Andelsbuch ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im österreichischen Bundesland Vorarlberg.
Geografie Andelsbuch liegt in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs, im Bezirk Bregenz zentral im Bregenzerwald (Mittelbregenzerwald) auf 613 Metern Höhe. 36,0 % der Fläche sind bewaldet, 16,9 % der Fläche Alpen.
Gemeindegliederung Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden in Andelsbuch.
Nachbargemeinden
Geschichte Namensherleitung Der Name Andelsbuch ist zweigeteilt. Der erste Namensteil Andel soll sich von einem Personennamen ableiten (in alten Schriften: Andoltisbuoch genannt). Der zweite Namensteil hat im letzten Bestandteil das ahd./mhd.: buoch enthalten, was von Buche/Buchenwald abgeleitet sei.Josef Zehrer in „Bersbuch, Bezau, Bizau“, in „Montfort Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs“, 35. Jg., 1983, Heft 2, S. 184, online.
Mittelalter mini|hochkant|Bezegg-Sul (2007) mini|Andelsbuch, gesehen vom Schwarzenberger Ortsteil Maien; im Hintergrund die Alpe Vordere Niedere
Der Einsiedler Diedo ließ sich Mitte des 11. Jahrhunderts in Andelsbuch nieder (in „Andoltisbuoc“). Er stammte vermutlich aus dem Geschlecht der Grafen von Bregenz (Ulriche) und errichtete eine Zelle und ein Bethaus, bevor er 1080 verstarb. 1086 kam es zur Gründung des Klosters St. Peter in Andelsbuch durch Mönche aus dem Kloster Petershausen bei Konstanz. Graf Ulrich von Bregenz (gest. 1097) schenkte dem Abt Theoderich (aus Hirsau) den Ort Andelsbuch und den Reliquienschatz des Diedo. Schon 1092 wurde das Kloster nach Bregenz verlegt, blieb aber als Besitzer des Meierhofes maßgeblicher Grundherr in Andelsbuch.Die bewegte Geschichte der Mehrerau, OTS-Presseaussendung, 18. Februar 2009 Eine „Dieten“-Kapelle (Marienkapelle) in Andelsbuch wurde erstmals 1472 urkundlich erwähnt. Diese Kapelle wurde vermutlich anlässlich der Erweiterung der Pfarrkirche um 1718 abgerissen. In der Carta fundatorum Monasterii nostri Prigantini (1519) von Jakob Mennel, Hofgeschichtsschreiber von Kaiser Maximilian I., wird über die Diedoverehrung und das Grab des Einsiedlers in der Pfarrkirche in Andelsbuch (bzw. der Marienkapelle/Dieten-Kapelle) berichtet.
In der Casus Monasterii Petrihusensis wird Mitte des 12. Jahrhunderts Andelsbuch erstmals erwähnt. Im Jahr 1170 war in Andelsbuch die erste Pfarre gegründet worden, wobei diese weiterhin dem Kloster in Bregenz unterstand. Zur Pfarre Andelsbuch gehörten auch Reuthe bei Bezau, Bezau (bis 1497) und Au („Jagdhausen“). In einer Bulle des Papstes Innozenz IV. vom 17. September 1249 wurden Parzellen in Andelsbuch das erste Mal urkundlich erwähnt (Bersbuch, Unterbezegg, Moos und Heidegg) und der Klosterbesitz genau beschrieben. Am 9. Jänner 1380 wurde Andelsbuch, zusammen mit dem gesamten Bregenzerwald, Dornbirn, Langenegg und Staufen an die Habsburger übergeben, nachdem bereits 1375 Rudolf von Montfort-Feldkirch den Hinterbregenzerwald samt Andelsbuch verpfändet hatte. Die Freiheitsrechte der Bregenzerwälder wurden bestätigt. Die Habsburger regierten seit dem 14. Jahrhundert die Orte in Vorarlberg wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Es bildete sich jedoch auch eine Selbstverwaltung der Bauernschaft des Waldes heraus (die sogenannte „Wälderrepublik“), mit eigener freier Landgemeinde, eigener Verfassung (Landbrauch) und Hoch- und Blutgerichtsbarkeit. Als Vorsteher wurde ein Landammann gewählt; sein Rathaus stand auf der Bezegg im heutigen Gemeindegebiet Andelsbuchs. Am 22. Jänner 1397 fand der erste nachweisliche Gerichtstag in Andelsbuch statt (auf dem Espan).
Neuzeit Vom 1. Mai 1406 bis zum 4. April 1408 gehörte Andelsbuch zur Eidgenossenschaft „Bund ob dem See“, nachdem der Bregenzerwald von diesem Bund erobert worden war. Erstmals 1522 wurde die Versammlung auf der Bezegg (Ratssitzung) urkundlich erwähnt. Ab 1546 fanden die ersten Hexenprozesse in Andelsbuch statt. Mitte des 16. Jahrhunderts (etwa 1570) entstand die Diedobruderschaft in Andelsbuch. Diese älteste von vier Bruderschaften in Andelsbuch bestand bis etwa Mitte/Ende des 18. Jahrhunderts. Am 5. April 1658 kaufte sich Andelsbuch vom Kloster Bregenz (Mehrerau) frei. Am 21. Juni 1710 wurde dann vom Generalvikar der Diözese Konstanz die Erneuerung und Vergrößerung der Pfarrkirche Andelsbuch genehmigt (Bautätigkeit bis 1718). Für eine eigene Kaplanei in Andelsbuch wurde jedoch erst 1771 eine Stiftung gegründet und ein Kaplan bestellt.
1788 wurde in Andelsbuch das erste Armenhaus errichtet. Von zwölf Stiftern aus Andelsbuch wurde am 6. Juni 1854 eine „Armenhausstiftung“ gegründet und die Betreuung 1871 von den Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz übernommen (daher auch Vinzenzheim. Siehe auch: Marienheim.). Die „Armenhausstiftung“ wurde 1939 aufgelöst und 1948 neu gegründet.
Aus Aufzeichnungen der Gemeinde um 1764 lässt sich schließen, dass es in Andelsbuch einen Heilbadebetrieb gab (siehe Stahlbad). Die Andelsbucher Handwerker gründeten am 6. Jänner 1791 eine eigene Handwerkszunft (eine Gesamtbregenzerwälderhandwerkszunft wurde bereits 1707/1708 gegründet und 1879 aufgelöst). Im Nachbarort Egg wurde bereits 1754 eine solche örtliche Handwerkszunft gegründet. Ab 1804 war der Gasthof Taube in Andelsbuch das Zunftlokal.
19. Jahrhundert Von 1805 bis 1814 gehörte der Ort zu Bayern (Friede von Pressburg); das Rathaus auf der Bezegg wurde 1807 im Zuge der Bayerischen Gerichts- und Verwaltungsreformen abgerissen. Im Jahre 1808 wurde die Katastralgemeinde Andelsbuch gegründet. Die nunmehr festgelegten Grenzen wurden nur noch geringfügig geändert. Im Jahr 1814 kam der Ort wieder zu Österreich. Zum Bundesland Vorarlberg gehört Andelsbuch seit dessen Gründung 1861. Im Jahr 1862 erfolgte die Gründung der politischen Gemeinde Andelsbuch durch das Reichsgemeindegesetz. In den Jahren 1844 und 1845 wurde die Straße von Alberschwende über Egg nach Andelsbuch ausgebaut und von 1859 bis 1861 nach Bezau verlängert.
Am 20. August 1871 wurde an der Bezegg eine Säule (Bezegg-Sul) zur Erinnerung an das hier jahrhundertelang befindliche Rathaus enthüllt. Ebenfalls ab 1871 (1873) wurde eine erste Seilbahnfähre über die Bregenzer Ache errichtet. Im Jahr 1879 wurde der Krankenunterstützungsverein und 1882 die Freiwillige Feuerwehr Andelsbuch gegründet. Der Spar- und Darlehenskassenverein in Andelsbuch (spätere Raiffeisenkasse) wurde am 3. Dezember 1893 gegründet und nahm die Tätigkeit am 1. Jänner 1894 auf. Am 4. April 1898 wurde von der Generalversammlung beschlossen, auch ein Warengeschäft zur Versorgung der Bevölkerung einzurichten. Im Jahr 1977 erfolgte der Zusammenschluss mit den Raiffeisenkassen Egg, Schwarzenberg, Großdorf und Lingenau zur Raiffeisenbank Mittelbregenzerwald. Der Viehzuchtverein Andelsbuch wurde am 28. Jänner 1894 gegründet, mit dem Ziel der Hebung der Viehzucht im Allgemeinen (Statuten).
Das Tanzhaus in Andelsbuch, in dem jahrhundertelang dreimal jährlich das Niedergericht gehalten wurde, wurde zugunsten des Bahnbaues (Bregenzerwaldbahn) abgerissen.
Jüngste Geschichte Das Kraftwerk Andelsbuch wurde 1908 von der Firma Jenny & Schindler in Betrieb genommen, und das Telefon hielt Einzug in Andelsbuch.
Der bisherige „Gasthof Bad“ (1864) wurde 1925 von den Barmherzigen Schwestern übernommen und zukünftig als „Marienheim“ geführt (2006 verkauft und eine Wohnanlage errichtet).
Die Bezegg-Sul wurde 1930 als Symbol in das Gemeindewappen von Andelsbuch aufgenommen (Wappenverleihung am 9. April 1930). Das erste Grundbuch der Gemeinde Andelsbuch wurde am 1. Dezember 1932 beim Bezirksgericht Bezau eröffnet. Vom 6. Mai 1945 bis 1955 war der Ort Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.
Im Zeitraum 1969 bis 1971 wurden die Skianlagen auf die Niedere von den Bergbahnen Andelsbuch gebaut. Der neue Altar der Pfarrkirche Andelsbuch wurde nach der Renovierung (1973–1976) am 30. Juni 1974 neu eingeweiht. 1980 fand die 900-Jahr-Feier von Andelsbuch statt.
Alteingesessene Großfamilien in Andelsbuch sind folgende: Bär, Feuerstein, Feurstein, Fink, Geser, Lipburger, Mätzler, Metzler, Meusburger und Ritter.
Bevölkerungsentwicklung
Der Ausländeranteil lag Ende 2002 bei 6,8 Prozent.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Andelsbuch mini|Kraftwerk Andelsbuch mini|Ziegenmarkt 2007 mini|Außenansicht der Kapelle an der Alpe Vordere Niedere, August 2017
Die Pfarrkirche Andelsbuch Hll. Petrus und Paulus wurde vom Barockbaumeister Ignaz Beer (1664–1741), Sohn von Michael Beer, in den Jahren 1715–1720 gebaut. Michael Beer ist der Stammvater der in Andelsbuch ansässigen Familie Bär, welche auch zwei Bürgermeister der Gemeinde stellte und aus der u. a. Jodok Bär, Josef Alois Karl Bär, Friedrich Bär, Ernst Bär und Johannes Bär stammen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie verlängert, neuromanisch ausgestaltet und in den Jahren 1997–2001 neu gestaltet. Das große Kriegerdenkmal von 1929 auf dem Platz vor der Kirche zeigt ein sehr seltenes Motiv: Eine Frau und ein Kind versuchen, einen Soldaten daran zu hindern, in den Krieg zu ziehen, dabei zeigt die Inschrift, auf welcher Seite die Gemeinde damals stand: „Unseren Helden des Weltkrieges 1914–1918 gewidmet von der Gemeinde Andelsbuch“ Die neugotische Bezegg-Sul auf einer Anhöhe zwischen Andelsbuch und Bezau aus 1871 erinnert an die Bregenzerwälder Bauernrepublik. Am Dorfplatz steht ein Dorfbrunnen, auch Dorflache genannt. Das 1908 gebaute Kraftwerk Andelsbuch war damals eines der größten und modernsten Kraftwerke der Monarchie Österreich-Ungarn. Im 2013 eröffneten Werkraum Bregenzerwald (Architekt: Peter Zumthor) zeigen 80 Handwerksbetriebe ihr Handwerk. Das Käsehaus der Käsestraße Bregenzerwald zeigt die Käseherstellung am hier typischen Bergkäse, es umfasst auch einen großen Verkaufsladen. Landschaftlich sehenswert sind die Alpe Gerach und der Andelsbucher Hausberg Niedere. Die Niedere ist auch Ausgangspunkt für zahlreiche Drachenflieger und Paragleiter. Auf der Alp Vordere Niedere steht seit 2008 eine Kapelle, ein einfacher, moderner Holzbau der Bregenzer Cukrowicz Nachbaur Architekten.
Regelmäßige Veranstaltungen Das Ereignis in Andelsbuch schlechthin und nebenbei einer der größten Märkte der Region ist die alljährlich am 26. Oktober stattfindende Pferde- und Ziegenausstellung. Die Hauptstraße verwandelt sich in eine etwa einen Kilometer lange Marktstraße, die von Tausenden Besuchern bevölkert wird.
Wirtschaft und Infrastruktur Im Jahr 2003 gab es in Andelsbuch 57 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 480 Beschäftigten und 60 Lehrlingen. Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 1011. Tourismus und Fremdenverkehr sind wichtig. Im Tourismusjahr 2001/02 gab es insgesamt 35.732 Übernachtungen. Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen an der Gesamtfläche liegt bei 41,2 %.
In Andelsbuch befindet sich der Sitz der Wälder Versicherung, der ältesten Versicherung Vorarlbergs.
Bildung In Andelsbuch gibt es einen Kindergarten sowie eine Volksschule mit (Stand Jänner 2003) 135 Schülern.
Sport Der 1962 gegründete FC Andelsbuch feierte ausgerechnet 2012, im Jahr des 50. Vereinsjubiläums als Meister der Vorarlbergliga, seinen bislang größten Erfolg, mit dem er gleichzeitig Vorarlberger Fußballgeschichte schrieb: Er ist der erste Fußballklub aus dem Bregenzerwald, der in die drittklassige Regionalliga West vorstieß. Der Verein entschied sich zirka zur Jahrtausendwende, überwiegend mit eigenen Spielern auftreten zu wollen; lediglich vier Spieler des Kaders dürfen von außerhalb der Gemeinde kommen.FC Andelsbuch schafft Sprung in Regionalliga, auf: orf.at, 17. Juni 2012, Zugriff am 9. Juli 2012
Der Flugsportverein Andelsbuch betreibt eine flugfähige Yakowlew Yak52 und bemüht sich um deren ErhaltFlugsportverein Andelsbuch.
Politik Gemeindevertretung
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