mini|230px|Saarmunder Kirche Die Vogtei Saarmund, ab dem 15. Jahrhundert Amt Saarmund genannt, war eine landesherrliche Verwaltungseinheit in der Mark Brandenburg, die bis 1826 existierte. Urkundlich nicht belegt, jedoch eindeutig aus den Quellen zu erschließen, wurde letztlich auch die Vogtei Beelitz mit der Vogtei Saarmund vereinigt (zeitweise wurde die Vogtei Beelitz, eventuell auch nur Teile, auch von der Vogtei Trebbin verwaltet). Der ursprüngliche Burgbezirk der Vogtei Saarmund mit über zehn Dörfern und dem Städtchen Saarmund wuchs durch Zukäufe im 17./18. Jahrhundert (zu dieser der Zeit schon Amt Saarmund genannt) deutlich an und umfasste um 1800 neben Saarmund 29 Dörfer, 11 Vorwerke oder Mühlen und zwei größere Forste. Allerdings fielen im 14./15. Jahrhundert einige Dörfer wüst, die später nur zum Teil wieder besiedelt wurden. Andererseits entstanden einige völlig neue Siedlungen auf Amtsgebiet. Im 15./16. Jahrhundert war das Amt Saarmund häufig verpfändet, fiel aber immer wieder an den Landesherrn zurück. Ab etwa 1690 war das Amt ständig verpachtet. 1817 hatte es 4160 Einwohner. 1826 wurde es dem Amt Potsdam zugeschlagen und aufgelöst. Das Gebiet des Amtes Saarmund gehört heute überwiegend zum Landkreis Potsdam-Mittelmark, kleinere Teile auch zum Landkreis Teltow-Fläming.

Geschichte Saarmund wurde bereits 1216 erstmals urkundlich als Sarmunt genannt. Das Amt Saarmund entstand aus dem ehemaligen Burgbezirk um die Burg Saarmund. Dieser Burgbezirk umfasste wahrscheinlich ursprünglich ein Gebiet, das von der Nuthe und Nieplitz (einschließlich Schiaß) nutheabwärts bis auf die Höhe von Bergholz-Rehbrücke, das viel später angelegt wurde, nach Westen unter Einschluss von Flottstelle (unter Ausschluss von Caputh), dem Schwielowsee entlang bis einschließlich Ferch reichte, und von dort weiter zum Großen Seddiner See zur Nuthe südlich von Schiaß zurück, wobei ursprünglich die Nuthe im Osten die Grenze zum Teltow bildete. Möglicherweise gehörte ursprünglich auch das Gebiet im Norden, das von der Nuthe bis zur Einmündung in die Havel, Havel und Schwielowsee begrenzt wird, zum Burgbezirk von Saarmund.

Der Burgbezirk Saarmund lag in der Zauche. Die Zauche war als Patengeschenk für Otto, dem Sohn Albrechts des Bären bereits um 1130 an die Askanier gekommen, die späteren Markgrafen von Brandenburg. Allerdings hat die sogenannte Ostzauche wahrscheinlich eine besondere Geschichte und gehörte nicht zur ursprünglichen Zauche, dem Patengeschenk für Otto. Mit einiger Sicherheit gehörte sie für einige Jahrzehnte zum Erzstift Magdeburg und damit zum Besitz der Magdeburger Erzbischöfe, die sich mit der gegen die Interessen der Askanier gerichteten Gründung des Klosters Zinna bei Jüterbog 1170 in der Region festsetzten. In der Ostzauche ist mit der dichteren urkundlichen Überlieferung ab etwa 1200 mehrfach Besitz magdeburgischer Ministerialen nachgewiesen. Nur in der Ostzauche und dem Gebiet um Jüterbog kommt eine besondere Getreideabgabe vor, das sogenannte Mandelkorn. Auch die starke Befestigung der Nuthelinie auf beiden Seiten mit zahlreichen Burgen ist ohne eine vielleicht sogar für mehrere Jahrzehnte stabil verlaufende Grenze entlang der Nuthe zwischen dem askanischen Ostteltow (rechts der Nuthe) und der wahrscheinlich erzstiftisch-magdeburgischen Ostzauche (links der Nuthe) nicht zu erklären.

mini|links|Nuthe mit der Kirche Saarmund im Hintergrund Die 1349 als «Haus» bezeugte Burg Saarmund lag etwa 100 m nördlich der heutigen Kirche. Es handelte sich um eine rundliche, von einem Wassergraben umgebene Anlage von etwa 60 bis 85 m Durchmesser, von der Fundamentreste nachgewiesen sind. Mittel- und spätslawische sowie frühdeutsche Funde belegen, dass die Anlage auf einem bereits in slawischer Zeit existierenden Burgwall stand. Südlich der Anlage verlief die Straße von Beelitz zu einem Übergang über die Nuthe. Längs dieser Straße entwickelte sich zunächst ein Burgflecken mit einer breiten Anger- und einer engeren Marktstraße, das spätere Städtchen Saarmund. Die Burg war in landesherrlichem Besitz, zu ihrer Versorgung dienten die Abgaben von mehreren Dörfern. 1375 umfasste der Burgbezirk Saarmund das Städtchen Zarmunt (Saarmund), Langerwisch, Mychendorf (Michendorf), Schoyas (Schiaß), Gutergotz (Güterfelde), Cedelendorf (Zehlendorf), Frederichstorf (Fresdorf), Trebinstorf (Tremsdorf), Nudow und Sticken (Stücken). Güterfelde und Zehlendorf im Teltow gehörten sicher nicht ursprünglich zum Burgbezirk Saarmund, da sie zu weit entfernt von Saarmund liegen.

Burg und Burgbesitz, anfänglich Vogtei genannt, wurden von einem vom brandenburgischen Markgrafen eingesetzten Vertreter, dem Vogt, verwaltet. Er hatte die höhere und niedere Gerichtsbarkeit in der Vogtei und in der Stadt inne. 1435 wurde die Verwaltungseinheit erstmals als das Amt Saarmund bezeichnet. Nach der Lage der zur Vogtei beziehungsweise zum Amt Saarmund zugehörigen Dörfer muss die Vogtei Beelitz sehr früh und urkundlich nicht belegt mit dem Amt Saarmund vereinigt oder zumindest gemeinsam verwaltet worden sein. Eine letzte Nennung der Vogtei Beelitz stammt von 1625. Auch taucht in der Literatur gelegentlich der Begriff Vogtei Saarmund und Beelitz auf, wenn es um die Herrschaftszugehörigkeit der ursprünglich wahrscheinlich zur Vogtei Beelitz gehörenden Dörfer geht. Im ausgehenden 18. Jahrhundert hatte das Amt seinen Sitz im Vorwerk südlich der Stadt. 1818 ist vom Rentamt Saarmund die Rede. 1824 hatte das Rentamt Saarmund seinen Sitz in Beelitz. mini|Saarmund auf dem Urmesstischblatt (Bl. Potsdam 3644), o. O. ca. 1850. Am unteren Bildrand das Vorwerk, ehemaliger Sitz des Amtes Saarmund, das aber 1826 bereits nach Potsdam verlegt war mini|Der Schwielowsee, Blick von Ferch gegen das östliche Ufer

Zugehörige Orte und Rechte Zum ursprünglichen Burgbezirk, dem Verwaltungsgebiet des Vogts, also der Vogtei Saarmund, gehörten das Städtchen Saarmund und rund zehn Dörfer, von denen einige wüst fielen. Später kamen weitere, zum Teil auch neu angelegte Dörfer, Vorwerke, Mühlen und Forste hinzu: Saarmund (heute Ortsteil der Gemeinde Nuthetal). Stadt, oder meist Städtchen genannt. Ahrensdorf (heute ein Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde). Das Dorf wurde 1242 durch das Kloster Lehnin vom Vorbesitzer Heinrich von Steglitz gekauft. Bereits vor 1375 war es vom Kloster Lehnin an die von Gröben verliehen, die es zu einem Bestandteil der kleinen Adelsherrschaft Schloss Beuthen machten. 1680 wurde es vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm zum Amt Saarmund gekauft. Bergholz, ein Wohnplatz im Ortsteil Bergholz-Rehbrücke der Gemeinde Nuthetal. 1375 war das halbe Dorf im Besitz des Jakob Mukum, der drei Hufen zu seinem Wohnhof in Bergholz hatte. Die andere Hälfte war an Nicolaus Wernitz verliehen, erst in diesem Jahr (1375) beliehen worden war (vorher Hentze Sachtleben (Sachteleven)). Schon 1427 hatten die v. Schlieben in Baruth das ganze Dorf mit allen Rechten zunächst in Pfandbesitz, später als Lehen. Vor 1450 bis 1486 war es an die Vogtei Saarmund gefallen. 1486 folgten die v. Schönw im Besitz des Dorfes, und von 1545 bis 1583 die v. Schlabrendorf. Nach einer Unterbrechung durch die v. Lüderitz folgten erneut die v. Schlabrendorf von 1601 bis 1614. 1614 bis 1620 gehörte das Dorf den v. Schlabrendorf und v. Thümen, ab 1620 bis 1654 den v. Thümen allein. 1654 bis 1659 konnten die v. Schlabrendorf das Dorf wieder für ein paar Jahre in ihren Besitz bringen. 1659 verkaufte Manasse von Schlabrendorf Bergholz an seinen Schwiegersohn Otto von Schwerin. Dieser verkaufte das Dorf 1662 an den Kurfürsten, der das Dorf dem Amt Potsdam zur Verwaltung überließ. Birkhorst (früher Claasdorf, auch Berghorst oder Clausdorf genannt; heute Gemeindeteil von Salzbrunn, einem Ortsteil von Beelitz). 1748 wurde eine „Kolonie“ für vier Familien im Amtsgebiet bei der Clausdorfer Mühle am Mühlenfließ errichtet. Bereits um 1342 existierte eine Wassermühle an diesem Ort, die jedoch eingegangen und 1724 neu eingerichtet worden war. Buchholz (heute ein Ortsteil der Stadt Beelitz). Der Ort gehörte nur von 1819 bis 1826 zum Amt Saarmund. 1680 hatte der Große Kurfürst das Dorf von den von der Groeben gekauft und ihn dem Amt Potsdam zur Verwaltung überwiesen. Buchholzer Mühle (heute ein Wohnplatz im Ortsteil Buchholz der Stadt Beelitz). 1745 wurde auf Amtsgelände eine Wassermühle angelegt. Brachwitz (heute ein Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen). Das Dorf hat eine sehr wechselvolle Besitzgeschichte hinter sich. 1682 wurde es vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm zum Amt Saarmund hinzu gekauft. Burgfischerei. Ehemalige Wassermühle und Fischerhaus. Gehörte ursprünglich zum Amt Saarmund und wurde vor 1817 an das Amt Potsdam überwiesen. Deutsch Bork (heute Ortsteil der Gemeinde Linthe, Amt Brück). Das Dorf war im ausgehenden Mittelalter im Besitz der Familie von Oppen. 1684 kaufte es der Kurfürst Friedrich Wilhelm zum Amt Saarmund hinzu. Elsholz (heute Ortsteil der Stadt Beelitz). Das Dorf war vor 1375 bis 1463 markgräflich und gehörte zur Vogtei Trebbin. In diesem Jahr war es an die von Schlabrendorf verkauft. 1601 wurde die Herrschaft geteilt, 1684 wieder vereinigt und 1687 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm zum Amt Saarmund gekauft. Fahlhorst (heute ein Ortsteil der Gemeinde Nuthetal). Der Ort gehörte seit seiner ersten urkundlichen Nennung zur kleinen Adelsherrschaft Schloss Beuthen beziehungsweise nach deren Konkurs zum Gut Schenkendorf bei Großbeeren. 1667 wurde es vom Kurfürsten gekauft und zum Amt Saarmund gezogen. Flottstelle (heute ein Wohnplatz der Gemeinde Schwielowsee). 1731/33 wurden auf dem zum Forst Kunersdorf und damit zum Amt Saarmund gehörenden Areal bei einer Holzablage zwei Büdnerhäuser errichtet. 1794 zogen weitere Siedler zu; 1837 waren es bereits fünf Häuser. Fresdorf (heute Ortsteil der Gemeinde Michendorf). Gehörte zum ursprünglichen Burgbezirk bzw. Vogtei Beelitz, später Vogtei Saarmund und Beelitz bzw. Amt Saarmund. Allerdings hatten auch adelige Familien Rechte an bäuerlichen Abgaben. (Gröben) (heute Ortsteil von Ludwigsfelde). Das Dorf gehörte zur Herrschaft Schloss Beuthen. Allerdings konnte das Amt Saarmund im Dorf die Rechte für die Abgaben von zwei Dreihüfnerbauern erwerben. („Gütergotz“)(1937 in Güterfelde umbenannt, heute Ortsteil der Gemeinde Stahnsdorf). Das Ober- und Untergericht war 1263 in den Besitz des Klosters Lehnin gekommen, jedoch hatten sich der Markgraf bzw. Kurfürst die Bede und die Wagendienste der Bauern vorbehalten, die um 1375 noch zum Amt Saarmund zu leisten waren. Bereits 1589 waren diese Rechte z. T. an das Amt Potsdam und z. T. an das Amt Mühlenhof gegangen. Um 1700 gingen alle Einnahmen zum Amt Potsdam. Kähnsdorf (heute Ortsteil der Gemeinde Seddiner See). Der Ort gehörte ursprünglich wohl zur Vogtei Beelitz. Er gehörte bereits 1450 bis nach 1540 zur Vogtei Trebbin. Zwischen 1540 und 1616 wurde Kähnsdorf zum Amt Saarmund umgegliedert. (Körzin) (heute Gemeindeteil von Zauchwitz, einem Ortsteil der Stadt Beelitz). Das Dorf war in adeligem Besitz; die Herrschaft geteilt. Das Amt Saarmund hatte lediglich das Recht, die Abgaben von einem Bauern und einem Kossäten einzukassieren. 1375 betrug die Abgabe des Bauern ein Scheffel Roggen an Pacht (ad pactum), zwei Schillinge Zins (ad censum) und ein Viertel Roggen, 1 Viertel Gerste und einen halben Scheffel Hafer an Bede (ad precariam). Außerdem waren noch 30 Schock Groschen und zwei Hühner abzuliefern. Die Abgaben des Kossäten waren 6 Pfennige (denarii) und ein Huhn.