mini|304x304px|Jack Nicholson (2001) John Joseph „Jack“ Nicholson (* 22. April 1937 in Neptune City, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. Er zählt zu den bekanntesten und vielseitigsten Darstellern der Gegenwart. Mit drei Oscars (zwei als Bester Hauptdarsteller für Einer flog über das Kuckucksnest 1975 und für Besser geht’s nicht 1997 – und einem als Bester Nebendarsteller für Zeit der Zärtlichkeit 1984) sowie zwölf Oscar-Nominierungen ist er einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods.
Leben und Karriere 1937–1955 Nicholson wurde 1937 als unehelicher Sohn der 17-jährigen June Frances Nicholson († 1963) in der Kleinstadt Neptune City im Monmouth County in New Jersey geboren. Ihre Mutter Ethel May († 1970) gab sich als seine Mutter aus, um dem Ansehen ihrer minderjährigen Tochter nicht zu schaden. Sein Großvater John, der offiziell als sein Vater galt, war Alkoholiker und verließ die Familie bereits, als Jack noch ein Baby war. Er starb 1958. Nicholson entstammt mütterlicherseits einer Familie mit irischen, englischen und deutschen Wurzeln, wobei sich die Familie selber stets als irischstämmig bezeichnete.
Nicholson wuchs in dem Glauben auf, seine Mutter June sei seine ältere Schwester. Er erfuhr die Wahrheit über seine Familienverhältnisse erst 1974, als ein Reporter der Zeitschrift Time entsprechende Recherchen anstellte. Sein biologischer Vater war demnach der italienische Immigrant Donald Furcillo-Rose, der 1936 im Alter von 42 Jahren häufiger mit Nicholsons damals 16-jähriger Mutter June ausgegangen war. Seine Behauptung, er sei kurzzeitig mit June Nicholson verheiratet gewesen, ist jedoch nicht belegt. Als möglicher Vater von Nicholson wurde außerdem ein Mann namens Edgar A. Kirschfeld genannt. Nicholson stellte jedoch keine weiteren Recherchen an, die seine Abstammung hätten klären können.
Den Entschluss, Schauspieler zu werden, fasste Nicholson schon als kleiner Junge. Er engagierte sich in der Theatergruppe seiner Schule und galt als Klassenclown. Er war bereits in jungen Jahren mit Danny DeVito bekannt, da Verwandte von ihm und Verwandte von DeVito gemeinsam einen Friseursalon betrieben. Die beiden Schauspieler arbeiteten später häufig in Hollywood zusammen. Hochintelligent durfte er während seiner Schulzeit eine Klasse überspringen. Nach dem Abschluss der Manasquan High School verließ Nicholson 1954 seinen Heimatort Neptune City und folgte seiner leiblichen Mutter nach Los Angeles, wo sie als Sekretärin und Modeeinkäuferin arbeitete. June Nicholson starb im Juli 1963 an Krebs.
Der 17-jährige Nicholson arbeitete zunächst in einem Spielzeuggeschäft und fand dann eine Anstellung als Botenjunge in der Trickfilmabteilung der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer. Er betreute bei MGM außerdem die Fanpost, die die beiden populären Cartoonfiguren Tom und Jerry erhielten.
1955–1965 Nicholson überredete den bekannten MGM-Produzenten Joe Pasternak, Probeaufnahmen mit ihm zu machen. Pasternak bescheinigte ihm zwar Talent, gab ihm aber den Rat, zunächst Schauspielunterricht zu nehmen. Nicholson besuchte die Schauspielklasse von Jeff Corey und traf dort auf Kommilitonen wie Richard Chamberlain und James Coburn. 1956 gab er in der Fernsehserie Matinee Theatre in einer unbedeutenden Nebenrolle sein Schauspieldebüt.
1958 traf Nicholson den 32-jährigen Roger Corman, der seit einigen Jahren mit großem Erfolg B-Movies produzierte und inszenierte und in dieser Funktion jahrzehntelang die Karrieren späterer Hollywood-Größen förderte (darunter Robert De Niro, Martin Scorsese, Sylvester Stallone, James Cameron oder Francis Ford Coppola). Corman besetzte den 21-jährigen Nicholson in dem in Deutschland nicht aufgeführten Spielfilm The Cry Baby Killer als hitzköpfigen Jugendlichen, der schließlich zum Kriminellen wird. Das von Jus Addiss inszenierte Kriminaldrama orientierte sich an den damals populären Jugendfilmen wie … denn sie wissen nicht, was sie tun, fand aber weder bei Kritik noch Publikum große Resonanz.
Auch in den folgenden Jahren war Nicholson hauptsächlich für Corman tätig und übernahm kleinere Rollen in dessen B-Movies. 1960 spielte er in der von Corman inszenierten Horrorkomödie Kleiner Laden voller Schrecken den masochistischen Patienten eines sadistischen Zahnarztes. Dieser Film wurde innerhalb weniger Tage mit einem Minimalbudget von ca. 30.000 US-Dollar realisiert und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Kultstreifen. Die groteske Geschichte um die fleischfressende Riesenpflanze Audrey wurde 1982 zu einem Broadway-Musical verarbeitet, das 1986 verfilmt wurde.
In den frühen 1960er-Jahren produzierte und inszenierte Corman eine Reihe kostengünstiger Gothic-Horror-Filme, die beim Publikum gut ankamen und zu Klassikern ihres Genres wurden. Nicholson war in zwei dieser Filme zu sehen. In Der Rabe – Duell der Zauberer, einer Horrorkomödie, war er 1963 neben den profilierten Genre-Stars Boris Karloff, Vincent Price und Peter Lorre zu sehen. Im selben Jahr spielte er neben Karloff die zweite Hauptrolle in The Terror – Schloß des Schreckens. Bei diesem Film, der in denselben Kulissen wie Der Rabe entstand, war er zusammen mit Coppola und anderen auch als ungenannter Co-Regisseur tätig.
Die weibliche Hauptrolle in The Terror spielte die 23-jährige Sandra Knight, die Nicholson 1962 geheiratet hatte. 1963 kam eine Tochter zur Welt. Die Ehe mit Knight wurde 1968 geschieden. Nicholson war seither nicht wieder verheiratet, hat jedoch insgesamt fünf Kinder mit vier verschiedenen Frauen. In den frühen 1960er Jahren spielte Nicholson auch in Filmen wie Die wilde Jagd (1960), Das gebrochene Land (1962), Donner auf der Insel (1963) oder Hintertür zur Hölle (1964), die jedoch nur wenig Publikum fanden und seine Karriere nicht voranbrachten.
1966–1969 Ab Mitte der 1960er-Jahre geriet die etablierte Filmindustrie zunehmend unter Druck. Hollywood produzierte weiterhin nach den gängigen Rezepten leichte Unterhaltungsfilme (Liebeskomödien, Musicals, Monumentalfilme, Western), die von den jungen Kinogängern der Hippie-Ära ignoriert wurden. Ab 1966 machten sich jedoch im aktuellen Kino verstärkt die Einflüsse der Sub- und Gegenkultur bemerkbar und brachten das sogenannte New-Hollywood-Kino hervor.
Corman hatte stets ein Gespür für die aktuellen Trends und inszenierte 1966 den Rocker-Film Die wilden Engel, der für nur 360.000 US-Dollar produziert wurde, in den Vereinigten Staaten fast das 20fache dieser Summe einspielte und eine kurzlebige Motorradfilm-Welle auslöste. Nicholson war an Die wilden Engel zwar nicht beteiligt, erhielt 1967 aber Rollen in den Motorradfilmen Die wilden Schläger von San Francisco und Rebel Riders (der erst 1970 ins Kino kam). In Filmen wie diesen formte sich nach und nach das Image Nicholsons als unrasierter rebellischer Antiheld des New Hollywood, der die gesellschaftlichen Konventionen verachtet. Privat bewegte sich der Schauspieler zu dieser Zeit im Umfeld junger Darsteller wie Peter Fonda, Dennis Hopper oder Bruce Dern, die auf der Leinwand ebenfalls das Image des Antihelden pflegten.
Mitte der 1960er-Jahre versuchte sich Nicholson als Drehbuchautor und schrieb unter anderem die Vorlage für den Film The Trip (1967), der von Corman inszeniert wurde. Dieser Film, in dem Nicholson nicht als Schauspieler zu sehen ist, schildert in teils surrealen Bildern die LSD-Erfahrungen und amourösen Abenteuer eines Drehbuchautors, dargestellt von Peter Fonda, und gilt als einer der ersten Filme, die sich mit dem Thema Drogen auseinandersetzten. Nicholson hat eingeräumt, dass er ab Mitte der 1960er-Jahre ebenfalls LSD konsumiert habe.
1966 entstanden unter der Regie von Monte Hellman die beiden von Corman produzierten Western Das Schießen und Ritt im Wirbelwind, an denen Nicholson als Darsteller bzw. Koautor beteiligt war. Die unkonventionellen Filme, die die gängigen Genre-Regeln einigermaßen auf den Kopf stellten, wurden als „Acid-Western“ und als „kafkaesk“ bezeichnet und fanden kein Publikum. Das Schießen wurde nie im Kino gezeigt.
1968 war Nicholson als Koautor an dem Film Head beteiligt, der die überdrehten Abenteuer der Pop-Gruppe The Monkees schilderte und sich offensichtlich an den stilprägenden Filmen orientierte, die Richard Lester einige Jahre zuvor mit den Beatles gedreht hatte. Der Film wurde jedoch zu einem Flop und von der Kritik als zusammenhanglos und misslungen bezeichnet.
1967 und 1968 bemühte sich Nicholson vergeblich um die Hauptrollen in den späteren Erfolgsfilmen Die Reifeprüfung und Rosemaries Baby. Obwohl er als Darsteller, Autor oder Koregisseur an zahlreichen Filmen mitgewirkt hatte, war seine Karriere bis 1968 letzten Endes erfolglos verlaufen.
Hopper als Regisseur und Peter Fonda als Ideengeber und Drehbuchautor waren die treibenden Kräfte hinter dem Roadmovie Easy Rider (1969). Dieser Film schilderte die Abenteuer der beiden Hippies und Drogenschmuggler Wyatt (Fonda) und Billy (Hopper), die mit ihren Harley-Davidson-Motorrädern von Mexiko in die amerikanischen Südstaaten fahren und dort schließlich auf einer Landstraße von „Rednecks“ erschossen werden. Eine Zeitlang wird das Duo von dem permanent betrunkenen Anwalt George Hanson (Nicholson) begleitet, der ebenfalls von Rednecks getötet wird.
Bei der Umsetzung dieses Films war Nicholson zunächst nur als ausführender Produzent beteiligt – auf Bitten Hoppers hatte er den Kontakt mit der neu gegründeten Produktionsfirma BBS hergestellt, die ein Produktionsbudget von 375.000 US-Dollar bereitstellte. Als Rip Torn, der ursprünglich den betrunkenen Anwalt Hanson spielen sollte, die Produktion noch vor Beginn der Dreharbeiten verließ, erklärte sich Nicholson bereit, die Rolle zu übernehmen.
Easy Rider wurde mit einem Einspielergebnis von rund 100 Millionen US-Dollar zu einem sagenhaften Kassenerfolg, zum wichtigsten Kultfilm der Hippie-Generation und zu einem Klassiker des New-Hollywood-Kinos. Nicholson gelang es, nach mehr als zehn Jahren im Filmgeschäft erstmals ein großes Publikum auf sich aufmerksam zu machen – er wurde für seine komödiantisch angelegte Darstellung des betrunkenen Anwalts von der Kritik und den Zuschauern einhellig gefeiert. Die Rolle brachte ihm 1970 außerdem die erste von zwölf Oscar-Nominierungen ein. Die zweite folgte dann nur ein Jahr später für Five Easy Pieces – Ein Mann sucht sich selbst.
1970–1975 mini|Nicholsons Hand- und Schuhabdrücke vor Grauman’s Chinese Theatre Bis weit in die 1960er-Jahre hinein waren Hollywood-Stars in der Regel der Tradition des gutaussehenden romantischen Helden verpflichtet oder traten betont maskulin auf. Der Erfolg des New-Hollywood-Kinos ebnete jedoch einer neuen Generation von Schauspielern den Weg, die auf realitätsbezogene, psychologisch fundierte Rollengestaltungen Wert legten – darunter Dustin Hoffman, Al Pacino, Gene Hackman, Donald Sutherland oder Robert De Niro. Mit Beginn der 1970er Jahre avancierte Nicholson zu einem der führenden Stars dieser jungen Schauspielergeneration. Der 1,77 m große Darsteller mit dem schütteren Haar entsprach schon rein äußerlich nicht dem traditionellen Bild eines Hollywood-Stars und personifizierte durch seinen speziellen Habitus wie kaum ein anderer Darsteller den Zeitgeist der damaligen Ära, in der etablierte Werteordnungen in Frage gestellt wurden. Zum speziellen Markenzeichen des Schauspielers wurde sein unverwechselbares „Killergrinsen“.