mini|Gutshaus von Nordosten gesehen Pretschen, , ist ein Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Märkische Heide im Landkreis Dahme-Spreewald (Brandenburg). Der Ort wurde bereits 1004 erstmals urkundlich genannt. Bis zur Eingemeindung 2003 war Pretschen eine selbständige Gemeinde.
mini|Pretschener Spree bei Pretschen
Geographie Pretschen liegt etwa 20 km südwestlich von Beeskow und 18 km südsüdöstlich von Storkow (Mark) am Rand des Unterspreewalds zwischen Kiefernwäldern, Auwiesen, Gräben und Fließen der Spree. Die am Ort vorbeifließende Pretschener Spree ist ein Seitenarm der Großen oder Hauptspree, die zwischen Schlepzig und Plattkow fließt. Die Gemarkung grenzt im Norden an die Gemarkungen von Alt-Schadow (Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide) und Limsdorf (Ortsteil der Stadt Storkow (Mark)), im Nordosten an Werder/Spree (Ortsteil der Gemeinde Tauche) und Plattkow (Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide), im Südosten an die Gemarkung von Wittmannsdorf (Gemeindeteil von Wittmannsdorf-Bückchen, Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide), im Süden an Gröditsch und Kuschkow (beide Orte sind Ortsteile der Gemeinde Märkische Heide), im Westen an die Gemarkung von Neu Schadow (Gemeindeteil von Hohenbrück-Neu Schadow, Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide) und im Nordwesten wieder an Alt-Schadow. Der Ort ist über die K6117 von Wittmannsdorf oder Gröditsch zu erreichen.
Höchste Erhebungen auf der Gemarkung sind Mühlenberg (87,3 m) und Weinberg (81,2 m), tiefster Punkt ist die Spree mit etwa 43 m. Im Norden der Gemarkung liegt das Kleine Luch, im Südosten der Gemarkung bildet der Gröditscher Landgraben über eine größere Erstreckung die Gemarkungsgrenze. Der nördlich der Pretschener Spree gelegene Teil der Gemarkung ist überwiegend bewaldet, während der südlich der Pretschener Spree gelegene Gemarkungsteil überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Die Niederung der Pretschener Spree ist zum größten Teil sumpfig.
Die Gemarkung umfasst über 1719 Hektar. 2013 hatte der Ort etwa 280 Einwohner. mini|Auszug aus dem Nienburger Bruchstück mit der Erwähnung Pretschens = Morscina
Geschichte Pretschen wurde bereits in einer Urkunde vom 8. August 1004 zum ersten Mal als Mroscina erwähnt; in der Urkundenabschrift von 1180 heißt es dagegen Morscina. Der spätere Kaiser Heinrich II. (973 bis 1024) schenkte damals dem Kloster Nienburg an der Saale ein größeres Gebiet an der Spree. Der Dorfstruktur nach war Pretschen ein Sackgassendorf. Der Name leitet sich von einem im Sorbischen verlorengegangenen Grundwort * mroka = Sumpf, Feuchtigkeit ab, das allerdings in anderen slawischen Sprachen noch vorhanden ist. Der Name Mročna oder Mročina ist somit als „Ort in sumpfigem Gelände gelegen“. Pretschen war 1004 ein Burgwardort. Nach dieser Erwähnung schweigen die Urkunden für fast 300 Jahre (die Urkunde von 1180 ist nur eine Abschrift).
Dorfgeschichte Pretschen war allerdings bis 1585 wüst gefallen oder zerstört worden. Es wurde in den Jahren danach wieder aufgebaut. Die heutige Gemarkung Pretschen entstand aus zwei Teilen, dem nördlich der Pretschener Spree gelegenen Teil, der zur Herrschaft Storkow gehörte und auf dem später das Vorwerk Amalienhof entstand, und dem südlich der Pretschener Spree gelegenen Teil der Gemarkung, der ursprünglichen Feldmark des Dorfes Pretschen, die zur Niederlausitz gehörte. Der nördliche Teil der Gemarkung war daher immer direkt mit dem Rittergut verbunden, und die Bauern und Kossäten von Pretschen hatte weder Felder noch Nutzungsrechte auf diesem Teil. Dieser Teil der Gemarkung gehörte auch um 1800 zum Beeskow-Storkowischen Kreis. Er kam erst 1928 zur Gemarkung und damit zum Kreis Lübben hinzu.
mini|Pretschen auf dem Urmesstischblatt 3949 Schlepzig von 1846; Ausschnitt 1518 besaß der Krüger in Pretschen einen Weinberg bei Wulfersdorf. 1653 lebten sechs Bauern, 18 Kossäten und fünf Büdner in Pretschen. 1708 waren es noch fünf Bauern, dafür aber 20 Kossäten und vier Büdner. 1718 gab es nur noch drei Bauern im Ort sowie 14 Kossäten und ein Häusler. Das Dorf hatte die beachtliche Schatzung von 1500 Talern. 1723 gab es einschließlich des Schlosses 22 Feuerstellen im Ort. 1755 lebten 350 Menschen im Dorf. Die durchschnittliche Ernte betrug in Dresdnern Scheffeln berechnet: 825 Scheffel Korn, 6 Scheffel Weizen, 62 Scheffel Gerste, 56 Scheffel Hafer, 29 Scheffel Erbsen, 56 Scheffel Heidekorn (= Buchweizen) und 22 Scheffel Lein.
Wann das Vorwerk auf dem zur Herrschaft Storkow gehörigen nördlichen Teil der Gemarkung entstand, ist nicht bekannt. Der Amalienhof ist erstmals in der Schmettauschen Karte von 1767/87 verzeichnet. 1801 gab es dort zwei Feuerstellen (Wohnhäuser). Auf dem Vorwerk Amalienhof wohnten ein Einlieger und ein Radmacher mit ihren Familien, insgesamt neun Personen. Als Besitzer des Amalienhofes ist der „Amtmann Paschke zu Bretschen“ verzeichnet. 1795 sind fünf Freibüdner erwähnt. 1809 lebten fünf Ganzbauern (= Vollbauern), 18 Ganzkossäten und 26 Häusler oder Büdner im Dorf. mini|Selbstbedienungsschleuse an der Pretschener Spree 1818 gab es in Pretschen eine Windmühle und eine Schenke. Die Windmühle stand südlich des Ortskerns am Weg nach Kuschkow auf einem kleinen Hügel (Grundstück 326 bei ALKIS). Der Ort zählte Feuerstellen und Einwohner; im Amalienhof gab es zwei Feuerstellen und 12 Bewohner.
1835 stand die Schmiede in Pretschen zum Verkauf. 1835 gehörten zum Amalienhof vier Häuser, in denen 40 Menschen wohnten. 1840 hatte der Ort 61 Wohnhäuser, in denen 439 Menschen wohnten. Vermutlich lag dort auch eine Wassermühle. 1848 wurde im Gut eine Brennerei erbaut. 1852 ließen die damaligen Gutsbesitzer Heinrich Anton von Voss und seine Frau Ernestine ein neues Gutshaus errichten. War es abgebrannt? 1852 soll nach Riehl eine große Feuersbrunst in Pretschen gewesen sein. 1855 wurde am Weinberg immer noch Wein angebaut. Er trug bis zu 20 Eimer (knapp 1.400 Liter) trinkbaren Weins. Ebenfalls in den 1850er Jahren wurde eine Dampfmahlmühle mit 16 Pferdestärken angeschafft. 1864 lebten in 60 Häusern 533 Einwohner. Es gab zwei „Etablissements“ (Amalienhof und vermutlich bereits Birkenweg 1/2) in Pretschen, eine Windmühle, eine Schule, ein Winzerhaus und eine Ziegelei. Auf der Gemarkung wurde Torf gestochen. Um 1860 lebten auch acht Bürger jüdischen Glaubens in Pretschen. Das Generaladressbuch gibt für 1879 an, dass es eine Brennerei und eine Ziegelei im Ort gab. Die Dampfmahlmühle war zu diesem Zeitpunkt außer Betrieb. Bevölkerungsentwicklung von 1818 bis 2002 Jahr 1818 1846 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1971 1981 1991 2002 Einwohner 365 455 501 491 438 439 353 569 521 444 432 366 358 332 mini|Dorfkirche Pretschen, Südseite mini|Feuerwehrhaus Pretschen Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut zunächst von der Sowjetarmee übernommen und die Besitzer enteignet. Später wurde es in ein Volkseigenes Gut (VEG) umgewandelt. Im Gutshaus war die Verwaltung des Volkseigenen Gutes und eine Berufsschule untergebracht. Weiter gab es Landarbeiterwohnungen im Gutshaus. 1970 wurde das Gebäude vereinfachend renoviert. Seit 1999 ist das Gut mit Gutshaus in Privatbesitz. 2013 wurde Pretschen im Bundeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft mit Silber ausgezeichnet.
Besitzgeschichte – 14. Jahrhundert Nach Berghaus waren die ersten nachgewiesenen Besitzer am Ende des 13. Jahrhunderts/Beginn 14. Jahrhundert die Brüder Friedrich und Johann von Langen. 1328 belehnte Dietrich der Abt von Dobrilugk den in Pretschen ansässigen Gunther von Lange(n) mit verschiedenen Rechten im Unteren Spreewald, die sich von den Dörfern Gröditsch und Kuschkow bis Pretschen erstreckten, darunter Wiesen- und Holznutzung und die Fischerei in der Spree. In der Urkunde wird auch ein Christian Langen senior als Zeuge erwähnt. In welcher Beziehung er zu Gunther Langen stand, ist aber nicht ersichtlich. Vermutlich belehnte Abt Dietrich den Gunther von Langen nicht in seiner Funktion als Abt des Klosters Dobrilugk, sondern als damaliger Herr von Lübben. 1360 verschrieb Markgraf Friedrich von Meißen der Agnes, Frau des Dietrich von Langen das Dorf Pretschen zu ihrem Leibgedinge.
15. Jahrhundert 1423 hatte Hans Lange seinen Rittersitz in Pretschen. 1429 wurde er verdächtigt, hussitischen Helfern und Verrätern Unterschlupf gewährt zu haben. Die Anschuldigung war unberechtigt und/oder blieb folgenlos, denn er ist auch 1436 noch Herr auf Pretschen. In diesem Jahr kaufte Hans von Langen und seine Söhne Hans und Friedrich ein Stück Heide an der Pretschener Spree von Hans von Biberstein und seinen Söhnen Friedrich und Wenzel gegen Schadow hin. Es handelt sich um den nördlich der Pretschener Spree gelegenen Teil der Gemarkung von Pretschen.
Vermutlich starb Hans der Ältere 1436/37, denn 1437 bestätigte Kaiser Sigismund den Brüdern Johann d. J. und Friedrich von Langen die Besitzungen, Rechte, Nutzungen und Gebietsgrenzen, die Abt Dietrich von Dobrilugk am 1. Mai 1328 ihrem Vorfahren Gunther von Langen verliehen hatte. 1449 gehörten Nickel und Nickel brüdere zcum Breczin zur Erbarmannschaft im Lande zcu Crummensprewe. Einer der beiden Nickel ist bald darauf verstorben, denn 1462 und 1469 wird nur noch ein Nickel Lange als Besitzer von Pretschen genannt. 1473 zechte er mit dem gesuchten Straßenräuber Hans von Glaubitz in der Schenke von Pretschen. 1494 belehnten der sächsische Kurfürst Friedrich III. (der Weise) und Johann „der Beständige“, Herzog von Sachsen und Georg „der Bärtige“, Herzog von Sachsen und Sagan die von Langen mit der gesamten Hand mit ihren Besitzungen: Nickel der Ältere auf Münchehofe, Nickel den Jüngeren und Friedrich zu Krausnick und die Brüder Christoph, Hans und Anton zu (Märkisch) Buchholz. Weiter erhielten sie Teurow (bei Halbe), Pretschen mit der Mühle und den Wildwerder, den Georg Lange innehatte. 1505 bestätigte der damalige Herzog von Glogau und Troppau (und spätere König von Polen) Sigismund I., der Anna, Frau des Georg Langen die Dörfer Pretschen und Wittmannsdorf als Leibgedinge. Wittmannsdorf muss also zwischen 1494 und 1505 von den von Langen erworben worden sein.
16. Jahrhundert Am 21. März 1517 belehnte der Niederlausitzer Landvogt Heinrich Tunkel von Bernitzko aus Anlass des Todes von König Vladislav II. Georg Langen mit Pretschen und Wittmannsdorf mit Zubehör. Am 22. Mai 1517 verlieh Ulrich von Biberstein den Brüdern Nickel d. Ä. und Anton von Langen auf Münchehofe und Krausnick die Anwartschaft auf Pretschen nebst dem Wildwerder im Falle des erbenlosen Todes von Georg Langen, Sohn des verstorbenen Nickel Langen, auf Pretschen. 1519 belehnte Bischof Dietrich von Lebus den Georg Lange auf Pretschen mit dem Dorf Pretschen und dem Wildwerder. Es handelt sich hierbei um eine Wiederbelehnung, nach dem Übergang der Herrschaft Beeskow an den Bischof von Lebus, denn Georg v. Langen saß auch bereits 1518 auf Pretschen. Nach dem Erbregister der Herrschaft Storkow mussten Georg Lange von Brotzsch und der Krüger von Schadow für die Befischung des Kerckower Sees einen Zins von einem Pfund Ingwer bezahlen. Zur Musterung der niederlausitzischen Landstände 1520 in Guben erschien Georg Lange mit einem Pferd und einem Fußknecht ohne Harnisch, ebenso zur Musterung von 1528.