mini|Gedenktafel in Jerusalem zur Erinnerung an die Rettung der dänischen Juden

Die Liste der Gerechten unter den Völkern aus Dänemark führt in alphabetischer Reihenfolge diejenigen Dänen und Däninnen auf, die von der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel Gerechter unter den Völkern geehrt wurden.

Hintergrund Unter Missachtung seiner Neutralität und ohne Kriegserklärung wurde Dänemark im Rahmen der Operation Weserübung ab dem 9. April 1940 von der Wehrmacht des Deutschen Reiches besetzt. Das Land blieb bis Ende des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Kontrolle. Deutschland respektierte zunächst formell die dänische Souveränität und Neutralität. Im Gegensatz zu anderen besetzten Ländern blieben sowohl das Staatsoberhaupt, König Christian X., wie auch die dänische Regierung im Land. Mit einer Zusammenarbeits- und Verhandlungspolitik versuchte die dänische Regierung von Thorvald Stauning die Privilegien eines souveränen Staates zu erhalten. Dänische Regierung und staatliche Verwaltung verfügten damit weiterhin über einige Handlungsspielräume. Während dieser bis August 1943 dauernden Phase wurden in Dänemark keine antijüdischen Sondergesetze eingeführt; die etwa 8.000 im Land lebenden Juden und jüdischen Flüchtlinge blieben zunächst weitgehend vor unmittelbarer Verfolgung geschützt.

Zunehmende Streiks und Widerstandsaktionen führten am 29. August 1943 zur Absetzung der dänischen Regierung und zur Verhängung des Ausnahmezustandes durch die deutschen Besatzer. Als Werner Best, der deutsche Statthalter in Dänemark, die Verhaftung und Deportation aller dänischen Juden anordnete und vorbereitete, warnte der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz am 28. September 1943 dänische Politiker vor den bevorstehenden Deportationen. Die Nachricht wurde an die jüdische Gemeinde in Dänemark weitergegeben. Innerhalb weniger Wochen brachten Angehörige der jüdischen Gemeinde, Widerstandsgruppen und zahlreiche weitere Helfer die Verfolgten in Verstecken unter und organisierten ihre Überfahrt über den Öresund in das neutrale Schweden. Fischer und andere Bootsbesitzer übernahmen einen großen Teil der Transporte. Auf diese Weise gelangten etwa 7.200 Juden und rund 680 nichtjüdische Familienangehörige nach Schweden und konnten sich den Deportationen entziehen.Herbert Pundik: Die Flucht der dänischen Juden 1943 nach Schweden. Husum 1995, ISBN 3-88042-734-8, S. 22 f. Trotzdem wurden rund 470 Juden von den deutschen Besatzern festgenommen und überwiegend in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Durch anhaltende Interventionen dänischer Behörden und Organisationen blieben sie vom Weitertransport in die Vernichtungslager weitgehend verschont, nur etwas 50 Juden starben bei der Deportation. Insgesamt entgingen damit etwa 95 Prozent der jüdischen Bevölkerung Dänemarks der Ermordung im Holocaust.

Israel hat nach der Staatsgründung 1948 den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern () eingeführt, um nichtjüdische Einzelpersonen zu ehren, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten. Da die Rettung der dänischen Juden von den Beteiligten als gemeinschaftliche Leistung verstanden wurde, bat die dänische Untergrundbewegung Yad Vashem darum, ihre an der Rettungsaktion beteiligten Mitglieder nicht einzeln auszuzeichnen, sondern ihrer kollektiv zu gedenken. Unabhängig von der kollektiven Würdigung erkannte Yad Vashem bis zum 1. Januar 2024 insgesamt 22 Däninnen und Dänen aufgrund jeweils dokumentierter individueller Rettungstaten als Gerechte unter den Völkern an. Zu ihnen gehören auch Personen, deren Hilfe bereits vor Oktober 1943 oder außerhalb Dänemarks geleistet wurde.

Liste Die Liste ist alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Hinter dem Namen ist – soweit bekannt – das Geburtsdatum, das Sterbedatum, der Ort der Rettung, der Grund der Ehrung und das Jahr der Ehrung angegeben. Quelle der Informationen ist die Righteous Among the Nations Database der Gedenkstätte Yad Vashem. NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrNyborgAnna Christensen aus Nyborg war Mitglied der Internationale Liga für Frieden und Freiheit. Sie half bei der Rettung von 40 jüdischen Kindern, die in den 1930er Jahren durch Vermittlung der Kinder- und Jugend-Alijah auf der Flucht vor den Nationalsozialisten von Deutschland nach Dänemark eingereist waren, um sie hier auf die Ausreise nach Palästina vorzubereiten. Christensen organisierte, dass die Kinder in der örtlichen Schule unterrichtet wurden. Nach der deutschen Invasion Dänemarks am 9. April 1940 unterrichtete sie die Kinder in ihrem Keller, organisierte Verstecke, kochte und versorgte sie mit Lebensmitteln. Im Herbst 1943 gelang es Christensen mit Hilfe der dänischen Untergrundbewegung, die Kinder aus dem Land nach Schweden zu schmuggeln.1966FrederiksbergKnud Dyby, ein dänischer Polizeibeamter aus Kopenhagen, war während der deutschen Besetzung Dänemarks im Jahr 1940 in der Widerstandsbewegung tätig und beteiligte sich an Sabotagen, Spionage und der Produktion von Untergrundzeitungen. 1943 wirkte er an der Flucht der dänischen Juden mit. Er nutzte seine durch das Segeln entstandenen Kontakte zu Fischern, um die Überfahrt jüdischer Dänen nach Schweden zu organisieren und brachte selbst Gruppen nach Nordhavn, wo sie von Seeleuten in Empfang genommen oder bis zur Überfahrt in Privathäusern untergebracht wurden. 2004KopenhagenEllen Fogh und ihr Sohn Frederik Fogh versteckten ab September 1943 fünf jüdische Mitbürger in ihrer Wohnung, sammelten Geld für deren Flucht, mieteten ein Boot und organisierten ihre Überfahrt nach Schweden.2003Kopenhagen2003HøngDer Pfarrer Arnold Gunnerso und seine Ehefrau Karen Gunnerso organisierten im Oktober 1943 den illegalen Transfer der jüdischen Jugendlichen Yehiel Ben Yitshak und Roza Fuchs nach Schweden.1986Høng1986FünenEster Handberg rettete das Leben der elfjährigen Alit Strassman, ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihres kleinen Bruders. Frau Strassman und ihre drei Kinder waren im Oktober 1943 auf der Flucht vor der Deportation durch die deutsche Besatzungsmacht auf die Insel Fünen geflüchtet. Hier kannten sie Ester Handberg, ihre Pensionswirtin bei einem früheren Urlaub. Ester Handberg versteckte die Strassmans in ihrer Pension und organisierte mehrere weitere illegale Unterkünfte, einen Krankenhausaufenthalt sowie die Überfahrt nach Schweden für die Familie.1994HøngDer Bauer Esben Hansen und seine Schwester Helga Hansen versteckten im Herbst 1943 auf ihrem Bauernhof in Løve bei Høng die jüdischen Jugendlichen Yehiel Ben Yitshak und Roza Fuchs, bevor diesen durch das Ehepaar Gunnerso nach Schweden gelangen konnten.1986Høng1986AspetHelga Holbek, ein hochrangiges Mitglied der International Commission for the Assistance of Child Refugees, half im Zweiten Weltkrieg bei der Rettung jüdischer Kinder in Südfrankreich. Auf Initiative der Organisation wurden Ende Februar 1941 etwa 50 Kinder aus dem Konzentrationslager Gurs in das Waisenhaus Maison des Pupilles de la Nation in Aspet gebracht. Helga Holbek und ihre norwegische Kollegin Alice Resch kümmerten sich um die Kinder, brachten sie in verschiedenen Waisenhäusern Südfrankreichs unter, wo sie bis Mai 1944 bleiben konnten.

Holbek führte außerdem eine illegale Operation durch, um den ungarischen jüdischen Maler Sigismund Kolozsvary und seine Frau Matyi aus dem KZ Gurs zu retten, sichere Verstecke zu organisieren und sie in die Schweiz zu schmuggeln.1982BerlinSigurd Larsen, ein Möbelhändler aus Kopenhagen, der – als Sohn eines dänischen Vaters und einer deutschen Mutter – bis Mitte der 1930er Jahre in Berlin gelebt hatte, unterhielt durch sein Geschäft Kontakt zu Joachim Marcuse, einem jüdischen Vorarbeiter einer Möbelfirma. Als Marcuse entlassen und 1940 in einem Arbeitslager interniert wurde, hielt Sigurd Larsen den Kontakt und als die Deportationen in die Konzentrationslager begannen, schmuggelte Larsen Joachim Marcuse, dessen Frau Gerda Berlowitz und dessen Freund Kurt Lewin (Kurt Levin) in einem für ihn bestimmten Holztransport nach Schweden. Siehe auch: Monika Becker: Die Geschichte einer Flucht, in: Kulturbund e. V. Berlin-Treptow: Juden in Treptow. Sie haben geheißen wie ihr heißt, Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 3-89468-065-2, S. 155–160, & The International Raoul Wallenberg Foundation: Sigurd Larsen & The International Raoul Wallenberg Foundation: Joachim and Gerda Marcuse2001OdenseDagmar Lustrup war in einer Frauenfriedensorganisation in Thisted aktiv. Es gelang ihr Ende 1940 20 jüdische Jugendliche, die meisten davon aus der Tschechoslowakei, vor dem Zugriff der Nationalsozialisten und der Deportation zu retten. Die Jugendlichen wurden von ihr zunächst in eine Jugendherberge in der Nähe von Odense auf der Insel Fünen gebracht. Eine Woche später, am 5. Dezember 1940, konnten sie mit dem Schiff nach Schweden gelangen und über die Sowjetunion weiter nach Palästina reisen.1984EspergaerdeKnud Marstrand Christiansen, ein erfolgreicher Lederwarenfabrikant, und seine Ehefrau Karen Marstrand Christiansen, organisierten 1943 für mehrere jüdische Flüchtlinge illegale Verstecke und brachten sie auf einem kleinen Boot von Dänemark nach Schweden.2005Espergaerde2005Inga Norrild und Svend Norrild waren Aktivisten des dänischen Widerstandes gegen die deutsche Besatzungsmacht. Sie gehörten zur sogenannten „Lyngby“-Gruppe, einem Netzwerk, das Juden von Dänemark nach Schweden brachte. Der Gruppe gelang es insgesamt 622 Juden nach Schweden zu schmuggeln.19951995RisbyHarald Petersen, ein Landwirt aus Risby, rettete 1943 dem jüdischen Ehepaar Richard Hausmann und Erna Hausmann und ihrem anderthalbjährigen Sohn Herman das Leben. Das aus Deutschland geflohene Ehepaar Hausmann hatte bei ihm eine Anstellung gefunden. Als die deutschen Besatzer im Oktober 1943 mit den Deportationen der Juden begannen, brachte Petersen die Familie Hausmann mit dem Auto nach Kopenhagen, fand einen Fischer und zahlte die Überfahrt der Familie nach Schweden. 1990KopenhagenDas Ehepaar Robert Petersen und Gertrud Petersen aus Kopenhagen organisierte im September 1943 die Flucht ihrer jüdischen Freundin Isak Paikin und deren gesamten Familie. Die Petersens brachten die insgesamt 14 Personen zunächst für zwei Tage in ihrem Haus unter, beschafften dann ein Zimmer in Koege, einer Nachbarstadt an der Küste und suchten und fanden einen Fischer der die Verfolgten übers Meer nach Schweden brachte. 2001Kopenhagen2001SnekkerstenHenry Christian Thomsen, ein Gastwirt und früherer Fischer aus Snekkersten, und seine Frau Ellen Margarethe Thomsen – beide Aktivisten des dänischen Widerstandes gegen die deutsche Besatzung – retteten Hunderten von verfolgten Juden das Leben, indem sie ihnen halfen, nach Schweden zu gelangen. Ab Oktober 1943 entwickelte sich ihr Gasthaus zum Treffpunkt der Fischer des an der Rettungsaktion beteiligten Gebiets. Wenn eine Flüchtlingsgruppe groß genug war, um ein Fischerboot zu füllen, vereinbarte Thomsen alle Einzelheiten mit dem Eigner des Schiffes. Als die Zahl der jüdischen Flüchtlinge wuchs, kaufte Thomsen ein kleines Fischerboot und brachte die Passagiere auch alleine nach Schweden. Henry Christian Thomsen wurde zwei Mal von der Gestapo verhaftet, da er der Fluchthilfe verdächtigt wurde. Nach der zweiten Festnahme wurde er in das Konzentrationslager Neuengamme in Deutschland deportiert, wo er am 4. Dezember 1944 starb.1968Snekkersten1968KopenhagenGerda Valentiner, ein Mitglied des dänischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung, übernahm 1943 die Aufgabe jüdische Kinder – getrennt von ihren Eltern – von Dänemark nach Schweden zu schmuggeln. Sie holte die Kinder bei ihren Eltern ab, brachte sie bei sich unter, versorgte sie mit Lebensmitteln, organisierte den Transfer nach Schweden und begleitete die Kinder bei der Überfahrt.1968

Siehe auch Geschichte der Juden in Dänemark

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