Der Klostersee ist ein 55 Hektar umfassender See in dem brandenburgischen Ort Altfriedland im Landkreis Märkisch-Oderland. Den Namen trägt er nach dem ehemaligen Zisterzienserinnen-Kloster Friedland, das am Ostufer lag und zu dessen Besitz er im Mittelalter gehörte.
Der mesotrophe See liegt am Südrand des Oderbruchs am Nordostausgang der glazialen Buckower Rinne, die die Hochflächen Barnim und Lebuser Land trennt. In dieser Rinne bildet er das nördlichste Glied einer vierteiligen Seenkette und entwässert die gesamte Kette über seinen Abfluss Barschegraben in den Friedländer Strom, einen Teil der Alten Oder. 1751, unmittelbar vor der Melioration des Oderbruchs, soll der See mit 106 Hektar noch die doppelte Fläche gehabt haben. 2009 charakterisierte der Steckbrief nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) den maximal dreizehn Meter tiefen Klostersee als kalkreichen, ungeschichteten See mit relativ großem Einzugsgebiet und stufte seinen ökologischen und chemischen Gesamtzustand als mäßig (Stufe drei von fünf) ein. Das Dorf Altfriedland (Fredeland = befriedetes Land) am Ostufer des Gewässers wurde wie das Kloster 1271 erstmals urkundlich erwähnt. Am südlichen Ende des Ostufers befindet sich ein Freibad.
Lage, Geomorphologie und Hydrographie
Der Klostersee liegt nordöstlich von Buckow in der nordöstlichen Ecke des Naturparks Märkische Schweiz. Am Südufer führt die Bundesstraße 167 vorbei, die Bad Freienwalde über Neuhardenberg mit Lebus verbindet.
mini|hochkant=2|links|Löcknitz-Stöbber-Rinne. Der Klostersee befindet sich unmittelbar westlich des eingezeichneten Kietzer Sees.
Das Gewässer befindet sich am Nordostausgang der Buckower Rinne (auch: Löcknitz-Stöbber-Rinne), einer glazialen Schmelzwasserrinne, die sich in den letzten beiden Phasen der Weichsel-Eiszeit zwischen dem von Toteis gefüllten Oderbruch und dem Berliner Urstromtal (heutiges Spreetal) herausgebildet hat und die Barnimplatte von der Lebuser Platte trennt. Diese rund 30 Kilometer lange und zwei bis sechs Kilometer breite Rinne entwässert vom Niedermoor- und Quellgebiet Rotes Luch über den Stöbber nach Nordosten zur Oder und über Stöbberbach/Löcknitz nach Südwesten zur Spree.Claus Dalchow, Joachim Kiesel: (PDF; 2,9 MB). In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, Hrsg.: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, Kleinmachnow Heft 1/2 2005, S. 81, .LAG Märkische Schweiz e. V.: Naturraum Märkische Schweiz.
Am Rande des Oderbruchs hat sich zwischen dem Klostersee und dem östlich benachbarten Kietzer See eine schmale Landzunge herausgebildet, auf der der Stobber die beiden Seen passiert und auf der sich zwischen den Seeufern Altfriedland (ursprünglich Friedland) erstreckt. Westlich parallel zum Stobber verläuft eine kleinere Seenkette, die sich vom Dolgensee über den Kesselsee und Lettinsee nach Nordosten bis zum Klostersee zieht. Das Gefälle vom 9,8 Meter über Normalnull liegenden Dolgensee zum Klostersee beträgt 4,5 Meter. Die Seen werden südlich des Dolgensees von einem Graben aus einem Feuchtbiotop in der Ringenwalder Heide gespeist. Der seenverbindende Graben trägt spätestens nach dem Kesselsee den Namen Barschegraben (ab Klostersee gelegentlich auch als Klostergraben bezeichnet) und entwässert die gesamte Kette vom Klostersee in den Friedländer Strom, der rund zwei Kilometer südöstlich aus der Vereinigung von Stobber und Quappendorfer Kanal hervorgegangen ist.
Hydrologie Der 2008 als mesotroph eingestufte Klostersee wird vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) im Rahmen eines Langzeitumweltprogramms überwacht. Im länglich-ovalen Seebecken bildet sich im Sommer eine stabile Temperaturschichtung aus. Wegen seines kleinen, überwiegend bewaldeten Einzugsgebiets und seiner stabilen sommerlichen Temperaturschichtung hat er gute Voraussetzungen für einen nährstoffarmen Klarwasserzustand. Mit Sichttiefen, die im Sommer im Mittel bei 1,8 m liegen, spätsommerlicher Blaualgendominanz und einem unausgeglichenen Sauerstoffhaushalt zeigt er jedoch deutliche Anzeichen von Überdüngung. Badenden bietet der Klostersee eine gute Wasserqualität. […] Die mikrobiologischen Leit- und Grenzwerte der wasserhygienischen Untersuchungen wurden stets eingehalten.Kerstin Wöbbecke, Büro enviteam: Allgemeine nicht fachsprachliche Beschreibung des Badegewässers auf der Grundlage des Badegewässerprofils. In: Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV), LUIS-BB LandesUmwelt / VerbraucherInformationsSystem: (PDF; 104 kB)
Steckbrief der EG-Wasserrahmenrichtlinie Nach einer Bestandsaufnahme im Jahr 2004 gibt der Steckbrief nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) für den Klostersee (Wasserkörper-Nr. 8000169623143) eine Fläche von 55 und ein Einzugsgebiet von 789 Hektar an. Das Seevolumen beträgt 2.852.898 m³. Die maximale Tiefe liegt bei 13 Metern, die größte Länge des von Süd nach Nord gestreckten Gewässers bei 1384 und die größte Breite bei 537 Metern. Der LAWA-Trophieindex, der vier Trophie-Parameter (TP während der Frühjahrsvollzirkulation sowie die Vegetationsmittel von Chlorophyll a, Sichttiefe und TP) in unterschiedlicher Gewichtung in einer Zahl zusammenfasstJacqueline Rücker: (PDF; 883 kB) Brandenburgische Technische Universität Cottbus, BTU Aktuelle Reihe 3/2004, S. 11, fehlt im Steckbrief. Die Phosphorkonzentration wird auf einer fünfstufigen Skala mit drei (= Umweltziel der WRRL wird knapp verfehlt, […] mäßiger Zustand) angegeben, die Qualitätskomponente Phytoplankton liegt nicht vor. Die zusammengefasste Qualitätskomponente Makrophyten/Diatomeen erhielt gleichfalls eine drei, die allerdings allein auf der Teilkomponente Makrophyten beruht, während die Angabe für die in der Gesamtbewertung höher gewichteten Diatomeen fehlt. Der chemische Zustand wird mit zwei (= Umweltziel 'guter Zustand' der WRRL wird erreicht), der ökologische Zustand mit drei bewertet, woraus 2004 eine Gesamtbewertung von drei resultiert. Das Gewässer wird als kalkreicher, ungeschichteter See mit relativ großem Einzugsgebiet (Typ 10Umweltbundesamt: ) charakterisiert. 2011 stufte das LUGV den ökologischen Zustand eine Klasse höher mit zwei ein.Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Brandenburg (Hrsg.): Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Beiträge des Landes Brandenburgzu den Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen der Flussgebietseinheiten Elbe und Oder. (PDF; 4,4 MB) Potsdam, September 2011, S. 66.
Wasserqualität nach der EG-Badegewässerrichtlinie Die Badewasserqualität stufte das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) nach einer Untersuchung vom 2. Mai 2012 mit der Höchstbewertung als hervorragend ein. Dabei ergaben die beiden Indikatoren für eine fäkale Verschmutzung eines Badegewässers nach der Badegewässerrichtlinie der EG für Escherichia coli (Grenzwert 1800/100 ml) Messwerte von 15 pro 100ml und für Intestinale Enterokokken (Grenzwert 700/100 ml) gleichfalls von 15 pro 100ml. Die Sichttiefe betrug zu diesem Zeitpunkt 4,8 Meter und die Wassertemperatur 17,0 °C. Am 30. Mai 2012 lag die Zahl für E. coli bei 30/100 ml, die Zahl der Enterokokken war unverändert. Die Sichttiefe hatte auf 3,1 Meter ab- und die Wassertemperatur auf 20,2 °C zugenommen. Anmerkung: Die Messergebnisse werden vom LUGV laufend aktualisiert. Daher besteht die Möglichkeit, dass die im Artikel wiedergegebenen Daten auf der Webseite nicht mehr enthalten sind. Im Mittel des Jahres 2009 lag die Sichttiefe bei 3 Metern, der pH-Wert bei 7,54 und die Wassertemperatur (30 cm unter der Wasseroberfläche) bei 21,4 °C.Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV), LUIS-BB LandesUmwelt / VerbraucherInformationsSystem: (PDF; 104 kB)
Einzugsgebiet, Flora und Fauna miniatur|Röhrichtgürtel des Ostufers, Blick nach Nordwest Das 789 Hektar umfassende Einzugsgebiet wird zu 72 % als Wald genutzt, 26 % sind durch Ackerflächen geprägt. Die Ufer des Klostersees besitzen einen gut ausgeprägten Röhrichtgürtel mit Gehölzsaum, der den See im Westen vom Ackerland und im Osten von den Siedlungsflächen Altfriedlands trennt. Das Teichgebiet um Altfriedland ist als Europäisches Vogelschutzgebiet (SPA) ausgewiesen. Seltene Vogelarten wie Eisvogel, See- und Fischadler oder Schwarzstorch sind hier zu Hause. In der entsprechenden Jahreszeit bilden die Seen Rastplätze für bis zu 30.000 durchziehende Waldsaat- und Blässgänse aus Nordeuropa.Dierk Heerwagen: Unterwegs im Naturpark Märkische Schweiz. … S. 64f, 69f. Die Seen sind zudem Lebensraum für den nach der Roten Liste in BrandenburgJürgen Klawitter, Rainer Altenkamp u. a.: Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) von Berlin. (PDF; 203 kB) Bearbeitungsstand: Dezember 2003. In: Der Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.): Rote Listen der gefährdeten Pflanzen und Tiere von Berlin. S. 6. Anmerkung: Die Berliner Liste enthält auch die Angaben für Brandenburg. vom Aussterben bedrohten Fischotter.
Der Klostersee ist ein Angelgewässer. Im See kommen die laut Roter Liste Brandenburg im Bestand zurückgehenden Zander und Aale vor.Gesamtartenliste und Rote Liste der Fische und Neunaugen (Pisces et Cyclostomata) von Berlin: S. 87–S. 91 in Fische in Berlin - Bilanz der Artenvielfalt", herausgegeben vom Fischereiamt Berlin Vereinzelt leben zudem Hechte im Gewässer. Hauptfischarten sind Karpfen, Marmorkarpfen, Brassen, Güstern, Barsche, Rotauge, Rotfeder und Schleie.Anglermap. Gewässersteckbrief vom Klostersee.
Der See befindet sich im Besitz der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe des Naturschutzbundes Deutschland. Die Stiftung kauft zugunsten des Naturschutzes Land für die Natur, um zu verhindern, dass es in Privatbesitz kommt.Barbara Weitzel: Der See bleibt unser. In: Berliner Zeitung, 8. August 2009.
Geschichte Bereits zur Slawischen Zeit bestand in Altfriedland eine Fischersiedlung. Der slawische Name für den Klostersee ist nicht bekannt, während sich im Dolgensee (= Langer See) und Lettinsee (Etymologie unklar, möglicherweise = sonniger See) die slawischen Namen erhalten haben.Brandenburgisches Namenbuch. Teil 10. Die Gewässernamen Brandenburgs. Begründet von Gerhard Schlimpert, bearbeitet von Reinhard E. Fischer. Herausgegeben von K. Gutschmidt, H. Schmidt, T. Witkowski. Berliner Beiträge zur Namenforschung im Auftrag des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1996, ISBN 3-7400-1001-0, S. 55, 167. Auch der Name Kietzer See und die Altfriedländer Straße Kietz verweisen auf eine slawische Siedlung, da der Begriff Kietz im ursprünglichen Wortsinn eine slawische Dienstsiedlung in der Germania Slavica bezeichnet, die in der Regel in der Nähe einer Burg (mit deutscher Herrschaft) lag und zumeist als Fischersiedlung angelegt war.
miniatur|Ehemaliges Klostergarten- und Gutsparkgelände (heute Badestelle) am Ostufer