mini|Blick von der Langener Straße mini|Alte Schmiede beim Schlossweiher vor dem Brand Wolfurt ist eine Marktgemeinde im Bezirk Bregenz im österreichischen Bundesland Vorarlberg mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Wolfurt liegt im westlichsten Bundesland Österreichs, Vorarlberg, im Bezirk Bregenz südöstlich des Bodensees auf 434 Metern Höhe. Die Marktgemeinde ist Teil des Ballungsraums Rheintal und liegt zwischen den Städten Bregenz und Dornbirn. Wolfurt gehört einerseits zum Vorarlberger Rheintal, andererseits zum Bregenzerwaldgebirge (nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen). Landschaftlich ist Wolfurt sehr abwechslungsreich, im Norden an der Bregenzer Ache gibt es einen Auwald, im Nordosten ist ein Teil des Natura 2000 Schutzgebietes Bregenzerachschlucht, im Osten ist ein relativ naturbelassener Wald (Ippachwald) mit teils steilen Hängen und im Südwesten ist eine moorige torfhaltige Riedlandschaft (Lauteracher Ried). Wolfurt liegt am Fuße des Steußberges mit dem Schneiderkopf als höchster Erhebung.
22,5 % sind bewaldet, 37 % sind landwirtschaftliche Nutzflächen, 11,6 % sind Gärten, 7,1 % sind Bauflächen.
Gewässer mini|Die Bregenzerachschlucht bildet die Nordostgrenze von Wolfurt, rechts der Ippachwald Die Bregenzer Ach tritt bei Wolfurt und Kennelbach aus der Bregenzerachschlucht ins Vorarlberger Rheintal. Die Dammstraße ist der erste Damm und schützt vor Hochwasser.
Kleinere Bäche aus dem Ippachwald bilden teils tiefe, steile Tobel. Im Siedlungsgebiet sind sie großteils verrohrt:
Tobelbach Ippachbach Himmelreichbach Eulentobelbach Bannholzbach Rickenbach Die Tobel dieser Bäche befinden sich laut Gefahrenzonenplan im unteren Bereich in der roten Zone, da es hier immer wieder zu Hangrutschungen und Vermurungen kommt. Trotz Hochwasserschutzmaßnahmen verursachen die Bäche bei Starkregen gelegentlich Überflutungen. Teile des Siedlungsgebietes sind daher als gelbe Zone ausgewiesen. Genaue Daten dazu gibt es im Vorarlberg Atlas. Durch die globale Erwärmung, die im Alpenraum besonders ausgeprägt ist, werden die Starkregenereignisse häufiger und intensiver, besonders in den Nordweststaulagen. Daher wird die Wildbachverbauung ständig verbessert werden müssen. Zuständig ist die Wildbach- und Lawinenverbauung, Sektion Vorarlberg.
Im Ried bildet die Schwarzach teilweise die Grenze zu Schwarzach und Dornbirn.
Gemeindegliederung Wolfurt gilt als typisches Straßendorf und erstreckt sich beidseitig der Hauptstraße (L3 Hofsteigstraße) in Richtung Dornbirn. Wolfurt fällt durch eine starke Zersiedelung auf. Der Ort besteht mit wenigen Ausnahmen aus Einfamilienhäusern. Die Zersiedelung führt dazu, dass Wolfurt heute mit Schwarzach zusammengewachsen ist, obwohl die beiden Ortskerne rund vier Kilometer voneinander entfernt liegen. Ähnlich präsentiert sich die Situation mit der westlich gelegenen Nachbargemeinde Lauterach, die ihrerseits stark zersiedelt ist.
Die Gemeinde besteht aus der Katastralgemeinde Wolfurt.
Ortsteile sind: Wida, An der Ach, Oberfeld, Kirchdorf, Strohdorf, Flotzbach, Rickenbach, Gewerbegebiet Hohe Brücke, Güterbahnhof Combi Cargo Terminal Wolfurt, das Ried und der Ippachwald.
Wolfurt ist Etappenort am Maximiliansweg, einem Teilstück des Europäischen Fernwanderwegs E4.
Nachbargemeinden Wolfurt teilt seine Gemeindegrenze mit sechs anderen Vorarlberger Gemeinden. Fünf dieser sechs liegen ebenso wie die Marktgemeinde im Bezirk Bregenz, eine im Bezirk Dornbirn. Es sind dies im Uhrzeigersinn (im Norden beginnend) die Gemeinden Kennelbach, Buch, Bildstein und Schwarzach, die Bezirkshauptstadt Dornbirn und die Marktgemeinde Lauterach.
Geschichte
Antike Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer die Bodenseeregion und unterwarfen die ansässigen Kelten und Räter. Bald erbauten sie eine wichtige Militär- und Handelsstraße (Allgäustraße), die bei Wolfurt am Fuß des Steußberges (Schneiderkopfgebiet) die Bregenzer Ach überquerte. Daher stammt der Name Wolfurt (wohle Furt). Die Straße verlief über das heutige Oberfeld, die Rheintalebene war damals noch sehr sumpfig.
Mittelalter Um das Jahr 500 errichteten die Alemannen im heutigen Gemeindegebiet zwei Höfe, den „Kellnhof“ und den „Hof zur Steig“ (später Hofsteig), die sich beide später als Markgenossenschaften weit ausdehnten und selbständige Gerichte wurden. Der Name Wolfurt taucht erstmals um 1226 als der eines reichen und kriegerischen Rittergeschlechtes auf, das großen Einfluss in Süddeutschland und in der Schweiz hatte. Neben frommen Äbten und Ordensfrauen brachten die Herren von Wolfurt auch Krieger hervor. Die Brüder Konrad und Ulrich von Wolfurt führten ungarische Söldnerheere nach Italien. Sie schwangen sich 1349 zu Statthaltern von Neapel und Apulien auf und ließen sich später in Ungarn nieder, wo ihre Familien noch 100 Jahre lang über fünf Grafschaften regierten und Reichtümer anhäuften.
Von Ritter Konrad stammt der bekannte Wolfurter Kelch, den er dem Kloster Pfäfers stiftete. Das Original befindet sich heute im Landesmuseum Zürich; das Original der Stiftungsurkunde wird im Stiftsarchiv St. Gallen verwahrt. Eine Kopie des Kelchs ist im Rathaus der Gemeinde ausgestellt.
Im 15. Jahrhundert starb das Geschlecht aus. 1451 verkauft Ulrich von Schwarzach Veldegg an das Kloster Mehrerau. Mehrerau besitzt zu dieser Zeit 452 Leibeigene, viele davon sind aus Wolfurt. Burg Wolfurt kam als österreichisches Lehen 200 Jahre lang an die Familie Leber aus Bregenz.
Die alten Wolfurter Burgen Kuien und Veldegg sind verbrannt und verschwunden, Burg Kuien wird überwiegend dem Reich der Sagen zugeschrieben. Das Schloss Wolfurt aber wurde nach jedem Brand neu aufgebaut und gilt heute mit seinen wuchtigen Mauern als Wahrzeichen von Wolfurt, es befindet sich heute im Besitz der Marktgemeinde.
Frühe Neuzeit 1550 und 1593 wütete die Pest auch in Wolfurt. Ein Jahr später entsteht das erste Häuserverzeichnis, es gibt in Wolfurt 70 Häuser, davon sind 10 unbewohnt. Zusammen leben in Wolfurt 350 Einwohner. 1595 kommt es zu einem Hexenprozess gegen Anna Martin. Die Hexenverfolgung ist in den Hofsteiggemeinden besonders hoch. 1615 verleiht Graf Kaspar von Hohenems den Kellhof neu. Zum Kellhof gehören dabei 200 Leibeigene.
1676 zwingt eine Hungersnot Erwachsene und Kinder zum Betteln und zur Arbeitssuche ins Ausland. Der Maisanbau beginnt. Erst um 1725 wird die Kartoffel eingeführt. 1774 führt Maria Theresia mit der Normalschule die Schulpflicht ein. Vier Jahre später wird im Strohdorf das erste Schulhaus erbaut.
19. Jahrhundert Bei der Gründung der selbständigen Gemeinde Wolfurt im Jahre 1808 zählte Wolfurt 1143 Einwohner, 183 Häuser und 266 Kühe.Aufzeichnung des Landammann Schneider aus dem Jahr 1808 gemäß Emil Gmeiner in Heimat Schwarzach, Schwarzach 1990, Eigenverlag der Gemeinde Schwarzach, S. 83.
mini|Belegschaft der Firma Zuppinger im Jahr 1897 mini|Villa Zuppinger Finanzkräftige Schweizer Fabrikanten kamen ins Vorarlberger Rheintal, um das Gebiet der österreichisch-ungarischen Monarchie als Absatzgebiet zu gewinnen. 1838 errichtete die Firma Jenny & Schindler in Kennelbach die damals größte Baumwollspinnerei der Monarchie. Die Textilindustrie wuchs ab 1870 schnell. Sie war auch in Wolfurt erfolgreich, weil durch Heimarbeit erworbene Kompetenzen vorhanden waren. Friedrich Wilhelm Schindler war nicht nur Textilfabrikant, sondern auch ein Elektropionier. 1882 gab es zum ersten Mal in Vorarlberg elektrische Beleuchtung in der Villa Grünau in Kennelbach. Viele Wolfurter fanden Arbeit bei den Betrieben von Schindler.
Für die Arbeiter waren die Arbeitsbedingungen sehr schlecht und die Löhne niedrig. Es kam immer wieder zu Hungersnöten. Viele Familien waren nicht in der Lage, ihre Kinder zu ernähren. Daher wurden viele Kinder vom Frühling bis in den Herbst nach Schwaben geschickt. Sie wurden als Schwabenkinder bezeichnet. Dort konnten sich auf sogenannten Kindermärkten große reiche Bauern nahezu kostenlose Arbeitskräfte besorgen. Die Kinder mussten unter sklavenähnlichen Bedingungen hart arbeiten und waren der Willkür der Bauern ausgesetzt. Erst 1921 nahm diese Praxis ab, als in Schwaben die Schulpflicht für ausländische Kinder eingeführt wurde.
Als Pioniere hatte das aus der Schweiz stammende Geschlecht der Zuppinger bereits vor 1900 Ideen, Arbeit, Geld und diversifizierte Industrialisierung nach Rickenbach gebracht. Die Zuppingers betrieben Textilindustrie, eine Getreidemühle und das zu dieser Zeit erste und einzige Kühlhaus Vorarlbergs, das heute noch an gleicher Stelle in Betrieb ist. Das notwendige Eis für das Kühlhaus hatten die Zuppingers aus dem 100 Ar umfassenden Mühlteich gewonnen, der später jahrzehntelang Raststation und Heimat für seltene Vogelarten war. Die Zuppingers bauten einen wichtigen Kanal und die heutige Bahnhofstraße durch ihr zwei Quadratkilometer großes Anwesen. Im Jahr 1900 ließen sie die „Villa Zuppinger“ im Jugendstil erbauen. Dieses in Wolfurt und der gesamten Region einzigartige Gebäude mit seiner Gartenanlage und seinem bemerkenswerten Baumbestand befindet sich noch heute in Familienbesitz.
20. Jahrhundert Viele Wolfurter errichteten Stickereimaschinen und begannen selber, Stickereiprodukte zu produzieren. Die Industrie wurde so zu einem zweiten Standbein neben der Landwirtschaft. Der Erste Weltkrieg kostete 86 Wolfurter Soldaten das Leben und die Armut hat sich weiter verschlimmert. Die Nachkriegszeit hat die Armut nochmals verschlimmert. Zwischen 1934 und 1938 verübte die illegale NSDAP Terroranschläge. 1938 war der „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich und die Deutsche Wehrmacht marschierte ein. In der siebenjährigen NS-Diktatur wurden auch Wolfurter verhaftet, gefoltert und ermordet. Ottilia Köb kam in Gestapo-Haft wegen „Beleidigung der Regierung“. Der Lehrling Martin Österle kam in Gestapo-Haft und wurde brutal gefoltert, wegen „Unterstützung von Kriegsgefangenen“. Ernst Reiner kam in Gestapo-Haft, dann in die Klinik Innsbruck, dort starb er nach 15 Monaten. Franz Singer und der erst 14-jährige Hubert Spiegel kamen ebenfalls in Haft. Josef Wachter und sein 16-jähriger Sohn wurden wegen versuchter Gründung einer systemfeindlichen Jugendgruppe verhaftet.
1939 begann der Zweite Weltkrieg. Bis 1945 wurden rund 25.000 Vorarlberger in die Deutsche Wehrmacht eingezogen, 8000 kamen nicht zurück, davon 99 Wolfurter. Beim Kriegerdenkmal bei der Pfarrkirche sind die Namen aller Wolfurter Gefallenen der beiden Weltkriege aufgelistet. In den letzten Kriegstagen wurde auch Wolfurt zum Kriegsschauplatz, dabei gab es auch Opfer unter der Zivilbevölkerung, u. a. die erst 15-jährige Luise Bilgeri. Wer zu früh die weiße Fahne rausgehängt hat, wurde von SS-Leuten erschossen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Wolfurt von 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich. Nach 1950 verwandelte sich das Bauerndorf schnell in einen Wohnort mit Hunderten von neuen Einfamilienhäusern, bald auch in eine Industriegemeinde mit leistungsfähigen Betrieben. In den Jahren 1970 bis 1982 errichteten die ÖBB in Wolfurt den modernsten Güterbahnhof Österreichs. Wegen seiner überregionalen Bedeutung wurde Wolfurt am 1. Mai 1982 zur Marktgemeinde erhoben.
Der allgemeine gesellschaftliche Wandel erfasst auch Wolfurt. Der Wohlstand nimmt zu, der Lebensstil ändert sich und auch die Werte. Es gibt immer weniger Bauern in Wolfurt.
Seit 1998 ist Wolfurt im e5-Programm. Das e5-Landesprogramm unterstützt Gemeinden, die eine nachhaltige Energiepolitik und aktiven Klimaschutz in ihrer Gemeinde umsetzen wollen. Konkret geht es um effizienten Umgang mit Energie, Förderung erneuerbarer Energieträger (Sonne, Holz, Biogas), Förderung klimafreundlicher und gesunder Mobilität und unabhängige Energieversorgung in Land und Gemeinde. Bereits 1999 ergab die erste Zertifizierung e3 mit einem Umsetzungsgrad von 57 %.
21. Jahrhundert