Rankweil ist eine Marktgemeinde im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Mit Einwohnern (Stand ) ist sie die zweitgrößte Gemeinde im Bezirk Feldkirch und die achtgrößte Gemeinde in Vorarlberg.
Bekannt ist Rankweil auch als Wallfahrtsort durch die 1985 zur Basilica minor erhobene Liebfrauenbergkirche, die auch im Rankweiler Wappen zu sehen ist. Als Schulstandort mit drei höheren Schulen hat die Marktgemeinde für die Region Vorderland besondere Bedeutung.
Name In Urkunden des Klosters St. Gallen aus dem Zeitraum 774 bis 920 finden sich Schreibweisen zu Orten in Vorarlberg, u. a. auch „Vinomna“ für Rankweil im Jahr 774.Georg Keckeis: Topographisch-historische Beschreibung der Ortschaften Rötis und Viktorsberg, neu herausgegeben von der Gemeinde Röthis, 1991, S. 39. Der ursprüngliche Name Vinomna wurde erstmals im 11. Jahrhundert in einem Einkünfte-Rodel des Bistums Chur eingedeutscht als „Rankwil“ bzw. „Rankweil“ erwähnt. Es gibt mehrere Deutungen für diesen Namen, beispielsweise soll er abgeleitet von Rank für Krümmung sein. Daraus soll sich auch das neulateinisch verwendete Wort Rancovilla abgeleitet haben. Eine andere Deutung geht davon aus, dass es sich um einen Personennamen handelt: Rankeirus oder Raikairus.Johann Baptist Rusch: Das Gaugericht auf der Müsinerwiese oder das freie kaiserliche Landgericht zu Rankweil in Müsinen, S. 28, Fn. 8, S. 105.
Geografie Rankweil liegt im oberen Vorarlberger Rheintal in der Grenzregion zur Schweiz (St. Galler Rheintal) und zum Fürstentum Liechtenstein, auf 468 Meter Seehöhe. Rankweil ist die drittwestlichste Gemeinde Österreichs. Rund 70 Prozent der 22 km² großen Gemeinde liegen in der Rheinebene, der Rest im größtenteils bewaldeten Hügelland.
Zwischen dem Hohen Sattel (752 m) im Süden und dem Sattelberg (575 m) im Norden bei Klaus bildet die Rheinebene die geschützte Bucht des Vorderlandes mit ausgesprochenem Gunstklima, das anspruchsvolle landwirtschaftliche Kulturen erlaubt. 30 Prozent der Fläche Rankweils sind bewaldet.
Der größte Bach des Ortes ist die Frutz, ein längerer Wildbach an der Nordgrenze. Östlich der sogenannten „Fabrik“, am Übergang vom Hügelland ins Rheintal wird von der Frutz der Mühlbach abgezweigt. Seit 1846 erfolgt die Abzweigung etwas weiter oberhalb mittels eines Stauwehrs, Rotes Tor genannt. Der Mühlbach, der künstlich durch Rankweil geführt wird, hat früher bis zu 23 Wasserkraftanlagen angetrieben. Die erste Wasserkraftnutzung erfolgte schon im Jahr 1300. Das größte Kraftwerk läuft heute in der ehemaligen Spinnerei, jetzt „Fabrik“ genannt. Der Mühlbach wird auch zur Wasserentnahme durch die Feuerwehr genutzt.
Ortsteile der Gemeinde sind Brederis und Rankweil.
Nachbargemeinden Die Marktgemeinde Rankweil hat gemeinsame Gemeindegrenzen mit zehn anderen Gemeinden im Bezirk Feldkirch. Dies sind (von Norden aus im Uhrzeigersinn) Koblach, Röthis, Sulz, Zwischenwasser, Laterns, Übersaxen, Satteins, Göfis, Feldkirch und Meiningen.
Geschichte Zur Zeit des Römischen Reiches war das heutige Rankweil unter dem Namen „Vinomna“ ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem die befestigten römischen Straßen zusammenliefen, unter anderem die Hauptverkehrsstraße von Chur nach Augsburg. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 842.
1375 verkauften die Grafen von Montfort die Herrschaft Feldkirch, und damit Rankweil, an die Habsburger. Diese verwalteten ihre im heutigen Vorarlberg gelegenen Herrschaftsgebiete abwechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Im späten Mittelalter, in der Zeit der Appenzellerkriege (1405–1429, zwischen dem mit Habsburg verbündeten Fürstabt von St. Gallen und den ihnen untergebenen Appenzellern) ergab sich die Herausbildung der in der Neuzeit abgeschlossenen staatlichen Territorien.
Signifikant dafür waren unterschiedliche Bündnisse der Städte und der Stände, wie auch die Herrschaft Feldkirch (Rankweil) mit den Hofleuten zu Altstätten, Berneck und Marbach mit der Stadt St. Gallen sowie mit den Landleuten am Eschnerberg. 1398 erfolgte die Gründung eines Klosters der Klarissinnen im Wald von „Valduna“, das 1782 im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus aufgehoben und abgebrochen wurde.
1405 erfolgte durch die Aufnahme der Herrschaft Feldkirch und damit von Rankweil, die eigentliche Gründung des nach eidgenössischem Vorbild organisierten Bundes ob dem See, des wichtigsten Bündnisses dieser Zeit. Dieser dehnte sich rasch aus (u. a. Bludenz, Rankweil, Sax, Gaster und Toggenburg). Gewagte militärische Unternehmungen und Erhebungen gegen die Herrschaft der Habsburger (Tirol, Allgäu, Thurgau) waren kurzfristig erfolgreich und führten zur Zerstörung zahlreicher Adelsburgen. Am 13. Januar 1408 unterlag der Bund jedoch bei Bregenz dem habsburgischen Ritterheer.
1618 wurde Rankweil das Marktrecht verliehen. Von 1805 bis 1814 gehörte es mit Vorarlberg zu Bayern, dann wieder zu Österreich. Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Rankweil seit der Gründung 1918. Der Ort war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.
Politik
Gemeindevertretung
In Vorarlberg wählen die Bürger alle fünf Jahre die Mitglieder der Gemeindevertretung durch Ankreuzen eines Listen-Wahlvorschlages bzw. durch Mehrheitswahl wenn kein Listenvorschlag vorliegt. Weiters den Bürgermeister durch Ankreuzen eines Wahlvorschlages.
Die Gemeindevertretung wählt in der konstituierenden Sitzung aus ihrer Mitte – sofern keine Wahl durch die Bürger zustande kam – gemäß § 61 Gemeindegesetz einen Bürgermeister und dann einen mindestens dreiköpfigen Gemeindevorstand. Die Zahl dieser „Gemeinderäte“ darf aber gemäß § 55 den vierten Teil der Zahl der Gemeindevertreter nicht übersteigen.
Der Bürgermeister führt den Vorsitz bei den generell öffentlichen Sitzungen der Gemeindevertretung, in denen kommunale Belange besprochen und Beschlüsse gefasst werden. Beobachter haben kein Mitspracherecht und kein Stimmrecht. Die Gemeindevertretung kann nach Bedarf Ausschüsse bestellen. Sitzungen des Gemeindevorstandes und der Ausschüsse sind nicht öffentlich.
Sitzverteilung nach den Wahlen
Gemeindevertretungswahlen 1985: ÖVP 22, SPÖ 6, FPÖ 1, Interessengem. VBG 1. Gemeindevertretungswahlen 1990: ÖVP 14, SPÖ 8, FPÖ 4, Forum 3, Interessengemeinsch. 1. Gemeindevertretungswahlen 1995: ÖVP 16, SPÖ 6, FPÖ 4, Forum 3, IV Rankweil-Brederis 1. Gemeindevertretungswahlen 2000: ÖVP 15, FPÖ 6, GRÜNE 5, SPÖ 3. Gemeindevertretungswahlen 2005: ÖVP 17, GRÜNE 9, SPÖ 5, FPÖ 2. Gemeindevertretungswahlen 2010: ÖVP 21, GRÜNE 7, SPÖ 3, FPÖ 2. Gemeindevertretungswahlen 2015: ÖVP 18, GRÜNE 10, SPÖ 3, FPÖ 2. Gemeindevertretungswahlen 2020: ÖVP 22, GRÜNE 8, SPÖ 2, FPÖ 1. Gemeindevertretungswahlen 2025: ÖVP 13, GRÜNE 12, FPÖ 5, SPÖ 3.
Bürgermeister
Bevölkerungsentwicklung
Per 1. Jänner 2013 waren 11.741 Personen in Rankweil gemeldet. Im Vergleich zu 2011 (siehe Grafik) bedeutet dies einen Zuzug von 174 Personen. Insgesamt gibt es 4858 Haushalte, in 1214 davon leben Kinder oder Jugendliche. In 3644 Haushalten gibt es keine Kinder oder Jugendliche. Die durchschnittliche Haushaltsgröße in Rankweil beträgt 2,5 Personen.Melderegister Marktgemeinde Rankweil, Jänner 2013.
In Rankweil lebten 2013 insgesamt 1458 Familien. 234 davon sind Alleinerzieher. In drei Prozent aller Familien leben vier oder mehr Kinder. In über 80 Prozent der Familien leben ein oder zwei Kinder. Im Jahr 2012 wurde Rankweil als „familieplus“-Gemeinde ausgezeichnet – eine Landesauszeichnung für familienfreundliche Gemeinden.
Kultur In Rankweil gibt es 125 Vereine. Rund 40 davon sind Sportvereine, gefolgt von 12 Kulturvereinen und je neun Vereinen aus den Bereichen Musik, Religion/Kirche und Familie.
Seit den 1990er Jahren behauptet sich das Alte Kino Rankweil in der Vorarlberger Kulturszene. Der Verein ist vor allem in folgenden Bereichen aktiv: Blues, Kabarett, Theater, Film, Rock, Kleinkunst und Mundart. Von Zucchero über Bryan Adams, Gianna Nannini und Amy McDonald bis hin zu Dave Brubeck und Hubert von Goisern sind nationale und internationale Stars bereits in Rankweil aufgetreten.
Regelmäßige Veranstaltungen Folgende große Veranstaltungen finden jährlich in Rankweil statt:
Faschingsumzug (alle zwei Jahre) die Kilbi, ein Volksfest das Kellerfest Rankweiler Sommer: ein Ferienprogramm in den Sommermonaten mit über 40 verschiedenen Veranstaltungen
Sehenswürdigkeiten
mini|Spinnerei-Gelände (heute Gewerbepark)
Profanbauten Spinnerei Rhomberg: Diese Anlage wurde 1839 von Ohmaier erbaut und ist mit wenigen Zubauten in zwei Bauphasen entstanden. Das Gebäude gehört zu den ältesten Spinnereibauten des Landes. Durch die Lage zwischen Wasser und Straße waren keine Ausdehnungsmöglichkeiten vorhanden, sodass notgedrungen ein kompaktes Objekt entstand, das mit der Topographie wie verwachsen scheint. Die ruhigen Volumen, Fensterfronten und nicht zuletzt der gut aufgesetzte Wasserturm ergaben einen seltenen Industriebau. Ireppe vom Usschällar am Berg: Vermutlich gleichzeitig mit dem Bau des Pfarrhofes im Jahr 1704 wurde der „Verkündtstoa“ errichtet. Dieser diente für die Bekanntgabe amtlicher Verlautbarungen und sonstiger Mitteilungen nach dem Amt am Sonntag. Dringende Verlautbarungen wurden vom „Usschällar“ an insgesamt 65 auf das ganze Dorf verteilten Plätzen verkündet, wobei er seine Kundmachungen so wie auf dem „Verkündstoa“ mittels Handglocke ankündigte. Letztmals war der „Usschällar“ im Jahr 1955 im Einsatz. Volksschule Markt: Errichtet 1846/47 vom Rankweiler Baumeister Franz Josef Weiß nach staatlichen Einheitsplänen für eine Schule mit vier Klassenzimmern und einer Lehrerwohnung anstelle des baufälligen Mesnerhauses der Pfarre St. Peter. Im Jahr 1899 erhielt die Schule zum Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph ein zweites Stockwerk sowie einen Turnhallenanbau. Der Zubau für die Sonderschule Rankweil-Vorderland erfolgte im Jahr 1983. Ehemaliges Gasthaus Löwen: In diesem mächtigen barocken Satteldachhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts befand sich nach mündlicher Überlieferung früher der Gasthof Löwen, der dann um 1890 an den Marktplatz (heute Bahnhofstraße 2) verlegt wurde. 1873 richtete hier Johann Alois Häusle eine Schlosserei ein. Die meisten der zahlreichen Gasthäuser des weitum bekannten und gut besuchten Wallfahrtsortes Rankweil standen in unmittelbarer Nähe zum Liebfrauenberg an der Ringstraße. Sie trugen vorwiegend religiös motivierte Namen und sind teilweise noch heute in Betrieb. Mühlbach: Aus einem Nebengerinne der Frutz entstanden, wird der Mühlbach 1302 urkundlich erstmals erwähnt. Seit damals wurde er zur Energieerzeugung genutzt, so säumten Mühlen, Sägen, Schmieden, aber auch eine Baumwollspinnerei sowie eine Papier- und Leimfabrik seine Ufer. Im Jahre 1879 wurde durch die Energie des Mühlbachs erstmals elektrischer Strom in Rankweil erzeugt. 1928 zählte man am Mühlbach 22 Wasserkraftwerke. Heute sind dank privater Betreiber noch zehn in Betrieb. Altes Waschhaus: Das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Waschhaus des Gasthof Hirschen war möglicherweise das einzige Gebäude dieser Art am Mühlbach und zeugt von der renommierten Stellung der Gaststätte. Nach dem Auskochen der Wäsche im Waschhaus gingen die Frauen über die eigens angelegte Treppe zum Mühlbach, um die Wäsche dort auszuschwenken. Rathaus: Der Ursprung des Gebäudes geht auf die Zeit vor 1500 zurück, aus der noch die Kellergewölbe erhalten sind. Seit 1822 befindet es sich im Besitz der Marktgemeinde Rankweil, 1885 wurde es letztmals erweitert. In den letzten 200 Jahren fand das Gebäude als Gerichtshaus, Gemeindeamt, Archiv, Schulhaus, Armenhaus, Bank und als Wohnung für Lehrer, Gemeindearzt und Gendarmeriebeamte Verwendung. Seit der Renovierung 1998 dient das Gebäude der Marktgemeinde Rankweil wieder als Rathaus.