Pritzhagen mit dem Wohnplatz Tornow ist ein Ortsteil von Bollersdorf in der Gemeinde Oberbarnim im Brandenburger Landkreis Märkisch-Oderland. Das 1300 erstmals urkundlich erwähnte Dorf liegt auf dem südöstlichen Barnim im Naturpark Märkische Schweiz und hatte 2010 rund 95 Einwohner. Verwaltet wird Pritzhagen vom Amt Märkische Schweiz.

Das Landgut Pritzhagen war über Jahrhunderte im Besitz verschiedener märkischer Adelsfamilien. Mit denkmalgeschützten und sanierten Feldsteinbauten ist das Dorf Teil der Oberbarnimer Feldsteinroute. Aufgrund seiner landschaftlichen Besonderheiten wie dem Naturdenkmal Wurzelfichte am Sophienfließ, Kehlen (Erosionsschluchten) wie der Wolfsschlucht im Barnimhang zum Stobbertal oder Seen wie dem Großen und Kleinen Tornowsee wurde das Dorf 2007 als „Naturparkgemeinde im Naturpark Märkische Schweiz“ ausgezeichnet.

mini|hochkant=1.3|Mit Wohnhaus, Stallgebäude, Scheune und Feldstein-Einfriedung denkmalgeschützte Hofanlage

Geographie Lage und Verkehrsanbindung

Pritzhagen befindet sich auf dem südöstlichen Barnim. Die Gemarkung des Dorfs grenzt im Südwesten, weitgehend entlang des Sophienfließes, an Bollersdorf und im Nordwesten an Grunow. Im Norden schließt sich Ihlow an. Im Osten folgt Reichenberg, ein Ortsteil der Gemeinde Märkische Höhe. Im Süden schließt die Gemarkung den Barnimhang zum Stobbertal ein. Die Grenze verläuft hier weitgehend und von Ufer zu Ufer wechselnd entlang des Flusses, das südlich anschließende Gebiet gehört zu Buckow. In der südöstlichsten Ecke Pritzhagens liegt am Nordufer des Großen Tornowsees Tornow, ein ehemaliges Landgut mit einem Herrenhaus von 1912, das heute in die sonderpädagogische „Schule am Tornowsee“ und das „Gästehaus Tornow am See“, das im Rahmen des Hotelbetriebs Arbeitstrainings- und Berufliche Rehabilitationsmaßnahmen durchführt, aufgeteilt ist.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu anklicken) Rund dreihundert Meter östlich von Tornow folgt am Stobber die Pritzhagener Mühle. Die 1375 erstmals erwähnte und nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1650 wiederaufgebaute Mühle erhielt bereits 1827 die königliche Schankerlaubnis und gilt als älteste Gaststätte der Märkischen Schweiz.Zwischen Flossen und Flügeln: 4) Pritzhagener Mühle. Flyer des Besucherzentrums Drei Eichen, Buckow, ohne Datum (erhalten 2011).

Das Dorf Pritzhagen befindet sich im mittleren Ostteil der Gemarkung, nahe der Grenze zu Reichenberg und in direkter Nachbarschaft zum Reichenberger Wohnplatz Julianenhof mit dem Fledermaus-Museum Julianenhof. Im Straßennetz ist der Ort ausschließlich über eine Stichstraße zu erreichen, die von der Landesstraße 34 über den Dorfkern Pritzhagens nach Süden bis Tornow verläuft. Die Landesstraße bindet Pritzhagen quer durch den Naturpark Märkische Schweiz nach Westen über Bollersdorf an die Bundesstraße 168 und nach Nordosten über Reichenberg, Ringenwalde und Karlsdorf an die Bundesstraße 167 bei Altfriedland an. Der Öffentliche Personennahverkehr fährt das Dorf nur an Schultagen an; Pritzhagen ist in den Sommermonaten an Wochenend- und Feiertagen mit der Ausflugslinie Märkische Schweiz A930 von den Bahnhöfen Strausberg oder Seelow-Gusow aus zu erreichen. Vor allem im Südteil der Gemarkung gibt es mehrere Wanderwege, unter anderem den Poetensteig und den Europäischen Fernwanderweg E11, der auf direktem Weg durch das Stobbertal nach Buckow beziehungsweise in die entgegengesetzte Richtung nach Neuhardenberg führt. Durch Pritzhagen und Tornow verläuft zudem die am 22. April 2012 eröffnete Oberbarnimer Feldsteinroute.Oberbarnimer Feldsteinroute.

Naturraum

Zu Geomorphologie, Naturschutz, Flora und Fauna siehe ausführlich Hauptartikel Großer Tornowsee

mini|2004 sanierter Dorfanger mit Dorfteich

Theodor Fontane schrieb in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg (Band 2, Oderland) 1863: Pritzhagen bedeutet wenig, seine Berge und Schluchten jedoch bedeuten viel, selbst seine »Kehlen«.Theodor Fontane, S. 112.

Der südöstliche Barnimhang ist im Bereich Pritzhagens als Stauchmoräne ausgebildet, die während der saalezeitlichen Eisvorstöße durch eine zum Teil kräftige Stauchung (Störung) der älteren Sedimente im Untergrund des Barnim zwischen den auch heute noch besonders hoch gelegenen Freienwalder Höhen (auch als Wriezener Höhe bezeichnet) und dem Buckower Kessel entstand. Neben älteren eiszeitlichen Ablagerungen wurde großflächig Material aus dem Tertiär in die Stauchmoränen eingepresst.Werner Stackebrandt, Volker Manhenke (Hrsg.): Atlas zur Geologie von Brandenburg. Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe Brandenburg (heute: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, LBGR), 2. Aufl., 142 S., 43 Karten, Kleinmachnow 2002, ISBN 3-9808157-0-6. Das für Brandenburger Verhältnisse vergleichsweise reliefstarke Gebiet ist von tiefen Kehlen wie der Silberkehle oder der Wolfsschlucht durchzogen. Die Silberkehle oberhalb des Großen Tornowsees erstreckt sich bis zum Dachsberg (106 m ü. NN), dem nordwestlich der Krugberg folgt, mit 129 Metern die höchste Erhebung der Märkischen Schweiz. Am Ostrand des Pritzhagener Forstes gelegen, bietet sich vom Krugberg ein freier Blick auf das östlich liegende Dorf. Naturparkverwaltung Märkische Schweiz Der Südbereich Pritzhagens ist im kohärenten europäischen ökologischen Netz besonderer Schutzgebiete zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen Natura 2000 als FFH-Gebiet „Tornowseen-Pritzhagener Berge“ ausgewiesen.Naturraum Märkische Schweiz. Lokale Aktionsgruppe Märkische Schweiz e. V. Der Steckbrief des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) enthält für das 682 Hektar umfassende Gebiet unter der Nummer 3450-306 folgende Beschreibung:

Das im Unterlauf naturnahe Sophienfließ mit dem Naturdenkmal Wurzelfichte erschließt ein Fontanewanderweg.

Geschichte

Die Geschichte des Angerdorfs wurde über Jahrhunderte von märkischen Adelsfamilien wie von Rutze (später Reutze genannt), von Itzenplitz und von Oppen geprägt. Im Jahr 1540 kam das Dorf in den Besitz derer von Pfuel.Leopold von Ledebur: Adelslexikon der preussischen Monarchie. Rauh, 1856, S. 196–197; Ende des 18. Jahrhunderts trieb insbesondere die Pritzhagener Gutsherrin Helene Charlotte von Friedland die Entwicklung voran. 2001 wurde Pritzhagen in die Gemeinde Oberbarnim eingegliedert.

Ersterwähnungen und Etymologie

Pritzhagen wurde, soweit bekannt, erstmals im Jahr 1300 als prouesthagen erwähnt. Das Landbuch Karls IV. führte den Ort 1375 als Probisthayn an. 1412 wurde er als Probsthagen und 1608 als Prizhagen verzeichnet. Laut Brandenburgischem Namenbuch wurde der Name von Probsthain, einem Ortsteil des sächsischen Belgern-Schildau, übertragen. Dieser Ort wurde wiederum 1201 als Provesteshagen genannt und war im Besitz des Klosters Lauterberg bei Halle (Saale), sodass der erste Namensbestandteil auf Propst zurückgeführt wird. Der Anhang -hagen wird mit Hag erklärt.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, , S. 134, 197 f.

Der Ersteintag findet sich in einer Urkunde, die in den von Hermann Krabbo und Georg Winter bearbeiteten und 1955 neu herausgegebenen Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause enthalten ist. In dieser Urkunde vom 19. November 1300 bestätigte Markgraf Albrecht III. (Mitregent) dem Zisterzienserinnen-Kloster Friedland seinen Gesamtbesitz, darunter die beiden Tornowseen, aber nicht Pritzhagen selbst: […] item stagna apud prouesthagen iacencia, scilicet magnum Tornow et paruum Tornow; […].Die Urkunde ist auch im Codex diplomaticus Brandenburgensis enthalten und im Internet einsehbar, siehe: Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Erster Hauptteil, Band XII. Berlin 1857, S. 413; 1704 gelangte auch Pritzhagen selbst an die „Herrschaft Friedland“, die dem 1540/46 säkularisierten Kloster folgte.Rudolf Schmidt, S. 214.

Eintrag im Landbuch 1375 und Entwicklung der Einwohnerzahl

Laut Landbuch Karls IV. war Pritzhagen 1375 mit 24 Hufen ausgestattet. Den lateinischen Eintrag im LandbuchLandbuch Karls IV., Originaleintrag, S. 75; . gibt Rudolf Schmidt wie folgt wieder:

mini|Älteres Wirtschaftsgebäude

Angaben zu den Einwohnerzahlen liegen wie folgt vor:Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV.: Geschichte des Kreises Ober-Barnim und der in demselben belegenen Städte, Rittergüter, Dörfer etc. Band 2, Ausgabe 2, Verlag J. Guttentag, Berlin 1858, S. 94.Rudolf Schmidt, S. 223 (books.google.de).

Jahr 1624 1801 1840 1875 1900 1910 1925 1946 2006 Einwohnerzahl 63 104 110 123 104 136 169 205 122

Im Jahr 2010 lag die Zahl bei knapp 100 Einwohnern.

Hochmittelalter und frühe Neuzeit mini|2004 sanierter Dorfanger mini|Gestüt Krugberghalle

Die beiden im Landbuch als Besitzer Pritzhagens erwähnten Rutzes (später Reutze) stammten aus einer altmärkischen Ritterfamilie, die vermutlich im Zuge der Deutschen Ostsiedlung aus sächsischen Gebieten auf den Barnim gekommen war. Der Barnim befand sich seit Ende des Teltow- und Magdeburger Krieges 1245 fest in der Hand der askanischen Markgrafen der 1156 von Albrecht dem Bären gegründeten Mark Brandenburg. Die Familie von Rutze, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts ausstarb, besaß Pritzhagen bis 1704. 1450 besaßen die Rutzes 12 freie Hufen. 1450 gab es nur noch sechs Kossäten im Dorf, das wahrscheinlich in den Hussitenkriegen verwüstet worden war. 1487 wurde den Brüdern Tyle, Hans und Peter Rutze Pritzhagen mit allen Zinsen und Renten als Besitz bestätigt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts beteiligten sich Hans und Peter Rutze an Überfällen und Raubzügen. 1502 ließ Kurfürst Joachim I., der entschlossen und ohne Nachsicht gegen das sogenannte Raubrittertum vorging, Hans Rutze hinrichten; sein Bruder kam mit einer Unterwerfungserklärung und Geldstrafe frei. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) lagen von 16 im Kriegsschädenprotokoll vermerkten Hufen 3 und von 7 Kossätenhöfen 2 wüst. Noch 1678 waren mehrere Felder, Höfe sowie der Krug als wüst verzeichnet.