Die Straßenbahn Halle (Saale) ist das größte Straßenbahnsystem in Sachsen-Anhalt. Die gesamte Streckenlänge in Halle zuzüglich der Überlandstraßenbahn nach Bad Dürrenberg beträgt 87,6 Kilometer und ist damit eines der längsten Meterspur-Straßenbahnnetze in Deutschland. Es bildet traditionell das Rückgrat des lokalen öffentlichen Personennahverkehrs.

Das Netz geht auf die 1882 eröffnete Pferdebahn zurück, die 1891 elektrifiziert und erweitert wurde. Die Straßenbahn Halle war der erste deutsche Straßenbahnbetrieb, der netzweit mit Fahrdraht und Rollenstromabnehmer betrieben wurde. Seit 1930 gibt es diverse Omnibuslinien. Nach 1998 wurde das Streckennetz wiederum erheblich erweitert, indem der dicht besiedelte Stadtteil Halle-Neustadt mit der Straßenbahn erschlossen wurde. Aktuell verkehren elf Tages- und sieben Nachtlinien.

Betreiber der Straßenbahn ist die Hallesche Verkehrs-AG, kurz SWH.HAVAG, eine Tochtergesellschaft der in kommunalem Besitz befindlichen Stadtwerke Halle GmbH.

Geschichte Die Anfänge bis zum Zweiten Weltkrieg 1878 wurde als Vorläufer zur Pferdestraßenbahn eine Pferdeomnibuslinie vom Markt über Giebichenstein nach Trotha eröffnet. Ab dem 15. Oktober 1882 fuhren auf der Strecke Hauptbahnhof – Markt – Geiststraße – Mühlweg – Giebichenstein – Trotha (heutige Seebener Straße) die ersten Pferdebahnen durch die Saalestadt, damals noch unter dem Namen Hallesche Straßenbahn-AG („Rote Bahn“). Die Endstelle Trotha befand sich am heutigen Hintereingang des Halleschen Bergzoos vor der damaligen Saalschlossbrauerei. Im August 1889 nahm mit der Stadtbahn Halle („Grüne Bahn“) eine zweite Gesellschaft den Pferdebahnbetrieb auf. Dabei erhielten die heutige Magdeburger Straße, Große Steinstraße, Franckeplatz, Steinweg und die heutige Merseburger Straße eine Anbindung an die Pferdestraßenbahn.

1890 begann die AEG, die die Stadtbahn Halle erworben hatte (AEG Stadtbahn Halle), mit der Elektrifizierung ihres Streckennetzes. Der elektrische Betrieb begann am 24. April 1891. Es war die erste deutsche Straßenbahn mit Fahrdraht und Rollenstromabnehmer, die von Anfang an für kommerziellen Betrieb gebaut worden war. Durch den hohen Konkurrenzdruck war auch die Hallesche Straßenbahn-AG gezwungen, ihre Strecken zu elektrifizieren, musste aber lange Zeit mit dem Physikalischen Institut der Universität kämpfen, das sich in der Nähe einer Strecke befand. Die dortigen Wissenschaftler befürchteten, dass „der von den Schienen entweichende und sich mit dem Erdmagnetismus verbindende Rückstrom die feinen, außerordentlich empfindlichen magnetischen Instrumente des Institutes so beeinträchtigen würde“.Geschichte der Straßenbahn Halle auf strassenbahn-halle.de Vom 7. Mai 1899 bis 23. August 1902 wurde ein gemischter Betrieb mit Akku- und Oberleitungs-Triebwagen durchgeführt. Zahlreiche neue Strecken wurden in den Folgejahren von beiden Gesellschaften gebaut. Unter anderem wurden der Bahnhof Trotha, Böllberg, Kröllwitz und Reideburg an das Straßenbahnnetz angeschlossen.

Am 15. März 1902 nahm die der AEG gehörende elektrische „Fernbahn Halle–Merseburg“ von Ammendorf aus den Straßenbahnverkehr zwischen Halle und Merseburg (und später durch das Geiseltal und nach Bad Dürrenberg) auf. Sie war jedoch keine Konkurrenz zu den halleschen Gesellschaften, da sie nur bis zum Riebeckplatz fuhr und kein innerhallesches Netz aufbaute. Die Bahn gehörte ab 1913 der Merseburger Überlandbahnen-AG (MÜBAG), diese wurde 1951 mit der halleschen Straßenbahn vereinigt.

1911 kaufte die Stadt Halle die Hallesche Straßenbahn-AG und betrieb sie als städtisches Unternehmen weiter. mini|Straßenbahnwagen in Halle (1891) Im Jahr 1914 betrieb das Unternehmen Stadtbahn Halle fünf Linien: 1 Rannischer Platz – Markt – Walhalla-Riebeckplatz – Artilleriekaserne 2 Schlachthof – Riebeckplatz – Franckeplatz – Hettstedter Bahnhof 4 Hettstedter Bahnhof – Markt – Walhalla – Zoo 5 Hauptbahnhof – Walhalla – Zoo – Bahnhof Trotha 6 Hauptbahnhof – Rannischer Platz – Böllberger Weg

Die Hallesche Straßenbahn-AG betrieb im Jahr 1915 folgende drei Straßenbahn-Linien: A Bahnhof – Markt – Reileck – Giebichenstein – Angerweg B Bahnhof – Poststraße – Theater – Mühlweg – Giebichenstein – Cröllwitz C Markt – Delitzscher Straße – Schönnewitz – Reideburg

Im Jahr 1917 kaufte die Stadt auch die AEG Stadtbahn Halle, so dass es danach nur noch die Städtische Straßenbahn Halle gab.

Weitere Streckeninbetriebnahmen gab es unter anderem mit der Verlängerung der Strecke in Kröllwitz, in der Beesener Straße und über den heutigen Gimritzer Damm an den Heiderand. Später folgt eine Strecke in der Dessauer Straße zu den Siebel Flugzeugwerken.

Am 1. November 1921 wurde das Liniennetz folgendermaßen umgestaltet: 1 Beesener Straße – Rannischer Platz – Markt – Steintor – Reileck – Trotha (6,2 km) 2 Schlachthof – Hauptbahnhof – Franckeplatz – Hallorenstraße – Hallmarkt (3,8 km) 3 Böllberger Weg – Rannischer Platz – Markt – Reileck – Bahnhof Trotha (7,5 km) 4 Hettstedter Bahnhof – Markt – Steintor – Riebeckplatz – Damaschkestraße (5,5 km) 5 Hauptbahnhof – Riebeckplatz – Steintor – Reileck – Zoo (4,7 km) 6 Hauptbahnhof – Riebeckplatz – Rannischer Platz – Böllberger Weg (2,9 km) 7 Hauptbahnhof – Riebeckplatz – Reileck – Giebichenstein – Schollstraße (4,7 km) 8 Hauptbahnhof – Leipziger Turm – Post – Bebelstraße – Mühlweg – Burgstr. – Cröllwitz (4,6 km) 9 Seebener Straße – Reileck – Markt – Riebeckplatz – Büschdorf – Reideburg (9,6 km) 10 Zoo – Reileck – Steintor – Riebeckplatz – Damaschkestraße (6,1 km) 11 Hauptbahnhof – Riebeckplatz – Rannischer Platz – Beesener Straße (1,8 km) 12 Hauptbahnhof – Riebeckplatz – Markt – Ulrichstraße – Mühlweg – Burgstr. – Cröllwitz (4,7 km)

1929 wurde die Städtische Straßenbahn Halle mit anderen Unternehmen der Stadt zu den Stadtwerken zusammengeschlossen. Der neue Name lautete Werke der Stadt Halle AG, Abteilung Straßenbahn (WEHAG). Die WEHAG nahm im Mai 1930 erstmals einen Omnibusverkehr in Halle auf.

Während des Zweiten Weltkrieges Mit den Vorbereitungen zum Zweiten Weltkrieg wurde der begonnene Bau einer Straßenbahnstrecke von Ammendorf nach Schkeuditz und Leipzig abgebrochen. Die Straßenbahn in Halle erlitt während des Krieges nur geringe Personen- und Sachschäden.

Zur Zeit der DDR mini|Historischer Tatra-Großzug 901/931/101 Kurze Zeit nach Kriegsende wurde der Straßenbahn- und Busverkehr (mit kurzen Unterbrechungen) wieder aufgenommen. Die WEHAG wurde in Kommunales Wirtschaftsunternehmen (KWU) umbenannt und 1951 mit der MÜBAG zum VEB Straßen- und Überlandbahn Halle vereinigt.

Am 25. März 1952 ereignete sich ein schwerer Eisen-/Straßenbahnunfall am Bahnübergang Beesener Straße. Ein Straßenbahnzug der Linie 1 (Triebwagen 124, Beiwagen 224) wurde beim Überqueren des Bahnübergangs von einer Lokomotive der Hafenbahn erfasst. Es gab mehrere Tote und Schwerverletzte. Daraufhin wurde der Bahnübergang mit einer Lichtsignalanlage ausgerüstet. Bis zu deren Inbetriebnahme musste der Schaffner des Triebwagens aussteigen und sich davon überzeugen, dass sich kein Zug der Hafenbahn näherte. Erst dann durfte der Straßenbahnzug den Bahnübergang passieren.

Am 1. Juni 1953 erhielten auch die Überlandlinien Liniennummern: 31 Halle/Thälmannplatz – Ammendorf – Merseburg (14,7 km) 32 Halle/Thälmannplatz – Ammendorf – Merseburg – Leuna (20,0 km) 33 Merseburg – Frankleben – Mücheln (17,4 km) 34 Merseburg – Leuna – Bad Dürrenberg (12,6 km)

Zahlreiche Strecken wurden in den Folgejahren stillgelegt; an Endhaltestellen wurden Wendeschleifen gebaut, sodass nicht mehr umgesetzt werden musste und Einrichtungsfahrzeuge eingesetzt werden konnten. Mit der Stilllegung der Strecke nach Reideburg wurde am 21. Mai 1971 die letzte Kuppelendstelle aufgegeben.

1958 begann infolge des Braunkohleabbaus die Stilllegung der Straßenbahnstrecke von Merseburg durch das Geiseltal nach Mücheln in mehreren Abschnitten. Ab Mai 1968 endete die Strecke in Merseburg-Süd. Weil es auf dieser Strecke keine Wendeschleifen gab, mussten hier Zweirichtungswagen eingesetzt werden. Erst in den 1980er Jahren wurde in Merseburg Süd eine Wendeschleife gebaut. Die Strecke zwischen Merseburg und Bad Dürrenberg wurde und wird jedoch weiterhin befahren.

Seit 1964 verkehren die Straßenbahnzüge in Halle schaffnerlos, es wurden Zahlboxen eingeführt. Eine Ausnahme blieben die Überlandstrecken nach Merseburg, Mücheln und Bad Dürrenberg wegen des vergleichsweise komplizierten Tarifs. Die Schaffner stiegen in Halle-Ammendorf zu, verschlossen die Zahlboxen und verkauften die auch bei Kraftomnibuslinien üblichen Zettelfahrscheine. Zur gleichen Zeit begann der Aufbau von Halle-Neustadt. Die geplante Anbindung an das Straßenbahnnetz wurde allerdings verworfen. Den ÖPNV in Halle-Neustadt übernahm ein dichtes Busliniennetz, das hauptsächlich durch den VEB Kraftverkehr Halle betrieben wurde. Mit dem Umbau des Thälmannplatzes zum Mehrebenen-Kreisverkehrsplatz ab 1965 verlor dieser allerdings in den Folgejahren seine Rolle als zentraler Umsteigepunkt. Aufgrund von politischen Entscheidungen entfielen dabei die wichtigen, direkten Straßenbahnverbindungen vom Thälmannplatz zum Markt und zum Franckeplatz. Fahrten zwischen Hauptbahnhof und Stadtzentrum waren nur noch über den Umweg über den damals „Marx-Engels-Platz“ genannten Platz „Am Steintor“ möglich. Zusätzlich erforderte der Übergang vom Hauptbahnhof zur Straßenbahn auf dem Thälmannplatz einen unkomfortabel langen Fußweg.

Um das Umsteigen in Merseburg zu beenden, wurden die Überlandlinien 1971 neu organisiert. Seit Dezember 1971 führt die Linie 5 durchgehend über die Strecke von Halle über Schkopau, Merseburg und Leuna nach Bad Dürrenberg. Die Linie 5 – die „Überlandbahn“ – ist mit etwa 31 km Streckenlänge eine der längsten Straßenbahnlinien der Welt und gehört zu den besonderen Attraktionen im ÖPNV.

Die ersten großen Streckenerweiterungen seit Ende der 1930er Jahre begannen 1976, zeitgleich mit dem Aufbau der Südstadt I und II und der Silberhöhe. Dabei wurden Gleise in der heutigen Vogelweide, Paul-Suhr-Straße, Böllberger Weg verlegt sowie 1982 eine Strecke quer durch die Silberhöhe gebaut.

Von 1982 bis 1989 gab es zwischen Halle und Merseburg einen Straßenbahngüterverkehr, der mit umgebauten Wagen des Personenverkehrs erfolgte.

Nach 1989/90 mini|Gleisbau bei der Straßenbahn (1991) mini|Linie 5 in Schkopau

Am 16. Juni 1990 wurde die HAVAG als Rechtsnachfolger der VE Verkehrsbetriebe Halle gegründet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Großstädten im Gebiet der ehemaligen DDR wurde in Halle bereits mit der ersten Fahrpreiserhöhung 1991 mit der Verkehrs- und Tarifgemeinschaft Halle (VTG) ein Verbundtarif zwischen allen öffentlichen Verkehrsmitteln im Stadtgebiet eingeführt. Den Fahrpreiserhöhungen standen damit echte Verbesserungen in Form von aufpreisfreien Umsteigemöglichkeiten und einheitlichen Zeitkarten gegenüber. Den übrigen Städten und Gebietskörperschaften im späteren Mitteldeutschen Verkehrsverbund kam man damit mehr als zehn Jahre zuvor.

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden zahlreiche Streckenabschnitte wie etwa der Bereich Trotha – Reileck – Ludwig-Wucherer-Straße oder Kröllwitz – Burg Giebichenstein modernisiert und umgestaltet. 1992 wurde das Liniennetz komplett umgestaltet.

Ab Juni 1997 wurden insgesamt 30 Tatra-Triebwagen an die Straßenbahn Kaliningrad abgegeben. Es handelte sich um die Triebwagen 94, 98, 968, 969, 970, 973, 974, 976, 978, 982, 989, 1007, 1022, 1023, 1029, 1033, 1034, 1038, 1045, 1049, 1053, 1060, 1061, 1063, 1074, 1082, 1090, 1091, 1092 und 1097.