mini|Eishockeyschlittschuhe Schlittschuhe (auch Eislaufschuhe) sind spezielle Schuhe für Eisläufer mit Kufen zum Gleiten auf Eisflächen oder synthetischem Eis. Die Fortbewegung mit Schlittschuhen wird als Schlittschuhlaufen, Schlittschuhfahren oder Eislaufen bezeichnet und erfolgt dabei vorwiegend unter Verwendung des Schlittschuhschritts. mini|Klassische weiße Schlittschuhe für Eiskunstlauf Sportarten, die auf unterschiedlichen Schlittschuhformen durchgeführt werden, sind Eiskunstlauf (inkl. Eistanzen), Eishockey, Icefreestyle und Eisschnelllauf.

Funktionsweise mini|Eisläufer am Neusiedler See / Österreich Zwischen den Schlittschuhkufen und dem Eis bildet sich eine dünne Schicht flüssigen Wassers. Durch diese Wasserschicht ist die Gleitreibung in Richtung der Kufen sehr gering. Eis besitzt bei 0 °C eine einige Nanometer dicke Flüssigkeitsschicht an der Oberfläche, die zu tieferen Temperaturen hin dünner wird.A. Lied, H. Dosch, J. H. Bilgram: Surface melting of ice Ih single crystals revealed by glancing angle x-ray scattering. In: Phys. Rev. Lett., 1994, 72, S. 3554–3557. Diese Schicht ist jedoch bei weitem zu dünn, um die niedrige Reibung zu erklären. Für lange Zeit ging man davon aus, dass durch Reibung während der Bewegung genug Wärme entsteht, um das Eis lokal zu schmelzen, so dass sich eine ausreichend dicke Flüssigkeitsschicht bildet.Warum ist das Eis so glatt? zusammenfassender Artikel auf der Website der DPG Neuere molekulardynamische Simulationen legen jedoch nahe, dass dazu keine Erwärmung notwendig ist, sondern die Oberfläche des Eises durch elektromechanische Wechselwirkung mit den Molekülen verflüssigt werden kann. Dieser Prozess reguliert sich selbst. Sobald eine hinreichend dicke Flüssigkeitsschicht vorhanden ist, vermindert sich mit der Reibung auch die Entstehung weiterer Wärme. Zu dieser Erklärung passt, dass eine ruhende Schlittschuhkufe eine deutlich spürbare Haftreibung gegenüber dem Eis zeigt.

Da sich das Gewicht des Läufers auf eine kleine Fläche konzentriert, entsteht an den Kufen ein hoher Druck, der die Kanten der Kufen ein wenig in die Eisoberfläche eindrückt. Die dadurch entstehende „Rille“ im Eis hindert die Kufe daran, seitlich wegzurutschen. Bei schräg gestelltem Schuh kann sich das Bein gegen diesen Widerstand abstützen, um die Kraft zum Antrieb einzusetzen. Die stetige Fortbewegung wird erreicht durch abwechselndes Abstoßen mit dem Schlittschuh an einem Bein und Gleiten auf dem jeweils anderen Fuß. Da der Reibungswiderstand auf der Flüssigkeitsschicht sehr viel geringer ist als auf festen, trockenen Materialien, wird dabei mit relativ geringem Krafteinsatz eine hohe Geschwindigkeit erreicht.

Zur Tragfähigkeit von Eisdecken auf Gewässern siehe: Tragfähigkeit von Eisdecken

Der Begriff In Kassel hatte sich das Wort „Schrittschuhlaufen“ etabliert.Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte, J.J. Bohné, 1911, S. 302 Johann Wolfgang von Goethe wies auf eine Anwendung bei Homer hin, die mit Schlitten übersetzt wird, und das gottgleiche Übers-Meer-Gleiten beschreibt, und verortet den Fehler in Norddeutschland. Er hält ebenfalls den Begriff „Schrittschuhlaufen“ für geeigneter als Schlittschuhlaufen.Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung, Nr. 18, S. 185 Mittlerweile gibt es keine Zweifel über den Begriff „Schlittschuhlaufen“ mehr.

Aufwendige (häufig importierte) Exemplare wurden im 19. Jahrhundert als Patent-Schlittschuhe bezeichnet.

Anwendungsgeschichte Vor etwa 800 Jahren glitten in den Niederlanden Boten mit Eisenkufen an Holzschuhen über die zugefrorenen Kanäle und überbrachten auf diese Weise eilige Nachrichten an adelige Empfänger. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Schlittschuhlaufen zunächst zum Vergnügen des Adels und später auch zum Volkssport. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in Großbritannien die ersten Schlittschuhvereine gegründet, und im Jahre 1763 in den Fens von Cambridgeshire erstmals ein bekannter Eislauf-Wettkampf durchgeführt.

Allgemein erfreute sich das Schlittschuhlaufen besonderer Beliebtheit in nördlichen Gegenden mit Binnengewässern, wie in Friesland und den Niederlanden. In Deutschland beschränkte sich die Beliebtheit lange auf die Jugend. Durch literarische Schilderungen wie von Klopstocks Oden „Der Eislauf“, „Braga“, „Die Kunst Thialfs“ wurde das Schlittschuhlaufen ab dem 18. Jahrhundert zu einem populären Vergnügen des Bürgertums, im Frankfurter Palmengarten entstand eine der ersten Kunsteisbahnen.

Goethe gehörte, nachdem Klopstock die dänischen Schlittschuhe in Deutschland eingeführt hatte, in Frankfurt zu den ersten Schlittschuhläufern dort.Frank Nager: Der heilkundige Dichter. Goethe und die Medizin. Artemis, Zürich/München 1990; 4. Auflage ebenda 1992, ISBN 3-7608-1043-8, S. 108.

In der Stadt Zürich war Schlittschuhlaufen im Jahr 1906 nicht nur ein Volkssport, sondern auch ein Pflichtfach für den Turnunterricht in der Volksschule und dies sowohl für Knaben als auch für Mädchen. Bei mehreren Schulanlagen wurden Pausenplätze zu Eisfeldern, letztmals in den 1950er-Jahren. Auch auf Städtischen Anlagen wie dem Sechseläutenplatz oder dem Sihlhölzli fanden sich rege besuchte Eisflächen. Schon 1931 wurden die Eisfelder ergänzt durch die Kunsteisfläche auf dem Dolder.Tina Fassbind: Party auf Kufen und festgefrorene Fische - eine kleine Schlittschuh-Geschichte, Tages-Anzeiger, 22. November 2025, S. 29

Bei der traditionellen niederländischen Elfstedentocht wurden an einem Tag elf friesische Städte durchfahren und etwa 200 Kilometer zurückgelegt. Seit das zunehmend wärmere Klima die Durchführung der Elfstedentocht häufiger verhindert, haben sich seit 1990 weitere Schlittschuhmarathons etabliert, wie das „Vikingarännet“ (ca. 80 km), von Uppsala nach Stockholm und der Weißensee-Eislaufmarathon.Solange es kracht, hält es. Weltgrößte Natureisbahn. In: Die Zeit, Nr. 48/2010

Auf den dänischen Inseln wurde der Schlittschuhlauf durch ein auf dem Rücken befestigtes Segel beschleunigt, ein Friese konnte so eine Strecke von 160 niederländischen Ellen (etwa 100 Meter) in 14 Sekunden zurücklegen. In Großstädten mit kleinen Eisplätzen war dagegen das Kunstlaufen mehr ausgeprägt. Den ersten Rang nahm hier New York City ein, und von dort stammende Meister wie Jackson Haines haben in den europäischen Hauptstädten Schule gemacht. Zwischen 1840 und 1875 wurde in Kanada aus verschiedenen Mannschaftssportarten das auf Schlittschuhen betriebene Eishockey definiert. Schließlich wurden sehr ähnliche ältere Spiele in Europa durch Eishockey abgelöst.

mini|hochkant|Eislauf in Chur/Schweiz November 2005 mini|hochkant|Eislaufbahn und Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus Lingen (Ems) In großen Städten gibt es spezielle Kunsteisbahnen im Freien oder in Hallen. Auf diesen zumeist eher kleinen Eisflächen entwickelten sich die Shorttrack-Schnelllaufwettbewerbe auf 111 Meter langen Rundkursen. Diese Hallen werden heutzutage zum Teil ganzjährig betrieben und bieten neben Trainingsmöglichkeiten für Eiskunstläufer und Eishockeyvereinen auch ein großes Angebot für Publikumsläufe. Ein spezielles Angebot, das wieder die Lust aufs Eislaufen bei den Jugendlichen wecken soll, ist die Eisdisco. So ist die Eissporthalle auch ein Treffpunkt für Jugendliche aller Altersklassen. Mit der Erfindung von synthetischen Eis gibt es auch eine Alternative zu der infrastrukturintensiven Kunsteisbahn, die dem Eissport das Potential verleiht zu einer Breitensportart zu werden.

Umwelteinwirkungen der Aktivität auf Natureis Die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems weist auf Probleme beim Eislaufen auf kleineren zugefrorenen Gewässern hin und bittet, dies dort zu unterlassen: Fast alle Fische und im Wasser lebenden Amphibien reagieren aufgrund spezieller Sinne, der sogenannten Seitenlinienorgane, sehr empfindlich auf Außenreize, Wasserströmungen und Druckschwankungen. Vor allem die Erschütterungen und Schallwellen, die durch das Springen und Fallen der Eisläufer und durch das Knirschen der Schlittschuhkufen hervorgerufen werden, lassen die empfindlichen Tiere aus ihrer Winterruhe aufschrecken. Ihr Stoffwechsel wird angekurbelt, Herzschlag und Atmung intensiviert. Dadurch erhöht sich der Sauerstoffverbrauch erheblich. Aufgrund der zugefrorenen Wasseroberfläche wird der Sauerstoff jedoch schnell knapp. Zudem werden durch die plötzliche Aktivität der Fische verstärkt schädliche Sumpfgase aus dem Schlamm aufgewühlt. Da diese durch die Eisdecke jedoch nicht entweichen können, stellen sie für die Lebewesen unter Wasser eine tödliche Gefahr dar. Stattdessen sollten zum Schlittschuhlaufen tiefere, größere Seen, überschwemmte Wiesen und Kunsteisbahnen genutzt werden.Sonja Lübbe: Schlittschuhlaufen besser auf größeren Eisflächen 15. Januar 2010

In Deutschland wird die Zahl des Schlittschuh-Bestands auf 2,16 Millionen Paare geschätzt (Stand 2003). Insbesondere moderne Schlittschuhe sind schwer zu trennen, andererseits sind diese dauerhafter und es existiert ein Second-Hand-Markt, der die Lebensdauer der Paare verlängert.umweltbundesamt.de (PDF; 1,9 MB) abgerufen am 17. Oktober 2017

Geschichte des Schlittschuhs Wann und wie es Menschen eingefallen ist, eine schnelle und einfache Bewegung auf gefrorenen Eisflächen auszunutzen, ist nicht genau geklärt. Gesicherte Überlieferungen gibt es hierzu nicht. Da Jagdbeute nicht nur Fell und Fleisch bedeutete, sondern auch Knochen, die man dann zur Anfertigung verschiedener Instrumente benutzte, ist eine Erfindung im Zuge der Jagdtechnik denkbar.

Schlittschuhe aus Tierknochen waren in Russland, Skandinavien, Großbritannien, Deutschland, der Schweiz und anderorts zu finden. Ureinwohner Sibiriens liefen auf Walrosszähnen, in China benutzte man Bambusruten.

Skandinavische Sagen wie die Edda erzählen von Eisspielen aus der Zeit des norwegischen Königs Sigurd Jorsalfari. Die Asen der germanischen Mythologie beherrschten die Eislaufkunst, und selbst die Aufnahme des Christentums zwang Nachkommen der mutigen Männer nicht dazu, mit der „göttlichen“ Bewegungsart aufzuhören.

Knochenschlittschuhe mini|Beispiel eines Knochenschlittschuhes Anfang des 20. Jahrhunderts grub man in Frankreich etwa 60 cm lange Mittelhandknochen von Rindern aus. Seitliche Teile dieser Knochen waren abgeschliffen, deshalb vermutet man, dass sie als Schlittschuhe dienten. Ihr Alter schätzt man auf etwa 20.000 Jahre.

Älteste Funde, die sich mit größerer Sicherheit als Schlittschuhe identifizieren lassen, datieren etwa aus der Zeit von 3000 v. Ch. Sie waren aus Unterschenkelknochen verschiedener Tiere gefertigt. Pferde-, Rinder- oder Rentierknochen wurden gespalten, flachgeschliffen, durchbohrt und an den Sandalen befestigt. Mit einem Speer oder mit zwei zugespitzten Stöcken stemmte man sich ins Eis und erzielte so beachtliche Geschwindigkeiten. Solche „Schlittschuhe“ wurden in wiederentdeckten Seebauten auch in der Schweiz gefunden und in fast allen europäischen Regionen benutzt.

Einer der ältesten Schlittschuhe der Welt ist wahrscheinlich ein Knochenschlittschuh aus Veselí u Trnavy (Slowakei). Der britische Archäologe V. G. Childe schätzte sein Alter auf 5000 Jahre. Weitere einzigartige Schlittschuhe, die etwa 4000 Jahre alt sind, wurden in der Nähe des antiken Rom gefunden. Ähnliche Unikate fand man auch in den skandinavischen Ländern und in der Schweiz. In Mitteleuropa dienten zunächst vor allem Schweinefußknochen, die mit Lederriemen an den Füßen befestigt wurden, als Gleithilfen auf dem Eis. Die dafür verwendeten Knochen des Schweins erhielten davon die Bezeichnung „Eisbein“.

Im 18. Jahrhundert wurden in London noch mit Riemen befestigte Knochenschlittschuhe verwendet, auch in Norwegen und Island waren sie bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch. Jene Knochenschlittschuhe, welche so groß waren wie diese kleinen Knochenschlitten, hießen altnordisch Skidi oder Öndrun.

Uller, der Schlittschuh-Ase der Edda, wird als der Meister in ihrem Gebrauch geschildert.

Hölzerne Schlittschuhe mit Eisenkufen