mini|Georgskirche in Hausen an der Zaber

Die evangelische Georgskirche steht in Hausen an der Zaber, einem Ortsteil von Brackenheim im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Ihre Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Brackenheim und gehört seit 1. Januar 2025 zum neuen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Georgskirche geht auf die ursprüngliche Kapelle des Ortes aus der Zeit um das Jahr 1000 zurück, wurde im Lauf der Zeit jedoch vielfach umgebaut. Der älteste Teil der heutigen Kirche ist der Turmsockel, der spätestens gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Die daran befindliche Ritterstatue aus der Zeit um 1290 gilt als eine der ältesten, wenn nicht gar die älteste Ritterstandfigur in Württemberg.

Geschichte Der Ort Hausen wurde wohl von Meimsheim aus als Ausbauort gegründet. Folglich war Hausen ursprünglich kirchlich auch Filialgemeinde der Meimsheimer Martinskirche. Gemeinsam mit Meimsheim gelangte Hausen bis zum zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts vom Bistum Speyer zum Bistum Worms und darin zum Ruralkapitel Schwaigern im Archidiakonat Wimpfen.Kies 2011, S. 13. 1427 ist mit der urkundlichen Erwähnung eines Frühmessers die Frühmesse in Hausen belegt.Kies 2011, S. 32. 1468 wurde Hausen aus dem Filialverband mit Meimsheim herausgelöst und zur eigenen Pfarrei erhoben.Kies 2011, S. 16. Das nahe Dürrenzimmern folgte 1475, Neipperg 1476. Im Jahr 1476 konnten die Zabergäu-Gemeinden dann zum Rural(teil)kapitel Brackenheim übertreten. Das zu Württemberg zählende Hausen wurde durch die Reformation evangelisch. Die Kirchengemeinde kam damals zum neuen Dekanat ZabergäuKies 2011, S. 59. und gehört heute dem daraus hervorgegangenen Kirchenbezirk Brackenheim an.

Das Patrozinium der Kirche ging in der Zeit nach der Reformation in Vergessenheit. Forscher des 19. Jahrhunderts erkannten in der alten Ritterfigur am Turm der Kirche den Hl. Martin und schlugen ein ursprüngliches Martinspatrozinium vor,Paul Keppler: Württembergs kirchliche Kunstaltertümer, Rottenburg 1888, S. 47Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg, Stuttgart 1889, S. 117. was noch bis in die 1980er Jahre tradiert wurde.Theo Kiefner: Kirchengeschichte von Meimsheim und seinen einstigen Filialen, ZZV 1961, Nr. 2/3, S. 33.Aßfahl 1980, S. 369. Erst ab den 1960er Jahren konnten dann urkundliche Belege erbracht werden, dass die Kirche einst dem Hl. Georg geweiht war.Maurer 1963, S. 2.Das Land Baden-Württemberg – Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, Band II Nordwürttemberg Teil I, Stuttgart 1971, S. 762. Seitdem sieht man im Ritterstandbild auch jenen Heiligen.

Der bauliche Ursprung der 1351 erstmals noch als Kapelle erwähnten Kirche in Hausen dürfte gemäß einem Grabungsbefund von 1960 um das Jahr 1000 liegen. Die Kirche befand sich auf einer heute nicht mehr wahrnehmbaren felsigen Erhebung inmitten eines feuchten Geländes. Von einer Mauer umgeben kann man sich den ursprünglichen Charakter der Anlage als Wehrkirche oder sogar als eine Art Wasserburg vorstellen. Die erste Kapelle könnte aus diesen topografischen Überlegungen heraus aus der Hofkapelle des Herrenhof des frühesten Ortsadels hervorgegangen sein, der gemäß Scherbenfunden wohl an einer bereits zur Zeit der Römer besiedelten Stelle entstand.Kies 2011, S. 83/84. Der erste durch Fundamente nachweisbare steinerne Kapellenbau hatte ein Schiff von 4,70 Meter Breite und 7,10 Meter Länge, der Chor war 2,70 Meter breit und 1,90 Meter tief. Die Mauerstärke betrug 80 bis 90 Zentimeter.Kies 2011, S. 75. Spätestens 1290 wurde eine wesentlich größere Kapelle an derselben Stelle errichtet. Diese Kapelle hatte bereits eine Länge von 18,70 Metern, außerdem wies sie bereits den Chorturm von etwa 6 × 6 Metern Außenmaßen auf. Diese zweite Kapelle brannte wohl um das Jahr 1350 ab.Kies 2011, S. 76. Darauf errichtete man ein nochmals nach drei Seiten größeres Schiff unter Verwendung der älteren Steine, die Brandspuren aufweisen, und unter Beibehaltung des alten Turmes. Die Wandstärke betrug nun 1,20 bis 1,30 Meter. In dieser Bauform wurde die Kirche 1468 zur Pfarrkirche erhoben.

Mit der Loslösung von Meimsheim 1468, wo die Hausener bislang ihr Begräbnis hatten, erhielt Hausen auch die Erlaubnis, einen eigenen Friedhof anzulegen. Diesen legte man um die Kirche herum an. Lediglich östlich der Kirche konnten wegen des anstehenden felsigen Untergrunds keine Bestattungen erfolgen. Die Bestattungen um die Kirche herum endeten bereits wieder 1577, als man einen neuen Friedhof außerhalb des Ortes anlegte. Bei späteren Erweiterungen der Kirche wurde der alte Friedhof teilweise mit den Erweiterungsbauten überbaut.Kies 2011, S. 134/135.

Um 1500 erfolgten der Anbau der Sakristei nördlich des Turms und der Umbau des Turmchors.Zu den verschiedenen Bauphasen der Kirche siehe: Maurer 1973, S. 141–160 In dieser Zeit wurde wohl auch die Konsolenkanzel geschaffen und auf der Mitte der Nordwand an einer Wandaushöhlung angebracht,Karl Halbauer: Predigstül - Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation; in der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 108–111 dabei wurden aber Teile eines Wandgemäldezyklus aus dem frühen 15. Jahrhundert zerstört.Maurer 1973, S. 145 1528 brannte der Turmaufbau nach Blitzschlag nieder, er wurde bis 1539 wiederaufgebaut.Kies 2011, S. 77/78. 1618 wurde das Langhaus dann nach Süden erweitertKies 2011, S. 77. und mit einem auf die Nordkanzel ausgerichteten Gestühl endgültig eine Querkirche geschaffen;Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 237, 287 - ISBN 978-3-95505-592-9. später hat man das Schiff außerdem noch um 1,40 Meter erhöht und eine Westempore eingezogen. 1790 folgte noch eine Südempore. Im Dachstuhl der Kirche waren verpachtete Lagerkammern und ein Kornspeicher.

Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche 1961, als man das alte Kirchenschiff abgerissen und durch einen Neubau ersetzt hat. Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurden auch die letzten Reste der alten Kirchhofmauer beseitigt.Kies 2011, S. 127. 2003 wurde das benachbarte ehemalige Hausener Schulhaus, das inzwischen als Gemeindehaus genutzt wird, baulich mit der Kirche verbunden.

Architektur und Ausstattung Ältester Bauteil der Georgskirche ist der romanische Chorturm, der spätestens gegen Ende des 13. Jahrhunderts bei der Erweiterung der alten Kapelle errichtet wurde. Der außergewöhnlich hohe und mit einem Krüppelwalmdach über dem Fachwerkaufbau des höchsten Stocks bedeckte Turm lässt noch verschiedene Charakteristika erkennen, die ihn als Wehr- und Wachturm ausweisen. Seine Höhe liegt darin begründet, dass Hausen in einer Landschaftssenke liegt und sich die umgebenden Anhöhen nur von der Spitze des Turms aus überblicken lassen. Der Zugang zum Turm erfolgte einst von der Kirche aus über dem Chorbogen. Im mittleren Turmgeschoss sind oben noch querliegende Schießscharten zu erkennen, die rechteckigen Fenster auf dieser Höhe wurden vermutlich aus solchen Scharten gebildet. Die tieferliegenden Fenster im Turmsockel sind dagegen eindeutig jüngeren Datums, ihr gotisches Maßwerk weist auf die Zeit um 1500, als man den nach Osten ausgerichteten Turmchor neu ausgestaltet hat, der damals auch von einem Netzrippengewölbe überspannt wurde. Ein Balken des Glockenstuhls trägt die Jahreszahl 1539, das Datum des Wiederaufbaus nach dem Turmbrand von 1528.Kies 2011, S. 78–80. Im 19. Jahrhundert gab es Bestrebungen, den Turm mit einer neogotischen Turmspitze zu versehen.Kies 2011, S. 78/79.

Die nördlich an den Turm angebaute Sakristei stammt ebenfalls noch aus vorreformatorischer Zeit, worauf eine zu Reinigen des Kelches bei der Kommunion dienende Vertiefung am Fenstergesims der Nordwand hindeutet. Aus stilkritischen Erwägungen zu den Diensten der Sakristei gilt es für möglich, dass Hans Wunderer am Bau der Sakristei beteiligt gewesen sein könnte.Kies 2011, S. 81/82.

Das heutige Langhaus wurde 1960/61 nach Plänen von Gerhard Fetzer in Zeltdachform erbaut, es nimmt keinen architektonischen Bezug auf das alte Langhaus.Kies 2011, S. 85. Glasfenster und Wandfriese für den Neubau entwarf Wolf-Dieter Kohler. In den Neubau hat man die spätgotische steinerne Kanzel des Vorgängerbauwerks, einen hochgotischen Taufstein, einen Altar mit Kreuzigungsgruppe aus dem 16. Jahrhundert, die alte Orgelempore und historische Grabsteine übernommen. Auch die Emporenbrüstung mit Darstellung Christi und der Apostel wurde im Neubau wiederverwendet. An der Südpforte der Kirche wurden frühgotische Türgewände vom alten Kirchenschiff eingebaut.Kies 2011, S. 85–87.

Georgsstatue Der bedeutendste Kunstschatz der Kirche ist die steinerne Georgsstatue am Turm, die wohl um 1290 geschaffen wurde. Dieses lebensgroße Ritterstandbild des heiligen Georg zählt zu den ältesten württembergischen Steinskulpturen, nach Hans-Martin Maurer ist die Figur sogar das älteste Ritterstandbild in Württemberg.Maurer 1963, S. 5. Der Ritter ist in Kettenhemd mit Schild und Schwert auf einer Konsole unter einem Baldachin stehend dargestellt. Die Datierung des Standbilds erfolgte aufgrund von ikonografischen, kunstgeschichtlichen und waffentechnischen Betrachtungen. Das Alter des Standbilds gibt gleichermaßen das Mindestalter für den Turmsockel vor.Kies 2011, S. 80/81.

Orgel Die erneuerte Kirche erhielt 1964 eine neue Orgel von Richard Rensch aus Lauffen mit 16 Registern auf zwei Manualen und Pedal.Kies 2011, S. 114.

Glocken