mini|hochkant=1.2|Schloss Gottorf, der barocke Südflügel mini|hochkant=1.2|Die Gartenfassade des Nordflügels, rechts der Schlachterturm mini|hochkant=1.2|Schloss Gottorf von Süden aus der Luft gesehen
Schloss Gottorf (, ) in Schleswig ist eines der bedeutendsten profanen Bauwerke Schleswig-Holsteins.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. S. 800. Es wurde in seiner über achthundertjährigen Geschichte mehrfach umgebaut und erweitert, so dass es sich von einer mittelalterlichen Burg über eine Renaissancefestung bis hin zu einem Barockschloss wandelte. Es war namensgebend für das herzogliche Haus Schleswig-Holstein-Gottorf, aus dem im 18. Jahrhundert unter anderem vier schwedische Könige und mehrere russische Zaren hervorgingen.
Das größte Schloss des Bundeslandes war im Besitz des dänischen Königshauses und der schleswigschen Herzöge. Nach der Annexion des Gottorfer Anteils des Herzogtums Schleswig durch Dänemark 1713 diente das Schloss als Sitz des königlich-dänischen Statthalters in Schleswig, anschließend wurde es als Kaserne genutzt. Heute beherbergt es zwei schleswig-holsteinische Landesmuseen sowie die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Nördlich des Schlosses wurde in den vergangenen Jahren der Neuwerkgarten rekonstruiert, einer der ersten barocken Terrassengärten Nordeuropas.
Seit dem 31. August 2025 ist der größte Teil der Schauräume für etwa drei Jahre wegen Renovierung geschlossen. Die Moorleichen werden während dieser Zeit im Museum im dänischen Silkeborg gezeigt.
Geschichtlicher Überblick Mittelalter: Von der bischöflichen Residenz zur herzoglichen Burg Das heutige Schloss auf einer Schleiinsel westlich der Stadt besaß mehrere Vorläuferbauten, über deren Funktion und Aussehen jedoch nur wenig bekannt ist. Die ältesten Strukturen datieren ins 13. Jahrhundert und stammen womöglich von einer Residenz der Bischöfe von Schleswig mit dem Namen Klein-Gottorf. Der Name geht auf eine ältere, heute noch sichtbare Anlage namens Alt- oder Groß-Gottorf im Ruhekrug beim Gut Falkenberg zurück, die nach der Überlieferung des dänischen Chronisten Saxo Grammaticus um das Jahr 1161 zerstört worden sein soll. In der Folge wurde die Residenz wahrscheinlich ins zentraler gelegene Klein-Gottorf verlegt, wo um die Mitte des 13. Jahrhunderts ein womöglich kaum befestigter Fachwerkbau mit Warmluftheizung entstand.
Nachdem der Schleswiger Bischof Niels II. im Zuge der Schlacht auf der Lohheide 1261 gefangen genommen wurde, ging Gottorf in den Besitz Herzog Erichs I. von Schleswig über. Die Bischöfe erhielten hierfür Ländereien am Unterlauf der Treene, wo wenig später die bischöfliche Burg Schwabstedt errichtet wurde.Ursprünglich waren hierfür Besitzungen in Schwansen vorgesehen, die sich jedoch im Besitz der Grafen von Holstein befanden. Aus diesem Grund wurde der ursprüngliche Vertrag 1268 angepasst. Die Urkunde vom 20. August 1268 ist ediert bei https://tekstnet.dk/books/dipdan/1268/dd_12681120001/ Erst der Herzog habe, wie es die zeitgenössischen Annalen des Rudeklosters berichten, „unter großem Aufwand“ eine neue Burg errichten lassen, welche die ältere herzogliche Burg auf der Möweninsel in der Schlei ablöste.Dies geht aus einer Stelle hervor, an der davon berichtet wird, dass Erichs Sohn Waldemar III. die Stadt Schleswig im ausgehenden 13. Jahrhundert mit Holz wieder aufbauen ließ, das er vom nahegelegenen Gottorf habe holen lassen. Siehe Annales Ryenses, in: Erik Kroman (Hg.), Danmarks Middelalderlige Annaler, Kopenhagen 1980, S. 176 (Sleswik periit igne proprio, quam dux Waldemarus muniri fecit in circuitu ex lignis, que tulerat de castro Gottorph, et destrui fecit dictum castrum Gottorph, quod pater eius dux Ericus sumptibus maximis edificauerat)
In der Folge wurde Gottorf zum Machtzentrum der Herzöge von Schleswig und stand wiederholt im Zentrum politischer Konflikte. 1283 wurde der junge Herzog Waldemar IV. von Schleswig vom dänischen König Erik V. einige Zeit auf der Burg festgesetzt. 1329 wurde Gottorf dann erstmals (erfolglos) durch eine Koalition jütischer Adliger in deren Kampf gegen den für einige Jahre als Herzog wirkenden Holsteiner Grafen Gerhard III. belagert. Im Jahr Juni 1340 ging die Anlage als Pfand dauerhaft in den Besitz der Grafen von Holstein aus dem Hause Schauenburg über, die bis zu deren Aussterben im Jahr 1459 auf Gottorf residierten. Zunächst als Grafen, nach der Belehnung Graf Gerhards VI. mit dem Herzogtum durch die dänische Regentin Margarethe I. ab dem Jahr 1386 dann auch wieder formell als Herzöge.Die vorherige Linie der Herzöge starb 1375 mit Heinrich aus, allerdings beschränkte sich ihr Herrschaftsraum lediglich auf kleinere Teile im nördlichen Herzogtum um die Burgen in Tondern und Hadersleben.
Nach dem Tod Herzog Gerhards während eines Feldzugs nach Dithmarschen im Jahr 1404 stand Gottorf im Zentrum eines fast drei Jahrzehnte andauernden Konflikts zwischen den Grafen von Holstein und der dänischen Krone. Während die Söhne des verstorbenen Herzogs ihrerseits das Erbrecht an Gottorf und somit auch auf den Herzogstitel betonten, verfolgten die dänische Regentin Margarethe I. und deren Adoptivsohn, König Erik VII. von Dänemark, das Ziel, das Herzogtum wieder unter die Kontrolle der Krone zu bringen. Nachdem der als Schiedsrichter eingesetzte römisch-deutsche König Sigismund die königlich-dänischen Ansprüche im Juni 1424 wiederholt bestätigt hatte, wurde Gottorf 1426 vom Hesterberg aus durch Truppen des dänischen Königs belagert.Magnussen, Burgen, S. 306 f. mit den Quellen. Die Belagerung scheiterte jedoch durch den Wechsel der Hansestädte um Lübeck auf die Seite der Schauenburger, die nun ihrerseits erfolglos die königliche Burg in Flensburg belagerten. Hierbei starb der älteste der Brüder, Graf Heinrich IV. Der Krieg wurde 1431 mit einem Waffenstillstand beigelegt und endete 1435 mit dem Frieden von Vordingborg, der anschließend zum Exil des dänischen Königs auf Gotland und letztendlich zu dessen Absetzung führte.
1440 wurde der letzte noch lebende Sohn Adolf dann vom dänischen König Christoph III. formell mit dem Herzogtum Schleswig belehnt. Über die durch Adolf I. kurz darauf eingerichtete Vikarie ist erstmals eine Burgkapelle nachgewiesen. Da die Ehe Herzog Adolfs mit Margarethe von Mansfeld kinderlos blieb und auch die Kinder seines älteren Bruders Gerhard früh verstarben, wurde 1460 mit der Wahlhandfeste von Ripen der Neffe des Herzogs und dänische König Christian I. als dessen Nachfolger gewählt. Unter ihm und vor allem seiner Gattin Dorothea blieb Gottorf weiterhin das politische Zentrum des Herzogtums Schleswig.
16. und 17. Jahrhundert: Residenz der Gottorfer Herzöge mini|Schloss Gottorf in der Renaissancezeit, Zustand um 1600 So verbrachte auch der drittgeborene Sohn Friedrich seine späten Jugendjahre auf Gottorf. Seine Mutter hatte wahrscheinlich vorgesehen, dass Friedrich die Herzogtümer erben solle. 1481 setzte sich jedoch sein älterer Bruder König Johann als Vormund ein. 1490 kam es mit der Volljährigkeit des jüngeren Bruders dann zur Landesteilung zwischen den Brüdern. Friedrich behielt Gottorf als Hauptresidenz und regierte bis zu seinem Tode 43 Jahre lang als Herzog. Während dieser Zeit vernichtete 1492 ein Brand weite Teile der mittelalterlichen Burg. Friedrich ließ die Burg die daraufhin in mehreren Etappen aufbauen und modernisieren. Auch nach seiner Erhebung zum dänischen König 1523 regierte Friedrich zumeist von Gottorf aus, weshalb ihn der dänische Historiker Arild Huitfeldt später als „ein altes Huhn, das nur ungern sein Nest verließ“ bezeichnete.C. R. Rasmussen, E. Imberger, D. Lohmeier, I. Mommsen: Die Fürsten des Landes – Herzöge und Grafen von Schleswig-Holstein und Lauenburg. Wachholtz Verlag, 2008, S. 84. Seine enge Beziehung zur Anlage verdeutlicht sich nicht nur durch die für dänische Könige ungewöhnliche Wahl seiner Grablege im nahegelegenen Dom von Schleswig, sondern auch dadurch, dass er um 1530 den Westflügel des Schlosses prachtvoll im Stil der nordischen Frührenaissance neu errichten ließ, der das erste Renaissancegebäude nördlich der Elbe darstellte.
Nachdem Friedrichs Sohn Christian III. die Thronfolge angetreten hatte, erhielt dessen Halbbruder Adolf I. verstreute Gebiete in Schleswig und Holstein als Erbe und begründete so 1544 das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf. Schloss Gottorf wurde zur Hauptresidenz und namensgebend für die Linie.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. S. 801. In der Neujahrsnacht 1564/65 traf eine erneute Brandkatastrophe das Schloss und in der Folge wurde es in unterschiedlichen Bauschritten zur vierflügeligen Festungsanlage ausgebaut. Von der regen Bautätigkeit Herzog Adolfs ist auf Gottorf der Nordflügel erhalten geblieben, weitere Bauten seiner Herrschaft waren unter anderem die Nebenresidenzen von Husum und Reinbek. Die Verwaltung der Herzogtümer war zu dieser Zeit fast vollständig aufgesplittert in die von den Schleswiger Herzögen beherrschten Gottorfischen Teile, in die vom dänischen Königshaus beherrschten und zumeist durch Statthalter verwalteten Königlichen Teile sowie in die von beiden Linien regierten Güterbezirke. Das Gottorfer Schloss als Sitz der Verwaltung des herzoglichen Anteils wuchs in dieser Zeit zur größten Schlossanlage in Schleswig und Holstein. Zu seinen Glanzzeiten bestand der Hofstaat aus mehr als 400 Personen.Antje Wendt: Das Schloss Gottorf. S. 37.
mini|links|Herzog Friedrich III. auf einem Gemälde des 17. Jahrhunderts. Im Hintergrund ist das Globushaus schemenhaft zu erkennen
Unter Herzog Friedrich III. entwickelte sich Gottorf zu einem Zentrum der Wissenschaft und Kultur und damit zu einem der bedeutendsten Fürstenhöfe der Epoche. Der Gottorfer Riesenglobus im Neuwerkgarten, die Bibliothek und die Kunstkammer waren weit berühmt.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. S. 812.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. S. 802. Als Hofmathematiker und -bibliothekar war der Universalgelehrte Adam Olearius maßgeblich an diesen Projekten beteiligt. Olearius begleitete als Sekretär 1636–1638 die von Friedrich III. ausgeschickte Persische Gesandtschaft nach Isfahan in Persien, wo neue Handelskontakte geknüpft werden sollten. Aus wirtschaftlicher Sicht war die Expedition erfolglos, sie hatte aber wichtige kulturelle Folgen, so die 1646 erstmals erschienene Persianische Reisebeschreibung Olearius’. So wurde beispielsweise das Globushaus nach Entwürfen Olearius’ im persischen Stil errichtet. Der Hofgelehrte betreute und vergrößerte auch die Bibliothek und die Kunstkammer. Den Grundstock der Gottorfer Kunstkammer bildete die 1651 angekaufte Sammlung des niederländischen Arztes Bernhard Paludanus'. Zu den bedeutenden Akteuren der Gottorfer Blütezeit gehört weiterhin der Maler Jürgen Ovens, der zahlreiche Gemälde sowie raumfüllende Gemäldeserien für das Schloss und seine Anlagen schuf und als Vermittler in die Niederlande tätig war. Unter Leitung Joel Langelotts unterhielt der Herzog ein chemisches Laboratorium. Friedrichs Sohn Christian Albrecht führte die Ambitionen seines Vaters fort und ließ Schloss Gottorf und seine Sammlungen weiter ausbauen.
Durch eine gesteuerte Heiratspolitik war das Haus Gottorf mit anderen Fürstenhäusern im nordeuropäischen Raum familiär verbunden. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurden die Verbindungen zum mächtigen Königreich Schweden immer enger, besonders durch die Heirat der Gottorfer Prinzessin Hedwig Eleonora mit Karl X. Gustav von Schweden. Das Verhältnis zu Dänemark verschlechterte sich hingegen zunehmend, trotz Annäherungsversuchen wie der Heirat Christian Albrechts und Friederike Amalies von Dänemark. Die zunehmend geforderte Souveränität des Gottorfer Hauses brüskierte die dänische Krone und gipfelte in mehrfachen Besetzungen des Herzogtums.Henning von Rumohr: Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig. S. 162.