mini|St. Marien, Neunkirchen(Saar), Turmfront mit Mariensäule mini|Die Pfarrkirche St. Marien in Neunkirchen, Blick von der Apsis über das Querhaus zum Turm mini|St. Marien um 1928 St. Marien ist die römisch-katholische Stadtpfarrkirche der saarländischen Kreisstadt Neunkirchen. In der Denkmalliste des Saarlandes ist das neoromanische Kirchengebäude als Einzeldenkmal aufgeführt.Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Landkreis Neunkirchen (PDF; 1,3 MB), abgerufen am 2. Juli 2012. Die Kirche ist dem Bistum Trier zugeordnet. Patroziniumstag ist das kirchliche Hochfest der Aufnahme der Jungfrau und Gottesmutter Maria in den Himmel am 15. August.

Geschichte Das heutige Kirchengebäude ist der Nachfolgebau einer 1751 entstandenen barocken Saalkirche, die 1884 abgebrochen wurde.

In den Jahren 1884–1885 entstand an Stelle der früheren barocken Kirche nach den Plänen des Architekten Ferdinand Schorbach (1846–1912) aus Hannover der bis heute bestehende neoromanische Neubau rheinischer Prägung. Schorbach war Schüler Georg Gottlob Ungewitters, einem der ersten Vertretern der Wiederbelebung gotischer Formen im historistischen Kirchenbau in Deutschland, gewesen. Seit dem Jahr 1862 arbeitete Schorbach im Architekturbüro Edwin Opplers, das in den Jahren 1877–1880 Schloss Halberg in Saarbrücken für den Neunkircher Industriellen Carl Ferdinand von Stumm-Halberg entwarf. Im Jahr 1872 wurde Schorbach Opplers Teilhaber, übernahm im Jahr 1880 das Büro vollständig und versuchte weiterhin, ganz im Sinne der Opplerschen Architekturauffassung tätig zu sein.Peter Eilitz: Leben und Werk des königlich hannoverschen Baurats Edwin Oppler, in: Hannoversche Geschichtsblätter 1971, S. 131–310, hier S. 143.Michael Imhof: Historistisches Fachwerk, Zur Architekturgeschichte im 19. Jahrhundert in Deutschland, Großbritannien (Old English Style), Frankreich, Österreich, der Schweiz und den USA, Bamberg 1996, S. 313. mini|Schorbachs neoromanische Stumm-Kirche in Brebach als Vorbild der Neunkircher Marienkirche; nach Profanierung durch die Evangelische Kirche im Rheinland in aktueller Nutzung als Schafstall Bereits kurze Zeit vor dem neoromanischen Neunkircher Kirchenbau hatte Schorbach in den Jahren 1880 bis 1882 für Stumm in Brebach im gleichen Stil dessen private evangelische Kirche, die sogenannte Stumm-Kirche, in der Nähe von Schloss Halberg errichtet.

Die Oberbauleitung an der Neunkircher Marienkirche hatte der im Büro von Oppler tätige Architekt Johann Heinrich Kastenholz (Hannover), die Ausführung erfolgte durch Nikolaus Zimmer (Heiligenwald) und Nikolaus Ballog. Auftraggeber und Teilfinanzier des Gotteshauses war Carl Ferdinand von Stumm-Halberg.

Im Jahr 1930 erfolgte eine Restaurierung des Kircheninneren. In den Jahren 1945 bis 1947 erhielt das Innere bei einer weiteren Restaurierungsmaßnahme eine neue Farbfassung. Im Jahr 1954 erfolgte ein Umbau, bei dem Marien-Reliefs über den Portalen angebracht wurden. Mitte der 1960er Jahre wurde der Altarraum im Rahmen einer erneuten Restaurierung umgebaut.

Die 1980er Jahre standen im Zeichen weiterer Restaurierungen. So wurde in den Jahren 1981 bis 1986 ein farbiger Innenanstrich durchgeführt, das nördliche Querhausportal zugemauert und ein neuer Eingang im südlichen Seitenschiff eingerichtet. In den Jahren 1986 bis 1989 erfolgte die Restaurierung von Dach, Apsis, Fassade und Turm. Die Planungen dazu stammen überwiegend von Rudolf Maria Birtel.

Baubeschreibung mini|Blick ins Innere der Kirche mini|Köln, St. Kunibert als gestalterische Inspirationsquelle der Neunkircher Marienkirche Architektur Die Kirche wurde im Stil der Neuromanik errichtet. Bei der architektonischen Grundform des Kirchengebäudes handelt es sich um eine Basilika, mit kreuzförmigem Grundriss. Das Langhaus, unterteilt in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe ist unterteilt in vier Joche. An das Langhaus schließt sich ein Querhaus an, daran der Chor mit abschließender halbrunder Apsis. Die Decke des Mittelschiffes wird von Kreuzrippengewölben geformt, die der Seitenschiffe von Kreuzgratgewölben. Der neospätromanische Innenraum von St. Marien ist stark von der Innenraumgestaltung der Kölner Kirche St. Kunibert aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts inspiriert. Das Kirchenäußere weist starke Ähnlichkeiten zur rekonstruierten Gestaltung des Metzer Domes zur Zeit der Romanik gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf.Pierre Edouard Wagner, Jean-Louis Jolin: 15 siècles d'Architecture et d'Urbanisme autour de la Cathédrale de Metz, Editions Serpenoise, Metz 1987.

Das Kircheninnere An den Seitenwänden des Chorraumes und im nördlichen Arm des Querschiffes befinden sich szenische Darstellungen des Kunstmalers Franz Schilling (München) von 1930. Die Mitte der 1960er Jahre erfolgte Ausmalung der Kirche in Grau mit wenigen Farbtupfern an den Kapitellen wurde von Restaurator Mrziglod (Tholey) durchgeführt. Zur gleichen Zeit wurde der Altarraum umgebaut. Dabei entstand ein neues Tabernakel und Ambo durch den Architekten Rudolf Maria Birtel (Neunkirchen).Informationen zur Innenausstattung der Pfarrkirche St. Marien Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 2. Juli 2012.

Zur Ausstattung der Kirche gehören auch eine Kreuzigungsgruppe und eine Pietà in Form von bildhauerischen Werken. Sie befinden sich in den westlichen Abschnitten der beiden Seitenschiffe. Daneben finden sich im Inneren der Kirche auch ein Gnadenbild in Form einer Marienikone und ein großes Altarkreuz.

Das Kirchenäußere Auf dem Kirchenvorplatz steht eine Mariensäule, die im Jahr 1954 vom Bildhauer Hans Bogler (Neunkirchen) angefertigt wurde. Es handelt sich um Grauguss aus dem Neunkircher Eisenwerk.Informationen zum Außenbau der Pfarrkirche St. Marien Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 2. Juli 2012. Das Bildwerk wurde aus Anlass des von Papst Pius XII. verkündeten Marianischen Jahres errichtet und erinnert an das Jahrhundert-Jubiläum der feierlichen Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis (Immaculata) im Jahr 1854 durch Papst Pius IX. sowie an das von Pius XII. im Jahr 1950 verkündete Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel.

Die Flachreliefs mit Themen der Marienverehrung in den Tympanon-Feldern über den 4 Portalen sind im Jahr 1954 von Pfarrer Johannes Schmitt (Neunkirchen) konzipiert worden. Ausgeführt wurden die Reliefs von Willi Hahn.

Glocken Im Turm der Kirche befindet sich ein Geläut von vier Glocken. Von diesen wurden die drei größten im Jahr 1952 vom Glockengießer Albert Junker aus Brilon (Westfalen) in Bronze gegossen. Die kleinste Glocke stammt aus dem Jahr 1924 von Junker & Edelbrock, ebenfalls aus Brilon.Die Glocken von St. Marien (PDF; 2,7 MB), abgerufen am 2. Juli 2012.

Die Kirche besaß zwei Vorgängergeläute, die auch jeweils aus vier Glocken bestanden. Das erste stammte von 1885 und wurde von Andreas Hamm aus Frankenthal geliefert und musste 1917 im Ersten Weltkrieg komplett abgegeben werden. Vom zweiten Geläut, das von der Glockengießerei Junker & Edelbrock (Brilon/Westfalen) stammte, wurden während des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1942 die drei größten Glocken beschlagnahmt. Lediglich die kleinste Glocke verblieb bis heute im Turm.

Nr. Name Ton Inschrift 1 Christus b0 „O rex gloriae veni cum pace!“ (Ö König der Herrlichkeit komm mit deinem Frieden!) 2 Maria des1 „Regina in caelum assumpta, ora pro nobis!“ (Du Königin, in den Himmel aufgenommen, bitte für uns!) 3 Joseph es1 „Hl. Joseph, Vorbild der Arbeiter, Stützer der Familien, Schutzherr der hl. Kirche, bitte für uns!“ 4 Andreas f1 „Hl. Andreas, Liebhaber des Kreuzes, bitte für uns!“

Orgel mini|Orgelprospekt mit Rückpositiv Die Orgel der Kirche stammt von der Orgelbaufirma Roethinger aus Straßburg und wurde in zwei Abschnitten, in den Jahren 1952 und 1954, nach einem Dispositionsentwurf des damaligen Organisten der St. Marienkirche, Alfons Erner,Die Roethinger-Orgel in St. Marien, Neunkirchen/Saar Auf: www.jan-broegger.de, abgerufen am 1. August 2012. erbaut.

Das Instrument ist auf der (Süd-)West-Empore über dem Eingang der Kirche aufgestellt und besitzt einen freistehenden Spieltisch. Die Windladen sind Schleifladen mit elektrischer Spiel- und Registertraktur. Infoseite des Webangebots Orgeln im Saarland, abgerufen am 2. Juli 2012. Die Gesamtzahl der Orgelpfeifen beträgt 3090. Die aus Zink bestehenden Prospektpfeifen wurden mit Gold- und Silberbronze verschieden lackiert, sodass optisch unterschiedlich getönte Pfeifengruppen entstehen.

Das Instrument verfügte über 40 Register verteilt auf 3 Manuale und Pedal. Darüber hinaus gab es 9 Extensionen bzw. Transmissionen im Pedal. Im Zuge der Innenrenovierung der Kirche im Jahr 1985 wurde die Orgel von der Firma Hugo Mayer Orgelbau (Heusweiler) einer Generalüberholung unterzogen, bei der eine teilweise Umintonierung (Verstärkung des Schwellwerkes) und der Neubau des Spieltisches erfolgte. Darüber hinaus wurden die Sub- und Superkoppeln des Rückpositivs und Schwellwerkes entfernt.

I Hauptwerk C–g3 1. Prinzipal 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Gedackt 8′ 4. Dulziana 8′ 5. Oktave 4′ 6. Nachthorn 4′ 7. Quinte ′ 8. Doublette 2′ 9. Kornett V 10. Mixtur IV-VI 11. Basson 16′ 12. Trompete 8′ 13. Clairon 4′ II Positiv C–g3 14. Bordun 8′ 15. Gemshorn 8′ 16. Rohrflöte 4′ 17. Flageolett 2′ 18. Larigot ′ 19. Sesquialtera II 20. Zimbel IV 21. Krummhorn 8′ III Schwellwerk C–g3 22. Quintadena 16′ 23. Prinzipal 8′ 24. Holzflöte 8′ 25. Salizional 8′ 26. Schwebung 8′ 27. Oktave 4′ 28. Blockflöte 4′ 29. Nasard ′ 30. Waldflöte 2′ 31. Terz ′ 32. Mixtur V 33. Dulzian 16′ 34. Basson-Hautbois 8′ 35. Regal 4′ Pedal C–f1 36. Prinzipal 16′ 37. Subbaß 16′ Echobaß (= Nr. 22) 16′ 38. Quintbaß ′ Prinzipal (Oktavauszug Nr. 36) 8′ Spillpfeiffe (Oktavauszug Nr. 37) 8′ Choralbaß (Oktavauszug Nr. 36) 4′ Rohrflöte (Oktavauszug Nr. 37) 4′ Sopran (Oktavauszug Nr. 37) 2′ 39. Mixtur VII 40. Posaune 16′ Dulzian (= Nr. 33) 16′ Trompete (Oktavauszug Nr. 40) 8′ Kornett (Oktavauszug Nr. 40) 4′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Suboktavkoppeln: II/I, III/I Superoktavkoppeln: III/I, III/P Spielhilfen: zwei freie Kombinationen, Tutti

In den Jahren 2022 bis 2024 erfolgte eine Renovierung und technische Sanierung durch Thomas Gaida (Wemmetsweiler). Dabei wurde das Schwellwerk um eine englische Trompete 8′ und die Posaune im Pedal um 32′-Oktave ergänzt sowie die Pedalmixtur auf zwei Register aufgeteilt. Das Instrument hat heute 41 Register, zuzüglich zahlreicher Extensionen und Transmissionen. Der dreimanualige Emporenspieltisch wurde grundlegend überarbeitet und ein neuer fahrbarer viermanualiger Zentralspieltisch geliefert, der im Chorraum aufgestellt wurde. Die Einweihung fand am 24. November 2024 statt. 2025 soll eine Chororgel ergänzt werden. Im Zentralspieltisch ist die Manualzuordnung frei wählbar, so dass sich sämtliche Werke in Sub-, Äqual- und Superoktavlage an jede Klaviatur ankoppeln lassen. Der Manualumfang ist im I. Manual A2–c5, in den anderen Manualen C–c4. Die Disposition am Zentralspieltisch lautet:Beschreibung auf organ index, abgerufen am 3. Dezember 2024. Hauptwerk hinten 1. Prinzipal 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Gedackt 8′ 4. Dulziana 8′ 5. Basson 16′2024 Kehlen im Bass beledert. 6. Trompete 8′ 7. Clairon 4′ Horn 16′Extension aus dem Pedal, Posaune 16′. Horn 8′

Hauptwerk vorne 8. Octave 4′ 9. Nachthorn 4′ 10. Quinte ′ 11. Doublette 2′ 12. Kornett V 13. Mixtur IV-VI Horn 16′ Horn 8′ Positiv 14. Bourdon 8′ 15. Gemshorn 8′ 16. Rohrflöte 4′ 17. Flageolet 2′ 18. Larigot ′ 19. Sesquialter II 20. Cymbel IV 21. Krummhorn 8′ Tremulant

AuxiliareDie Register Principal 16′ und Subbaß 16′ des Pedalwerkes sind mitsamt ihren 8′-Auszügen als Auxiliare frei an jedes Manual ankoppelbar. Principal 16′Extension bzw. Transmission aus dem Pedal, Principal 16′. Subbaß 16′Extension bzw. Transmission aus dem Pedal, Subbaß 16′. Principal 8′ Spillpfeife 8′ Schwellwerk hinten 22. Quintadena 16′ 23. Principal 8′ 24. Holzflöte 8′ 25. Salicional 8′ 26. Schwebung 8′ 27. Mixtur V