Die Straßenbahn Magdeburg verkehrt auf einem etwa 64 Kilometer langen Streckennetz in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt Magdeburg. Im August 2026 verkehrten auf zehn Linien 96 Straßenbahnfahrzeuge. Betrieben wird die Straßenbahn Magdeburg seit 1999 von der Magdeburger Verkehrsbetriebe GmbH.

Geschichte bis 1989 miniatur|links|Straßenbahnwagen in einem Depot in den 1920er Jahren miniatur|links|Straßenbahndepot in den 1920ern

Der Straßenbahnverkehr wurde 1877 mit einer Pferdebahn zwischen Sudenburg bzw. Buckau und der Neuen Neustadt von der Magdeburger Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft mit zwei Linien aufgenommen. 1886 folgte die erste Dampfbahnlinie der Magdeburger Trambahn-Actien-Gesellschaft. Die beiden Unternehmen schlossen sich 1887 unter dem Namen Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft MSEG zusammen. In den Folgejahren wurde das Streckennetz weiter ausgebaut. Am 18. Juli 1899 wurde auf der Strecke Olvenstedter Straße – Alter Markt – Großer Werder der elektrische Betrieb aufgenommen. Bereits eineinhalb Jahre später war das gesamte Netz der Pferdebahnen elektrifiziert. In diesem Zeitraum erfolgte auch eine Netzerweiterung durch den Bau einer Ringlinie um die Altstadt.VEB (K) Magdeburger Verkehrsbetriebe (Hrsg.): 100 Jahre Magdeburger Straßenbahn. Magdeburg 1977, S. 15

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1945 die Hauptwerkstatt durch Bombenangriffe zerstört sowie Netz und Fahrzeuge stark geschädigt. Erste Neubaufahrzeuge gingen ab 1949/51 in Betrieb. In den 1960er Jahren wurde der schaffnerlose Betrieb eingeführt. Fahrscheine erhielt man nun bis zur Einführung von Lochentwertern im Jahr 1976 aus Zahlboxen. 1969 konnten die ersten Tatra-Straßenbahnen vorgestellt werden, sie ersetzen bis 1978 alle älteren Fahrzeuge, so dass Magdeburg als erster Straßenbahnbetrieb der DDR einen typenreinen Tatra-Wagenpark vorweisen konnte. Außerdem wurden auch einige Neubaustrecken in Betrieb genommen - 1975 zum Neubaugebiet Neustädter See, 1979 ins Industriegebiet Rothensee und 1984 zum Neubaugebiet Neu-Olvenstedt. 1989 fuhren 12 Straßenbahnlinien im Stadtgebiet.

Entwicklung seit 1990 Neu in Betrieb genommen wurden die Straßenbahnstrecken 1991 zur Lerchenwuhne (heute IKEA), 1992 zwischen Südring und Westring sowie 2004 auf dem Europaring und in der Listemannstraße. Die Sanierung der Strecke entlang des Nordbrückenzugs im Jahr 1998 glich einem Neuaufbau. Demgegenüber stehen die Einstellung der Strecke zur Hermann-Gieseler-Halle in Stadtfeld aufgrund der Eröffnung der Westring-Strecke und in der Walter-Rathenau-Straße durch die Eröffnung der Strecke in der Listemannstraße.

Bis Dezember 2012 wurde die Leipziger Straße ausgebaut und die Strecke Leipziger Chaussee – Reform über das Einkaufszentrum Bördepark neu eröffnet.

Im August 2018 konnte die Strecke durch die Wiener Straße zur Nutzung freigegeben werden, im Dezember 2020 folgten die Verlängerung und der Lückenschluss bis zur Warschauer Straße.

Im November 2021 konnte die Straßenbahntrasse in den Stadtteil Kannenstieg in Betrieb gehen, die Eröffnung verschob sich um fast drei Monate.

Liniennetzneuordnung 2015 Am 28. Mai 2015 gaben die Magdeburger Verkehrsbetriebe bekannt, dass es am 13. Juli 2015 zu einer großen Liniennetzneuordnung kommen wird. Nötig war diese durch den Umbau des Hauptbahnhofs und der angrenzenden Verkehrsführung in der Ernst-Reuter-Allee geworden, infolgedessen dieser Streckenabschnitt nur noch eingleisig in beide Richtungen befahrbar war. Seit dem 27. August 2020 ist der Streckenabschnitt nach dreijähriger Vollsperrung wieder zweigleisig befahrbar, wenn auch bis Dezember 2022 nur mit Umfahrung des City Carrés.

Der nächtliche Straßenbahnbetrieb hingegen wurde eingestellt, stattdessen gibt es ein neues Nachtbusnetz NACHTAKTIV, bestehend aus den Buslinien N1 bis N8 und der Rufbuslinie N9, wobei zu beachten ist, dass der Tagesverkehr bis 23:00 Uhr verlängert wurde. Dennoch verkehren durch Bauarbeiten Nachtbuslinien als Straßenbahnen.

Liniennetz mini|links|Gleisplan 2013

Zurzeit werden 9 Tageslinien betrieben.

Tagesverkehr Der Standard-Liniennetz umfasst folgende Linien:

LinieLinienweg (mit wichtigen Haltestellen) Kannenstieg – Kastanienstraße – Alter Markt – City Carré – Hauptbahnhof (Kölner Platz) – Westring – Südring – Sudenburg Westerhüsen – Buckau (Wasserwerk) – Hasselbachplatz – Domplatz – Alter Markt – Opernhaus – Alte Neustadt (Lostauer Straße) Klinikum Olvenstedt – Olvenstedter Platz – Hauptbahnhof (Kölner Platz) – Hasselbachplatz – Am Fuchsberg – Leipziger Chaussee Klinikum Olvenstedt – Olvenstedter Platz – Hauptbahnhof (Kölner Platz) – Allee-Center – Heumarkt – Cracau Klinikum Olvenstedt – Westring – Südring – S-Bhf. Buckau/Puppentheater – Hasselbachplatz – Domplatz – Alter Markt – Opernhaus – Messegelände/Elbauenpark Diesdorf – Westring – Hauptbahnhof (Kölner Platz) – Allee-Center – Heumarkt – Messegelände/Elbauenpark – Herrenkrug Westerhüsen – Buckau (Wasserwerk) – Hasselbachplatz – Domplatz – Alter Markt – Opernhaus – Neustädter Seenur Einzelfahrten im Schülerverkehr Reform – Leipziger Chaussee – Am Fuchsberg – Hasselbachplatz – Hauptbahnhof (Willy-Brandt-Platz) – Alter Markt – Opernhaus – Kastanienstraße – Neustädter See Sudenburg – Südring (– Leipziger Chaussee) – Am Fuchsberg – Hasselbachplatz – Domplatz – Alter Markt – Opernhaus – Kastanienstraße – Pettenkoferstraße (– Rothensee) – Barleber Seevon 6 – 18 Uhr werktags nur alle 20 Minuten ab Rothensee bis zum Barleber See, zeitweise alle 20 Minuten zur Leipziger Chaussee Abweichung im Liniennetz sind durch Baustellen, Havarien oder Störungen (bspw. Unfälle) möglich.

Takte und Einsatzzeiten +Gültig für die Linien , , , , und .Wochentage4:30 – 6:00 Uhr6:00 – 7:00 Uhr7:00 – 10:00 Uhr10:00 – 11:00 Uhr11:00 – 18:00 Uhr18:00 – 23:00 UhrMontag – Freitag30 – 20 min10 min10 min10 min10 min20 minSamstag30 min30 min20 min20 min15 min20 minSonn- & Feiertagekein Betrieb30 min30 min20 min20 min20 min +Gültig für die Linie Wochentag4:30 – 6:00 Uhr6:00 – 10:00 Uhr10:00 – 18:00 Uhr18:00 – 20:00 Uhr20:00 – 23:00 UhrMontag – Freitagkein Betrieb20 min20 min20 minkein BetriebSamstag, Sonn- & Feiertagkein Betriebkein Betriebkein Betriebkein Betriebkein Betrieb +Gültig für die Linie Wochentage4:30 – 6:00 Uhr6:00 – 10:00 Uhr10:00 – 18:00 Uhr18:00 – 20:00 Uhr20:00 – 23:00 UhrMontag – Freitag20 min20 min20 min20 min20 minSamstag30 min20 min15 min20 min20 minSonn- & Feiertagkein Betrieb30 min20 min20 min20 min

Die Linie verkehrt nur an Schultagen. Sie fährt dreimal in Richtung Westerhüsen und zweimal in Richtung Neustädter See.

In der Zeit, in der alle Linien im 20- bis 30-Minuten-Takt verkehren, halten sie Anschluss an den Haltestellen Alter Markt / Allee-Center oder City Carré.

In den Sommer- und Weihnachtsferien verkehren die Linien , , , , , , und werktags zwischen 6 und 18 Uhr nur im 15-Minuten-Takt, ansonsten analog dem Normalfahrplan.

Hauptumsteigeknoten sind die Haltestellen Alter Markt/Allee-Center (alle Linien außer Linie 3), Hasselbachplatz und Hauptbahnhof. Die Hauptumsteigeknoten zu den Buslinien befinden sich an den Haltestellen Kastanienstraße, Braunlager Straße sowie Olvenstedter Platz/Friesenstr.

Nachtverkehr Im Zuge der Liniennetzneuordnung am 13. Juli 2015 wurde das nächtliche Linienangebot komplett auf Busverkehr umgestellt. Bis dorthin wurden im abendlichen Anschlussverkehr die Linien 91 bis 96 geführt, die die Strecken der Tageslinien abdeckten.

Mit Stand September 2024 verkehren die Linien N2 und N8 als Straßenbahn. Die übrigen 7 Nachtlinien verkehren als Bus. Die Haltestelle „Alter Markt“ bildet den Nachtknoten im Nachtliniennetz.

Sonstiger Verkehr Bei sportlichen Großveranstaltungen wird die Verstärkerlinie 15 eingesetzt, die in der Regel zwischen Alter Markt und Arenen verkehrt. Beim Abtransport fährt die Linie 15 im dichten Takt in die Innenstadt, wo Anschluss zu anderen Linien besteht. Später fahren Fahrzeuge dieser Linie über die Innenstadt hinaus in weitere Stadtteile und zurück in die Betriebshöfe.

Zu besonderen Anlässen verkehren die historischen Straßenbahnlinien 77 zwischen dem Museumsdepot Sudenburg und dem Herrenkrug bzw. der Hauptwerkstatt, sowie die Linie 99 zwischen Sudenburg und Bahnhof Magdeburg-Neustadt. Gelegentlich werden historische Fahrzeuge auch als Linie 22 ausgeschildert.

Fahrzeuge mini|NGT 8D-Doppelgelenkwagen an der Otto-von-Guericke-Straße in der Nähe des Hauptbahnhofs mini|Tatrazug auf der Linie 2

Fahrzeuge im Linienverkehr Seit Ende 2025 werden nur noch Niederflurzüge im Regelverkehr eingesetzt, wie dies bereits ab 2002 an Wochenenden, nachts und an Feiertagen der Fall war.

Die Hauptlast des Straßenbahnverkehrs tragen die Gelenktriebwagen des Typs NGT 8D. Hiervon wurden bis Ende 2012 83 Stück mit den Betriebsnummern 1301 bis 1383 geliefert. Die Fahrzeuge 1301 bis 1325 wurden vom Waggonbau Dessau hergestellt, die Fahrzeuge ab Betriebsnummer 1326 wurden vom Waggonbau Bautzen und im Folgenden der ALSTOM LHB GmbH gebaut. mini|Flexity Classic bzw. NGT 10D Im Juli 2020 veröffentlichten die MVB eine Ausschreibung zur Beschaffung von bis zu 63 Fahrzeugen (davon 35 fest und 28 optional) mit der MVB-seitigen Bezeichnung NGT 10D sowie deren Ersatzteilversorgung und Instandhaltung für 24 Jahre. Die Betriebsaufnahme war dabei noch für das Jahr 2023 vorgesehen. Im Juni 2021 wurde der Auftrag an Alstom vergeben, welches Fahrzeuge der Plattform Flexity Classic angeboten hatte. Das erste der beiden Vorserienfahrzeuge, Wagen 1402, wurde zum Testbetrieb im September 2024 an die MVB ausgeliefert. Dieses wurde am 25. September auf einem Fest anlässlich des Jubiläums zu 125 Jahren elektrischer Straßenbahn in Magdeburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Wagen 1401 wurde am 26. Februar 2025 aus Bautzen angeliefert. Ab März 2025 sollten die Wagen 1401 und 1402 dann zu Mess- und Testzwecken im Stadtverkehr unterwegs sein, darauf sollten dann auch Schulungen für das Personal der MVB beginnen. Die Zulassung für den Betrieb mit Fahrgästen erfolgte im September 2025. Die vierteiligen Wagen sind mit 38,2 m Länge und 2,4 m Breite sowohl länger als auch breiter als die NGT 8D, der Niederfluranteil beträgt ebenfalls 70 %. Bei 92 Sitzplätzen (+8 Klappsitze) beträgt die Gesamtkapazität 241 Fahrgäste. Die ersten 35 NGT 10D ersetzten nicht nur die letzten Tatrawagen, sondern sollen auch die ersten 25 NGT 8D ablösen. Einen ersten davon stellten die MVB im März 2026 ab. HerstellerTypFahrzeugnummernBaujahreBestelltBestandOptionLängeBemerkungenWaggonbau DessauNGT 8D1301–13251994–1996 –22 –29,3 mAusmusterung ab 2026Waggonbau Bautzen1326–13531999–2000 –28 –1354–13722002 –19 –Alstom LHB 1373–1383 2012–2013 –11 –AlstomNGT 10D bzw. Flexity Classic1401–14352024–19 162838,2 mErsatz für Tatra-Fahrzeuge und erste Niederflurfahrzeuge

Tatrawagen Die ersten Tatrawagen in Magdeburg waren Fahrzeuge der Typen T4D und B4D. Sie waren von 1969 bis 2012 im Betrieb und wurden in der Zwischenzeit mehrmals modernisiert und rekonstruiert. Zwischen 1969 und 1987 wurden 274 Trieb- und 142 Beiwagen geliefert. Schon 1978 konnte der gesamte Fahrzeugpark auf Tatra-Fahrzeuge umgestellt werden, sodass Magdeburg als erste Stadt in der ehemaligen DDR mit diesen Fahrzeugen typenrein fuhr. Die Typenbezeichnungen der modernisierten Fahrzeuge sind durch ein zusätzliches M ergänzt worden. 19 Triebwagen T4D und acht Beiwagen B4D wurden im August 2013 in die rumänische Stadt Oradea abgegeben.