Anton Johann Nepomuk Seder (* 11. Januar 1850 in München; † 1. Dezember 1916 in Straßburg)Auskunft am 11. September 2012 von Thomas Weidner vom Münchner Stadtmuseum, in dem sich Teile des Nachlasses von Anton Seder befinden. war ein deutscher Maler, Kunstgewerbler und Direktor der Kunstgewerbeschule in Straßburg.Otto Grautoff: Die Entwicklung der modernen Buchkunst in Deutschland. E. A. Seemann, Leipzig 1901, S. 30 (Digitalisat).
Werdegang mini|Bayerisches Staatswappen aus der Titelvignette der Zeitschrift Das Bayerland (1906), signiert von Anton Seder, 1889
Er wurde als Sohn des bayerischen, ursprünglich österreichischen OffiziersErwin Gadomski: Prof. Anton Seder †, in Elsässer Tageblatt, 14. Dezember 1916, S. 2. Christian Seder geborenProfessor Anton Seder †, in Norddeutsche allgemeine Zeitung. Erste Ausgabe, 19. Dezember 1916, S. 2 Sp. 1., einem Inspektor für Heeresausrüstung, auch als „Beschauer“ bezeichnet, und dessen Ehefrau Anna SederAdressbuch für München, Ausgabe 1880, S. 389. Sp. 1., geborene Leser.
Er war ein Schüler Carl Theodor von Pilotys. Mit 19 Jahren schrieb er sich am 20. Oktober 1869 in die Matrikel der Akademie der Bildenden Künste München für die Antikenklasse ein.Matrikelbuch der Akademie der Bildenden Künste 1841–1884 (Zugriff vom 9. August 2012). Nach Beendigung des Gymnasiums wandte er sich der Theater-Malerei zu. Er wurde Schüler und später Mitarbeiter des Theatermalers Angelo Quaglio (1829–1890). In seiner Geburtsstadt besuchte er auch die Universität München.
Vor seiner Berufung zum Direktor an die Städtische Kunstgewerbeschule Straßburg verbrachte er einige Jahre im Ausland u. a. in Italien, Griechenland sowie im Orient und in der Schweiz. Zwischendurch hielt er sich wieder in seinem Heimatland auf. 1878 wurde er Lehrer für kunstgewerbliches Zeichnen am Technikum in Winterthur.Amtsblatt des Kantons Zürich. Nr. 31, 16. April 1878, S. 921. Hier blieb er bis 1882 und kehrte dann nach München zurück.
1889 hatte sich Seder einen Namen als MalerBeispielsweise schuf Anton Seder 1875 das Gemälde „Orientalische Stadt mit einem Umzug“ (Öl auf Leinwand, Höhe 75,8 cm, Breite 153 cm) und signierte sowie datierte es unten rechts. Dasselbe Motiv ist als Orientalische Tempelszene von Seder gemalt worden. Abb. Orientalische Tempelszene und Kunstgewerbler gemacht.
Sein älterer Bruder war der Architekt und Kunstgewerbler Adolf Seder (1842–1881), der seinerzeit eine bekannte Persönlichkeit im Bayerischen Kunstgewerbe-Verein in München war.; Ebenso künstlerisch begabt wie sein Bruder Adolf, wurde Anton Seder 1890 Direktor der Schule für Kunsthandwerker – ab 1894 KunstgewerbeschuleFranzösischer Name École supérieure des arts décoratifs de Strasbourg. – in Straßburg im damaligen Reichsland Elsass-Lothringen. mini|Fassade des Gebäudes der Kunstgewerbeschule in Straßburg, entworfen von Seder Anton Seder zählt zu den befähigtsten Künstlern des Jugendstils. Seine vielseitigen Begabungen ließen ihn zunächst als Bildhauer an der Königlichen Kunstakademie in München, als Dekorateur an der Kunstgewerbeschule, als Architekt und Maler sowie auch bei seinem Bruder arbeiten. Mehrere Aufenthalte in ItalienJean-Claude Richez: Städtische Kunstgewerbeschule Straßburg (1889–1914). Wegbereiter des Jugendstils oder Prüfstand der Moderne im Elsass , in: Jugendstil am Oberrhein. Kunst und Leben ohne Grenzen. Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-7650-8510-9, S. 154–163, hier 154. und seine Ausbildung in München waren seiner beruflichen Entwicklung zum Direktor in Straßburg förderlich. Seder widmete sich in seinem künstlerischen Schaffen der Pflanze in Kunst und Gewerbe und dem Tier in der dekorativen Kunst sowie naturalistischen Dekorationsmalereien. Für das Goldschmiede-Atelier Heiden in München lieferte Anton Seder seine künstlerisch-ideenreich angefertigten Vorlagen zur Herstellung von Ehrenketten und dekorativen Pokalen sowie Tafelaufsätzen aus Edelmetallen, die teilweise mit Edelsteinen verziert wurden.
In der Gesellschaft für die Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler des Elsasses wirkte er als Mitglied ehrenamtlich bei der Aufstellung eines Verzeichnisses kirchlicher, militärischer und bürgerlicher Baukunstwerke.Vereinssatzung und Mitgliederverzeichnis im Online-Archiv der Société pour la conservation de monuments historiques d' Alsace. Besonders interessierte sich Anton Seder für die Arbeiten des Renaissancekünstlers, Architekten, Baumeisters, Malers und Kupferstechers Wendeling Grapp, genannt Wendel Dietterlin, der in Strassburg seine Spuren hinterließ.Vgl. Anton Seder: Wendel Dietterlin. In: Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 1. Jahrgang, 1900–1901, Heft 2, S. 54–56. Seder bezeichnete sich selbst als „den scharf beobachtenden Fachmann und Kenner Dietterlings“Anton Seder: Wendel Dietterlin. In: Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 1, 1900–1901, S. 54. Allerdings räumte Seder ein, dass seine Ausführungen zu Dietterlin und dessen Arbeiten am Ausgang des 16. Jahrhunderts unvollständig sein könnten, weil „wir tatsächlich auch nur wenig über das Leben und Wirken des Strassburger Künstlers (wissen)“.Anton Seder: Wendel Dietterlin. In: Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 1, 1900–1901, S. 56. Ausdrücklich wies Seder in seinem Aufsatz über den Renaissancekünstler auf dessen Bedeutung in der Kunstgeschichte des Elsass hin sowie beim „Wiederaufblühen des deutschen Kunsthandwerkes in den sechsziger und siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts“; er erwähnte in diesem Zusammenhang namentlich München, die „süddeutsche Kunstmetropole“. Seders Zeitgenosse Friedrich Pecht führte die architektonischen Kenntnisse Seders besonders auf seine Studienreisen nach Frankreich und Italien zurück.Friedrich Pecht: Geschichte der Kunst im 19. Jahrhundert. München 1888, S. 447. Als kritischer Autor behandelte Anton Seder in seiner Straßburger Zeit unterschiedlichste Kunstwerke, die dem damaligen Kunstgewerbe zugerechnet wurden, und er erwies sich dabei selbst als tief denkender, scharf beobachtender Künstler.vgl. z. B. Anton Seder: Der Reinhardbrunnen in Straßburg. In: Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen 1. 1900–1901, S. 237 u. 238; Seder charakterisierte so den aus München stammenden Bildhauer Adolf von Hildebrand (1847–1921) und würdige zugleich dessen Brunnen-Skulptur Vater Rhein, die durch Tausch mit einem Bildwerk seit 1929 der Landeshauptstadt Bayerns gehört; siehe Geschichte dieses Brunnens mit Abbildungen und den Tauschhandel Vater-Rhein-Brunnen. In ironischer Art und Weise betrachtete er die in Deutschland allerorts grassierende Manie, unsere Städte mit Monumentalwerken der Plastik zu schmücken und schrieb, dass sich die in den letzten 30 Jahren so massenhaft entstandenen Denkmäler einander gleichen, wie ein Ei dem andern.Anton Seder: Der Reinhardbrunnen in Strassburg. In: Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 1, 1900–1901, S. 237. Er kritisierte die oft höchst zweifelhaften Kunstschöpfungen. die nach 1870/71 in Gestalt von Monumentalwerken aufgestellt wurden, und würdigte die Werke, die unbeeinflusst von jeder Jury, von jedem Denkmalkomitee und Mäcenatentum, unter den Händen eines unabhängigen gottbegnadeten Künstlers, der durch sein aussergewöhnliches Talent und durch sein gründliches Studium auf eine Höhe gelangt ist, dass er sogar von seinen Fachgenossen als einer der allerersten anerkannt wird. entstanden sind. Ihm war erfahrungsgemäß bewusst, dass ein durch und durch originell, gänzlich anders in der Auffassung, in der Mache und im ganzen Ensemble. gestaltetes Werk die Kritik des sich Berufenfühlenden sowie jedes Unberufenen. herausfordert.Anton Seder: Der Reinhardbrunnen in Strassburg. In: Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 1, 1900–1901, S. 237 unten, S. 238 oben. Aufgrund seiner zahlreichen Veröffentlichungen, vor allem als Seder in Straßburg wirkte, wird der fachkundige Kunstgewerbler zusätzlich als Fachschriftsteller bezeichnet. Worldcat.
Seder und die Sezessionisten Nachweislich führte Anton Seder im März 1899 von Strassburg aus eine Polemik gegen Künstler, welche sich aus älteren Künstlergruppen abgespaltet hatten, um eigene Ziele zu verfolgen. In seinen Augen lehnten die „sogenannten Secessionisten“ jede „Anlehnung an frühere Stile“ ab mit der „Parole“: „Fort mit den alten Stilarten, die nun endlich verbraucht sind!“ Und er fährt ironisierend fort: „… diese Herren, die ja nur >>Neues<< bringen, (scheinen) der Meinung zu sein, dass die in prähistorischen und ethnographischen Sammlungen aufgestellten Schätze nur für sie allein aufgestellt sind und dass man hier Anleihen machen kann, ohne dass auch nur jemand ausser ihnen, eine Ahnung davon hat. Nebenher werden Pflanzen und andere Naturformen, die von ihnen selbstverständlich erst entdeckt, als dekorativer Schmuck, in der Regel mehr nach japanischem Vorbild als nach der Natur, als ganz >neu< verwendet.“.Zweiseitiges Vorwort von Anton Seder zu Kunstgewerbliches Skizzenbuch für Metall-, Glas-Industrie und Keramik mit „50 Tafeln im farbigen Lichtdruck“, Julius Hoffmann, Stuttgart, 1899. Das vom Autor „Prof. Anton Seder Director der Kunstgewerbeschule in Strassburg“ im Jugendstil gestaltete Werk mit seinen Initialen >AS< auf dem Bucheinband gibt u. a. Auskunft über seine künstlerische Motivation und sein Verhältnis zur Secession: „Seit vielen Jahren für das Kunstgewerbe nach den verschiedensten Richtungen hin tätig und lehrend, hat der Autor des vorliegenden Werkchens stets versucht, auf die Natur hinzuweisen und sie als Lehrmeisterin aller Kunst hoch zu halten. Durch langjähriges Vertrautsein mit den alten Stilarten und im steten Umgang mit den Formen der Natur ist er zur Überzeugung gelangt, dass er in der Architektur und in den dekorativen Künsten nur Neugestaltungen durch die Umbildung oder Rückbildung, aber nichts eigentlich >>Neues<< geschaffen werden könne.“ Sein Fazit lautet: „… daher sagt man sich beim Betrachten der neuesten Schöpfungen unserer modernsten Kunstgewerbezeichner unwillkürlich: >>Alles schon dagewesen<<“. Anton Seder hoffte, dass die „von ihm erfundenen und gezeichneten Gegenstände zu gebrauchen sind“ und dass sie „den Ansprüchen“ seiner „modernen Zeit gerecht werden.“Vorwort von Anton Seder zu Kunstgewerbliches Skizzenbuch … Stuttgart 1899. In seiner Kritik an neue Entwicklungen im Kunstgewerbe konnte Anton Seder recht bissig und provokatorisch sein, insbesondere, wenn das von ihm vertretene Prinzip, „im Geiste des Alten Neues zu schaffen“, nicht eingehalten wurde, wie seines Erachtens auf einer Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie im Jahre 1901.Vgl. z. B. seine kritischen Äußerungen zur Darmstädter Ausstellung von sieben Künstlern über die kunstgewerbliche Gestaltung von Wohnhäusern Anfang des 20. Jahrhunderts: Ein Dokument deutscher Kunst. In: Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 1. 1900–1901, S. 237–252. Von „secesionistischen Überspanntheiten“ ist in Seders Ausstellungsbewertung die Rede.Ein Dokument deutscher Kunst. In: Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 1, 1900–1901, S. 246.
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