Freimersheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Alzey-Land an.
Geographische Lage Die Gemeinde liegt in Rheinhessen, ca. drei Kilometer südwestlich von Alzey. Nachbarorte sind – im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend – Mauchenheim, Alzey, Wahlheim, Esselborn, Ilbesheim und Morschheim.
Südlich des Ortes entspringt der Weidasserbach.
Geschichte Mittelalter Der Name leitet sich ab von Frimâr, „Heim/Siedlung des Frimâr und seiner Sippe“. Zeitweise wurde der Ort zur Unterscheidung von gleichen und ähnlichen Ortsnamen Freimersheim hinter der Warte genannt.
Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 763 in einer Urkunde des Klosters Lorsch. Zum Oberamt Alzey gehörend war Freimersheim vom Hochmittelalter bis zur Französischen Revolution im Besitz der Kurpfalz. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).
Neuzeit Im Jahr 1793 gehörte Freimersheim zunächst zu der kurzlebigen Mainzer Republik und wurde dann nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen von Frankreich annektiert. Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert und Freimersheim gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Alzey im Département du Mont-Tonnerre. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Alzey zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit im übrigen Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174 (Digitalisat).
Aufgrund von 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch die Gemeinde Freimersheim, zum Großherzogtum Hessen, das das neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Alzey, zu dem er bis 1969 gehörte.
Das Friedensgericht Alzey wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Alzey ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone, wurde 1946 Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz und viele Ostflüchtlinge siedelten sich an, allen voran Schlesier.
Im Jahre 2003 erhielt Freimersheim nach langen Debatten innerhalb der Verwaltung schließlich die Zusage für eine Kanalisation, die Ende 2007 fertiggestellt wurde.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Freimersheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Bürgermeister Edgar Jäckle (–1999) Hiltrud Neu (1999–2004) Wilfried Brück (2004–2019) Jacques Garrido (2019–2024) Thomas Dix (seit 2024)
Thomas Dix wurde am 11. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Freimersheim. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 93,3 % gewählt worden. Er ist damit Nachfolger von Jacques Garrido, der nach fünf Jahren im Amt nicht mehr angetreten war.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke → Hauptartikel: Liste der Kulturdenkmäler in Freimersheim
Zu Freimersheim gehören zwei denkmalgeschützte Kirchen, die katholische Kirche St. Josef mit Chorturm aus dem 12. Jahrhundert sowie befestigtem Friedhof und die evangelische Kirche (1724) mit einer Stumm-Orgel.
Eine weitere kleine Attraktion bietet ein bäuerlich hergerichtetes Holzhaus, ein Nachbau der original Freimersheimer Fachwerkhäuser, das in den späten 1990er-Jahren errichtet wurde. Bislang ist der Innenausbau noch nicht ganz abgeschlossen. Außerdem ist ein gut erhaltener Wasserspeicher aus dem 19. Jahrhundert zu besichtigen, der an einem Hügel neben den Zuggleisen liegt, und seit 2006 von Privatleuten restauriert wird.
Sport Neben einem Sportplatz besitzt Freimersheim ein Wandergebiet. Der Fußballclub „TV Freimersheim“ mit rund 300 Mitgliedern ist in der Jugendarbeit tätig. Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft Die Gemeinde ist ein Weinbauort im Anbaugebiet Rheinhessen.
Verkehr mini|Der Haltepunkt im Winter 2007 Durch den Ort verläuft die L445, von der die K23 abzweigt. Letztere verbindet den Ort mit der ehemaligen Kaiserstraße, die nordwestlich der Ortslage vorbeiführt. An der Autobahn 63 trägt eine Anschlussstelle den Namen des Ortes.
Der Haltepunkt Freimersheim liegt an der Donnersbergbahn. Es verkehren stündlich Züge der Linie RE13/RB31 zwischen Kirchheimbolanden und Mainz.
Persönlichkeiten Lothar Friedrich von Hundheim (1668–1723), Diplomat, hatte das Gefälle in Freimersheim inne. Rudolf Becker (1937–2022), Unternehmer, in Freimersheim aufgewachsen.
Weblinks
Ortsgemeinde Freimersheim Informationen der Verbandsgemeinde Alzey-Land über die Ortsgemeinde Freimersheim Geschichtliche Informationen zu Freimersheim bei regionalgeschichte.net
Literatur Michael Huyer, Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms: Verbandsgemeinde Alzey-Land (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20,1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-327-5, S. 211–218.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Alzey-Worms Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 763