Hermann Erbgraf zu Stolberg-Wernigerode (* 30. September 1802 in Wernigerode; † 24. Oktober 1841 ebenda) war Anwärter auf die Übernahme der Regierungsgeschäfte in der Grafschaft Wernigerode.
Leben Erbgraf Hermann zu Stolberg-Wernigerode war das zweite Kind und der älteste Sohn des Grafen Henrich zu Stolberg-Wernigerode (1772–1854) und der Prinzessin Jenny von Schönburg-Waldenburg (1780–1809). Als Erbgraf wurde er von Kindheit an auf die Nachfolge des Vaters vorbereitet. Nach dem Besuch der Nikolaischule in Leipzig studierte er an den Universitäten Leipzig und Berlin Rechtswissenschaften.
Anschließend trat er zur in den preußischen Staatsdienst ein, um juristische Praxis zu erlangen, zunächst als Auskultator beim Stadtgericht zu Berlin (1823–25), dann vier Jahre lang als Regierungsreferendar in Merseburg. Bei einem erneuten Studienaufenthalt in Berlin hörte er u. a. Chemievorlesungen bei Eilhard Mitscherlich. Das Assessorexamen legte er nicht mehr ab, da ihn sein Vater 1830 zur Verwaltung der gräflichen Besitzungen nach Wernigerode zurückrief. Dort kümmerte er sich insbesondere um die Reorganisation des Hüttenwesens.
1832 übersiedelte er nach dem Familienbesitz Gedern in Hessen, um dort die Verwaltung zu reformieren. Als Vertreter seines Vaters nahm er 1832–1836 den erblichen Sitz der Standesherren von Gedern in der Ersten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen (Darmstadt) ein. Ab 1838 lebte er wieder in Wernigerode, wo er auf Wunsch des Vaters die Leitung des Hausbesitzes übernahm. Den Sommer verbrachte seine Familie gewöhnlich im Marienhof in Ilsenburg, den Winter im Schloss Wernigerode. Hermann zu Stolberg-Wernigerode bemühte sich besonders um die Förderung der gräflichen Wirtschaftsbetriebe. Dazu gehörte die Erweiterung des Hüttenwerks in Ilsenburg ebenso wie der Kauf einer Maschinenfabrik in Magdeburg.
Hermann zu Stolberg-Wernigerodes ältester Sohn Albrecht (* 17. Februar 1836; † 23. September 1841) starb mit nur fünf Jahren, was den Vater schwer erschütterte. Einen Monat später erlag er selbst, erst 39 Jahre alt, einem „nervösen Schleimfieber“ (d. h. vermutlich Typhus). Sein zweiter Sohn Otto war damals erst knapp vier Jahre alt.
Familie Am 22. August 1831 hatte er in Michelstadt Gräfin Emma zu Erbach-Fürstenau (* 11. Juli 1811 in Schloss Fürstenau; † 1. Dezember 1889 in Schloss Ilsenburg), Tochter von Graf Albrecht und Gräfin Sophie, geborene Prinzessin zu Hohenlohe-Neuenstein-Ingelfingen geheiratet. Sein Sohn Otto (* 30. Oktober 1837; † 19. November 1896) trat – bis zu seiner Volljährigkeit unter Vormundschaft – die Nachfolge des Großvaters als Standesherr der Grafschaft Wernigerode an. Er wurde außerdem Reichstagsabgeordneter, Präsident des preußischen Herrenhauses und schließlich unter Otto von Bismarck Vizekanzler des Deutschen Reichs. Hermanns Tochter Eleonore (* 20. Februar 1835; † 18. September 1903), verheiratet mit dem Prinzen Heinrich LXXIV. zu Reuß-Köstritz, machte sich einen Namen als Liederdichterin.
Literatur Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode. Schlossherr, Diplomat, Politiker. Katalog zur Ausstellung, Halle (Saale) 1996 Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 373–374. Klaus-Dieter Rack, Bernd Vielsmeier: Hessische Abgeordnete 1820–1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820–1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919–1933 (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 19 = Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission. NF Bd. 29). Hessische Historische Kommission, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-88443-052-1, Nr. 885.
Weblinks
Einzelnachweise
Hermann Hermann Kategorie:Person (Wernigerode) Kategorie:Geboren 1802 Kategorie:Gestorben 1841 Kategorie:Mann