Als Oberösterreichischer Bauernkrieg wird ein auf Oberösterreich begrenzter Bauernaufstand im Jahr 1626 bezeichnet.
Im Gegensatz zu den Bauernaufständen 1525 und dem Zweiten Oberösterreichischen Bauernaufstand zwischen 1595 und 1597, bei denen vor allem sozialrevolutionäre Beweggründe im Vordergrund standen, richtete sich der Aufstand in erster Linie gegen die Gegenreformation und die bayerische Besatzung.
Unmittelbarer Auslöser des Bauernkrieges war das unverhältnismäßige Vorgehen des bayerischen Statthalters Adam Graf von Herberstorff, der die Erhebung bewaffneter Untertanen gegen die gewaltsame Einsetzung eines katholischen Pfarrers durch ein gnadenloses Strafgericht, das Frankenburger Würfelspiel, beantwortete. Die soziale Basis des Aufstands ging über den Bauernstand weit hinaus und erfasste neben den ländlichen Unterschichten auch Ackerbürger und Handwerker bis hin zur städtischen Intelligenz, vereinzelt sogar niedere Adelige. Sein Scheitern trug zur Rekatholisierung Österreichs bei.
Vorgeschichte
Nach der Niederschlagung der Bauernrevolten von 1594–1597 sah Kaiser Rudolf II. die Gelegenheit gekommen, mit der Rekatholisierung der Gebiete Ob der Enns zu beginnen. Denn laut Augsburger Religionsfrieden von 1555, welcher nach ersten Konflikten zwischen protestantischen und katholischen Ländern im Heiligen Römischen Reich geschlossen wurde, musste das gesamte Volk der Religion seines Landesherrn angehören (nach dem Rechtsprinzip cuius regio, eius religio). Diese Bemühungen zeigten jedoch wenig Erfolg, und auch unter seinem Nachfolger Kaiser Mathias konnte die Gegenreformation wenig Fortschritte verzeichnen.
Dies änderte sich, als der energische, von den Ingolstädter Jesuiten erzogene Ferdinand II. 1619 die Macht antreten wollte. Dieser hatte schon in der Steiermark, Kärnten und Krain mit Gewalt die Rekatholisierung durchgesetzt und versuchte nun diese Politik auch in Oberösterreich anzuwenden. Die Ob der Ennsischen Landesstände unter dem Calvinisten Georg Erasmus von Tschernembl verweigerten aber die Gefolgschaft und verbündeten sich mit den böhmischen Aufständischen. Nachdem Ferdinand am 28. August 1619 in Frankfurt zum neuen Kaiser gewählt worden war, reiste er über Bayern zurück nach Wien. In München schloss er ein Bündnis (Vertrag von München) mit dem bayrischen Herzog Maximilian I., der gleichzeitig Führer der Katholischen Liga war. Der Kaiser ernannte ihn zum Oberbefehlshaber des Heeres der Liga und versprach ihm im Ausgleich für seine damit verbundenen Kosten die Verpfändung Oberösterreichs. Da die Kriegskasse des Habsburgers durch die Türkenkriege und die in Böhmen ausgebrochene Rebellion leer war, konnte der Kaiser nur auf diese Art die Liga entschädigen.
Nachdem ein böhmisches Heer unter Heinrich Matthias von Thurn vor den Toren Wiens am 26. November 1619 zurückgedrängt werden konnte, erteilte Ferdinand am 30. Juni 1620 dem bayrischen Herzog den Auftrag, nun auch im Land ob der Enns mit der Niederwerfung des Aufstandes zu beginnen.Im kaiserlichen Patent vom 30. Juni 1620 hieß es: Aus: Ober- und Nieder-Ennserisch, wie auch Böhmisch Journal, das ist, kurze und wahrhafte Beschreibung dessen, was … sich im Land ob und unter Enns … zugetragen hat. Gedruckt zu München 1621 Zitiert nach Franz Kurz: Versuch einer Geschichte des Bauernkrieges in Oberösterreich unter der Anführung des Stephan Fadinger und Achatz Wiellinger; F.I. Eurich, 1805, S. 60 ().
Am 24. Juli überschritt das von Johann t’Serclaes von Tilly angeführte bayrische Heer, vom zu Bayern gehörenden Innviertel kommend, bei Haag am Hausruck die Grenze, eroberte das von Bauern besetzte Schloss Aistersheim und zog am 4. August in Linz ein. Tschernembl floh daraufhin nach Böhmen zu den Aufständischen. Nachdem am 8. November 1620 in der Schlacht am Weißen Berg auch die böhmischen Aufständischen besiegt worden waren, war damit diese erste hauptsächlich vom Adel und Bürgertum getragene Rebellion der mehrheitlich protestantischen Landesstände niedergeworfen. mini|Frankenburger Würfelspiel – Zinnfigurendiorama aus dem Peuerbacher Bauernkriegsmuseum Am 6. März 1621 verkündete der Kaiser den Landesständen in Linz die Verpfändung an Bayern und präsentierte Adam von Herberstorff als neuen Statthalter. Dieser konnte auch in den folgenden vier Jahren das Land befrieden und sogar ein gewisses Vertrauen bei der Bevölkerung erlangen, obwohl dieser auf Grund des andauernden Dreißigjährigen Krieges hohe Belastungen auferlegt wurden. Im Jahr 1624 sah Kaiser Ferdinand II. die Situation so weit gefestigt, dass er eine Reformationskommission ins Land schickte. Mit kaiserlichem Mandat mussten ab Oktober dieses Jahres alle nichtkatholischen Prädikanten und Schulmeister das Land verlassen. Da die dadurch vakant gewordenen Pfarrstellen jedoch nicht durch einheimische Pfarrer besetzt werden konnten, holte man italienische Priester aus dem italienischen Teil Tirols. Diese sprachen jedoch meist nicht Deutsch und konnten so die Messe nicht, wie es die Bevölkerung zuvor gewohnt war, in der Landessprache halten. Dies führte im Jänner 1625 zu ersten Unruhen. In Natternbach wurden der Dechant Blasius de Livo und der von ihm eingesetzte italienische Pfarrer von einigen hundert Bauern mit Steinen beworfen und verjagt. Dies blieb zunächst ohne Konsequenzen.
Als sich aber im Mai 1625 in Frankenburg am Hausruck Ähnliches ereignete, wollte Herberstorff ein Exempel statuieren. Auch dort war zuvor der protestantische Pfarrer vertrieben worden, was einen Aufstand der Bauern und Bürger ausgelöst hatte. Das Schloss Frankenburg wurde belagert und der neue Pfarrer verjagt. Doch nach drei Tagen gaben die Aufständischen dem Gnadensangebot des bayerischen Statthalters nach: Es kam zum berüchtigten Frankenburger Würfelspiel, bei welchem 17 mutmaßliche Rädelsführer gehenkt wurden. Der bayerische Statthalter glaubte der Bevölkerung jeglichen Mut für weitere Aufstände genommen zu haben, doch er sollte sich schwer täuschen, als ein Jahr später, im Mai 1626, ein sorgfältig geplanter Bauernaufstand in Oberösterreich ausbrach.Johann Krebs: Die literarische Rezeption des oberösterreichischen Bauernkrieges. In: Oberösterreichische Heimatblätter, Heft 3, 1989 ().
Verlauf mini|Stefan Fadinger Bis Pfingsten des Jahres 1626 wollten der Bauer Stefan Fadinger und sein Schwager, der Wirt Christoph Zeller, beide aus Parz bei St. Agatha, von jedem Hof und jedem bürgerlichen Haus in Oberösterreich je einen Mann für ihren Aufstand ausheben. Ziel war es, Oberösterreich von den Bayern zu befreien und das Land dem habsburgischen Kaiser zurückzugeben. Sie wussten zwar, dass sie laut kaiserlichem Reformationspatent auswandern müssten, sofern sie dem protestantischen Glauben nicht abschwören würden, doch dazu wären sie bereit gewesen, Hauptsache, die gehenkten Bauern würden gebührend gerächt.
Doch der Bauernaufstand brach vorzeitig los, als zwei Wochen vor Pfingsten bayerische Soldaten in Lembach einem Bauern das Pferd stehlen wollten. Die Bauern, welche auf Wallfahrt in Lembach gewesen waren, rotteten sich zusammen und überfielen die 25 Mann starke bayerische Besatzung der Marktgemeinde. Weiters zog die Schar über Sarleinsbach nach Rohrbach und versammelte zahlreiche weitere Männer in ihrem Heer. Christoph Zeller stieß ebenfalls dazu, und die Truppe machte sich auf den Weg nach Peuerbach, wo sie den bayerischen Statthalter Herberstorff erwarteten. Noch bevor Stefan Fadinger mit seinen im Mühlviertel ausgehobenen Kräften in Peuerbach ankam, lieferte sich Zellers ungeduldiges Heer bereits am 21. Mai 1626 die Schlacht mit Herberstorffs Soldaten, welche es vernichtend besiegen konnte. Am selben Tag eroberte Fadinger Eferding und Wels. Am nächsten Tag wurde Zeller von den Bauern zum Oberhauptmann des Mühlviertels und des Machlandviertels gewählt und Fadinger zum Oberhauptmann des Traun- und Hausruckviertels. Während Zeller bereits die Belagerung von Linz andachte und in Ottensheim Lager bezog, eroberten Fadingers Truppen nun Kremsmünster und Steyr, um von dort dann die Übergabe von Linz zu fordern. mini|links|Der Sturm auf Peuerbach – Zinnfigurendiorama aus dem Peuerbacher Bauernkriegsmuseum Zur selben Zeit war auch die Belagerung Freistadts im Gange. Über einen Monat lang belagerten die 5000 Bauern unter Führung des Adeligen Hans Christoph Hayden zu Dorf die befestigte Stadt. Sie hoben Schanzen aus, blockierten die Wasserzufuhr und forderten die Übergabe. Doch der bayerische Hauptmann von Freistadt, Albrecht Sokolowsky, welcher auf 150 Soldaten und die Unterstützung der unentschlossenen Bürger zählen musste, gab nicht einfach so auf. Also zündeten die Bauern am 10. Juni einige Hütten am Stadtgraben an und begannen die Stadtmauern zu beschießen. Die bis zu diesem Zeitpunkt die Waffen ruhen lassenden bayerischen Besatzer begannen nun auch erstmals zu schießen und vertrieben damit die Belagerer von der Befestigung.
In der Stadt machte sich bereits Hungersnot breit, und es kam zu einer Revolte. Eine Abordnung Sokolowskys, 50 Mann, stellte sich auf die Seite der revoltierenden protestantischen Bürger. Sokolowsky jedoch blieb stur und ließ, als die Bauern am 30. Juni erneut eine Schanze aushoben, wieder auf diese schießen. Die darauf folgende Gegenwehr der Bauern endete mit Unterstützung der revoltierenden Bürger und Soldaten letztendlich in einer Eroberung Freistadts.
Zu diesem Zeitpunkt, seit 24. Juni, war auch bereits die Belagerung von Linz im Gange. Doch bereits am ersten Tag wurde Stefan Fadinger während einer Waffenruhe angeschossen, als er fahrlässigerweise am Linzer Landhaus vorbeiritt, im Irrglauben, seine Rüstung wäre hieb- und stichfest sowie kugelsicher bzw. er selbst ein unverwundbarer „Gefrorener“. Er und seine Leibschützen wurden vom Dach des Landhauses von Scharfschützen beschossen, wobei sein Pferd getötet wurde und er zu Fuß mit zertrümmertem Oberschenkel flüchten musste. Rund zwei Wochen später erlag er in Ebelsberg in einem Haus am heutigen Fadingerplatz der Blutvergiftung, einer Folge der schlecht versorgten Schussverletzung.
Ein von Steyr ausgehendes Gesuch der Bauern um Unterstützung durch den Kaiser in Wien blieb erfolglos. Die sechs mit der Überbringung der Botschaft beauftragten Männer bekamen Kaiser Ferdinand II. nicht einmal zu Gesicht. Währenddessen kamen von Bayern aus bereits Truppen zur Rückeroberung Oberösterreichs. Auf der Donau durchbrachen Schiffe mit Munition und 340 Musketieren die Donausperre Neuhaus. Während des Gefechts mit den Bauern bei deren Landung in Urfahr wurde Christoph Zeller erschossen, sein Nachfolger wurde der aus dem niederen Adel stammende Achaz Wiellinger. Die Belagerung der Stadt endete am 29. August. Mit General Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim – der ein Stiefsohn Herberstorffs war – wurde dann auch ein renommierter General von Herzog Maximilian mit der Rückeroberung Oberösterreichs beauftragt. Nach dem Tode der beiden Anführer ging es mit dem Erfolg der Bauern weiter bergab, nicht zuletzt, da auch kaiserliche habsburgische Truppen nicht die Bauern, sondern die Bayern unterstützten. Auch Freistadt wurde wieder erobert, und viele der Bauern gerieten in Gefangenschaft.