mini|Anna Frebel (2022) Anna Frebel (* 1980 in Berlin) ist eine deutsche Astronomin und Astrophysikerin.

Leben Anna Frebel wuchs in Göttingen auf. Nach dem Abitur begann sie in Freiburg im Breisgau ein Physikstudium, das sie in Australien fortsetzte und mit einem Master in theoretischer Physik mit Auszeichnung abschloss. Sie promovierte am Mount Stromlo Observatory der Australian National University in Canberra. Mit einem Stipendium (W. J. McDonald Postdoctoral Fellowship)eine Stiftung des texanischen Bankers William Johnson McDonald (1844–1926) setzte sie 2006 ihre wissenschaftliche Laufbahn an der University of Texas at Austin und 2009 mit einem Clay Postdoc Fellowship am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (Massachusetts) fort.

Sie war seit 2012 Assistant Professor, seit 2017 Associate Professor für Physik am Massachusetts Institute of Technology; seit 2022 ist sie Professorin am MIT.https://physics.mit.edu/faculty/anna-frebel/

2020/2021 war sie Gastwissenschaftlerin am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 2022 ist sie korrespondierendes Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Sie ist Mutter zweier Söhne.

Entdeckungen Im Jahr 2005 war sie Mitentdeckerin von HE 1327-2326,A. Frebel, W. Aoki, N. Christlieb et al.: Nucleosynthetic signatures of the first stars. In: Nature. Band 434, 2005, S. 871–873. Arxiv dem eisenärmsten bisher bekannten Stern. Das geschah bei einer Durchmusterung am Siding-Spring-Observatorium. Im Jahr 2007Frebel u. a., Discovery of HE 1523−0901, a Strongly r-Process-enhanced Metal-poor Star with Detected Uranium, The Astrophysical Journal, Band 660, 2007, S. L117-L120. folgte HE 1523−0901 mit einem Alter von ungefähr 13,2 Milliarden Jahren. Beide zählen zu den ältesten bekannten Sternen der Milchstraße. 2014Keller, Frebel u. a.: A single low-energy, iron-poor supernova as the source of metals in the star SMSS J031300.36−670839.3. In: Nature. Band 506, 2014, S. 463–466 berichtete sie mit anderen Autoren von der Entdeckung des Sterns SMSS J031300.36-670839.3 im südlichen Sternbild Kleine Wasserschlange. Er gehöre wahrscheinlich zur zweiten Generation von Sternen, die kurz nach der Geburt des Kosmos vor 13,7 Milliarden Jahren entstanden.

2019 wies sie mit Kollegen relativ hohe Zink-Konzentration in Höhe von rund 80 Prozent des Eisenanteils in HE 1327-2326 nach durch Beobachtungen mit dem Cosmic Origins Spectrograph (COS) des Hubble-Weltraumteleskops im UV-Bereich.Rana Ezzeddine, Anna Frebel, I. Roederer et al.: Evidence for an Aspherical Population III Supernova Explosion Inferred from the Hyper-metal-poor Star HE 1327–2326. In: Astroph. J. Band 876, Nr. 2, 2019, Arxiv Dies war ein Hinweis auf asymmetrisch verlaufende Supernovae beim Kollaps der ersten Sterne (Population III), die in der Folge in Jets schwere Elemente ins umgebende Weltraum abgaben, die damit dem sich beim Kollaps bildenden schwarzen Loch entkamen und sogar bis in benachbarte Galaxien verteilt wurden. Die schweren Elemente dienten als Kühlmittel und beförderten die Bildung der (kleineren) Sterne der zweiten Generation wie HE 1327-2326 auch in benachbarten Galaxien noch ohne Sternbildung. Bei sphärisch symmetrischem Kollaps sagten Supernova-Modellrechnungen dagegen keine starke Zink-Anreicherung voraus, da die Explosionsenergie zu gering ist (es muss auch zusätzlich ein relativ geringer Eisengehalt in der 2. Generation erklärt werden).N. Tominaga, Astroph. J., Band 690, 2009, S. 526, K. Nomoto, C. Kobayashi, N. Tominaga, Ann. Rev. Astron. Astroph., Band 51, 2013, S. 457, J. I. Grimmett, A. Heger, A. I. Krakas, B. Müller, Monthly Notices Roy. Astron. Soc., Band 479, 2018, S. 495 Das Szenario macht diese ersten Sterne auch zu Kandidaten der Quelle der Reionisierung.Jennifer Chu: Explosions of universe’s first stars spewed powerful jets, MIT Technology News, 8. Mai 2019

Preise und Auszeichnungen mini|Künstlerische Darstellung von HE 1523-0901, einer der ältesten bekannten Sterne (Grafik der ESO) 2007: Charlene-Heisler-Preis für die beste astronomische Dissertation in Australienastronomy.org.au: 2009: Eröffnungsvortrag XLAB Science Festival, Göttingen 2009: Ludwig-Biermann-Förderpreis der Astronomischen Gesellschaft 2010: Annie-Jump-Cannon-Preis für Astronomie der American Astronomical SocietyAnna Frebel beim MIT 2010: Lise Meitner Lecturer, Göttingendpg-physik.de: und Innsbruck 2011: Kavli Frontiers of Science Fellow, National Academy of Sciences

Schriften (Auswahl)

Anna Frebel, John E. Norris: (2015). Near-Field Cosmology with Extremely Metal-Poor Stars. In: Annual Review of Astronomy and Astrophysics, 53, 1, S. 631–688. Abstract

Literatur

Laura Ewert: Anna Frebel. In: Interview, deutsche Ausgabe, Heft 9/2012, S. 54

Weblinks

Anna Frebel beim MIT Homepage von Anna Frebel Anna Frebel beim Fischerverlag

Anmerkungen

Kategorie:Astronom (21. Jahrhundert) Kategorie:Astrophysiker Kategorie:Hochschullehrer (Massachusetts Institute of Technology) Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1980 Kategorie:Frau