mini|Guedel-Tubus Arthur Ernest Guedel (* 13. Juni 1883 in Cambridge City, Indiana; † 1956 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Anästhesist. Sein Name wurde bekannt durch die nach ihm benannten Narkosestadien. Er betrieb ausgedehnte Studien zur Aufnahme und Verteilung volatiler Narkotika sowie zur Abgrenzung der verschiedenen Stadien einer Narkose. Außerdem entwickelte er einen Oropharyngealtubus, den Guedel-Tubus.

Narkosestadien nach Guedel mini|Narkosestadien nach Guedel Bereits Marie-Jean-Pierre Flourens und der englische Chirurg John Snow hatten 1847 einen stadienmäßigen Gesamtablauf der Inhalationsnarkose beobachtet.H. Orth, I. Kis: Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 12. Snow unterschied dabei fünf Grade der „Etherisation“.John Snow: On the Inhalation of the Vapour of Ether in Surgical Operations: Containing a Description of the Various Stages of Etherization, and a Statement of the Result of Nearly Eighty Operations in Which Ether Has Been Employed in St. George’s and University College Hospital. John Churchill, London 1847, insbesondere S. 1–15 und 31–44.

Arthur Guedel lehrte an der University of Southern California Medical School in Los Angeles Anästhesie und beschrieb ab 1920 in Artikeln (und 1937 in einem Buch) die bereits im April 1919 in Indianapolis bei der dortigen Medical Society von ihm vorgetragenen vier Stadien der Narkosetiefe bei Äthernarkosen mit alleiniger Zufuhr von Diethylether.A. E. Guedel: Inhalation anesthesia. A fundamental guide. Macmillan, New York 1937; 2. Auflage ebenda 1951. Er unterschied anhand von Veränderungen der Reflexe, der Bewegungen (des Muskeltonus), der Pupillenweite und der Atmung des Patienten vier Stadien der Äthernarkose: Einschlafstadium, Exzitationsstadium, Toleranzstadium (mit vier Unterstadien) und Asphyktisches Stadium.Arthur E. Guedel: Third stage ether anesthesia: a sub-classification regarding the significance of the position and movements of the eyeball. In: Nat. Anesth. Res. Soc. Bull. 3, 1920, S. 1–4. Dieses Schema verlor in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Entwicklung der modernen Narkoseführung an Bedeutung. Beim heutigen Einsatz von Medikamentenkombinationen (balancierte Anästhesie) erfolgt unter anderem die Verabreichung von Opioiden, die die Beurteilung der Pupillenveränderung unmöglich machen sowie von Muskelrelaxantien, die Abwehrbewegungen des Patienten unterdrücken.M. Burghardt, H. Theilen: Wie zuverlässig ist eine Narkose? Verfahren zur Messung der Narkosetiefe bei Operationen. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Technischen Universität Dresden. 57 (2008) Heft 1–2. Bei der Narkoseeinleitung mittels inhalierter Anästhetika, die auch heute noch bei Kindern praktiziert wird, tritt jedoch ein Exzitationsstadium auf.

Anders als Guedel unterschied der deutsche Anästhesiepionier Johann Ferdinand Heyfelder (Erlangen) im Jahr 1847 vier „Zustände“ während einer Äthernarkose anhand der Parameter Bewusstsein und Empfindungsvermögen.Ulrich von Hintzenstern, Wolfgang Schwarz: Frühe Erlanger Beiträge zur Theorie und Praxis der Äther- und Chloroformnarkose. Teil 1: Heyfelders klinische Versuche mit Äther und Chloroform. In: Der Anaesthesist. Band 45, Heft 2, 1996, S. 131–139, hier: S. 134–135. Der US-amerikanische Anästhesist Albert H. Miller (1872–1959) unterschied im Jahr 1924 verschiedene Formen der Atmung unter Narkose, womit eine standardisierte Beurteilung der Narkosetiefe möglich sei.Ascending respiratory paralyis under general anesthesie. In: Journal of the America Medical Association. Band 84, (17. Januar) 1925, S. 201–202.Albert Faulconer, Thomas Edward Keys: Depth of Anesthesie. In: Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 2, S. 1199–1240, hier: S. 1199 (Introduction) und 1224–1228 (Albert Heircy Miller).

Schriften (Auswahl) Third stage ether anesthesia: a sub-classification regarding the significance of the position and movements of the eyeball. In: Nat. Anesth. Res. Soc. Bull. 3, 1920, S. 1–4; auch in American Journal of Surgery. 34 (April) 1920, S. 53–57. mit Ralph M. Waters: Endotracheal Anesthesia: A New Technic. In: Ann. Otol. Rhin. & Laryng. Band 11, (Dezember) 1931, S. 1139 ff. Inhalation Anesthesia, a Fundamental Guide. The Macmillan Company, New York 1937; 2. Auflage ebenda 1951.

Literatur Thomas Edward Keys: Historical vignettes: Dr. Arthur Ernest Guedel 1883–1956. In: Anesth Analg. Band 54, Nr. 4, (Juli/August) 1975, S. 442–443, PMID 1096680. Albert Faulconer, Thomas Edward Keys: Arthur Ernest Guedel. In: Foundations of Anesthesiology. 2 Bände, Charles C Thomas, Springfield (Illinois) 1965, Band 2, S. 1216(–1223).

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