachdem der König eine Kollekte im weiten Umkreis genehmigt hatte, kam in kurzer Zeit ein Betrag von 2350 Talern zusammen. Im Jahr 1752 begann der Neubau nach Plänen und unter Leitung von „Meister Johann Heinrich Gerling“. Aus Bruchsteinen und aus den Abrissmaterialien des alten Gotteshauses entstand eine neue Saalkirche im Barock-Stil, der alte romanische Turm diente als stabiler Kern. In der Glockenstube befanden sich die ersten Kirchenglocken, die im Jahr 1501 gegossen worden waren und nun weiter genutzt werden konnten.

Ab 1754 erhielt der Kirchenraum hölzerne Bänke, die zu großen Teilen aus Materialspenden der Kirchenmitglieder hergestellt werden konnten; so wurden einige Bänke direkt zu Privateigentum. Zwischen Mitte der 1850er Jahre und den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts egab es umfangreiche Umbauten und Erneuerungen, darunter eine Verlängerung des Kirchenschiffes um 31 ½ Fuß (wodurch weitere 460 Sitzplätze hinzukamen), der Fußboden des Chorraumes erhielt Marmorplatten. Die Kanzel bekam einen neuen Platz über dem Altar, und darüber wurde die Orgel platziert. – Die Kosten des An- und Ausbaues lagen bei 21.324 Mark. Später wurde eine Gasbeleuchtung eingebaut und das Innengewölbe mit einer Holzdecke verkleidet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte eine gründliche Renovierung bzw. Teilerneuerung: Gestühl und Fußboden wurden erneuert, wodurch die Zugänge zu den Grüften abgedeckt wurden. Altar und Orgel konnten sorgfältig aufgefrischt werden. Und die Orgel wurde in den westlichen Bereich, zum Turm hin, umgesetzt. Schließlich wurden drei Chorfenster mit neuer Glasmalerei eingesetzt, die ein Gemeindemitglied gestiftet hat. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 30.350 Mark, davon entfielen 7295 Mark auf die Orgel.

mini |links |hochkant |Johanniskirche, Ansicht von 1894

Im Ersten Weltkrieg führte die verordnete Metallspende des deutschen Volkes zur Ablieferung der drei größten Bronze-Glocken. – Im Zweiten Weltkrieg, beim schweren britischen Großluftangriff am 19. März 1945 auf das Wittener Stadtzentrum wurde die Johanniskirche bis auf die massiven barocken Außenmauern komplett zerstört, unbeschädigt blieb lediglich der romanische Turmstumpf samt der dort vorhandenen Glocke. Auch das gesamte historische Orgelwerk verbrannte restlos. Einige Jahre ruhte die Ruine, da die Schaffung und Wiederherstellung von Wohnraum und städtischer Infrastruktur in Witten Vorrang hatten. mini|Zentrum von Witten 1945 nach Bomberangriff; Johanniskirche in der Mitte Erst 1951 begann die Gemeinde mit Aufräumarbeiten im Inneren der Kirchenruine und feierte am 7. Oktober des gleichen Jahres einen gut besuchten Gottesdienst. Danach begann unter Leitung des Wittener Architekten Paul Kestner ein schrittweiser Wiederaufbau, und neue Ausstattungen mussten angeschafft werden. 1952 konnte eine Wiedereinweihung des Gotteshauses gefeiert werden. Bei Bauarbeiten im Turm wurde eine ältere Glocke namens „Sancta Maria“ entdeckt, die das Gussjahr 1485 trägt. Sie ist heute als Dauer-Leihgabe im Johanniszentrum ausgestellt. Die Gemeinde konnte 1952/1953 drei neue Glocken gießen lassen und feierlich weihen.

Das (aktuelle) Leitbild der Gemeinde lautet: „Johannis: beschenkt. bewegend. bunt.“

Architektur Außen Überblick mini|hochkant|Kirchturm (rechts) und Rathausturm (links) Das Gebäude ist eine Saalkirche mit dreiseitigem Chorschluss und einem Westturm. Die Grundfläche beträgt 100 Fuß lang (=31,39 Meter) und 44 Fuß breit (=13,81 Meter). Das Kirchenschiff, im Jahr 1856 um zwei Achsen nach Osten verlängert, ist mit einem Satteldach gedeckt, das nach den Kriegszerstörungen erneuert wurde. Es zieht sich geradlinig über den rechteckigen Saalbau hinweg und schließt im Osten an den dreiseitigen Chorschluss der Kirche an. Beiderseits sind je vier Gauben in das Dach eingelassen. Der einfache Bruchsteinbau ist durch Rundbogenfenster und Portale gegliedert. – Am Hauptportal findet sich die Jahreszahl „1752“ in römischen Ziffernfolgen: links neben dem Schlussstein "MDC", rechts daneben "CLII".

Kirchturm Die Grundfläche des Turmes beträgt 18 Fuß lang (=5,65 Meter), 14 ³/4 Fuß breit (=4,63 Meter); er war bei seiner Fertigstellung in den 1750er Jahren rund 112 Fuß hoch (=35,15 Meter). Die jetzige Turmhaube ist nach historischem Vorbild als geschweifte Barockhaube ausgeführt und wurde im Jahr 1953 aufgesetzt. Auf der Haube ist eine offene Laterne aufgesetzt, die von einer weiteren kleineren Haube abgeschlossen wird, auf der sich der Turmknauf, eine Wetterfahne und das Kreuz befinden.

Der Kirchturm beherbergt die Glockenstube sowie eine Kirchturmuhr, deren runde Zifferblätter aus allen vier Himmelsrichtungen weithin sichtbar sind. Das gegliederte Turmdach ist mit Kupferplatten gedeckt.

Glocken Im Turm der Johanneskirche hängen die folgenden vier Glocken (Stand September 2026): + Glockenplan Nr. und Name Schlagton Gewicht in kg Gussjahr Gießerei Weitere InformationenI. Ton cis' 1.800 1953 Glockengießerei Rincker in Sinn Inschrift auf dem Glockenmantel: „Sei getreu bis in den Tod so will ich dir die Krone des Lebens geben. Offg. 2, 10.“ II. Ton e' 1.035 1952 Glockengießerei Rincker in Sinn Inschrift: „Kommet her zu mir alle die ihr Mühselig und Beladen seid, ich will euch erquicken. Matth. 11,28.“ III. Ton fis' 715 1952 Glockengießerei Rincker in Sinn Inschrift: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn. Psalm 113.“ IV. Maria Ton a' 350 1501 Jorgen van Iserlohn Inschrift: „sandta katerina byn yeh genannt, wa yeh rope, so komet to hat gewet goet lof ere und dank. hermann lutter wylhelm von witten 1501.“

Innen Der schlichte Innenraum erhielt im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau eine flachbogige Decke.

Apsis Die Johanniskirche besitzt einen dreiseitigen Chorschluss, der architektonisch eher eckig beziehungsweise polygonal geformt ist. Der Chorschluss läuft in drei sichtbare beziehungsweise wandartige Segmente zusammen. Hier wurden bei der großen, gründlichen Kirchenrenovierung im Jahr 1903 eingesetzt, deren Anfertigung erfolgte auf Grund einer Stiftung durch eine lokale Wohltäterin. Die Farbfenster waren mit prächtigen Glasmalereien versehen, allerdings sind die genauen kleinteiligen Szenen nicht ausreichend dokumentiert, da die Fenster bei der Explosion und dem anschließenden Einsturz des Gewölbes im Jahr 1945 vollständig zerschmettert und vernichtet wurden. – Die neuen Fenster von Egon Stolterfoth mit biblischen Motiven im modernen Stil zeigen den Sündenfall (das Tauffenster), die Auferstehung (der Sieg des Lebens) und das Abendmahl (das Abendmahlsfenster). Die Berliner Bauhütte Kirchlicher Künste fertigte die Fenster. Jedes Fenster hatte einen Stifter: Das linke (nordöstliche) Fenster wurde vom Evangelischem Presseverband gestiftet, das mittlere vom Kultusministerium NRW, und das rechte (südöstliche) vom Einzelhandelsverband sowie der Kreishandwerkerschaft Witten.

Fenster Die Fenster im Kirchenraum sind Rundbogen in verschiedenen Höhen und Breiten, auf der Nord- und auf der Südseite insgesamt je fünf Stück. Auch diese Fentser gingen am Ende des Zweiten Weltkriegs zu Bruch, die neuen Fenster sind schlichter verglast, was den lichten, reformatorischen Charakter des protestantischen Saales unterstreicht.

Ausstattung Altarraum Altar, Taufe Der Altar schon einmal im Jahr 1903 erneuert, ist durch die Bombardierung verloren gegangen. So ließ die Kirchengmeinde aus Sandstein in den 1950er Jahren einen neuen Altar anfertigen, der farblich exakt auf die hellen, verputzten Innenwände abgestimmt ist. Die Altarweihe konnte der damalige Präses der Westfälischen Landeskirche, Ernst Wilm, am 30. November 1952 (dem 1. Adventssonntag) feierlich zelebrieren.

In diesem Raum steht nun der Taufstein aus der 1945 zerstörten Wittener Gedächtniskirche mit einem erneuerten künstlerischen Glaseinsatz.

Orgel Die heutige Hauptorgel der Johanniskirche wurde 1996 von der Firma Paschen Kiel Orgelbau angefertigt. Sie besitzt 25 Register verteilt auf zwei Manuale und Pedal (II/P).Werkverzeichnis. Diese löste das frühere Instrument aus dem 18. Jahrhundert ab.

Gestühl Der Sakralbau verfügt über 900 Sitzplätze.

Gemeindearbeit Pfarrer seit den 2020er Jahren: Wolfram Linnemann, Pfarrer Mareike Gintzel Pfarrer Christian Holtz (betreut das Diakoniewerk Ruhr und die Seniorenheime der Boecker-Stiftung)

Kultur, Veranstaltungen, Gruppen u. a. Die Gemeinde organisiert Kultur-Veranstaltungen, Orgelkonzerte, einen Glaubenskurs, unterhält einen Kirchenchor, ein Flötenensemble, einen Posaunenchor, eine "Familienkirchenband" sowie eine Band der Jugend. Weiterhin gibt es eine Kita, einen Kids-Club und Schalom-Kids sowie eine Kinder- und Jugend-Theatergruppe. und ein Kirchcafé.

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Witten Liste von Sakralbauten im Ennepe-Ruhr-Kreis

Literatur

Ursula Quednau (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen II, Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 1196.

Weblinks

Website Evangelisch-Lutherische Johannis-Kirchengemeinde Witten. Johanniskirche Witten, www.tripadvisor.de.

Einzelnachweise

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