Der Busverkehr in Görlitz wird von den Görlitzer Verkehrsbetrieben (GVB) betrieben. Im Regionalverkehr kommen auch Busse der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck und seit Dezember 2012 von Regionalbus Oberlausitz zum Einsatz. Die Regionalbusse verkehren meist bis zum Busbahnhof (bis 2015 am Kaisertrutz auf dem Demianiplatz) am Bahnhof Görlitz. Im Görlitzer Liniennetz gibt es seit der Umstellung des Liniennetzes sieben Stadtbuslinien sowie zwei Straßenbahnlinien.

Geschichte Am 5. Juni 1892 wurde die erste Pferdeomnibuslinie zwischen dem Jüdischen Friedhof und dem Fuß der Landeskrone im Görlitzer Vorort Klein Biesnitz in Betrieb genommen. Im Jahr 1898 wurde die städtische Straßenbahn mit der Pferdeomnibuslinie verknüpft. Die neugebaute Straßenbahntrasse führte von der Sattigstraße über den Sechsstädteplatz und die Biesnitzer Straße bis hin zum Jüdischen Friedhof. Die Pferdeomnibuslinien verkehrten weiter bis zur Eröffnung der Straßenbahnstrecke zwischen Jüdischen Friedhof und Landeskrone im Mai des Folgejahres.

Erst im Jahr 1938 erhielt das Görlitzer Liniennetz wieder eine Buslinie. Sie verlief vom Stadt-Krankenhaus im Nordwesten über den Bahnhof und die Reichenberger Brücke in den Ostteil der Stadt zur Frontkämpfersiedlung am Stadtrand und weiter bis nach Leopoldshain. Wenig später erfolgte die Verlängerung der Buslinie vom Krankenhaus bis zum Görlitzer Flugplatz. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Linie geteilt: F Fliegerhorst – Stadt-Krankenhaus – Hauptbahnhof (60-Minuten-Takt, in HVZ 30-Minuten-Takt) L „Stadt Prag“ – Frontkämpfersiedlung – Leopoldshain (40-Minuten-Takt) Zwischen dem Krankenhaus und dem Gasthof „Stadt Prag“ stellte die Straßenbahn-Linie 3 im 15-Minuten-Takt die Verbindung her. Im Herbst 1944 wurden die beiden Buslinien nur werktags morgens und nachmittags bis abends betrieben. Auf Linie L mussten dabei einige Fahrten ausfallen.Fahrplan der Görlitzer Straßenbahn, gültig ab 1. November 1944 Im Linienbetrieb kamen drei kleine Mercedes-Benz-Busse mit Kässbohrer-Aufbau zum Einsatz. Einer der Busse blieb bis nach dem Krieg in Görlitz. Nach dem Kriegsende fielen laut Potsdamer Abkommen die Gebiete östlich der Lausitzer Neiße, die die Stadt durchquert, an Polen. Davon betroffen war die komplette Linie L zwischen Gasthof Stadt Prag in der Oststadt und Leopoldshain. Der Nahverkehr im polnischen Ostteil der Stadt, nun Zgorzelec genannt, entwickelte sich für die nächsten Jahrzehnte vollkommen unabhängig vom Stadtverkehr westlich der Neiße.

Nach dem Krieg setzte die Görlitzer Stadtverwaltung einen Opel Blitz und die Deutsche Post vier Omnibusse im Stadtverkehr ein. Etwa um 1948/1949 nahm auch die Straßenbahn-Gesellschaft den Busverkehr wieder auf. Der Fuhrpark bestand zunächst aus alten Wehrmachts- und Postfahrzeugen. Eine der ersten Buslinien führte vermutlich in das 1949 eingemeindete Klingewalde.

Erst in den 1960er Jahren bildete sich das eigentliche Stadtbusnetz heraus, das aus drei Linien bestand. Diese Stadtbuslinien wurden mit Großbuchstaben gekennzeichnet. Der Linienverlauf und die Bezeichnung der Buslinien wiesen jedoch nur wenig Beständigkeit auf, so kam es oft zu Umstellungen im Busliniennetz. Das nachfolgend dargestellte Stadtbusliniennetz von 1964 galt beispielsweise nur bis 1966. Danach folgten zwei neue Linien, die Linie D nach Pfaffendorf über Schlauroth und die Linie E zwischen Weinhübel Süd und Marienplatz. Die Stadtbuslinie D verkehrte nur bis 1967. Der Regionalbusverkehr übernahm danach die Bedienung von Schlauroth und Pfaffendorf.

Liniennetz 1964 Buslinie Linienverlauf A Haus der Jugend (Goethestraße) – Platz der Befreiung (Postplatz) – Brautwiesenplatz – Reichertstraße – Rauschwalde B Demianiplatz – Nikolaigraben – Klingewalde C Demianiplatz – Rauschwalde – Schlauroth – Pfaffendorf

Mit der Einstellung des Straßenbahnbetriebs auf der Linie 3 zwischen Platz der Befreiung (heute: Postplatz) und der Stadthalle 1966 wurde der Linienverlauf der Linie B umgreifend verändert. Die Stadtbuslinie B verkehrte nun von der Parsevalstraße, nahe dem Waggonbau über die Cottbuser Straße, vorbei am Bahnhof sowie dem Stadtpark und weiter über den Platz der Befreiung (heute: Postplatz) bis zum Hirschwinkel.

Anfang der 1980er Jahre stand der Straßenbahnverkehr vor dem Ende. Es gab Pläne, den städtischen Nahverkehr nur durch Busse durchzuführen und den Straßenbahnbetrieb einzustellen. Die gerade entstandenen Neubaugebiete im Norden der Stadt waren durch das Straßenbahnnetz nur schlecht erschlossen, da die Straßenbahn das Gebiet nur tangierte. Der Straßenbahnverkehr zwischen der neuen Wendeschleife Goethestraße (Haus der Jugend) und Weinhübel wurde 1982 eingestellt. Von nun an übernahmen Stadtbusse die Erschließung des Stadtteils südlich des Weinbergs. Ab 1984 verkehrten drei Stadtbuslinien von Weinhübel bzw. Weinhübel Süd aus nach Königshufen.

1982 ging die Betriebsführung des vorher kommunal betriebenen städtischen Nahverkehrs an den Kraftverkehr Görlitz, der Teil des Verkehrskombinats Dresden war, über. Unter anderem der starke Anstieg des Ölpreises rettete den Straßenbahnverkehr in der Neißestadt. Es entstand eine Neubaustrecke in den neu entstehenden Stadtteil Königshufen (Görlitz Nord). Auch die Straßenbahn den Weinberg hinab nach Weinhübel wurde wieder aufgebaut, zunächst nur bis zur Erich-Weinert-Straße. Im Jahr 1988 erschlossen neben fünf Straßenbahnlinien auch vier Buslinien das Stadtgebiet. Die Linien A und E übernahmen die Anbindung des Stadtteils Rauschwalde, der 1986 seinen Straßenbahnanschluss verlor.

Liniennetz und -takt Mai 1988 Buslinie Linienverlauf Takt A Haus der Jugend (Goethestraße) – Goethestraße – Blockhausstraße – Platz der Befreiung (Postplatz) – Alexei-Stachanow-Straße (Christoph-Lüders-Straße) – Waggonbau – Brautwiesenplatz – Lutherstraße – Wilhelm-Pieck-Straße (Reichertstraße) – Rauschwalde, Diesterwegplatz C Landskronsiedlung – Wilhelm-Pieck-Straße (Reichertstraße) – Lutherstraße – Bahnhof – Stadtpark – Platz der Befreiung (Postplatz) – Jägerkaserne – Hirschwinkel – Klingewalde E Weinhübel – Haus der Jugend (Goethestraße) – Demianiplatz – Brautwiesenplatz – Rauschwalder Straße – Rauschwalde, Diesterwegplatz 20 min F Weinhübel Süd – Haus der Jugend (Goethestraße) – Bahnhof – Brautwiesenplatz – Waggonbau – Zeppelinstraße – Nieskyer Straße – Görlitz Nord (Königshufen, Am Wiesengrund)

Nach der politischen Wende in der DDR und der anschließenden deutschen Wiedervereinigung ging der städtische Nahverkehr als Teil der neugegründeten Stadtwerke Görlitz auf. Der städtische Nahverkehr firmierte von nun an unter dem Namen Verkehrsgesellschaft Görlitz (VGG). Der Fuhrpark erfuhr in der folgenden Zeit eine grundsätzliche Erneuerung. Auch der ein Kilometer lange Neubauabschnitt der Straßenbahn quer durch den Stadtteil Weinhübel wurde in Betrieb genommen und ersetzte damit hier den Stadtbusverkehr. Auch der Betriebshof an der Zittauer Straße südlich des Bahnhofs wurde saniert. Nach der Wende wurden durch die grenzüberschreitende Stadtbuslinie P auch der polnische und deutsche Teil der Stadt wieder mit einer ÖPNV-Linie verbunden.

Liniennetz und -takt 1995 Buslinie Linienverlauf Takt A Rauschwalde, Diesterwegplatz – Reichertstraße – Lutherstraße – Brautwiesenplatz – Waggonbau – Zeppelinstraße – Königshufen 20/30 min B Landskronsiedlung – Reichertstraße – Bahnhof Südausgang – Stadtpark – Demianiplatz – Hildegard-Burjan-Platz 20 min C Rauschwalde, Diesterwegplatz – Rauschwalder Straße – Demianiplatz – Hirschwinkel (− Klingewalde) 20 min (40 min nach Klingewalde) D Busbahnhof – Jakobstraße – Bahnhof – Reichertstraße – Rauschwalde, Diesterwegplatz – Schlauroth kein fester Takt E Tauchritz – Hagenwerder – Zittauer Straße – Jakobstraße – Demianiplatz – Jägerkaserne – Hildegard-Burjan-Platz – Zeppelinstraße – Königshufen kein fester Takt N Nachtlinie mit verschiedenen Kursen im Stadtgebiet – P Postplatz – Zgorzelec stündlich

Im Jahr 2004 wurde auf dem Teilstück der Straßenbahnstrecke zwischen Demianiplatz und Wendeschleife Virchowstraße/Klinikum Schienenersatzverkehr eingerichtet. Drei Jahre später wurde das Teilstück in die Stadtbuslinie B eingegliedert. Die Straßenbahntrasse zwischen Heiligem Grab und Wendeschleife Virchowstraße wurden daraufhin abgebaut.

Busliniennetz 2015 mini|Schematisches Liniennetz der VGG Neben zwei Straßenbahnlinien verkehrten 2012 sieben Stadtbuslinien in Görlitz. Die Stadtbuslinien A, B und C erschließen das Kernstadtgebiet. Die Buslinien E und F binden die Ortsteile Hagenwerder, Kunnerwitz, Klein Neundorf und Tauchritz sowie das Naherholungsgebiet Berzdorfer See an das Straßenbahnnetz an.

Die Buslinie B verkehrt werktags (außer samstags ab etwa 13 Uhr) im 20-Minuten-Takt mit drei Umläufen. Die Buslinie A wiederum verkehrt werktags (außer samstags ab ca. 14 Uhr) wechselnd im 20- bzw. 40-Minuten-Takt. Die stündliche Verlängerung der Linie A nach Klingewalde und die zwei Busse im Umlauf führen zu dem wechselnden Takt. Die Linie C verkehrte vor dem Fahrplanwechsel 2008 stündlich nach Klingewalde und fuhr alle zwei Stunden eine Schleife durch den Stadtteil Königshufen. Mit dem Linienkonzept wurde die Linie zunächst eingestellt, nach Protesten der Anwohner des Stadtteils Königshufen jedoch als Rufbuslinie wieder eingerichtet.

Die Linien E und F bedienen die eingemeindeten Ortsteile Hagenwerder, Kunnerwitz und Tauchritz und verkehren im Zweistundentakt. Im Spätverkehr zwischen 20 und 0 Uhr wird lediglich die Linie N im Halbstundentakt mit zwei Umläufen zwischen Biesnitz (Landeskrone) und Rauschwalde über die Umsteigehaltestelle Bahnhof, Südausgang gefahren. An dieser Haltestelle besteht stets Anschluss an die Straßenbahnlinie 3 in beide Fahrtrichtungen. Die Buslinie P verkehrt ebenfalls im Halbstundentakt und wird von dem Unternehmen F.H.U. Bielawa betrieben.

Damaliger Linienbetrieb Buslinie Verlauf Takt im Tagesverkehr Takt im Abendverkehr Landskronsiedlung – Brautwiesenplatz – Waggonbau – Demianiplatz (– Am Hirschwinkel – Abzweig Ludwigsdorf – Klingewalde) 20/40 min im Wechsel(60 min nach Klingewalde) – Rauschwalde – Melanchthonstraße – Bahnhof, Südausgang – Demianiplatz – Virchowstraße 20 min – Königshufen Mitte – Königshufen, Am Wiesengrund – Am Hirschwinkel – Demianiplatz 4-mal täglich – Tauchritz – Hagenwerder Bf – Deutsch Ossig – Weinhübel (– Alfred-Thaer-Straße – Rauschwalde) 2-stdl. – (Rauschwalde –) Biesnitz/Landeskrone – Kunnerwitz – Klein Neundorf – Kunnerwitz – Weinhübel 2-stdl. – Biesnitz/Landeskrone – Bahnhof, Südausgang – Melanchthonstraße – Rauschwalde – 30 min Görlitz Bahnhof – Demianiplatz – Dom Kultury – Zgorzelec Busbf – Bahnhof Zgorzelec Miasto – Zgorzelec real,- 30 min – Liniennetzplan Stadtverkehr Görlitz, 2017

Weiterhin verkehren im Stadtgebiet mehrere Regionalbuslinien von Regionalbus Oberlausitz und der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck im Regionalverkehr. Der zentrale Busbahnhof befand sich bis 2015 noch westlich des Kaisertrutzes beim Demianiplatz. Der neue Busbahnhof liegt am Görlitzer Bahnhof.

ÖPNV-Konzept Status Quo plus Im Rahmen des am 29. September 2016 vom Stadtrat verabschiedeten ÖPNV-Konzeptes Status Quo plus wurde das Busliniennetz umstrukturiert und somit die Altstadt sowie Teile der östlichen und westlichen Innenstadt besser erschlossen. Das neue Zielnetz wurde zum 6. Januar 2019 umgesetzt. Die Linie B führt vom Klinikum nicht mehr über die Heilige-Grab-Straße und weiter parallel zu den Straßenbahnlinien, sondern über die Zeppelinstraße, Christoph-Lüders-Straße, Hildegard-Burjan-Platz und Teichstraße zum Demianiplatz. Bedient werden hierbei die Haltestellen Kinderklinik, Waggonbau Ost und Hildegard-Burjan-Platz. Die Bedienung der Haltestellen Zeppelinstraße und Kummerau entfielen im Stadtbusnetz. Die Linie B verkehrt im Nachtverkehr im Stundentakt, die Linie N verkehrt hingegen nur noch im Stundentakt, verdichtet sich aber zwischen Bahnhof Südausgang und Rauschwalde mit der Linie B zum 30-Minuten-Takt.