Das Baureihenschema in Japan umfassen die Nummerierung und Klassifizierungsschemata von Lokomotiven und Triebwagen der ehemaligen und aktuellen Bahngesellschaften in Japan.

Dampflokomotiven Vor der Verstaatlichung miniatur|Die erste japanische Lok, eingereiht als E, A1 und 150 Vor der Verstaatlichung der japanischen Eisenbahnen 1906/07 wurden die Dampflokomotiven ungeachtet ihres Typs durchnummeriert. Seit dem Bau der Bahnstrecke Kōbe–Osaka 1874 wurden für Lokomotiven im Tokioter Raum ungerade und für Lokomotiven in der Region Kobe gerade Zahlen verwendet. Allerdings wurde dies nach dem Lückenschluss zwischen beiden Bahnstrecken 1889 nicht fortgeführt. Später wurden verschiedene Lokomotiven wie die A8, B6 und Zahnradbahnen umgezeichnet, um zur besseren Unterscheidung Gruppen zu bilden.

Francis Henry Trevithick (1850–1931), ein Enkel von Richard Trevithick und Angestellter bei der Japanischen Regierung für die Verwaltung von Rollmaterial, führte schließlich Baureihen ein. Er reihte die Lokomotiven mit einem lateinischen Buchstaben von A bis Z ein. Später wurde ein weiterer Buchstabe hinzugefügt (AB, AC, AD usw.) Diese einfache Methode wurde im Laufe der Zeit noch einmal überarbeitet. Ein Buchstabe und ein oder zwei Ziffern beschrieben den Lokomotivtyp. Hierbei hatten die Buchstaben folgende Bedeutung:

A – Tenderlokomotive mit zwei angetriebenen Achsen (A1–A10) B – Tenderlokomotive mit drei angetriebenen Achsen (B1–B7) C – Tenderlokomotive für Zahnradbahnen (C1–C3) D – Schlepptenderlokomotiven mit zwei angetriebenen Achsen (D1–D12) E – Schlepptenderlokomotiven mit drei angetriebenen Achsen (E1–E7) F – Schlepptenderlokomotiven mit vier angetriebenen Achsen (F1–F2)

Baureihenschema von 1909 mini|Nr. 8620, Lokomotive mit der höchsten Nummer der 8620 Nach der Verstaatlichung der Privatbahnen führte das Eisenbahnbehörde ein neues System der Baureihenbezeichnung ein. Die Lokomotiven wurden nun mit vierstelligen Ziffern eingeteilt. Alle älteren Lokomotiven wurden umgezeichnet. Die Ziffern 1 bis 4999 waren für Tenderlokomotiven reserviert. 5000 bis 9999 waren für Lokomotiven mit Schlepptender vorgesehen. Hierbei benötigten die Baureihen und Seriennummern eine definierte Beziehung zueinander. Die ersten Stellen bezeichnete die Baureihe, die nachfolgenden Ziffern war die Seriennummer der Lokomotive.

1–999 – Tenderlokomotive mit zwei angetriebenen Achsen 1000–3999 – Tenderlokomotive mit drei angetriebenen Achsen (Ab 3900 Zahnradlokomotiven) 4000–4999 – Tenderlokomotive mit vier angetriebenen Achsen 5000–6999 – Schlepptenderlokomotiven mit zwei angetriebenen Achsen 7000–8999 – Schlepptenderlokomotiven mit drei angetriebenen Achsen 9000–9999 – Schlepptenderlokomotiven mit vier und mehr angetriebenen Achsen

Die Nummerierung innerhalb der Baureihen war in der Regel seriell. Wenn die Zahlen nicht mehr ausreichten wie bei den Baureihen 8620, 9600 und 9900, wurde eine weitere Ziffer angehängt, sodass eine fünfstellige Baureihenbezeichnung entstand. Die Baureihe 18900 (später umgezeichnet in Baureihe C51) war die einzige Baureihe, die bereits von Beginn an eine fünfstellige Baureihenbezeichnung erhielt. Dieser Nummerierung und Klassifizierung überlebte die Revision im Jahr 1928. Lokomotiven, die durch die Übernahme von privaten Eisenbahnunternehmen durch die Staatsbahn zum Bestand hinzustießen, wurden hingegen nach den Regeln von 1928 umgezeichnet. Die nach diesem Schema eingereihten Lokomotiven fuhren mit dieser Bezeichnung bis zum Ende des Dampfbetriebes bei der JNR in den 1970er Jahren.

Baureihenschema von 1928 mini|Nr. E10 2 der Baureihe E10 Als das Baureihenschema von 1909 überzulaufen drohte, wurde am 1. Oktober 1928 ein neues Baureihenschema eingeführt. Mit Ausnahme der Baureihen 18900, 8200 und 9900, welche in C51, C52 und D50 umbenannt wurden, wurde keine bestehende Baureihe umgezeichnet. Nach dieser Überarbeitung wurden Dampflokomotiven mit Buchstaben und Ziffern bezeichnet.

Beispiel D51 200 D51200Zahl der angetriebenen AchsenBaureiheSeriennummer

Im Gegensatz zu Elektro- oder Diesellokomotiven haben Dampflokomotiven keinen Hinweis auf ihre Antriebsart in der Baureihenbezeichnung.

Zahl der angetriebenen Achsen Ein Buchstabe bezeichnet die Zahl der angetriebenen Achsen. Laufachsen oder Achsen von Tendern werden dabei vernachlässigt. 2 angetriebene Achsen – B 3 angetriebene Achsen – C 4 angetriebene Achsen – D 5 angetriebene Achsen – E

Baureihe Neben dem Achsenbuchstaben bezeichnet eine zweistellige Ziffer die Baureihe. Hierbei wird zwischen Tenderlokomotiven und Schlepptenderlokomotiven unterschieden. 10–49 – Tenderlokomotive 50–99 – Schlepptenderlokomotiven

Nach diesem Schema ist die D51 200 die Lokomotive mit der Nummer 200 der Baureihe D51. Diese Baureihe sind Schlepptenderlokomotiven mit vier angetriebenen Achsen.

Elektrolokomotiven Bis zum Baureihenschema von 1928 mini|Aus der Schweiz importierte Elektrolokomotive der Klasse 7000 Die Japanische Staatsbahn importierte ihre ersten Elektrolokomotiven 1912. Wie bei Dampflokomotiven dieser Zeit wurden diese mit vier- oder fünfstelligen Zahlen bezeichnet. Die Baureihe wurde von der ersten Stelle angegeben. Die letzte Stelle war stets eine 0.

Nachfolgend eine Liste aller elektrischen Lokomotiven, die nach dieser Methode benannt wurden:

VerwendungFlachbahnZahnradbahnBaureihe100010101020103010401060107060006010700080008010100001002010040Baujahr1922192319231924192319261926192519231926192619231926191119191926Anzahl22221743366282121421928 umbenannt inED10ED11ED12ED13ED50ED14ED15ED51ED52ED53ED54EF50EF51EC40ED40ED41

Baureihenschema von 1928 mini|Nr. EF81 95 der Baureihe EF81 Im Jahr 1928 wurde ein neues Baureihenschema eingeführt. Ursprünglich wurden Elektrolokomotiven nach ihrer Höchstgeschwindigkeit eingeteilt. Lokomotiven mit höheren Geschwindigkeiten wurden im Personenverkehr und langsamere Lokomotiven wurden im Güterverkehr eingesetzt. Später wurde dieses Schema angepasst, um die Baureihen nach ihrem Stromsystem – (Gleichstrom, Wechselstrom oder Mehrsystem) – einzuteilen.

Beispiel EF81 95 EF8195ElektrischZahl der angetriebenen AchsenBaureiheSeriennummer

E Alle Baureihen von Elektrolokomotiven beginnen mit einem E.

Zahl der angetriebenen Achsen Der nachfolgende Buchstabe zeigt die Zahl der angetriebenen Achsen an. Laufachsen werden vernachlässigt. 2 angetriebene Achsen – B 3 angetriebene Achsen – C 4 angetriebene Achsen – D 6 angetriebene Achsen – F 8 angetriebene Achsen – H

Baureihe Zusammen mit dem Buchstaben "E" und dem Achs-Buchstaben bezeichneten die nachfolgenden zwei Ziffern die Baureihe. Ursprünglich unterschied man zwischen drei Gruppen:

10–39 – Lokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h oder weniger 40–49 – Zahnradlokomotiven 50–99 – Lokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 85 km/h

Nach der Revision war mit Stand 1987 die Einteilung wie folgt: 10–29 – Gleichstromlokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h oder weniger 30–39 – Wechselstrom-/Gleichstromlokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h oder weniger 40–49 – Wechselstromlokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h oder weniger 50–69 – Gleichstromlokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 85 km/h 70–79 – Wechselstromlokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 85 km/h 80–89 – Wechselstrom-/Gleichstromlokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 85 km/h 90–99 – Prototypen

Seriennummer Grundsätzlich beginnen die Seriennummern mit 1. Allerdings wurden auch einzelne Blöcke übersprungen, um Unterbaureihen zu erzeugen, wie etwa die Baureihe EF65 1000 oder die Baureihe ED75 700.

Nach diesem Baureihenschema bezeichnet also EF81 95 die 95. Lokomotive der Baureihe EF81. Diese Baureihe ist eine Mehrsystembaureihe mit sechs angetriebenen Achsen und einer Höchstgeschwindigkeit über 85 km/h.

JR Freight mini|Nr. EH500-2 der Baureihe EH500 Von den sieben Japan Railways Group (JR Group)-Unternehmen, die 1987 gegründet wurden, hat lediglich die Japan Freight Railway Company (JR Freight) neue Elektrolokomotiven in Dienst gestellt. Ursprünglich ließ die JR Freight die Lokomotivbaureihen der JNR mit leichten Modifikationen weiterbauen. 1990 wurde dann mit der EF200 die erste neue Lokomotivbaureihe der JR Freight eingeführt. Diese wurde gemäß dem JNR-Schema mit zwei Buchstaben und drei Ziffern benannt. Auch die JR East übernahm diese Regel bei der Einführung ihrer ersten Neubaulokomotive Baureihe EF510 im Jahr 2010. Diese Lokomotive ist eine Variante der gleichnamigen JR Freight-Lokomotive."JR東日本として初の新型電気機関車の導入について" (First order of modern electric Lokomotiven by JR East), JR East news release, December 2, 2008 (PDF; 76 kB). Abgerufen am 3. Dezember 2008.

Beispiel EH500-10 EH500-10ElektrischZahl der angetriebenen AchsenBaureihe Seriennummer

Die Bedeutung der lateinischen Buchstaben entspricht denen des Baureihenschemas von 1928. Ein Bindestrich trennt Baureihennummer und Seriennummer der Lokomotive.

Baureihe Die dreistelligen Ziffern werden genutzt, um die Baureihe anzuzeigen. Die Einteilung nach der Höchstgeschwindigkeit wurde durch eine Einteilung nach Stromsystem und Antriebsmotor ersetzt.

100–199 – Gleichstromlokomotiven mit Gleichstrommotoren 200–299 – Gleichstromlokomotiven mit Wechselstrommotoren 300–399 – andere Gleichstromlokomotiven 400–499 – Wechselstrom-/Gleichstromlokomotiven mit Gleichstrommotoren 500–599 – Wechselstrom-/Gleichstromlokomotiven mit Wechselstrommotoren 600–699 – andere Wechselstrom-/Gleichstromlokomotiven 700–799 – Wechselstromlokomotiven mit Gleichstrommotoren 800–899 – Wechselstromlokomotiven mit Wechselstrommotoren 900–999 – andere Wechselstromlokomotiven

Nach diesem Schema ist die EH500-10 die zehnte Lokomotive der Baureihe EH500. Diese ist eine Wechselstrom-/Gleichstromlokomotive mit acht angetriebene Achsen und Wechselstrommotoren.

Diesellokomotiven JNR mini|Nr. DD13 1 der Baureihe DD13 Die Geschichte der Diesellokomotiven bei der Japanese Government Railways begann mit zwei in Deutschland gefertigten Baureihen, der dieselelektrischen DC11 von 1929 und der dieselmechanischen DC10 von 1930. Das Eisenbahnministerium bezeichnete sie nach einem ähnlichen Schema, wie es damals für Dampf- und Elektrolokomotiven verwendet wurde. Die JNR übernahm diese Regel.

Beispiel DD13 1 DD131DiesellokomotiveZahl der angetriebenen AchsenBaureiheSeriennummer

D Alle Baureihen von Diesellokomotiven beginnen mit dem Buchstaben "D".

Zahl der angetriebenen Achsen Ein Buchstabe zeigt die Anzahl der angetriebenen Achsen an. Laufachsen bleiben unberücksichtigt. 3 Achsen – C 4 Achsen – D 5 Achsen – E 6 Achsen – F

Baureihe Zusammen mit dem Buchstaben D und dem nachfolgenden Buchstaben, der die Zahl der angetriebenen Achsen beschreibt, bezeichnen die nachfolgenden zwei Ziffern die Baureihe. Die Ziffern werden entsprechend der Höchstgeschwindigkeit vergeben. 10–39 – Lokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h oder weniger 40–49 – Prototypen 50–89 – Lokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 85 km/h 90–99 – Prototypen

Seriennummer Wie bei Elektrolokomotiven.

Nach diesem Schema bedeutet DD13 1 die erste Lokomotive der Baureihe DD13. Diese ist eine Dieselbaureihe mit vier angetriebenen Achsen und einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h oder weniger.

JR Freight mini|Lokomotive DF200-7 Nach der Privatisierung der JNR 1987 stellten zwei "Japan Railways"-Unternehmen neue Diesellokomotivbaureihen in Dienst. Die East Japan Railway Company (JR East) stellte die Baureihe DD19 in Dienst. Diese war eine Variante der JNR-Baureihe DD17 und wurde dementsprechend nach JNR-Schema mit zwei Stellen bezeichnet. Als zweites Unternehmen nahm die Japan Freight Railway Company (JR Freight) komplett neukonstruierte Lokomotiven in Betrieb. Diese wurden nach dem neuen dreistelligen Schema benannt. Beispiel DF200-12