mini|Ludwig Bamberger Ludwig Bamberger (geboren am 22. Juli 1823 in Mainz; gestorben am 14. März 1899 in Berlin) war ein deutscher Bankier und Politiker.

Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Liberalismus der Zeit der Reichsgründung. Aus einer jüdischen Bankiersfamilie stammend, gehörte er 1870 zu den Gründern der Deutschen Bank. In den frühen 1870er Jahren war Bamberger einer der wichtigsten Finanzpolitiker. Er war an der Gründung der Reichsbank beteiligt und gilt als Vater der Münzreform und der deutschen Mark. Von 1867 bis 1893 war Bamberger Mitglied des Reichstages, zunächst für die Nationalliberale Partei, dann als ein Anführer der Liberalen Vereinigung (Sezession) und schließlich der Deutschen Freisinnigen Partei.

Herkunft und Ausbildung Der Vater Bambergers war ein jüdischer Kaufmann in Mainz, der sich schließlich als Bankier etablierte, ohne das Handelsgeschäft aufzugeben. Die Mutter stammte aus der Familie Bischoffsheim, deren Bankhaus in den 1830er Jahren internationale Bedeutung erlangt hatte. Der Vater war zwar einigermaßen wohlhabend, gehörte aber finanziell nicht zu den Spitzen der Mainzer Gesellschaft. Bamberger hatte sechs Geschwister. Sein älterer Bruder, Rudolph Bamberger, übernahm später das väterliche Unternehmen.

mini|Stadtansicht von Mainz, um 1840 Bamberger besuchte das Gymnasium und erhielt daneben Privatunterricht in verschiedenen Fremdsprachen. Bereits im Alter von fünfzehn Jahren begann er eigene Texte zu verfassen. Nach Abschluss der Schule studierte er ab 1842 an der Hessischen Ludwigs-Universität in Gießen, der Universität Heidelberg und der Universität Göttingen Rechtswissenschaft. Politisch geprägt wurde Bamberger unter anderem von einer liberalen Umgebung, den Erinnerungen an die Mainzer Republik und durch Einflüsse aus dem zeitgenössischen politischen Diskurs in Frankreich. Neben seinen juristischen Studien interessierte er sich in dieser Zeit auch für die zeitgenössische Philosophie und für ökonomische Theorien wie die von Adam Smith. In seiner Zeit in Heidelberg hörte er unter anderem bei dem liberalen Juristen C.J.A. Mittermaier. Enge Beziehungen schloss er mit Friedrich Kapp und Heinrich Bernhard Oppenheim. Diese teilten die Orientierung an Frankreich einerseits und das Ziel eines starken Nationalstaates andererseits. Mit diesen und anderen gründete Bamberger 1843/1844 einen studentischen Diskussionsclub, der sich Walhalla nannte (später Burschenschaft Walhalla Heidelberg).Horst Grimm, Leo Besser-Walzel: Die Corporationen. Frankfurt am Main 1986. Das letzte Studienjahr verbrachte er in Göttingen. Das Fakultätsexamen legte er in Gießen ab. Dort promovierte er anschließend auch. Die Laufbahn als Richter und der Staatsdienst waren ihm als Juden jedoch verschlossen. Auch der Beruf des Notars war auf Grund des großen Andrangs ebenso wenig eine Alternative wie die Stelle eines Rechtsanwaltes, die für ihn wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nicht in Frage kam. Für das mögliche Ziel eines Universitätslehrers fehlten Bamberger die finanziellen Mittel, so dass er zunächst nach Mainz zurückkehrte. Seit seiner Jugend war er mit dem späteren Orientalisten Max Grünbaum freundschaftlich verbunden.

Demokrat während der Revolution in Mainz Die Nachricht vom Ausbruch der Februarrevolution löste bei Bamberger eine euphorische Begeisterung aus. Am 9. März 1848 bot er der Mainzer Zeitung seine Mitarbeit an, die auch angenommen wurde. In der folgenden Zeit wurde Bamberger die prägende Kraft des Blattes. Er stieg – neben Karl Bölsche – zum Mitherausgeber und Chefredakteur auf. Er machte die Zeitung über Mainz hinaus zu einem wichtigen Blatt, dessen Abonnentenzahlen innerhalb weniger Wochen stark anwuchsen. Dem bislang auf die Familie angewiesenen einkommenslosen Juristen brachte die Arbeit ein sicheres Einkommen von 800 Gulden im Jahr ein.

Einflussreich waren seine regelmäßig erscheinenden Leitartikel. Darin beschrieb er nicht zuletzt die französische Republik auch als Vorbild für Deutschland. Er reiste nach Frankfurt, um direkt über das Vorparlament und die Nationalversammlung zu berichten und zeigte sich bald enttäuscht von der insgesamt gemäßigten Haltung der Abgeordneten. Nur wenige wie Friedrich Hecker schienen Bambergers radikalere Ziele zu teilen. In der Folge kritisierte er als entschiedener Republikaner die Politik der Märzministerien und der Nationalversammlung scharf. Allerdings blieb er dabei durchaus auch realistisch. So hat er sich vom Heckerzug im April 1848 distanziert, weil dieses Vorgehen nur den Gegnern der Revolution nützen würde. Über die Publizistik hinaus versuchte Bamberger direkten Einfluss auf die politische Entwicklung in Mainz zu nehmen. In der Folge erreichten die Republikaner im örtlichen Bürgerkomitee die Mehrheit. Einige Zeit später wurde er auch im demokratischen Verein der Stadt an führender Stelle – zeitweise als Vorsitzender – aktiv. Allerdings machte er sich damit politische Gegner und auf deren Druck verlor er seine Position als Chefredakteur, blieb aber Korrespondent des Blattes.

Als führender Demokrat in Mainz nahm Bamberger sowohl am ersten wie auch am zweiten gesamtdeutschen Demokratenkongress teil. Beim zweiten Treffen in Berlin im Oktober 1848 wurde er mit erst 25 Jahren sogar zum Präsidenten der Versammlung gewählt. Allerdings behielt er diese Position nur wenige Tage, da er zurücktrat, als der Kongress die Nationalversammlung und die provisorische Zentralgewalt aufforderte, gegen die Gegenrevolution in Wien vorzugehen. Einen solchen Appell hielt Bamberger für wirkungslos und für die demokratische Bewegung für kontraproduktiv. Hinzu kam aber auch seine Kritik an sozialistischen Utopien, wie sie während des Kongresses laut wurden. Zurückgekehrt nach Mainz übernahm er ab Januar 1849 erneut den Posten eines Mitherausgebers der Mainzer Zeitung nun mit einem Salär von 1000 Talern. mini|Darstellung zur Auflösung des Rumpfparlaments am 18. Juni 1849 in Stuttgart: Württembergische Dragoner treiben die Demonstration der ausgesperrten Abgeordneten auseinander.

Je mehr die Revolution in die Defensive geriet, umso stärker kritisierten Bamberger und seine Zeitung die Nationalversammlung. Die Kritik ging so weit, dass Bamberger den Grundrechtskatalog der Nationalversammlung ablehnte und an die Einzelstaaten appellierte, gegen die Frankfurter Einigungspolitik zu opponieren. Zudem lehnte er den von den Linken der Nationalversammlung gegründeten Centralmärzverein als Zusammenschluss der demokratischen Vereine ab und sprach sich weiterhin für den vom letzten Demokratenkongress eingesetzten Zentralausschuss aus. In dieser Zeit interessierte sich Bamberger auch für die Ideen von Pierre-Joseph Proudhon. Er übersetzte dessen Schrift über Volksbanken, die auf Kleinstaktien beruhen und zinslose Darlehen vergeben sollten, worauf sie mit einer Einleitung versehen als Broschüre veröffentlicht wurde.

Zwar kritisierte Bamberger die kleindeutsche Lösung, die Idee des Erbkaisertums und letztlich die von der Nationalversammlung verabschiedete Verfassung. Als sich aber der Widerstand der Regierungen gegen die Entscheidung abzeichnete, unterstützte er die Reichsverfassungskampagne. Am Pfälzischen Aufstand, dem letzten Versuch, die Revolution zu retten, nahm er als Mitglied des rheinhessischen Hilfskorps teil. Darüber berichtete Bamberger in einer 1849 in Frankfurt erschienenen Schrift Erlebnisse aus der Pfälzischen Erhebung im Mai und Juni 1849. Daneben bewarb er sich als Nachrücker für einen Abgeordnetensitz in der Nationalversammlung. Bamberger wurde zwar mit großer Mehrheit gewählt, konnte aber seine Stellung in dem inzwischen nach Stuttgart ausgewichenen Rumpfparlament vor dessen Auflösung nicht mehr einnehmen. Im Zuge des Vormarsches der preußischen Armee floh Bamberger in die Schweiz. In der Folge wurde er noch 1849 in Abwesenheit zu einer Zuchthausstrafe und 1852 sogar zum Tode verurteilt.Leo Trepp: Judenemanzipation. In: Die Juden. Volk, Geschichte, Religion. Rowohlt, Reinbek 1998, S. 87 ff. (zitiert in: Jürgen Osterhammel: Das 19. Jahrhundert, Bundeszentrale für politische Bildung, Nr. 315/2012, , S. 9, online).

Exil und Bankier In der Schweiz lebte Bamberger zunächst in Zürich, später in Genf und Zürich und stand weiterhin in engem Kontakt mit den übrigen politischen Flüchtlingen. Aus der Schweiz reiste Bamberger Ende 1849 nach London und wurde Mitarbeiter im Bankhaus seines Onkels Bischoffsheim. Auch dort hielt er Kontakt mit politischen Exilanten. Dazu zählten unter anderem Karl Marx, Louis Blanc und Giuseppe Mazzini. Im Bankgeschäft wurde Bamberger in dieser Zeit zu einem Spezialisten im Handel mit Edelmetallen. Im Sommer 1850 wechselte er zur Filiale nach Antwerpen. Dort war er an der Finanzierung der Nachrichtenagentur Reuters beteiligt. Im Jahr 1851 ging er nach Rotterdam und machte sich dort mit einem Bankhaus L. A. Bamberger selbstständig. In dieser Zeit heiratete Bamberger Anna Belmont aus Alzey. Im Jahr 1853 wurde er Prokurist der Niederlassung in Paris. Dort wurde er auch Mitbegründer der Banque de Paris et des Pays-Bas. In Paris kam er sowohl geschäftlich wie auch privat in den Salons der Stadt mit den Spitzen der Politik und den führenden Vertretern des geistigen und künstlerischen Lebens zusammen, wovon u. a. sein Briefwechsel mit dem – ebenfalls zeitweise exilierten – Schriftsteller Moritz Hartmann zeugt. Von Paris versuchte Bamberger durch verschiedene Veröffentlichungen auch weiterhin politisch Einfluss auf die Entwicklung in Deutschland zu nehmen. Teilweise auf Kritik auch bei der Opposition stieß eine Schrift von 1859, mit der er sich gegen die Teilnahme deutscher Staaten auf Seiten Österreichs am Sardinischen Krieg aussprach. Nach Verhandlungen mit Bethel Henry Strousberg in Berlin über die Beteiligung an Eisenbahnprojekten, blieb Bamberger in Deutschland und verließ das Bankhaus Bischoffsheim.

1869/1870 war Bamberger zusammen mit Adelbert Delbrück an der Vorbereitung zur Gründung der Deutsche Bank AG beteiligt. Dieses Unternehmen sollte damals zunächst vor allem zur Finanzierung des wachsenden Außenhandels dienen und das deutsche Banksystem unabhängiger vom Finanzplatz London machen. Sie stand dabei auch in direkter Konkurrenz zu einigen Hamburger Banken, die ebenfalls stark im Außenhandel engagiert waren. Von 1870 bis 1872 war er Mitglied des Verwaltungsrates der Deutsche Bank AG.

Nationalliberaler Anhänger Bismarcks mini|Führende Politiker der Nationalliberalen obere Reihe von links nach rechts: Wilhelm Wehrenpfennig, Eduard Lasker, Heinrich von Treitschke, Johannes Miquel, untere Reihe von links nach rechts: Franz von Roggenbach, Karl Braun, Rudolf Gneist, Ludwig Bamberger