mini|Jean Paul Friedrich Richter, Gemälde von Heinrich Pfenninger, 1798, Gleimhaus Halberstadt rahmenlos|zentriert|150px

Jean Paul (französisch [] und deutsch []), auch Jean Paul Friedrich Richter, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter (* 21. März 1763 in Wunsiedel; † 14. November 1825 in Bayreuth), war ein deutscher Schriftsteller und Dichter. Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen den Epochen der Klassik und Romantik. Die von ihm gewählte Namensänderung geht auf Jean Pauls Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau zurück.

Leben mini|Jean Pauls Geburtshaus mini|Jean Paul dichtet in seiner Gartenlaube in Bayreuth (Zeichnung von Ernst Förster) mini|Jean Paul auf dem Wege nach der Rollwenzelei. Stich nach einem Original-Gemälde von Theobald von Oer. Die Gartenlaube, 1863 mini|Jean Paul (1810), Gemälde von Friedrich Meier

Kindheit und Jugend Johann Paul Friedrich Richter, der sich später Jean Paul nannte, kam als Sohn des Lehrers und Organisten Johann Christian Christoph Richter und seiner Ehefrau, der Tuchmacherstochter Sophia Rosina, geborene Kuhn, in Wunsiedel zur Welt. 1765 wurde sein Vater Pastor in Joditz im Hofer Land (seit 1978 Ortsteil der Gemeinde Köditz), 1776 erhielt er eine bessere Stelle in Schwarzenbach an der Saale. Die Atmosphäre des protestantischen Landpfarrhauses prägte Jean Pauls Kindheit. Weniger durch seinen konservativen Vater als durch einen verehrten Lehrer und den Pfarrer des Nachbarortes Rehau, Erhard Friedrich Vogel, wurde er mit dem Gedankengut der Aufklärung vertraut gemacht. Abseits der politisch-literarischen Zentren seiner Zeit bildete sich Jean Paul autodidaktisch und verfügte im Alter von fünfzehn Jahren über ein umfangreiches Bücherwissen, das er in Exzerptheften zusammentrug. 1779 wechselte Jean Paul an das Gymnasium Albertinum in Hof, wo er Johann Bernhard Hermann kennenlernte, der zu einem engen Freund und zum Vorbild vieler seiner Romanfiguren, etwa des Leibgebers im Siebenkäs, wurde. Wenige Monate später starb sein Vater, wodurch die Familie in schwere materielle Not stürzte.

Studienjahre Im Mai 1781 immatrikulierte Jean Paul sich an der Universität Leipzig, betrieb sein Studium der Theologie jedoch nur sehr lustlos. Stattdessen begann er nun, sich als Schriftsteller zu verstehen: Er schrieb nach ersten literarischen Experimenten vor allem Satiren im Stile Jonathan Swifts und Christian Ludwig Liscows, die in gesammelter Form 1783 als Grönländische Prozesse gedruckt wurden.Grönländische Prozesse, auf projekt-gutenberg.org Nach dieser ersten Publikation blieben jedoch weitere Erfolge aus. 1784 musste Jean Paul vor seinen Gläubigern fliehen und kehrte als „gescheiterte Existenz“ nach Hof in das Haus seiner Mutter zurück. Wie er sich dort fühlte, ist in seinem späteren Roman Siebenkäs nachzulesen, in dem Hof als „Kuhschnappel“ verspottet wird. Neben der drückenden Armut dieser Jahre belasteten Jean Paul auch der Tod seines besten Freundes Johann Adam Lorenz von Oerthel im Jahr 1786, der Suizid seines Bruders Heinrich 1789 und am meisten der Tod des sehr engen Jugendfreundes Johann Bernhard Hermann 1790. Von Neujahr 1787 bis April 1789 beschäftigte ihn die Familie seines verstorbenen Freundes Oerthel als Hofmeister (Hauslehrer) für dessen jüngeren Bruder auf ihrem Rittergut in Töpen. Das linderte zwar Jean Pauls finanzielle Notlage für eine gewisse Zeit, doch die andauernde Krise hatte auch psychische Auswirkungen und findet in der Todesvision vom 15. November 1790 ihren negativen Höhepunkt.Jean Pauls Todesvision am 15. November 1790 in Schwarzenbach, auf zielinskiundzielinski.de Literarische Umsetzung findet das Thema Tod und Atheismus in Des toten Shakespeares Klage unter toten Zuhörerin der Kirche, daß kein Gott sei. Dieser Aufsatz wird in die Bayerische Kreuzerkomödie aufgenommen. Eine spätere Bearbeitung erscheint dann im Siebenkäs Mitte der 1790er Jahre unter dem Titel Die Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei.

Beginnender Ruhm Die Reihe seiner schriftstellerischen Erfolge begann 1793 mit dem Roman Die unsichtbare Loge. Jean Paul hatte dem Schriftsteller Karl Philipp Moritz das Manuskript geschickt, und Moritz zeigte sich begeistert: „Ach nein, das ist noch über Goethe, das ist was ganz Neues!“, soll er gesagt haben, und durch seine Vermittlung fand das Buch rasch einen Verlag in Berlin. In Die unsichtbare Loge verwendete Jean Paul, der seine Arbeiten zuvor unter dem Pseudonym J. P. F. Hasus geschrieben hatte, aus Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau erstmals den Namen Jean Paul. Doch Die unsichtbare Loge blieb ein Fragment, denn Jean Paul widmete sich mit dem Hesperus oder 45 Hundposttage einem neuen Roman, der 1795 erschien. Das Buch, das zum größten literarischen Erfolg seit Goethes Die Leiden des jungen Werthers wurde, machte Jean Paul schlagartig berühmt. Johann Gottfried von Herder, Christoph Martin Wieland und Johann Wilhelm Ludwig Gleim äußerten sich enthusiastisch über den Hesperus – Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller fanden an dem Roman allerdings keinen Gefallen.

Blütezeit Auf Einladung seiner Verehrerin Charlotte von Kalb besuchte Jean Paul 1796 Weimar. Im literarischen Zentrum seiner Zeit wurde er respektvoll aufgenommen, doch blieb das Verhältnis zu Klassikern wie Goethe und Schiller eher kühl und distanziert. Zwei Jahre später zog Jean Paul nach Weimar; inzwischen hatte er eine stattliche Anzahl literarischer Werke vorzuweisen: Siebenkäs (1796/97), Das Leben des Quintus Fixlein (1796), Der Jubelsenior (1797), Das Kampaner Tal (1797). Besonders in Weimar häuften sich die erotischen Verwicklungen, die Jean Paul zeitlebens begleiteten: Er verlobte sich mit der Hildburghauser Hofdame Karoline von Feuchtersleben (* 1774, † 1842), was wegen des Standesunterschiedes einige Schwierigkeiten mit sich brachte – und als diese endlich ausgeräumt waren, entlobte Jean Paul sich wieder. Auch gegenüber Charlotte von Kalb musste er immer wieder neue Strategien der Ehe-Vermeidung austüfteln. Doch auch der ehescheue Jean Paul konnte sich schließlich „seinem Schicksal nicht entziehen“: Im Frühjahr 1800 lernte er auf einer Reise nach Berlin Karoline Mayer (1777–1860), Tochter des Geheimen Obertribunalsrats in Berlin, Johann Siegfried Wilhelm Mayer, kennen, die er ein Jahr später heiratete.

Die Berlin-Reise stellte den Höhepunkt seines literarischen Ruhmes dar: Die preußische Königin Luise, die ihn am „Kleinen Musenhof“ ihrer Schwester Charlotte in Hildburghausen kennengelernt hatte, zeigte sich ihm als begeisterte Leserin seiner Werke. Dies brachte Jean Paul dazu, im Oktober 1800 ganz nach Berlin zu ziehen, wo er sich unter anderen mit den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel sowie mit Johann Ludwig Tieck, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und Johann Gottlieb Fichte anfreundete. mini|Jean Paul, porträtiert von Vogel von Vogelstein 1822

Späte Jahre Doch vom Gipfel des Erfolges ging es allmählich bergab: Jean Pauls nächste Romane Titan (1800–1803) und Flegeljahre (1804/1805) erzeugten nicht mehr den früheren Enthusiasmus bei den Lesern, obwohl sie heute als seine wichtigsten Werke gelten.

1804 siedelte er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Emma (1802–1853) und Max (1803–1821) nach Bayreuth um, nachdem er von 1801 bis 1803 in Meiningen und anschließend in Coburg gewohnt hatte. In Bayreuth, dort wurde seine zweite Tochter Odilie (1804–1865) geboren, führte er fortan ein zurückgezogenes Leben, unterbrochen nur von einigen Reisen, zum Beispiel nach Bamberg, wo er E. T. A. Hoffmann besuchte, nach Würzburg, wo er wie Hoffmann, Hegel und Schelling im Hause der Familie des von der Medizin der Romantik beeinflussten Arztes Adalbert Friedrich MarcusAndreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 246. Gast war, und nach Heidelberg, wo ihm 1817 nach einem ausgiebigen Punschgelage auf Vorschlag Hegels der Ehrendoktortitel verliehen wurde. Seine politischen Stellungnahmen (etwa in Cottas Morgenblatt) fanden besonders bei patriotisch gesinnten Studenten lebhaften Widerhall. Jean Paul wurde zu einer Leitfigur der deutschen Burschenschaften. Bei Besuchen in Heidelberg (1817) und Stuttgart (1819) wurde er gar zum „Lieblingsdichter der Deutschen“ erhoben. Zu seinen engsten Freunden und Vertrauten in Bayreuth gehörten ab 1793 bis zu seinem Tod der vermögende jüdische Kaufmann Emanuel Samuel, der zum Berater in allen familiären und finanziellen Angelegenheiten und regelmäßigen Briefpartner wurdeErnst Förster (Hrsg.): Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul Friedrich Richter, zur Feier seines hundertjährigen Geburtstages, 1. Band, 1. Abteilung: Jeans Pauls Briefwechsel mit seinem Freunde Emanuel Osmund, München 1863, sowie der Fabrikant und Privatgelehrte Georg Christian Otto, mit dem Jean Paul seit Schulzeiten bekannt war und der ihm als Korrekturleser und wohlmeinender Literaturkritiker zur Seite stand.

Jean Pauls Werke aus diesen Jahren, wie Levana oder Erziehlehre (1807) oder Dr. Katzenbergers Badereise (1809), erhielten bei weitem nicht mehr die Beachtung, die dem Hesperus zuteilgeworden war. 1813 begann Jean Paul mit seinem letzten großen Roman, Der Komet, doch der Tod seines Sohnes Max 1821 war ein Schicksalsschlag, den der Autor nicht verwinden konnte: Der Komet wurde aufgegeben und blieb Fragment. Die letzten Lebensjahre waren von Krankheiten gezeichnet: 1823 erkrankte Jean Paul am grauen Star und erblindete allmählich. 1825 kam Brustwassersucht hinzu, an der er am 14. November starb. Er ist auf dem Stadtfriedhof in Bayreuth beerdigt, wo er im Grab seines verstorbenen einzigen Sohns beigesetzt wurde. Sein erster Grabstein, eine Pyramide aus schwarzem Marmor,Ruth Müller: „Franken ist wie ein Zauberschrank“ In: Heimatkurier 4/2002 des Nordbayerischen Kuriers, S. 10 f. steht heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg; er wurde 1860 durch einen Granit-Findling aus dem Fichtelgebirge ersetzt.Heimatkurier 2/2004 des Nordbayerischen Kuriers, S. 2.

1820 hatte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften noch zu ihrem auswärtigen Mitglied ernannt.Dr. h.c. Johann Paul Friedrich (= Jean Paul) Richter, Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Jean-Paul-Häuser

Literarische Bedeutung Jean Paul nimmt in der deutschen Literatur eine Sonderstellung ein und hat das Lesepublikum schon immer gespalten. Bei den einen erntete er höchste Verehrung, bei anderen Kopfschütteln und Desinteresse. Er trieb die zerfließende Formlosigkeit des Romans der Romantiker auf die Spitze; August Wilhelm Schlegel nannte seine Romane „Selbstgespräche“, an denen er den Leser teilnehmen lasse (insofern eine Übersteigerung dessen, was Laurence Sterne im Tristram Shandy begonnen hatte). Jean Paul spielte ständig mit einer Vielzahl witziger und skurriler Einfälle; seine Werke sind geprägt von kühner Metaphorik sowie abschweifenden, teilweise labyrinthischen Handlungen, in die Jean Paul Reflexionen und poetologische und philosophische Kommentare einmischte; neben geistreicher Ironie stehen unvermittelt bittere Satire und milder Humor, neben nüchternem Realismus finden sich verklärende, oft aber auch ironisch gebrochene Idyllen, auch Gesellschaftskritik und politische Stellungnahmen sind enthalten.