Das Glatte Habichtskraut (Hieracium laevigatum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Habichtskräuter (Hieracium) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist in vielen Subtaxa in Eurasien weitverbreitet.
Beschreibung mini|Laubblätter mini|Gesamtblütenstand mini|Blütenkörbchen mini|Blütenkörbchen von der Seite mini|Fruchtstand mit Pappus mini|Achäne mit Pappus mini|Illustration von Hieracium laevigatum subsp. laevigatum mini|Illustration von Hieracium laevigatum subsp. rigidum Vegetative Merkmale Das Glatte Habichtskraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 120 Zentimetern erreicht. Es wird ein unterirdisches Rhizom ausgebildet.
Es sind keine Grundblätter vorhanden. Die meist 5 bis 20 (3 bis 50) wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind sitzend oder kurz gestielt und nicht stängelumfassend. Die unteren Laubblätter sind geflügelt-gestielt, die mittleren sind kürzer gestielt oder wie die oberen sitzend. Die rein-grünen, drüsenlosen Blattspreiten sind lanzettlich, länglich-lanzettlich bis elliptisch-lanzettlich, ei- bis linealisch-lanzettlich und drei- bis achtmal so lang wie breit sind. Die Blattunterseite ist etwas heller als die Blattoberseite und weist eine mehr oder weniger undeutliche Nervatur auf. Die mittleren Stängelblätter besitzen einen keilförmigen, teilweise etwas gerundeten Spreitengrund. Während der Blütezeit sind meist keine Grundblätter vorhanden. Alle Laubblätter sind in den unteren zwei Dritteln gezähnelt bis grob und oft lang vorspringend gesägt-gezähnt und haben beiderseits drei bis fünf große Zähne und dazwischen meist kleine Zähne.
Generative Merkmale Die Blütezeit erstreckt sich über die Monate Juni bis August. In meist rispigen, seltener bis traubigen, nicht doldenartigen Gesamtblütenständen befinden sich meist 10 bis 30 (5 bis 50) Blütenkörbchen. Die Körbchenschäfte sind zerstreut bis reichlich flockig oder mit spärlich bis mäßig Haaren sowie Drüsen bedeckt. Die Korbhülle ist bei einer Höhe von meist 9 bis 11 (8 bis 13) Millimetern zylindrisch. Die unregelmäßig dachziegelartig in wenigen Reihen anliegend angeordneten, nicht nennenswert abstehenden Hüllblätter besitzen ein stumpfes bis spitz oberes Ende und sind außen variabel arm bis fast reichlich drüsig behaart. Die Blütenkörbchen enthalten nur zwittrige Zungenblüten. Die gelben Zungenblüten enden fünfzipfelig.
Die schwarz-braunen bis schwarzen Achänen sind 3,5 bis 4 Millimeter lang.
Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt Diploidie oder meist Triploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 18 oder meist 27.
Ökologie Beim Glatten Habichtskraut handelt es sich um einen plurienn-pollakanthen, mesomorphen Hemikryptophyten. Die Vermehrung erfolgt vegetativ und generativ.
Blütenökologisch handelt es sich um Körbchenblumen, der Familie Asteraceae, mit ausschließlich Zungenblüten mit völlig verborgenem Nektar. Die immer zwittrigen Blüten sind proterandrisch, also sind Blüten sind zuerst männlich und später weiblich. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen, Hummeln, Wespen, Bombyliden, Syrphiden, Schwebfliegen und Falter.
Die Achänen mit Pappus sind die Diasporen. Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch den Wind (Anemochorie), Klett- und Klebausbreitung auf der Oberfläche von Tieren (Epichorie) oder durch den Mund von Tieren (Stomatochorie).
Vorkommen Das Glatte Habichtskraut kommt in Europa von der borealen Zone südwärts bis in die submeridionale Zone vor, wobei auch montanes (gebirgiges) Gelände besiedelt wird. Als Fundorte werden angegeben: Island, die skandinavischen Länder, die baltischen Länder, die britischen Inseln, die Färöer, Belgien, Niederlande, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien, Polen, die ehemalige Tschechoslowakei, das ehemalige Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Belarus, die Ukraine, der europäische Teil Russlands, die nordöstliche Türkei, der Kaukasusraum, das westliche sowie östliche Sibirien. In einigen klimatisch gemäßigten Gebieten Nordamerikas ist Hieracium laevigatum ein Neophyt.
In Deutschland ist das Glatte Habichtskraut in allen Bundesländern verbreitet. Dabei ist es in den Alpen und im Alpenvorland, auf der Schwäbischen Alb sowie im westlichen Schleswig-Holstein nur zerstreut anzutreffen. In den Allgäuer Alpen steigt es in Unterau bei Riezlern in Vorarlberg bis zu einer Höhenlage von 1100 Metern auf.
Das Glatte Habichtskraut besiedelt lichte Laub- und Kiefernwälder, Gebüsche, Waldsäume, Heiden, Silikatmagerrasen und Ruderalflächen. Es ist meistens der vollen Sonnenbestrahlung ausgesetzt. Die Standorte zeichnen sich zudem meistens durch mäßige Wärme aus, während die Böden nur geringen bis keinen Kalkgehalt, mittelmäßige Feuchte (keine Nässe; nicht regelmäßig austrocknend), geringen pH-Wert (sauer) und sehr geringen Stickstoffgehalt aufweisen. Es ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Quercetalia roboris-petraeae.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für Hieracium laevigatum agg.: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Systematik Die Erstbeschreibung von Hieracium laevigatum erfolgte 1803 durch den deutschen Botaniker Carl Ludwig Willdenow in Species Plantarum, Editio Quarta, Berolini, 3 (3), S. 1590. Ein Synonym für Hieracium laevigatum ist Hieracium creperiforme .
Die Art Hieracium laevigatum ist sehr vielgestaltig. Es gibt je nach Autor weltweit etwa 74 und in Europa sowie im Mittelmeerraum etwa 70 oder in Deutschland 78 „anerkannte“ Unterarten: Hieracium laevigatum subsp. abnobae Hieracium laevigatum subsp. achalzichiense Hieracium laevigatum subsp. acrifolium Hieracium laevigatum subsp. acropsilon Hieracium laevigatum subsp. albaredanum Hieracium laevigatum subsp. aleiatolepioides Hieracium laevigatum subsp. amaurolepis Hieracium laevigatum subsp. amoenogonium Hieracium laevigatum subsp. asperatulum Hieracium laevigatum subsp. auriglandulum Hieracium laevigatum subsp. basifrondosum Hieracium laevigatum subsp. boreanum Hieracium laevigatum subsp. brevifoliiforme Hieracium laevigatum subsp. brevivestitum Hieracium laevigatum subsp. callunetorum Hieracium laevigatum subsp. conspicuum Hieracium laevigatum subsp. chaubardianum Hieracium laevigatum subsp. coriosum Hieracium laevigatum subsp. coronopifolioides Hieracium laevigatum subsp. corvipedifolium Hieracium laevigatum subsp. creperum Hieracium laevigatum subsp. cryptogoniophyllum Hieracium laevigatum subsp. dechyi Hieracium laevigatum subsp. delicatifolium Hieracium laevigatum subsp. deltophylloides Hieracium laevigatum subsp. dryadeiforme Hieracium laevigatum subsp. dryadeum Hieracium laevigatum subsp. echinodermum Hieracium laevigatum subsp. euconspicuum Hieracium laevigatum subsp. eugymnocranum Hieracium laevigatum subsp. fagetum Hieracium laevigatum subsp. fagineum Hieracium laevigatum subsp. ficifolium Hieracium laevigatum subsp. flocciparum Hieracium laevigatum subsp. glareosum Hieracium laevigatum subsp. goriense Hieracium laevigatum subsp. gothiciforme Hieracium laevigatum subsp. gothicum Hieracium laevigatum subsp. grandidens Hieracium laevigatum subsp. griseovirens Hieracium laevigatum subsp. gsiesense Hieracium laevigatum subsp. heteropristum Hieracium laevigatum subsp. hypopityforme Hieracium laevigatum subsp. istrogenes Hieracium laevigatum subsp. knafii Hieracium laevigatum subsp. kubanicum Hieracium laevigatum subsp. laevigans Hieracium laevigatum subsp. laevigatum Hieracium laevigatum subsp. lemkei Hieracium laevigatum subsp. leucothyrsum Hieracium laevigatum subsp. lineatum Hieracium laevigatum subsp. ludwigianum Hieracium laevigatum subsp. lychenicum Hieracium laevigatum subsp. macrogoniotropum Hieracium laevigatum subsp. magarum Hieracium laevigatum subsp. macrolygodes Hieracium laevigatum subsp. magistri Hieracium laevigatum subsp. megalobium Hieracium laevigatum subsp. megalolepis Hieracium laevigatum subsp. megalorhombum Hieracium laevigatum subsp. mixopoliiforme Hieracium laevigatum subsp. nivale Hieracium laevigatum subsp. ovalescens Hieracium laevigatum subsp. pardalinum Hieracium laevigatum subsp. perangustum Hieracium laevigatum subsp. pesianum Hieracium laevigatum subsp. pictaviense Hieracium laevigatum subsp. pinnatifidiforme Hieracium laevigatum subsp. pizzulicum Hieracium laevigatum subsp. polioprasinoides Hieracium laevigatum subsp. pseudocharrieri Hieracium laevigatum subsp. pseudogothicum Hieracium laevigatum subsp. pseudotridentatum Hieracium laevigatum subsp. purpurellum Hieracium laevigatum subsp. recognitum Hieracium laevigatum subsp. retardatum Hieracium laevigatum subsp. revolii Hieracium laevigatum subsp. rhenoprovinciae Hieracium laevigatum subsp. rigidum Hieracium laevigatum subsp. rothmaleri Hieracium laevigatum subsp. sagittifrons Hieracium laevigatum subsp. sagotii Hieracium laevigatum subsp. schwarzianum Hieracium laevigatum subsp. semiglobosum Hieracium laevigatum subsp. semigothiciforme Hieracium laevigatum subsp. squalidinaevum Hieracium laevigatum subsp. stenogonium Hieracium laevigatum subsp. stolzenbergense Hieracium laevigatum subsp. stricticaule Hieracium laevigatum subsp. subgracilipediforme Hieracium laevigatum subsp. subgracilipes Hieracium laevigatum subsp. subnorvegicum Hieracium laevigatum subsp. subovalescens Hieracium laevigatum subsp. subscabratum Hieracium laevigatum subsp. thuringiosilvanum Hieracium laevigatum subsp. trichocalyx Hieracium laevigatum subsp. tridentaticeps Hieracium laevigatum subsp. tridentatum Hieracium laevigatum subsp. vendeanum
Literatur
Siegfried Bräutigam: Die Verwertbarkeit der Merkmale von Hieracium laevigatum Willd. für die infraspezifische Gliederung: (Beiträge zur Kenntnis von Hieracium laevigatum Willd., II), In: Flora, Band 163, Nummer 1–2, 1974, S. 163–177. doi:10.1016/S0367-2530(17)31081-2 Siegfried Bräutigam: Hieracium laevigatum Willd. – Glattes Habichtskraut, S. 131–132. In: Frank Müller, Christiane Ritz, Erik Welk, Karsten Wesche (Hrsg.): Rothmaler – Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Kritischer Ergänzungsband, Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg, 2016, ISBN 978-3-8274-3131-8. doi:10.1007/978-3-8274-3132-5_13 Günter Gottschlich: Synopse der für Deutschland nachgewiesenen Arten und Unterarten der Gattung Hieracium s. l. (Hieracium s. str. und Pilosella), aufgeschlüsselt nach Vorkommen in den einzelnen Bundesländern. 1 Forum geobotanicum, Band 9, 2020, S. 1–59. () doi:10.3264/FG.2020.0114 (Hieracium laevigatum ab S. 20–22) F. Schuhwerk, W. Lippert: Chromosomenzahlen von Hieracium (Compositae, Lactuceae). Teil 3, Sendtnera, Band 6, 1999, S. 197–214.
Einzelnachweise Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Hieracium laevigatum In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 714. Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 1332–1337. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. Günter Gottschlich: Synopse der für Deutschland nachgewiesenen Arten und Unterarten der Gattung Hieracium s. l. (Hieracium s. str. und Pilosella), aufgeschlüsselt nach Vorkommen in den einzelnen Bundesländern. 1 Forum geobotanicum, Band 9, 2020, S. 1–59. () doi:10.3264/FG.2020.0114 (Hieracium laevigatum ab S. 20–22)
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