Kragenspiegel, auch Kragenpatten, sind Abzeichen, Dienstgradabzeichen bzw. Rangabzeichen an den Kragenenden der Uniformjacke, die gewöhnlich zur Kennzeichnung einer Truppengattung, Waffengattung, militärischen Verwendung oder Polizeiformation Verwendung finden. Kragenspiegel können auch Dienstgradabzeichen tragen und in definierten Waffenfarben gehalten sein.

Entstehung Der Kragenspiegel entstand in Deutschland im 19. Jahrhundert zur Kennzeichnung eines bestimmten Truppenteils und als Zierrat. Sie geben – je nach Armee und Zeit – verschiedene Informationen über den Träger. Die Bezeichnung „Kragenspiegel“ war anfangs nur umgangssprachlich gebräuchlich, der ursprüngliche Begriff war Kragenstickerei (vor 1918), Doppellitzen am Kragen oder „Kragenpatten zu Waffenrock und Feldbluse“ (1938). Der Begriff Kragenspiegel wurde in der Luftwaffe ab dem 1. März 1935,Karl-Heinz Völker: Dokumente und Dokumentarfotos zur Geschichte der deutschen Luftwaffe. In: Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte, hrsg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt (Schriftenreihe des MGFA), 9. Band, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1968, S. 363–367 (Dokument 147, vor allem im Abschnitt A die Ziffer „4. Kragenspiegel“). ansonsten erst nach 1945 offiziell gebraucht.

Deutschland Deutsches Reich 1871–1918 mini|Kragenlitzen der „Alten Armee“ (bis 1918)

Nach der Reichsgründung 1871 wurde die Uniformierung innerhalb des Reichsheeres zwar an die Uniform der preußischen Armee angeglichen, jedoch existierte keine einheitliche Uniform. Aufwändige Kragenstickereien führten die Admirale der Kaiserlichen Marine sowie Generale (in landsmannschaftlich teils unterschiedlicher Machart, so in Preußen zuletzt in Alt-Larisch-Ausführung). Schlichter gehalten war der Kragenschmuck bei Truppen mit Garde-Charakter (Gardelitzen), so etwa beim preußischen Gardekorps, oder bei bayerischen, sächsischen und württembergischen Garde-Einheiten. Kragenstickereien besaßen ferner Offiziere des preußischen Kriegsministeriums (Kolbenstickerei), des Generalstabs und des Kadettenkorps, außerdem die General- und Flügeladjutanten sowie prinzlichen Adjutanten, einige Beamte des Reichsmilitärgerichts und einzelne Regimenter, insbesondere Grenadier-Regimenter. Form und Farbe dieser Stickereien waren sehr unterschiedlich.

Die Matrosen und Unteroffiziere ohne Portepee der Kaiserlichen Marine trugen einfarbige Kragenpatten, und zwar die Matrosendivision mittelblau, die Torpedobootsdivision desgleichen mit rotem Rand, die Matrosendivision und die Torpedoabteilung der kaiserlichen Jacht Hohenzollern jedoch weiß statt mittelblau.Eichler, Krenz: Die Kaiserliche Flotte. ISBN 3-327-01252-0, Tafel III.

Bis 1915 führten auch die anderen Länder des deutschen Reiches diese Stickerei ein, lediglich in Bayern in Silber. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie schließlich in verkleinerter Form von deutschen und österreichischen Generalen getragen. Später erhielten auch die Generale der Bundeswehr diese überlieferten Abzeichen.

Deutsches Reich 1919–1945 Reichswehr Mit der Gründung der vorläufigen Reichswehr 1919 wurde erstmals in Deutschland eine einheitliche Uniformierung für die Streitkräfte festgelegt. 1921 erfolgte die endgültige Uniformfestlegung. Für das Reichsheer wurden einheitlich Kragenspiegel in drei verschiedenen Formen festgelegt, die am Kragen des Gesellschaftsrocks, des Rocks und der Feldbluse getragen wurden. Offiziere im Generalsrang trugen hellgoldene Arabeskenstickereien, ähnlich wie sie die preußischen Generale vor 1918 getragen hatten: Generale ab Ende 1927 auf hochroter (vorher feldgrauer) Unterlage aus Abzeichentuch,Schlicht, Kraus (Reichswehr), S. 185, 239. diese für Sanitätsoffiziere im Generalsrang Dunkelblau, Veterinäroffiziere im Generalsrang Karmesinrot und Heeresbeamte im Generalsrang Dunkelgrün. Die übrigen Offiziere, Mannschaften und Beamten erhielten Kragenspiegel mit Kappellenlitzen (Doppellitzen) nach preußischem Muster von 1814, doch in der für die Felduniform verkürzten Form von 1915.Schlicht, Kraus (Reichswehr), S. 74–75, 239.

Offiziere und die Heeresbeamten des mittleren Dienstes trugen auf ihren Kragen Stoffstreifen (Patten) in Graugrün (seit 1935 Bläulichdunkelgrün) auf den Dienst- und Feldgarnituren, auf dem Waffenrock, Ausgehrock und Gesellschaftsrock aber in Waffenfarbe. Darauf je ein Paar silberne Kapellenlitzen. Diese besaßen die Gestalt der Ziffer Zwei der römischen Zahlschrift bzw. zweier stilisierter, horizontal übereinander angeordneter dorischer Säulen. Der jeweils verbreiterte Kopf und Fuß der Säulen bzw. die Litzen bildete die eigentliche Kapelle; sie war mit einer einfach gedrehten Silber- oder Aluminiumschnur von der Litzensäule abgesetzt. In dem länglichen freien Feld zwischen beiden Litzen, dem Mittel- oder Kragenspiegel, schien die Patte hervor. Die Litzen selbst teilte wiederum eine zwischen den beiden Kapellen verlaufende Mittellinie, der Seiten- oder Litzenspiegel.Schlicht, Kraus (Reichswehr), S. 164. Dieser war etwa 3 Millimeter breit und bestand aus Seidenschnur oder aus seidenumwickelter Kordel, diese in Waffenfarbe bei feldgrauen oder bläulichdunkelgrünen Patten.

Offiziere des Reichswehrministeriums und Heeresbeamte des höheren Dienstes trugen ähnliche, jedoch goldfarbige Kolbenstickereien. Bei Offizieren des Führerstabes (Generalstabsoffiziere) war die Stickerei silberfarben, ähnlich wie bereits bei Offizieren des preußischen Kriegsministeriums vor 1918.Schlicht, Kraus (Reichswehr), S. 88–89, 309. Die Kolbenstickereien besaßen keine Litzensäulen, sondern bei ihnen gingen beidseitig vom Seiten- bzw. Litzenspiegel leicht auswärts gekrümmte, nach hinten offene Kolben ab. Der erste und letzte Kolben jeder Reihe war angeschnitten. Es existierten zwei Versionen: eine mit 15 Kolben (der Version von 1916 folgend).Schlicht, Kraus (Reichswehr), S. 88–89. und eine mit acht Kolben (seit 1930 für die Beamten des höheren Dienstes)Schlicht, Kraus (Reichswehr), S. 309, 318.

Die feldgrauen, gewebten Doppellitzen der Unteroffiziere und Mannschaften glichen jenen der Truppenoffiziere, waren aber einfacher gehalten. Die Kapellenenden der Litzen waren ebenfalls verbreitert und hingen, wie bei den Offizieren, in Verlängerung des Mittelspiegels zusammen. Die Kapellenenden waren allerdings nicht mit Schnur abgesetzt und die Litzenspiegel waren gewebt statt aus Schnur. Der Mittelspiegel war hellgraugrün, seit 1935 bläulichdunkelgrün. Auf dem Ausgeh- und Waffenrock waren die Patten in Waffenfarbe gehalten, die aufgestickten Litzen bestanden aus Silber- oder Aluminiumgespinst.Schlicht, Kraus (Reichswehr), S. 175, 239.

Die den einzelnen Waffengattungen zugeordneten Farben siehe unter: Waffenfarbe

Die Reichsmarine trug keine Kragenspiegel.

Wehrmacht

Mit der Umwandlung der Reichswehr zur Wehrmacht 1935 wurde zunächst die Uniformierung für das Heer beibehalten. Erst 1937 erfolgt eine geringfügige Veränderung der Uniform. Die Waffenfarben wurden weitgehend beibehalten, jedoch erhielt die Nachrichtentruppe zitronengelbe Kragenspiegel. Außerdem wurden für die neuen Waffengattungen / Verwendungen eingeführt: Nebeltruppe: bordeauxrot Wehrersatzwesen: orange Für die Panzertruppe wurden zum schwarzen Feldanzug besondere Kragenspiegel eingeführt. Sie bestanden aus rechteckigem schwarzen Tuch mit rosa Paspelierung. In der Mitte des Kragenspiegels war ein metallgeprägter, silberner Totenkopf mit gekreuzten Knochen angebracht, ähnlich wie ihn Husarenregimenter vor 1918 an der Mütze getragen hatten.

Die neugebildete Luftwaffe erhielt ebenfalls Kragenspiegel, die sich jedoch von denen des Heeres unterschieden. Auf farbigem Grundtuch in der Waffenfarbe der Luftwaffe waren eine unterschiedliche Anzahl von Schwingen, bei Offizieren zusätzlich mit kleinem Eichenlaub oder Eichenlaubkranz aufgestickt, die zugleich den Dienstgrad angaben.

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1 Generalfeldmarschall (ab 3. April 1941) 2 Generalfeldmarschall (bis 3. April 1941) und Generäle 3 Offiziere im OKW; übrige Generalstabsoffiziere: Litze mit silberfarbener Kolbenstickerei 4 Offiziere (zum Waffenrock, auf Abzeichentuch in der Waffenfarbe) 5 Offiziere (zur Feldbluse stets auf grünlichblauem Abzeichentuch, jedoch mit Paspelierung in der Mitte der Litzen in der Waffenfarbe)

Abbildung 2 mini|200px|Abbildung 2

6 Unteroffiziere (zum Waffenrock) 7 Mannschaften (zur Feldbluse) 8 Panzertruppe

Die Kriegsmarine trug weiterhin keine Kragenspiegel, mit Ausnahme der Mannschafts-Soldaten.

Waffen-SS Die Waffen-SS war ähnlich wie das Heer uniformiert, doch trug sie Kragenspiegel der Allgemeinen SS.

Sonstige Organisationen Neben den Streitkräften trugen auch andere staatliche, uniformierte Organisationen wie Polizei, Feuerwehr und Reichsbahn Kragenspiegel, die denen der Streitkräfte teilweise ähnlich waren. Nach 1933 wurde durch die nationalsozialistischen Machthaber eine Vielzahl von neuen staatlichen, halbstaatlichen und Parteiorganisationen gegründet, die uniformiert waren. Unter anderem trugen die politischen Leiter der NSDAP, die Angehörigen von Reichsarbeitsdienst (RAD), Reichsluftschutzbund (RLB) und der Parteiorganisationen SA, SS, NS-Kraftfahrkorps (NSKK) und NS-Fliegerkorps (NSFK) Kragenspiegel. Diese waren anders gestaltet als die der Streitkräfte und zeigten im Allgemeinen sowohl den Dienstgrad als auch die Organisationszugehörigkeit an.

Bundesrepublik Deutschland mini|Kragenspiegel deutscher Generäle der Bundeswehr, hier Generalmajor Reinhard Kammerer.

Die bei der Bundeswehr auf den Kragenecken des Dienstanzugs der Heeres- und Luftwaffenuniformträger aufgenähten Kragenspiegel lassen durch die Farbe des Grundtuchs (vgl. Waffenfarbe) sowie die Form und Ausführung der auf den Kragenspiegeln abgebildeten Symbole Rückschlüsse auf die Truppengattung, Teilstreitkraft oder auf eine besondere Dienststellung oder Dienstgradgruppe zu. Die Form der Kragenspiegel ist eine leicht veränderte Weiterentwicklung der Kragenspiegel früherer deutscher Streitkräfte.

Der Bundesgrenzschutz als Vorläufer der Bundespolizei führte bis zu seiner Umbenennung 2005 ebenfalls Kragenspiegel. Diese ähnelten jenen der Bundeswehr, doch war das Tuch der Patten durchgehend dunkelgrün. Dazu silberne Kapellenlitzen, der 1976 eingeführte Direktor der Grenzschutzdirektion die Litzen aber goldfarben. Kommandeure (bzw. Brigadegenerale) sowie der Inspekteur (Generalmajor) trugen statt der Kapellenlitzen stilisierte goldene Akanthus-Ranken (Larisch-Stickerei).

DDR 1949–1990

Siehe auch

Generale der Bewaffneten Organe der DDR trugen an der Uniformjacke grundsätzlich goldene Arabeskenstickerei auf in der Waffenfarbe gehaltenem Grundtuch. NVA: Landstreitkräfte der NVA – hochrot NVA LSK/LV – himmelblau Volksmarine – marineblau Grenztruppen der DDR – grün Zivilverteidigung der DDR – hochrot Deutsche Volkspolizei – dunkelgrün MfS – hochrot

Landstreitkräfte Die Kragenspiegel für Offizier, Fähnriche, Unteroffizier und Mannschaften der Landstreitkräfte (Lask) entsprachen im Prinzip denen des Heeres der deutschen Wehrmacht, jedoch mit folgenden Abweichungen: Grundtuch stets steingrau, kein Grundtuch in der Waffenfarbe Kantillenfüllung (Seiten- bzw. Litzenspiegel) bis 1977 (Offiziere, Fähnriche und Berufsunteroffiziere) bzw. bis 1980 (Unteroffiziere auf Zeit) und Mannschaften in der Waffenfarbe, danach einheitlich weiß bzw. hellgrau Fallschirmjäger trugen seit 1970 orangefarbenes Grundtuch mit stilisiertem Fallschirm und Schwinge, Offiziere silberfarbene Kordelumrandung

Luftstreitkräfte Hellblaues Grundtuch, silberfarbene Schwinge, Fähnriche und Offiziere Kordelumrandung und offener oder geschlossener Eichenlaubkranz um die Schwinge

Volksmarine Nur für Matrosen, Unteroffizierschüler und Maate zum Überzieher aus kornblumenblauem Grundtuch, keine weiteren Abzeichen.

Französische Armee