Im Geheimdienst Ihrer Majestät (Originaltitel: On Her Majesty’s Secret Service) ist ein britischer Spielfilm aus dem Jahr 1969 von Peter Hunt. Es ist der sechste Kinofilm der von Eon Productions produzierten James-Bond-Filmreihe. Die Geschichte basiert auf dem 1963 erschienenen Roman Im Geheimdienst Ihrer Majestät des britischen Autors Ian Fleming. Der Film lief ab dem 19. Dezember 1969 in den bundesdeutschen Kinos.
Handlung Der „Doppel-Null-Agent“ James Bond fährt mit seinem Aston Martin DBS auf einer portugiesischen Landstraße und wird von einem Mercury Cougar rasant überholt. Bond verfolgt das Auto und entdeckt es leer an einem Strand; die Fahrerin ist auf dem Weg ins Meer. Bond hindert die Frau daran, sich im Meer zu ertränken. Plötzlich wird er von zwei Männern angegriffen. Er gewinnt den Kampf, doch die von ihm gerettete Frau verschwindet.
Im Hotel erfährt Bond den Namen der Frau: Es ist Contessa Teresa „Tracy“ di Vincenzo, die Tochter des Unternehmers Marc Ange Draco, Oberhaupt der korsischen Mafia. Als sie beim nächsten Aufeinandertreffen im Casino Estoril beim Kartenspiel verliert, begleicht Bond ihre Spielschulden und sie verbringen die Nacht zusammen. Am folgenden Tag ist Tracy verschwunden.
Beim Verlassen des Hotels wird Bond von mehreren Männern entführt und auf ein Hafengelände gebracht, wo er Marc Ange Draco trifft. Dieser bedankt sich für die Rettung seiner Tochter und macht Bond den Vorschlag, sie zu heiraten. Draco glaubt, dass sie damit ihre emotionale Instabilität überwinden könnte. Als Anreiz soll Bond am Hochzeitstag eine Mitgift in Höhe von einer Million Pfund in Gold erhalten. Dies lehnt er ab; er würde aber gern den Aufenthaltsort von Ernst Stavro Blofeld erfahren, dem Chef der Verbrecherorganisation SPECTRE. Draco offenbart aber nur, dass SPECTRE ihm mehrere seiner Leute abgeworben habe.
mini|Wappen von Bond mit lateinischem Wahlspruch „Die Welt ist nicht genug“ M erkennt Bonds Absicht, sich erneut an die Fersen Blofelds heften zu wollen, und beordert ihn ab, worauf Bond Moneypenny seine Kündigung diktiert. Moneypenny schreibt diese aber in eine Beurlaubung um, sodass Bond Zeit für eigene Nachforschungen hat. Bond trifft Draco und Tracy bei einem Stierkampf, doch Tracy hat die Absicht ihres Vaters erraten, sie mit Bond zu verkuppeln. Sie veranlasst ihren Vater, Bond die gewünschten Informationen ohne Gegenleistung zu geben. Draco gibt Bond daraufhin preis, dass es Verbindungen zwischen Blofeld und Rechtsanwalt Gumbold in Bern gibt. Obwohl Bond die gewünschte Information erhalten hat, verbringt er Zeit mit Tracy und sie kommen sich näher.
Bond sucht in Bern die Anwaltskanzlei Gumbolds auf und entdeckt eine Beziehung zwischen Blofeld und dem königlichen Heraldik-Institut: Blofeld hat dort die Anerkennung des Adelstitels Comte de Bleuchamp beantragt. Um in Blofelds Nähe zu gelangen, gibt Bond sich als Heraldiker Sir Hillary Bray aus, der ein spezielles Merkmal der Bleuchamps bei Blofeld bestätigen soll – das Fehlen von Ohrläppchen.
Blofeld hat unter dem Namen „Graf Bleuchamp“ auf einem Berggipfel namens Piz Gloria einen ehemaligen Sportclub gekauft und in eine Forschungseinrichtung umwandeln lassen. Angeblich möchte der Graf die Menschheit von Allergien befreien und entwickelt dafür Impfstoffe, die er an zehn jungen Frauen mit einer neuartigen Allergietherapie testen lässt. Bond trifft als Sir Hillary dort ein und findet heraus, dass die Frauen ohne ihr Wissen mittels Hypnose trainiert werden, auf ein Signal hin in ihren Heimatländern Krankheitserreger zu verbreiten, die Nutzvieh unfruchtbar machen sollen. Dazu erhält jede bei ihrer Abreise einen Funkempfänger und eine angebliche Parfümflasche, die jedoch die Erreger enthält.
Bonds Kollege wurde von Blofelds Männern aufgegriffen und gab unter Folter Bonds wahre Identität preis. Der wird im Maschinenraum der Seilbahnstation eingesperrt, entkommt jedoch auf Skiern. Von Blofeld und seinen Handlangern verfolgt, erreicht Bond nach halsbrecherischer Abfahrt ins Tal eine Stadt, in der gerade Winterkarneval gefeiert wird. Dort trifft er unerwartet auf Tracy, die auf der Suche nach ihm ist. Beide flüchten in einem Auto und können sich vor Blofelds Handlangern in eine Scheune retten, wo sie die Nacht verbringen und Bond ihr einen Heiratsantrag macht. Am Folgetag werden sie wieder aufgespürt und durch den Schnee verfolgt, bis sie in eine Lawine geraten. Bond kann entkommen, doch Tracy wird von Blofelds Männern gefangen genommen und zur Forschungsstation gebracht.
Blofelds Patientinnen sind mittlerweile mit den Erregern im Gepäck in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Vom Piz Gloria aus sendet Blofeld eine Nachricht an die Vereinten Nationen, in der er mit dem Ausbruch einer weltweiten Seuche droht, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden. Aufgrund der großen Gefahren ist der Secret Service trotz Bonds nachdrücklicher Forderung nicht zu einer gewaltsamen Gegenaktion bereit, sondern will Blofelds Erpressung nachgeben.
Bond möchte Tracy retten und unternimmt mit Hilfe von Dracos Organisation eine spektakuläre Befreiungsaktion mit Helikoptern. Dabei sollen auch die Forschungsstation und der Sender auf dem Gipfel des Piz Gloria zerstört werden, damit die Erde vor dem Ausbruch der Seuche sicher ist. In einem heftigen Gefecht kann Bond Tracy befreien und durch die Zerstörung der Station alle Erpressungspläne Blofelds durchkreuzen. Dieser flüchtet und wird von Bond verfolgt. Bei der Jagd durch einen Eiskanal in Bobs kommt es zu einem letzten Gefecht, bei dem Bond aus dem Bob geschleudert wird und Blofeld sich mit dem Hals in einer Astgabel verfängt.
Nach der Befreiung heiraten Bond und Tracy. Auf ihrem Weg in die Flitterwochen halten sie an, um die Blumendekoration am Wagen zu entfernen. In diesem Augenblick taucht ein Auto mit Blofeld am Steuer auf. Irma Bunt, Blofelds rechte Hand, schießt aus dem fahrenden Wagen auf die beiden und trifft dabei Tracy tödlich.
Produktion Planungen Im Geheimdienst Ihrer Majestät war ursprünglich als vierter Film der Reihe geplant. Doch da sich Eon Productions Ltd. mit Kevin McClory, dem Rechteinhaber des Romans Feuerball, auf eine Verfilmung einigen konnte, wurde erst einmal dieser verwirklicht. Dann wollte man Im Geheimdienst Ihrer Majestät als nächsten Film nach Feuerball veröffentlichen,Interview mit Sean Connery im Playboy, November 1965 auf seanconneryonline.com (englisch), abgerufen am 4. November 2012. die Produzenten befürchteten jedoch, dass die Ähnlichkeit mit dem vierten Film der Serie zu groß sei. Stattdessen drehte Eon Productions Ltd. daher Man lebt nur zweimal. Danach wurde aber mit den Planungen für Im Geheimdienst Ihrer Majestät begonnen.
Drehbuch Da erstmals nicht Sean Connery in der Rolle des Geheimagenten Bond zu sehen sein sollte, wurde während der Arbeiten am Drehbuch erwogen, eine Szene zu schreiben, die 007 in einem Krankenhaus zeigt. Dort sollte sich Bond einer plastischen Operation unterziehen. Die Szene wurde nicht verwendet, die Idee aber im nächsten James-Bond-Film Diamantenfieber wieder aufgegriffen, allerdings um das geänderte Aussehen des Filmbösewichts Blofeld zu erklären und um Doppelgänger von Blofeld zu erzeugen.
Eine Anspielung auf die Neubesetzung der Hauptrolle wurde am Schluss der Eingangsszene eingebaut. Nachdem Bond Tracy gerettet hat, lässt sie ihn kommentarlos am Strand zurück und stiehlt für eine kurze Strecke sein Auto. Lazenby bemerkt daraufhin lakonisch „Das wär’ dem anderen nie passiert.“ (“This never happened to the other fella.”)
Besetzung In seinem 1961 geschlossenen Vertrag verpflichtete sich Sean Connery, von 1962 bis 1967 jedes Jahr einen James-Bond-Film zu drehen.Steve Rubin, Siegfried Tesche: Die Hintergrund-Story zu 25 Jahre Bond Kino Verlag, Hamburg 1987, ISBN 3-89324-026-8, S. 77. Der stetig wachsende kommerzielle Erfolg mündete in immer größerem öffentlichen Interesse. Der Schauspieler Connery wurde nur noch als die Figur des Geheimagenten wahrgenommen. Connery beklagte dies und beschwerte sich bei den Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman über die von Film zu Film länger dauernden Dreharbeiten und seinen geringen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der Filmreihe.You Only Live Twice auf tcm.com (englisch), abgerufen am 4. November 2012. 1966 löste Eon Productions den alten Vertrag auf und man schloss einen Einzelvertrag für Man lebt nur zweimal. Zwischen den Filmen Feuerball und Man lebt nur zweimal wurde zum ersten Mal eine längere Pause eingerichtet, damit sich der Hauptdarsteller erholen und auch anderen Projekten widmen konnte. Obwohl auch Connerys Gage angepasst wurde, stellte er schon während der Arbeit an Man lebt nur zweimal öffentlich klar, dass er für einen sechsten Film nicht zur Verfügung stehen würde. Broccoli und Saltzman waren jedoch zuversichtlich, dass man Connery von einem weiteren Film überzeugen könnte, wenn nur das Geld stimmte. Sie machten ihm eine ganze Reihe „letzter Angebote“, die er jedoch allesamt ablehnte.
Da der Beginn der Dreharbeiten von Im Geheimdienst Ihrer Majestät unter der Regie von Peter R. Hunt immer näher rückte und Connery für die Dreharbeiten zu Shalako nach Spanien fuhr, entschieden sich die Produzenten im Juni 1967, einen neuen Darsteller zu suchen.Steve Rubin, Siegfried Tesche: Die Hintergrund-Story zu 25 Jahre Bond Kino Verlag, Hamburg 1987, ISBN 3-89324-026-8, S. 86–87. Hunt, der bei den vorangegangenen Verfilmungen der Ian-Fleming-Romane für den Schnitt der Filme verantwortlich gewesen war, bekam als Anerkennung für seine bisherige Arbeit den Posten des Regisseurs.
mini|Diana Rigg und George Lazenby bei den Dreharbeiten auf dem Schilthorn; Foto: Heinz Baumann, Comet Photo, Bildarchiv der ETH Zürich, 1968
Eon Productions Ltd. castete verschiedene Schauspieler für den sechsten Teil der Filmreihe. Für die Rolle des James Bond wurden unter anderen die beiden späteren Darsteller Roger Moore und Timothy Dalton, aber auch bekannte Schauspieler wie Roy Thinnes und Adam West in Betracht gezogen. Der australische Dressman George Lazenby wurde vom Produzenten Broccoli bei einem Friseurtermin das erste Mal wahrgenommen; er erhielt eine Einladung zum Vorspielen, nachdem er sich offiziell bei Harry Saltzman vorgestellt hatte.Dokumentation Inside On Her Majesty’s Secret Service auf der Kauf-DVD James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät (Ultimate Edition), MGM, 2006.
Im April 1968 mussten die fünf verbleibenden Anwärter auf die begehrte Rolle des Geheimagenten einige Kameratests bestehen. Es handelte sich bei den Teilnehmern neben Lazenby um John Richardson, Anthony Rogers, Robert Campbell und Hans de Vries. auf life.time.com (englisch), abgerufen am 12. November 2012. Die Darsteller mussten sowohl Liebesszenen als auch Kampfszenen spielen. Bei den Kampfszenen zeigte Lazenby eine enorme physische Präsenz und brach versehentlich einem Stuntman die Nase, was Broccoli besonders beeindruckte. Beide Produzenten und United Artists kamen darin überein, Lazenby als neuen James Bond zu verpflichten.
Lazenby besaß bis dahin keine schauspielerische Erfahrung, da er nur als Fotomodell und Darsteller in Werbespots aufgetreten war. Der Australier fiel aber wegen seiner maskulinen physischen Ausstrahlung auf und die fehlende künstlerische Erfahrung wurde nicht als Problem gesehen. Die Ähnlichkeit des Australiers mit Connery galt als Vorteil, da die Rolle des James Bond vom Publikum bisher immer mit dem Schotten assoziiert worden war. In der deutschen Fassung sprach ihn auch Gert Günther Hoffmann, der schon Connery synchronisiert hatte. Eon Productions bot Lazenby einen Vertrag für, je nach Quellenlage, fünfLazenby feiert 70. Geburtstag auf n-tv.de, abgerufen am 23. Oktober 2012. oder sechsBiografie auf mi6-hq.com (englisch), abgerufen am 23. Oktober 2012. Filme an, den dieser aber nicht unterschrieb, da es zu Problemen bei der Klärung der Vertragsklauseln kam.