Woltersdorf ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg (Deutschland).

Namensherkunft und Zusätze mini|280px|Blick auf Woltersdorf vom Aussichtsturm auf dem Kranichsberg Der Name der Gemeinde verweist vermutlich auf das Heimatdorf der ersten deutschen Siedler. Andere Schreibweisen waren unter anderem: Waladstorf (1375), Woltersdorp (1416, 1487) und Waltersdorf (1555, 1710, 1821).

Der erste verwendete Namenszusatz Wendisch wurde seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert verwendet und verwies auf die alteingesessenen slawischen Bewohner des Ortes. Mit der Eröffnung des Bahnhofs Erkner 1842 kam der Zusatz bei Erkner auf, der noch heute von Post und Bahn verwendet wird. Seit der Gründung von Schönblick und der Straßenbahn zum S-Bahnhof Rahnsdorf wird auch der Zusatz bei Berlin genutzt. Neben diesen gibt es noch den amtlichen Zusatz an der Schleuse. Dieser wird von der Gemeinde selbst und vielen Vereinen verwendet.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt im Südosten von Berlin an den drei Seen Bauersee, Flakensee und Kalksee. Im Osten und Südwesten grenzt sie an die großen Waldgebiete des Rüdersdorfer und Köpenicker Forst. Im Norden und Süden schließt die Bebauung der Nachbargemeinden fast nahtlos an.

Nachbargemeinden

Geologie und Hydrologie Woltersdorf hat seine naturräumliche Gliederung nach der letzten Eiszeit erhalten. Es liegt an der Grenze der Hochebene des Barnim zum Warschau-Berliner Urstromtal. Im Westen der Gemeinde verläuft diese Grenze annähernd an der südlichen Bebauungsgrenze des Ortsteils Schönblick. Im Osten liegen alle bewohnten Gemeindegebiete auf der Barnim-Seite, nur der Springe- und Schleusenberg liegen bereits im Urstromtal. Im Osten an den Seen ist die Gemeinde auch Teil einer glazialen Rinne, über die das Schmelzwasser der Gletscher auf der Barnim-Hochfläche südlich in das Berliner Urstromtal abfloss. Diese Rinne teilt die Gemeinde von Nord nach Süd ungefähr entlang des Berghofer Wegs, der Rüdersdorfer und Ethel-und-Julius-Rosenberg-Straße. Westlich davon bilden eine Endmoräne, östlich davon Sander der glazialen Rinne die Oberfläche. Östlich der glazialen Rinne befinden sich mit den Kranichsbergen auch die höchsten Erhebungen Woltersdorfs. Diese bilden zusammen mit den östlicher gelegenen Wurzelbergen das südliche Ende einer Endmoräne. In der Spätphase der Weichsel-Eiszeit kam es durch Westwinde zur Bildung von Dünen, von denen die Fuchsberge die größten in Woltersdorf sind. Neben dem Kalksee im Osten, dem Bauersee nordöstlich vom alten Dorf und dem Flakensee im Südosten, liegen im Gemeindegebiet noch kleinere Tümpel wie Ahés Pfuhl im Nordwesten des Dorfes und der Paddenpfuhl im Westen von Schönblick. Der Bauersee hat einen Zufluss namens Kuhgraben und mit dem Hirtengraben eine Verbindung zum Flakensee. mini|280x280px|Geologische Karte der Gemeinde Woltersdorf von 1910 mini|Bauersee, Blick nach Süden

Gemeindegliederung Heute gehören zu Woltersdorf amtlich die Wohnplätze Schönblick im Westen, zwischen dessen beiden historischen Hälften sich die Demos-Siedlung befindet und der von den Ortslagen Paddenpfuhl, Fuchsberge, Ahés Pfuhl und am Eichberg umgeben ist, Springeberg im Süden und Stolp im Nordosten, in dessen Westen der Krähenwinkel und im Süden das Seebad liegt.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg Hinzu kommen die Ortslagen Kietz, Schleusenberg und Werder im Osten an den Seen und Knack samt Postsiedlung und Lerchenfeld im Norden. Geschichte Es gibt einige archäologische Spuren von frühzeitlichen Siedlungen in und bei Woltersdorf. Neben zahlreichen Einzelfunden sind auch drei Gräberfelder entdeckt worden. An der heutigen Grenze zum Berliner Forst, auf dem Sprintberg, der zwischen Köpenicker Straße und Polteweg liegt, wurden Spuren eines Gräberfeldes gefunden. Auch an der Grenze zu Kleinschönebeck, nördlich der Lessingstraße, zwischen Ahornallee und Schillerstraße wurde ein Feld mit zahlreichen Urnen aus der Zeit von 1200 bis 1000 vor Chr. ausgegraben. Hierbei handelt es sich um den größten archäologischen Fund in Woltersdorf. Die ältesten Siedlungsspuren wurden allerdings auf dem Rötheberg, der zwischen Bauer- und Kalksee gelegen ist, entdeckt. Sie datieren vermutlich in die späte Bronzezeit. Vor der Zeit der Völkerwanderung lebte hier vermutlich der elbgermanische Stamm der Semnonen, später der slawische Stamm der Sprewanen.

Märkisches Dörflein Die Gründung von Woltersdorf fällt in die Zeit des Teltowkrieges, in welchem sich die beiden Brandenburger Markgrafen Otto III. und Johann I. im Raum Köpenick und Mittenwalde gegen die sächsischen Wettiner durchsetzen konnten. Am Südrand des Barnims, auf der Anhöhe zwischen Bauer- und Flakensee wurde um 1240 ein Angerdorf gegründet, ob dies bereits unter den Wettinern oder erst unter den Askaniern geschah, ist nicht mehr eindeutig nachweisbar. Die neuen Siedler benannten das neue Dorf vermutlich nach ihrem Heimatort, welcher bei Zahna in der Nähe von Wittenberg liegt, das damals zwischen den Stammlanden der Askanier und Wettiner lag. Der Dorfanger bildet heute noch das Ortszentrum mit Kirche, Rathaus, Altem Krug und Schule. Diese Gebäude kamen jedoch erst in späteren Jahrhunderten hinzu. Woltersdorf gehörte vermutlich damals schon zum Burgamt Köpenick und wurde zur Unterscheidung von Waltersdorf auf dem Teltow auch Wendisch Woltersdorf genannt. Im Jahr 1375 wurde Woltersdorf im Landbuch Karls IV. erstmals urkundlich erwähnt.Geheimes Staatsarchiv: I. HA Rep. 78, Nr. 1 a : Kaiser Karls IV. Landbuch der Mark Brandenburg (Handschrift A) S. 237. Es war zu diesem Zeitpunkt im Besitz des Markgrafen und Fritz von Britzke auf Seeberg. 1416 schworen Otto und zwei Heinrichs von Britzke dem neuen Markgrafen in Berlin die Treue. Als ihr Besitz wird auch Wendisch Woltersdorf "mit Hufen und mit Gehölz, mit Zinsen und mit Bede, mit allen Gnaden an das oberste und an den Dienst" genannt. Die von Britzke verkauften Woltersdorf nach 1451 an die von Wagenschütz auf Pinnow.

Berliner Kämmereidorf Zu Ostern 1487 erwarb die Stadt Berlin das „Dorf und Gut Woltersdorf“ von Heinrich Wagenschütz für 150 Schock märkische Groschen. Die Stadt kaufte es in der Hoffnung, dass der Rüdersdorfer Kalkstein auch noch in Woltersdorf zu finden sei. Zwar erfüllte sich diese Hoffnung nicht, jedoch behielt die Stadt das Gut und Dorf für fast vierhundert Jahre. Anfänglich setzte Berlin einen Vogt ein, der das Rittergut für den Magistrat verwalten sollte, später wurde es ganz oder teilweise an ansässige Bauern oder andere Personen verpachtet. Als Bedienstete und Bewohner des Gutes werden in den nächsten vierhundert Jahren Meier, Schäfer, Weinmeister, Spohnmeister und Heidereiter genannt.Haselberger 1931, S. 24f. Beim Kauf des Gutes 1487 werden als Besitzer im Dorf sieben Personen genannt: Der Krüger Peter Rike, die vier Bauern Klaus und Thomas Rike, sowie Kaspar Mattis und die drei Kossäten Lorenz Richenow, Martin Jakob und Borchard Byll. Der Ackerbesitz des Gutes, der Bauern und Kossäten lag auf dem Großen Feld, welches entlang der heutigen Berliner Straße von der Eichbergstraße bis zum Eichendamm reichte und auf dem kleinen Feld, im Bereich zwischen Ahés Pfuhl und Schule. Dazu kamen Wiesen am Bauer- und Kalksee für die Heugewinnung.

1550 wurde eine Schleuse am südlichen Ende des Kalksees errichtet, um den Transport des Rüdersdorfer Kalksteins nach Berlin zu verbessern. Die dortigen Schleusenmeister siedelten vermutlich im späteren Kietz. Seit 1553 gehörte Woltersdorf zur Pfarre Rüdersdorf und schon zwei Jahre später wurde vom Berliner Magistrat eine Kirche im Dorf errichtet. 1575 und 1598 starben zahlreiche Bewohner an der Pest. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf im November 1633 von den Truppen Wallensteins so stark verwüstet, dass alle Bauernstellen verwaisten.Haselberger 1931, S. 19–28.

Wiedergründung 1642 zogen die Bauern Andreas Petrich und Peter Weber in das Dorf ihrer Väter, erhielten vom Berliner Magistrat, der weiterhin das Rittergut besaß, Baumaterialien gestellt um die Hofstellen im Alten Krug und vor dem heutigen Rathaus wieder herzurichten und begannen damit, die brach liegenden Felder wieder zu bestellen. Damit war Woltersdorf „neugegründet“ worden.Haselberger 1931, S. 30. In den nächsten Jahrzehnten kamen noch weitere Bauern und Kossäten hinzu, bis 13 Höfe wieder besetzt waren. Der 14. Hof, der dort lag, wo heute die Rüdersdorfer Straße beginnt, wurde zu dieser Zeit endgültig aufgegeben und zu einer Schäferei umgewidmet. Zum Rittergut zählte von da an auch die sogenannte Woltersdorfer Heide, die auch als Guts- oder Magistratsheide bezeichnet wurde und gut die Hälfte der Woltersdorfer Feldmark ausmachte. Dieser Wald umgab das Dorf und die Ackerfelder. Die Stadt Berlin erweiterte ihren Ackerbesitz durch Rodung eines Teils dieser Heide. Entlang der heutigen Vogelsdorfer Straße ab der Karl-Holzfäller- und der Moskauer Straße wurde der sogenannte Knack angelegt. Der Gutsbesitz wurde bis 1800 stark erweitert. Südlich vom Dorf entstand auf dem Gutsgelände ein Gutshaus in der heutigen Ethel-und-Julius-Rosenberg-Straße 27-28. Außerdem wurden darum herum ein Park, Stallungen und einer Ziegelei angelegt.Haselberger 1931, S. 46ff.

Bescheidenes Wachstum Um 1700 wurde die alte baufällige Schleuse am Südende des Kalksees durch eine neue zwischen Mühlenteich und Flakensee ersetzt. Dies war notwendig geworden, da die alte Stauschleuse, die etwas weiter nördlich lag, die neuen Mengen an Kalktransporten nach Berlin nicht mehr bewältigen konnte. 1707 baute der Rüdersdorfer Bergschreiber Johann Jänicke eine Mühle westlich der Schleuse und nutzte den südöstlichen Zipfel des Werders als Garten.

Im Jahre 1713 kam es zu einer nicht einträglichen Maulbeerpflanzung. Im Jahre 1721 erhielt der neue Heideläufer in der Magistratsheide am Kalksee ein Grundstück in Erbpacht, da im alten Dorf kein Platz mehr war. In den nächsten Jahrzehnten entstand damit am Kalksee eine Reihe von Häusern die ab 1735 als Kietz bezeichnet wurde und eine neue Siedlung innerhalb Woltersdorfs darstellte, in der um 1800 bereits genauso viele Menschen lebten, wie im alten Dorf. Die zahlreichen Seen in der noch kaum besiedelten Umgebung und die Schleuse mit ihrem Kalksteintransport machten aus den Woltersdorfer Kietzern Fischer, Schiffer oder Handwerker. Ebenfalls im Jahre 1721 wurde unter dem Patronat von Berlin auch ein Küsterhaus mit Schulstube im Dorf gebaut. 1793 gab die Stadt Berlin die Gutsäcker im Knack an die 13 Woltersdorfer Hofbesitzer in Erbpacht. Dies waren die vier Bauern Johann Gottlob Krüger, Christian Reusch, Michael Petrick, Michael Jaenschs Witwe und die neun Kossäten Gottfried Meersbach, Friedrich Petrick, Gottfried Nitze, Christian Stärke, Friedrich Reinicke, Martin Steuer, Michael Kloß, Christian Schröder und Gottlieb Brederecke.Haselberger 1931, S. 58–62. Damit war das gesamte Ackerland im Besitz der Woltersdorfer Landwirte und zum Rittergut gehörte nur noch die Gutsheide. Während des Russlandfeldzugs und der Befreiungskriege wurden mehrfach Soldaten einquartiert und Seuchen brachen aus. 1843 wurde im Kietz eine Schiffsbauerei gegründet. In der Nacht vom 30. zum 31. Mai 1851 kam es zu einem Brand im alten Dorf. Die Kirche und die Schule, vier Bauern-, fünf Kossäten- und sieben andere Häuser wurden zerstört. Der Berliner Magistrat half als Patron beim Wiederaufbau von Kirche und Schule.

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