mini|hochkant=1.5|Blick von Osten Das Schloss Stegen-Weiler war spätestens vom Hochmittelalter an bis zur Bauernbefreiung ein Herrensitz in der heutigen Gemeinde Stegen am Nordrand des Dreisamtals, einige hundert Meter südlich des Dreisamzuflusses Eschbach. Heute steht auf dem Gelände das Kolleg St. Sebastian.Internetseite des Kollegs. Abgerufen am 17. Februar 2016. Als Schloss im engeren Sinn wird heutzutage das aus der Barockzeit stammende Hauptgebäude bezeichnet.
Geschichte Um das Jahr 1000 besaß das Kloster Einsiedeln Land am Nordrand des Dreisamtals zwischen Ebnet im Westen über den Ort Eschbach bis zum Ibenbach, einem Zufluss des Wagensteigbachs, im Osten, also im Gebiet des heutigen Stegen. Vermutlich als Vögte des Klosters Einsiedeln gewannen die Herren von Weiler hier Einfluss.Mangei 2003, S. 161 und Karte S. 219. Sie wurden später Ministerialen der Herzöge von Zähringen und sind 1112 und 1113 im Rotulus Sanpetrinus genannt, wo Reginhard de Wilare, Reinhard von Weiler, Schenkungen Herzog Bertholds III. an das Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald und Wido de Wilare eine Weihe des Klosters bezeugt.Jutta Krimm-Beumann: Die ältesten Güterverzeichnisse des Klosters Sankt Peter im Schwarzwald. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-021794-2, hier die Urkunden R 12 und R 106. Aus der Familie von Weiler gingen im 12. Jahrhundert die Herren von Falkenstein hervor, doch werden weiterhin Personen des Namens von Weiler genannt, so als Ratsherren der Stadt Freiburg im Breisgau, zuletzt Hans Ulrich Meyer von Wyler, der 1464 Bürgermeister von Freiburg wurde und 1480 ohne männlichen Nachkommen starb. Seine Tochter heiratete Hans von Reischach († um 1524).Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Drei Bände. Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1898–1919. Hier Band 3, S. 481 (Digitalisat der UB Heidelberg).Staatliche Archivverwaltung, S. 1049. Nach Max Weber 1966 und Manfred Müller 1987 heiratete Hans von Reischach die Witwe, nicht die Tochter von Hans Ulrich Meyer von Wyler.
Um diese Zeit gehörte die Stegener Gegend zu Vorderösterreich, und Erzherzog Siegmund belehnte Hans von Reischach mit der Herrschaft Weiler. Die Reischachs erbauten zu Anfang des 16. Jahrhunderts an der Stelle des Meierhofs ein befestigtes Schloss. Spätestens aus dieser Zeit stammt auch die dem heiligen Sebastian geweihte Schlosskapelle; ein Fenstersims der Kapelle trug – heute nicht mehr sichtbar – die Jahreszahl 1504.Müller 1987, S. 3, und Walter 2002, S. 78. Die Gottesdienste wurden von Priestern der Pfarrei St. Gallus (Kirchzarten) und des Klosters St. Peter sowie ab 1786, nachdem Eschbach kirchenrechtlich aus St. Gallus herausgelöst worden war, von Priestern der dortigen Pfarrei St. Jakobus versehen.Läufer 1990. In der Reischacher Zeit taucht erstmals der Name Stegen auf, wohl von Stegen über die sich hier vereinigenden Dreisamursprünge Rotbach und Wagensteigbach:Walter 2002, S. 39 und 175. „Am Zinstag nach St. Gallentag im Fünfzehenhundert und zehenden Jahr nach Brauch und Herkommen Dinggericht […] gehalten ist worden […] zu Yben und Stegen mit zeitigem wohlerwegnem Rate, besonders auch mit Wissen und Willen des edlen und gestrengen Herrn von Reyschachs.“
Als Eucharius von Reischach 1596 ohne männlichen Erben starb, gab Kaiser Rudolf II. Weiler dem erzherzoglichen Sekretär Dr. Justinian Moser († 1633) zu Lehen, der sich seitdem Justinian Moser von Weiler nannte.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Drei Bände. Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1898–1919. Hier Band 2, S. 120 (Digitalisat der UB Heidelberg). Gut hundert Jahre blieb Weiler bei der Familie Moser zu Weiler. Das Schloss, im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde von Maria Clara Anna Moserin zu Weyler († 1657) und ihren Kindern über den erhaltenen mächtigen Kellern wieder aufgebaut.Staatliche Archivverwaltung, S. 1050.Breckel 1979.
Abermals heimgefallen, kam Weiler „mit Gerechtsamen, Gefällen, Gebäuden, Wald, Feld, Matten etc.“Kageneck 1870. 1702 an Johann Friedrich von Kageneck (1633–1705), der auch Besitz in Munzingen hatte und das Schloss Munzingen erbaute und bewohnte. Die Grafen von Kageneck spielten „eine führende Rolle in [Freiburg] wie im gesamten vorderösterreichischen Breisgau, bis der Preßburger Friede 1805 den überkommenen Verhältnissen ein jähes Ende setzte und ein neues Zeitalter für den bisher führenden Adel am Oberrhein anbrechen ließ“.Weber 1966, S. 289. Die Kagenecks des 18. Jahrhunderts mieden allerdings das baulich schlechte Schloss Weiler. Erst der Gründer der Stegener Linie, Philipp Joseph von Kageneck (1788–1850), aus der vierten Generation nach Johann Friedrich,Geneall. zog nach Weiler. Er ließ 1841–1843 die alten Wehranlagen und Wirtschaftsgebäude niederreißen, neue Gebäude errichten und auf das barocke Schloss ein drittes Stockwerk aufsetzen. Auch die Schlosskapelle wurde restauriert. Sie erhielt dabei neugotische Altäre. Philipp Josephs Enkel Maria Franz Xaver Philipp Joseph (1860–1895) und Ernst Maximilian Philipp (1861–1946) ließen die Kapelle zur Feier der Primiz des letzteren 1893–1894 ein weiteres Mal restaurieren. „Die erst 50 Jahre zuvor geschaffenen neugotischen Altäre werden durch altgotische Flügelaltäre ersetzt, die die beiden gräflichen Brüder mit gutem Gespür bei einer Kunstauktion in München erworben hatten.“Müller 1987, S. 7. mini|Die Stegener Linie der KagenecksGeneall. Die Internet-Genealogie ist nicht vollständig. Zum Beispiel hatte Philipp Joseph außer dem Sohn Benedict Philipp Maximilian vier Töchter. S. Kageneck 1870. mini|Allianzwappen Kageneck und Sickingen am Hauptportal des Schlosses Im Jahr 1928, nach dem Tod seines Bruders und seiner Schwägerin Catharina Wilhelmine geb. von Linden (1863–1926), verpachtete Ernst Maximilian Philipp den Besitz an das 1927 gegründete Freiburger Ausbildungshaus der Herz-Jesu-Priester.Internetseite des Ausbildungshauses. Abgerufen am 7. Juli 2012. Im Zweiten Weltkrieg wurden Soldaten einquartiert, später Kinder aus dem Ruhrgebiet und Bombengeschädigte, nicht zuletzt Opfer des Luftangriffs auf Freiburg am 27. November 1944, untergebracht. Nach dem Krieg entstand ein Gymnasium, das die Schüler zunächst nur bis zur Mittleren Reife, ab 1966 bis zum Abitur führte und sich seit 1966 nach dem Patron der Kapelle „Kolleg St. Sebastian“ nennt. Nach und nach erwarben die Herz-Jesu-Priester den Besitz von den Kagenecks käuflich. Neben anderen Umgestaltungen und Erweiterungen wurde 1959 bis 1961 auf dem Gelände eine neue Herz-Jesu-Pfarrkirche für die 1958 von St. Jakobus (Eschbach) abgetrennte Pfarrkuratie (seit 1970 Pfarrei) Stegen errichtet.Die neue Herz-Jesu-Kirche Stegen. Abgerufen am 17. Juli 2012. Die Kapelle wurde 1970, 1982–1983 und zuletzt 1997–2000 instand gesetzt. 1999 übergaben die Herz-Jesu-Priester ihre Schule an die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg, der sie Gelände und Gebäude kostenlos zur Nutzung überlassen.
Profane Gebäude Aus der Zeit bis zu den Kagenecks stammen auf dem weitläufigen, teils parkartigen, zum Teil von einer Mauer umgebenen Gelände das Hauptgebäude, das Schloss im engeren Sinn, südöstlich davon die Kapelle und weiter östlich das von den Kagenecks errichtete, seit der Nutzung durch die Herz-Jesu-Priester so genannte Brüderhaus, ferner nördlich außerhalb der Ummauerung, jenseits der Stegener Hauptstrasse, das ebenfalls von den Kagenecks errichtete Tantenhaus. Das Schloss beherbergt heute die Verrechnungsstelle für katholische Kirchengemeinden des Erzbistums Freiburg sowie private Wohnungen, das Tantenhaus ebenfalls private Wohnungen. Im Tantenhaus wohnte einige Zeit Heinrich Maximilian Edmund Philipp Franz Xaver Maria von Kageneck (1886–1957), mit dem die Stegener Linie ausstarb.Das Leben des Heinrich Graf von Kageneck. Abgerufen am 17. Juli 2012. Über den Eingängen zum Schloss und zum Tantenhaus ist das Kagenecksche Wappen angebracht, ein silberner Schrägbalken im roten Schild. Der Schlosseingang zeigt das barocke Allianzwappen des Ortsherrn Joseph Anton von Kageneck (1701–1747) und seiner Gattin Luzia Josepha von Sickingen (1703–1751), Tochter des kurpfälzischen Konferentialministers Johann Ferdinand von Sickingen († 1719). Joseph Anton von Kageneck stand im Ruf großer Frömmigkeit und Wohltätigkeit gegenüber den Armen.Johann Franz Capellini von Wickenburg: Thesaurus Palatinus, Heidelberg, 1752, Band 1, S. 351–352 (Digitalisat der UB Heidelberg).
Schlosskapelle mini|Westfassade der Schlosskapelle Gebäude mini|Innenraum der Schlosskapelle Äußeres Sie ist das älteste, im Kern mittelalterliche Gebäude des Komplexes. Kirchenrechtlich gehört sie zur römisch-katholischen Pfarrei Herz Jesu der Seelsorgeeinheit Dreisamtal.Herz Jesu Stegen. Abgerufen am 17. Februar 2016. Von West nach Ost reihen sich das Schiff mit je zwei spitzbogigen Fenstern in den Seitenwänden, der eingezogene, gerade schließende Chor mit je einem spitzbogigen Fenster in den Seitenwänden und eine 1982–1983 angebaute Sakristei.
In der Westfassade, beidseits von schräg angesetzten Strebepfeilern begrenzt, öffnet sich das spitzbogige Portal, darüber ein Rundfenster und schließlich der Dachreiter. An der Südwand lehnen neben einer neugotischen Personifikation der Fides, des Glaubens, die stark abgetretenen Grabplatten der Maria Clara Anna Moser und des 1702 gestorbenen Christian Moser, darüber eine Sandsteintafel mit der Inschrift: „Zum Andenken an die hier bestattete Familie Moser sowie an alle Familien des Gutes Weiler zu Stegen, die im Laufe von 700 Jahren diese Schloßkapelle erhalten und ausgeschmückt haben. Stegen 1982 Die Herz-Jesu-Priester.“
Ein Dachreiter, auf spätmittelalterlichen Bildern etwa in der Mitte des Schiffs, steht jetzt über dem Westende. Er enthält einen Glockenstuhl mit drei Glocken aus Bronze, von denen eine aus dem Jahr 1731 stammt. Nr. Gießer Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton 1 F. W. Schilling, Heidelberg 1955 205 kg es″-2 2 Nikolaus Rosier II 1731 610 mm f″+1 3 F. W. Schilling, Heidelberg 1955 84 kg as″-1
Innenraum Der einschiffige Raum besitzt einen Travertinfußboden von 1970 und seit der 1893–1894er Renovierung eine braune, hölzerne Kassettendecke mit einem darin eingelassenen Rundbild des heiligen Sebastian von Joseph Schultis, vermutlich demselben Maler, der 1902 in der Freiburger Lorettokapelle arbeitete. Sebastian, zwei Pfeile und einen Palmzweig in der linken Hand, hält mit der rechten seinen Mantel schützend über Schloss Stegen-Weiler. Hinter dem Triumphbogen öffnet sich der Chor mit einem Kreuzrippengewölbe auf Diensten, deren Kapitelle denen der Wandarkaden der Portalvorhalle des Freiburger Münsters nachgebildet scheinen und wie der Schlussstein mit dem Wappen der Kagenecks bei deren Renovierungen entstanden sein könnten.Kraus 1904: Das Chorgewölbe sei „neuesten Datums“.
Die Glasfenster in den Seitenwänden schuf der aus Breitnau stammende Lorenz Helmle (1783–1849), der mit seinem Bruder Andreas Helmle (1784–1839) auch mehrere Fenster im Freiburger Münster gestaltet hat. Alfred Erhart, Kunsterzieher am Kolleg St. Sebastian ab 1972, schrieb:zitiert bei Müller 1987, S. 14. „Er und sein Bruder Andreas gehörten zu den ersten, die im Zeitalter der Romantik die seit dem 16. Jahrhundert vergessene Kunst der Glasmalerei wiederentdeckten. Inhaltlich bringen die Fenster eine Kurzfassung der Familiengeschichte des Schloßherrn, wie es sich für eine herrschaftliche Kapelle gehört. Gewisse technische Unvollkommenheiten, verbunden mit größter Sorgfalt im Detail, verleihen den Fenstern einen besonderen Reiz.“ Die Stegener Fenster fehlen in dem Werkverzeichnis der Helmles von Daniel Parello.Daniel Parello: Von Helmle bis Geiges. Stadtarchiv Freiburg im Breisgau 2000. ISBN 3-00-006521-0. mini|hochkant|Sebastianstafel