mini|hochkant|Antje Kunstmann (2022) Antje Kunstmann (* 15. Mai 1949 in Bad Kissingen; † 16. September 2026 in München) war eine deutsche Herausgeberin und Verlegerin. Von 1990 bis 2023 leitete sie den Verlag Antje Kunstmann in München.
Ausbildung und Berufsanfang Nach dem Abitur 1968 studierte Kunstmann Pädagogik, Philosophie und Soziologie in München und Frankfurt mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Geprägt durch die politische Aufbruchsstimmung der Frauen- und Studentenbewegung begann sie schon während des Studiums, im Raith-Verlag zu arbeiten, der pädagogische und gesellschaftskritische Schriften veröffentlichte. Kunstmann wurde dort bereits mit 22 Jahren die Herausgabe der Buchreihe Materialien zur Frauenemanzipation anvertraut.Gezielter Zufall – Antje Kunstmann. In: Rita Galli u. a. (Hg.): Ausgerechnet Bücher! Einunddreißig verlegerische Selbstporträts. Ch. Links Verlag, Berlin 1998, S. 130–135, hier S. 132.
Nach der Insolvenz des Raith-Verlags schloss sich Kunstmann mit dem Verleger Peter Weismann zusammen. Er hatte zuvor seinen Jugendbuchverlag Weismann an den Raith-Verlag veräußert. Nun kaufte Peter Weismann seinen Verlagsteil zurück und Kunstmann erstand aus der Konkursmasse einige Titel, die sie zuvor in ihrer Reihe zur Frauenemanzipation betreut hatte. Gemeinsam gründeten sie 1976 den Weismann Verlag-Frauenbuchverlag.
Verlegerin Unter dem Motto „Bücher für Mehrheiten, die wie Minderheiten behandelt werden“ entwickelte sich ein Programm, das Sachbücher, Belletristik und feministische Literatur ebenso wie Jugendliteratur und Bilderbücher umfasste. Nachdem Peter Weismann 1984 aus dem Unternehmen ausgestiegen war, führte Kunstmann den Verlag zunächst allein und ab 1990 unter eigenem Namen weiter.
Neben einer großen Bandbreite an Sachbüchern zu aktuellen Themen bilden Belletristik und Lyrik sowie Essays das Verlagsprogramm. Außerdem gibt es seit 2000 ein kleines Hörbuchprogramm (HörKunst bei Kunstmann) und Geschenkbücher. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Humor und Karikatur, darunter Werke von Marie Marcks und Robert Gernhardt. Auch die Karikaturen des österreichischen Zeichners Manfred Deix erschienen im Verlag.
Kunstmann legte auf die Gestaltung der Bücher ebenso großen Wert wie auf deren Inhalt. Ihr verlegerischer Ansatz verband gesellschaftspolitische Aufklärung mit literarischer Unterhaltung; die Einnahmen populärer Titel ermöglichten dabei die Veröffentlichung wirtschaftlich weniger rentabler Bücher. Mit Werken von Barbara Ehrenreich und Hermann Scheer sowie den Reportagen von Gabriele Goettle griff sie gesellschaftliche und politische Fragen auf. Ein Beispiel für ihr Engagement für umfangreiche Dokumentationen war die 2018 erschienene, fünf Bände umfassende Veröffentlichung Der NSU-Prozess. Das Protokoll, die Mitschriften aus dem Strafverfahren gegen Beate Zschäpe und weitere Angeklagte enthält.
Jährlich erscheinen etwa 30 Titel von deutschsprachigen und internationalen Autoren. Einige der erfolgreichsten Autoren des Verlags sind Axel Hacke, Donata Elschenbroich, Kristof Magnusson, Hauck & Bauer, Rafael Chirbes, Michael Pollan, Wiglaf Droste, Funny van Dannen, Tim Parks, Barbara Gowdy, Noam Chomsky und Yanis Varoufakis. Kunstmann setzte auf eine langfristige Zusammenarbeit mit ihren Autoren und hielt auch bei ausbleibendem wirtschaftlichem Erfolg an ihnen fest.
2023 übergab sie die Geschäfte an ihren Sohn Moritz Kirschner, der zuvor als Lektor im Verlag gearbeitet hatte. Auch nach der Übergabe beschäftigte sie sich weiterhin mit neuen Stimmen, Stoffen und Themen. 2024 wurde der Verlag Antje Kunstmann mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet. Am 16. September 2026 starb sie im Alter von 77 Jahren.
Auszeichnungen mini|Die Preisträger des Kurt-Wolff-Preises 2022: Antje Kunstmann (Hauptpreis) und Andreas Heidtmann (Förderpreis) 2006: Verlegerin des Jahres, verliehen von der Zeitschrift BuchMarkt „wegen ihrer Leidenschaft, ihrer Loyalität, aber vor allem wegen ihrer Unbeugsamkeit“ 2009 verlieh die Stadt München Antje Kunstmann die Medaille „München leuchtet – Den Freunden Münchens“ in Silber für ihre besonderen Verdienste um die Stadt München und ihr kulturelles Engagement. 2013 wurde sie BücherFrau des Jahres; diese Ehrung wird vom Branchennetzwerk BücherFrauen vergeben. 2018 wurde Kunstmann für ihr Lebenswerk mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet. 2022 wurde Kunstmann der Kurt-Wolff-Preis zuerkannt. 2022: Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik DeutschlandPressemeldung 106/2022 des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
Engagement in der Branche Antje Kunstmann war in der Buch- und Verlagsbranche sehr engagiert. Von 1991 bis 1997 war sie als Mitglied im Fachausschuss Verlage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels tätig, anschließend war sie Vorstandsmitglied des Landesverbandes bis 2000 und Vorstandsmitglied der AG Publikumsverlage von 2001 bis 2004. Von 1999 bis 2005 war sie für den Börsenverein im Deutschen Literaturfonds aktiv. Ab 2009 war Kunstmann Mitglied im Verleger-Ausschuss des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Außerdem war sie Referentin der Akademie der Deutschen Medien. Ihre verbandspolitischen Schwerpunkte formulierte sie bei ihrer Kandidatur für den Verleger-Ausschuss des Börsenvereins folgendermaßen: „Als Mitglied der Verhandlungskommission für neue Vergütungsregeln geht es mir immer noch um eine Einigung mit den Übersetzern, im Verleger-Ausschuss sehe ich den Schwerpunkt aber in der Sicherung des Urheberrechts vor der Herausforderung neuer Technologien ganz allgemein. Nur so sind Inhalte langfristig zu gewährleisten.“
Antje Kunstmann war Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Reporterpreises und des Göttinger Elchs.
Werke Frauenbefreiung, Privileg einer Klasse? Raith, Starnberg 1971, ISBN 3-921121-27-2 Mädchen. Sexualaufklärung, emanzipatorisch. Raith, Starnberg 1972, ISBN 3-921121-32-9 Frauenemanzipation und Erziehung. Raith, Starnberg 1972, ISBN 3-921121-40-X
Literatur
Gezielter Zufall – Antje Kunstmann. In: Rita Galli u. a. (Hg.): Ausgerechnet Bücher! Einunddreißig verlegerische Selbstporträts. Ch. Links Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-86153-167-4, S. 130–135.
Heinrich von Berenberg: Langer Atem, großes Herz. Die Verlegerin Antje Kunstmann. In: Sinn und Form 5/2022, S. 692–696. (Druckfassung der Laudatio zum Kurt-Wolff-Preis, gehalten am 18. März 2022 im Gohliser Schlösschen in Leipzig).
Weblinks
Website des Verlags Antje Kunstmann Porträt Antje Kunstmann in der Laudatio von Heinrich von Berenberg zum Kurt-Wolff-Preis 2022 Kurzporträt (2010), DW-TV, Video auf YouTube (4:58 Min.)
Einzelnachweise
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