Nowokusnezk (; ) ist eine russische Großstadt im Steinkohlerevier des Kusbass in der Oblast Kemerowo am Fluss Tom im Südwesten Sibiriens. Sie hat 529.000 Einwohner (Stand: 2025) und liegt 308 km südlich der Gebietshauptstadt Kemerowo.
Geschichte Nowokusnezk wurde 1618 von Kosaken als Kusnezk () gegründet. Anfangs bestand die Ortschaft aus einem befestigten Ostrog am Tom-Ufer, der seinen Namen Kusnezk der bevorzugten Beschäftigung der einheimischen Bevölkerung, der Eisenmetallurgie (russisch kusnez = „Schmied“), verdankte. 1622 erhielt die Festung erstmals Stadtrechte und diente noch bis zum 18. Jahrhundert als militärischer Stützpunkt an Russlands östlicher Grenze. Anfang des 19. Jahrhunderts verlor die Festung jedoch endgültig ihre militärische Bedeutung. Der Ort behielt jedoch seine Verwaltungsfunktion als Sitz eines gleichnamigen Ujesds, nach dessen Auflösung 1822 eines Okrugs und ab 1898 des wiederhergestellten Ujesds. Die Kleinstadt wurde inoffiziell auch als Kusnezk-Sibirski („Sibirisches Kusnezk“) bezeichnet, um Verwechslungen mit der in dieser Periode bedeutend größeren Stadt Kusnezk im europäischen Teil Russlands (Gouvernement Saratow) zu vermeiden.
Einen entscheidenden Wachstumsschub für den Ort gab es in den 1930er-Jahren. 1929 begann hier im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion die Errichtung eines Metallurgiekombinats, welches die industrielle Verarbeitung der in der Region vorhandenen Steinkohle und Erze aufnehmen sollte. Im Zuge des 1932 abgeschlossenen Baus des Kombinats vereinigten sich das ehemalige Kusnezk sowie mehrere angrenzende Ortschaften (darunter die Arbeitersiedlung Sad-Gorod) zu einer neuen Industriestadt, die 1931 ihre Stadtrechte erhielt. 1931 bekam die neue Stadt ihren heutigen Namen, wurde jedoch 1932 zu Ehren Josef Stalins in Stalinsk () umbenannt und hieß noch bis 1961 so, als die Stadt wieder den Namen Nowokusnezk (wörtlich „Neu-Kusnezk“) erhielt. Bis zu den 1960er-Jahren wurden in der Stadt weitere drei Metallurgie-Großbetriebe aufgebaut.
In Nowokusnezk bestand das Kriegsgefangenenlager 525, Stalinsk, für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 3.117 1939 169.393 1959 376.730 1970 499.183 1979 541.356 1989 599.947 2002 549.870 2010 547.904 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Stadtgliederung miniatur|Nowokusnezker Metallurgiekombinat
Die Stadt Nowokusnezk ist verwaltungstechnisch in sechs Stadtbezirke (auch Stadtrajons genannt) unterteilt, die mit dem Stand vom 1. Januar 2007 die folgenden Einwohnerzahlen haben:
StadtrajonRussischer NameEinwohner()BemerkungKuibyschewskiКуйбышевскийName bedeutet Rajon KuibyschewKusnezkiКузнецкийNowoiljinskiНовоильинскийOrdschonikidsewskiОрджоникидзевскийName bedeutet Rajon OrdschonikidseSawodskoiЗаводскойName bedeutet WerksrajonZentralnyЦентральныйName bedeutet Zentraler Rajon
Sehenswürdigkeiten miniatur|Die Erlöser-Verklärungskathedrale von Nowokusnezk Trotz einer Vielzahl von Industriebetrieben gilt Nowokusnezk als eine vergleichsweise grüne Stadt, da das Zentrum beim Bau in den 1930er-Jahren gemäß den Idealen einer Gartenstadt entwickelt wurde. Neben einer Vielzahl von Gebäuden aus den 1930er-Jahren und der Nachkriegszeit sind in Nowokusnezk mit der Erlöser-Verklärungskathedrale (Спасо-Преображенский собор) und der ehemaligen Kusnezker Festung zwei markante Bauwerke der Zarenzeit erhalten geblieben. Die Erlöser-Verklärungskathedrale in ihrer heutigen Gestalt wurde in den Jahren 1792–1835 erbaut und gilt als Beispiel des sogenannten „sibirischen Barocks“, das sonst nur in alten sibirischen Städten wie Irkutsk, Tomsk oder Tobolsk anzutreffen ist.
Wirtschaft miniatur|Pädagogische Hochschule in Nowokusnezk Nowokusnezk ist eines der größten Industriezentren Westsibiriens. Hier befinden sich die beiden Metallurgiekombinate Kusnezk (gegründet 1929) und Westsibirien (1961), die beide zu den größten russischen Herstellern von Eisenbahnschienen gehören, außerdem das Nowokusnezker Aluminiumwerk, die Nowokusnezker Fabrik für Eisenlegierungen, mehrere Steinkohlebergwerke des Kusnezker Beckens, Maschinenbaubetriebe, Nahrungsmittelfabriken und zwei Heizkraftwerke. Aufgrund der Vielzahl der Industrieobjekte und deren relativ hohen Schadstoffausstoßes gilt die Umweltsituation in Nowokusnezk als überaus angespannt.
Unglücke in Kohlebergwerken Am 19. März 2007 ereignete sich in der Uljanowskaja-Mine eine schwere Methangas-Explosion, bei der 110 Bergarbeiter zu Tode kamen. Die Mine war erst im Jahr 2002 in Betrieb genommen worden und gehört zum Imperium des Oligarchen Roman Abramowitsch.spiegel.deMoskau (dpa) - In russischen Kohlebergwerken kommt es wegen Sicherheitsmängeln immer wieder zu schweren Unglücken.
Am 24. Mai 2007 ereignete sich erneut ein schweres Grubenunglück in Nowokusnezk. Bei einer Methangas-Explosion in einem Bergwerk unweit des schon im März 2007 von einer Methangas-Explosion betroffenen Schachts kam es in 500 Metern Tiefe zu einer Verpuffung, der 38 Bergarbeiter zum Opfer fielen. Zum Zeitpunkt der Detonation befanden sich 217 Arbeiter unter Tage. 179 Bergleute konnten gerettet werden. Die zu hohen und somit gefährlichen Methangaskonzentrationen sollen den Bergwerksbetreibern bekannt gewesen sein.Donnerstag, 24. Mai 2007 Schweres Grubenunglück in Sibirien: 38 Tote bei Methangas-Explosion in Bergwerk
Verkehr In den 1950er und 1960er Jahren wurden von der Transsibirischen Eisenbahn ausgehend mehrere Stichbahnen nach Norden und Süden angelegt, um die Holzeinschlaggebiete der Taiga und die Getreidekammern der Steppe besser anzubinden. So entstand etwa die Südsibirische Eisenbahn von Jurga über Barnaul, Nowokusnezk und Abakan bis Taischet. Heute ist Nowokusnezk ein bedeutender Eisenbahnknoten. Direkte Zugverbindungen existieren beispielsweise nach Kemerowo, Meschduretschensk und Nowosibirsk. Auch Fernzüge aus Moskau halten hier.
Der internationale Flughafen Nowokusnezk befindet sich 18 km westlich der Stadt. Das städtische öffentliche Verkehrsnetz besteht aus rund 70 Linienhttps://www.eway24.ru/ru/cities/novokuznetsk/routes, darunter auch Straßenbahn- und Trolleybuslinien. Nowokusnezk liegt an der regionalen Schnellstraße 32K-445, die die Stadt mit Kemerowo verbindet.
Bildung Nowokusnezk ist Sitz der 1930 gegründeten Sibirischen Staatliche Industrieuniversität (russisch: Сибирский государственный индустриальный университет, abgekürzt СибГИУ), des Kusbass Instituts der föderalen Dienst für die Ausführung von Strafen (FSIN) und eines orthodoxen theologischen Seminars sowie Sitz von Zweigstellen bzw. Instituten der Staatlichen Universität Kemerowo, der Staatlichen Technischen Universität des Kusbass, der Staatlichen Universität für Architektur und Bauwesen in Tomsk sowie des Instituts für Außenwirtschaftsbeziehungen, Recht und Wirtschaft in St. Petersburg.
Sport Die Eishockeymannschaft von Metallurg Nowokusnezk spielt in der Kontinentalen Hockey-Liga, die Fußballer des Vereins FK Metallurg Nowokusnezk sind in der 1. Division aktiv.
Nowokusnezk in der Belletristik
Der Bau des Metallurgiekombinats Kusnezk ist Thema des 1933 erschienenen Romans „Der zweite Tag“ (День второй) von Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg.
Städtepartnerschaften Nowokusnezk listet folgende Partnerstädte auf: Dallas, Vereinigte Staaten Nischni Tagil, Russland Pittsburgh, Vereinigte Staaten Saporischschja, Ukraine Birmingham, Vereinigtes Königreich
Personen Söhne und Töchter der Stadt
Walentin Bulgakow (1886–1966), Bibliograph, Privatsekretär von Leo Tolstoi Wladimir Kreiter (1897–1966), Geologe und Hochschullehrer Wladimir Manejew (1932–1985), Ringer Walentin Olenik (1939–1987), Ringer Arkady Vainshtein (* 1942), russischstämmiger US-amerikanischer theoretischer Physiker Anatoli Sintschenko (* 1949), Fußballspieler Michail Jewdokimow (1957–2005), Schauspieler Vytautas Račkauskas (* 1961), litauischer Politiker Alexander Spessiwzew (* 1970), Serienmörder und Kannibale Andrei Fetissow (* 1972), Basketballspieler Gata Kamsky (* 1974), Schachgroßmeister Maxim Pitschugin (1974–2025), Skilangläufer Nikita Morgunow (* 1975), Basketballspieler Wladimir Wilissow (* 1976), Skilangläufer Jewgeni Tschigischew (* 1979), Gewichtheber Oksana Pal (* 1980), Handballspielerin Artjom Tschernow (1982–2020), Eishockeyspieler Ksenia Roos (* 1984), Schachspielerin Natalie Hagel (* 1985), Handballspielerin Elena Pirozhkova (* 1986), US-amerikanische Ringerin Iwan Poloschkow (* 1986), Eishockeytorwart Kostjantyn Miljajew (* 1987), ukrainischer Wasserspringer Kirill Skatschkow (* 1987), Tischtennisspieler Sergei Bobrowski (* 1988), Eishockeytorwart Jelena Prostewa (* 1990), Skirennläuferin Maxim Kizyn (* 1991), Eishockeyspieler Yaroslav Likhachev (* 1991), Jazzmusiker Dmitri Orlow (* 1991), Eishockeyspieler Sachar Arsamaszew (* 1992), Eishockeyspieler Iwan Telegin (* 1992), Eishockeyspieler Pawel Siljagin (* 1993), Boxer Iwan Nalimow (* 1994), Eishockeytorwart Ilja Sorokin (* 1995), Eishockeytorwart Iwan Starostin (* 1996), russisch-georgischer Eishockeytorwart Kirill Kaprisow (* 1997), Eishockeyspieler Alexander Melichow (* 1998), Fußballspieler Anastassija Silantjewa (* 1998), Skirennläuferin
Weitere Persönlichkeiten Fjodor Dostojewski (1821–1881), heiratete in Kusnezk 1857 seine erste Frau Maria Issajewa
Weblinks
Website der Stadtverwaltung (russisch) Inoffizielle Website (russisch) Inoffizielles Portal (russisch) Nowokusnezk auf mojgorod.ru (russisch)
Quellen
Kategorie:Ort in der Oblast Kemerowo
Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1622 Kategorie:Stadtrechtsaberkennung im 19. Jahrhundert Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1931