Das Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ (JG 2) oder Jagdgeschwader „Freiherr von Richthofen Nr. 2“ war ein Verband der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Das Geschwader war nach Manfred von Richthofen benannt, einem Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Er erzielte als Jagdflieger die höchste Zahl an Luftsiegen und wurde weltweit zu einem der bekanntesten Jagdflieger, an den Filme, Bücher und andere Medien erinnern. Beinamen wie Roter Baron gehen auf seine adlige Abstammung und den roten Signalanstrich seiner Flugzeuge zurück. Aufgrund dieses Ehrennamens waren die Geschwaderangehörigen berechtigt am rechten Unterarm einen Ärmelstreifen mit der Aufschrift „Jagdeschwader Richthofen“ zu tragen.

mini|Auszug aus der Abschussliste des Jagdgeschwaders 2, 1940 mini|Eine Messerschmitt Bf 109 E der 9. Staffel / JG 2 in Jever, 1941 mini|Eine Focke-Wulf Fw 190 A-3 der 11. Staffel / JG 2 nach Notlandung in Großbritannien, 1942 mini|Frankreich – Flugzeugwarte beim Schieben eines Jagdflugzeugs Messerschmitt Bf 109 G-6 (Kennung schwarze 12) des JG 2 auf Flugplatz; Lfl 3 mini|Generalleutnant Hans-Jürgen Stumpff, Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium, General Erhard Milch und General Joseph Vuillemin schreiten die Front des Jagdgeschwaders „Richthofen“ ab

Geschichte Am 14. März 1935 erhielt das Fliegergeschwader Döberitz auf Vorschlag von Hermann Göring durch einen Erlass von Adolf Hitler die Bezeichnung „Jagdgeschwader Richthofen“ und war somit die erste Einheit der neu geschaffenen Luftwaffe. Bis zum Kriegsbeginn gab es noch weitere Umbenennungen in „JG 132 Richthofen“ und „JG 131 Richthofen“, bis am 1. Mai 1939 die endgültige Umbenennung in „JG 2 Richthofen“ erfolgte, unter welchem Namen es dann auch am Zweiten Weltkrieg teilnahm.Die Traditionsgeschwader der Wehrmacht Abruf am 12. Juli 2012.F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin – Herrlingen, 1943 S. 1.

Aufstellung Die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 2 entstand am 1. Mai 1939 in Döberitz durch die Umbenennung der I. Gruppe des Jagdgeschwader 131. Die II. Gruppe des Jagdgeschwaders 2 wurde mit Befehl vom 11. Oktober 1939 zum 15. Dezember 1939 in Zerbst aufgestellt. Die Gruppe entstand aus Abgaben der I./JG 2 und der I./JG 3. Die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 2 wurde mit Befehl vom 11. Oktober 1939 zum 16. März 1940 in Magdeburg aufgestellt. Sie entstand durch Abgaben der I. und II./JG 51. Die IV.(N)/JG 2 wurde zum 3. Februar 1940 in Jever aus den bis dahin beim Jagdgeschwader 2 und beim Jagdgeschwader 26 bestehenden Nachtjagdstaffeln und der 10.(NJ)/JG 72 als vollwertige Nachtjagdgruppe aufgestellt. Am 1. Oktober 1940 erfolgte der Befehl zur Aufstellung einer Ergänzungsstaffel für das Jagdgeschwader 2. Diese wurde in Octeville stationiert und unterstand dem Stab des Jagdgeschwaders 2. Am 14. Oktober 1940 war die Aufstellung so weit beendet, dass mit dem Ausbildungsbetrieb begonnen werden konnte. Mit Befehl vom 10. November 1941 wurde durch das Geschwader eine 13.(Jabo-)Staffel aufgestellt. Diese unterstand direkt dem Stab/JG 2 und wurde in Beaumont-le-Roger stationiert.

Gliederung Der Geschwaderstab führte am 10. Januar 1945 die I. bis III. Gruppe die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 4. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 5. bis 8. Staffel der II. Gruppe und die die 9. bis 12. Staffel der III. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in vier Schwärme mit je zwei Rotten zu je zwei Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Jagdgruppe von 64 Flugzeugen in den vier Staffeln + 4 Flugzeuge für den Gruppenkommandeur und seinen Stab. Dies ergab bei drei Jagdgruppen eine Sollstärke von 204 Flugzeugen, + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab. Daraus ergab sich eine Sollstärke von 208 Flugzeugen.Horst Boog, Richard Lakowski, Werner Rahn, Manfred Zeidler, John Zimmermann: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 10/1, Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, ISBN 978-3-421-06237-6, S. 877

Einsatz im Zweiten Weltkrieg Stab Nach der Mobilmachung wurde der Stab nach Fürstenwalde verlegt, um von hier den Schutz Berlins zu übernehmen. Am 2. September 1939 kehrte er nach Döberitz zurück, um die gleiche Aufgabe zu erfüllen. Nach Beendigung des Überfalls auf Polen wurde die Gruppe am 2. November 1939 zur Sicherung der Westgrenze nach Frankfurt-Rebstock verlegt.

Bei Beginn des Westfeldzugs war das Geschwader dem Jagdfliegerführer 3 der Luftflotte 3 unterstellt. Es bestand die Aufgabe des Stabes in der Sicherung des Luftraumes über der Heeresgruppe A. Der Einsatzbereich lag über dem gesamten Nordabschnitt der Heeresgruppe A und deren rückwärtigen Raum. Ende Mai 1940 folgten Einsätze über Dünkirchen. Ab dem 5. Juni 1940 unterstützte der Stab den Vormarsch der 6. und 9. Armee in Richtung Somme. Im August 1940 begannen die Angriffe auf Großbritannien. Am 28. August wurde der Stab nach Mardyck verlegt, um von hier aus Begleitschutz zu fliegen. Am 25. September kehrte der Stab nach Beaumont-le-Roger zurück. Das Geschwader flog nun Einsätze im Raum Portland und Southampton. Hinzu kam der Begleitschutz für die Messerschmitt Bf 110 Jagdbomber und für Stuka-Angriffe auf Schiffsziele im Kanal. Anfang Dezember 1940 bestanden die Aufgaben in Platzschutz und Geleitschutz für Kriegs- und Handelsmarine.

Mitte Mai 1941 bekam der Stab die Messerschmitt Bf 109 F-2, die dann Ende Juni durch die Messerschmitt Bf 109 F-4 ersetzt wurde.

Am 8. Februar 1942 wurde der Stab nach Calais-Mareck verlegt. Von hier aus sicherte er die Durchfahrt der Scharnhorst, Gneisenau und Prinz Eugen durch die Kanalenge von Dover bis zur Scheldemündung (Unternehmen Cerberus). Am 14. Februar 1942 kehrte der Stab nach Brest zurück. Im Juni 1942 begann die Umrüstung auf die Focke-Wulf Fw 190A. In Erwartung einer alliierten Landung in Südfrankreich wurde der Stab im Herbst 1942 nach Marseille-Marignane verlegt. Da die Landung nicht erfolgte, zog sich der Stab am 22. November 1942 nach Beaumont-le-Roger zurück.

1943 sicherte der Stab den westfranzösischen Luftraum. Alliierte Bomber griffen am 28. Juni 1943 den Flugplatz Beaumont-le-Roger an. Es gab starke Verluste beim Bodenpersonal. Am 1. Juli 1943 der Stab daraufhin nach Evreux und am 24. September weiter nach Cormeilles verlegt.

Zum Einsatz im Invasionsgebiet wurde der Stab nach Creil verlegt. Nach schweren Verlusten ging es in Etappen zurück bis Nidda, wo er am 25. September 1944 eintraf.

I. Gruppe Die erste Gruppe folgte dem Stab und gelangte somit auch am 2. November 1939 nach Frankfurt-Rebstock.

Die ersten Haupteinsatzgebiete während des Angriffs auf Frankreich waren St. Quentin, Laon, Beauvais und Cambrai. Ende Mai 1940 kamen Calais und Dünkirchen dazu. Am 2. Juni 1940 wurde die Gruppe nach Couvron verlegt. Von hier aus begleitete die Gruppe Kampfflieger in den Bereich von Reims. Ende Juni lag sie in Saint-André-de-l’Eure. Am 27. Juli 1940 wurde die Gruppe nach Beaumont-le-Roger verlegt. Ab August begleitete sie Kampfflugzeuge in Richtung London und war zur freien Jagd über der englischen Südostküste eingesetzt. Vom 1. August bis zum 30. November 1940 konnte die Gruppe 135 Abschüsse erzielen und war somit zu diesem Zeitpunkt die erfolgreichste Jagdgruppe der deutschen Luftwaffe. Am 20. Oktober 1940 wurde die Gruppe nach Mont-de-Marsan in Südwestfrankreich verlegt, von wo aus sie Begleitschutz für den Befehlszug Hitlers und das Gebiet um Hendaye übernahm, wo am 23. Oktober 1940 das Treffen zwischen Hitler und Franco (Konferenz von Hendaye) stattfand. Danach kehrte sie nach Beaumont-le-Roger zurück und flog wieder Einsätze über den Kanal und über England.

Am 8. Juni 1941 wurde die Gruppe nach Brest-Nord verlegt, um den Hafen und die darin liegenden Einheiten der Kriegsmarine zu schützen. Im Sommer wurden Flugzeugführer zur II. und III. Gruppe abgegeben. Nach schweren Luftangriffen auf Brest kamen sie zur I. Gruppe zurück.

Vom 11. bis zum 13. Februar 1942 beteiligte sich die Gruppe am Schutz der Marineeinheiten, die den Kanal passierten. Am 16. Februar 1942 sammelte sich die Gruppe in Haamstede und kehrte am 23. März nach Frankreich zurück. Die neu aufgestellte 1. Staffel erhielt im Juli die Focke-Wulf Fw 190 A. Die restliche Gruppe war bereits seit Juni mit der Fw 190 A-2 und der Fw 190 A-3 ausgerüstet. Im November 1942 wurde die Gruppe nach Marseille-Marignane verlegt.

Am Anfang des Jahres bestand die Aufgabe der Gruppe in der Gewährung des Jagdschutzes an der französischen Mittelmeerküste. Als am 4. Januar 1943 die Gruppe nach Tricqueville verlegt wurde, begann ihre Aufteilung. Die 1. Staffel blieb in Marseille. Sie wurde durch die 11. Staffel ersetzt, die später in die 4. Staffel umbenannt wurde. Im März wurde dann die 1. Staffel in die Bretagne verlegt. Im Juli 1943 wurde die 2. Staffel in Tours in Instrumenten- und Nachtflug geschult und anschließend in der Nachtjagd eingesetzt.

Im Januar 1944 traf die Gruppe, aus Nordfrankreich (Conches und Saint-André-de-l'Eure) kommend, in Aix-les Milles in Südfrankreich wieder zusammen. Am 20. Februar 1944 wurde die Gruppe nach Piacenca verlegt, musste aber bereits am 25. Februar 1944 wegen Überbelegung des Platzes nach Castiglione del Lago umziehen. Von hier aus flog sie Einsätze im Bereich Anzio und Nettuno. Am 8. April 1944 kehrte sie nach Aix-les Milles zurück, um am 12. Mai in den Nordosten von Frankreich nach Cormeilles verlegt zu werden. Nach Beginn der Invasion in der Normandie wurde die Gruppe nach Creil verlegt. Bei den Kämpfen in der Normandie erlitt sie so starke Verluste, dass sie am 13. Juli nach Husum zurückgezogen wurde. Hier erfolgte eine Auffrischung mit der Focke-Wulf Fw 190 A-8/R2 und R6. Bereits im August erfolgte die Verlegung nach St. Trond.

Am 1. Januar 1945 beteiligte sich die Gruppe vom Fliegerhorst Merzhausen an dem Unternehmen „Bodenplatte“.

II. Gruppe Nach ihrer Einsatzbereitschaft übernahm die Gruppe den Schutz des mitteldeutschen Industriegebiets. Am 11. März 1940 wurde sie nach Nordholz verlegt. Nach weiteren Verlegungen beteiligte sie sich am Westfeldzug. Am 23. Juli wurde die Gruppe nach Beaumont-le-Roger verlegt und sie operierte von Ende August bis Ende September von Mardyck aus. Bis Ende des Jahres 1940 arbeitete sie mit der I. Gruppe zusammen. Ende April 1941 erhielt die Gruppe die Messerschmitt Bf 109 F-2.

Auch die II. Gruppe beteiligte sich am Schutz der Marineeinheiten beim Kanaldurchbruch. Im März 1942 begann die Umrüstung auf die Focke-Wulf Fw 190 A-2 und war im April abgeschlossen. Am 17. November 1942 wurde die Gruppe nach San Pietro auf Sizilien verlegt. Von hier aus sollte sie Jagdschutz für Geleitzüge von und nach Tunesien übernehmen. Bereits am 20. November wurde sie jedoch weiter nach Bizerta verlegt.

Mitte März kam die Gruppe nach Frankreich zurück. Die Gruppe gab in Poix-Nord liegend ihre Focke-Wulf Fw 190 ab und erhielt dafür die Messerschmitt Bf 109 G. Am 1. Juli 1943 erhielt die Gruppe eine weitere Staffel, die sie als 12. Staffel eingliederte. Ab August 1943 wurde die Gruppe vorwiegend zur Bekämpfung von viermotorigen Bombern eingesetzt, sie erlitt dabei erhebliche Verluste.

Nach Beginn der alliierten Invasion wurde die Gruppe von Creil aus eingesetzt. Am 4. September verließ die Gruppe Frankreich und zog nach Frankfurt-Eschborn um. Von dort aus wurde sie am 25. September 1944 nach Nidda verlegt.

Am 1. Januar 1945 nahm die Gruppe mit 20 Flugzeugen am Unternehmen Bodenplatte teil.

III. Gruppe Nach ihrer Aufstellung im Jahr 1940 erfüllte die Gruppe für den Rest des Jahres die gleichen Aufgaben wie die I. Gruppe, wobei sie mehrere Monate in Saint-Pol-Brias lag. Im Winterhalbjahr 1940/41 lag sie in Bernay-Valailles.