zentriert|200x200px|Plakat der Spiele Olympische Spiele 1920Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Mannschaft 16px|Goldmedaillen 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen Total 1 9 12 8 29 2 9 4 3 17 3 4 4 4 12 4 2 – 2 4 5 1 3 10 14 6 1 2 1 4 7 1 1 1 3 8 1 – – 1 1 – – 1 10 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1
Bei den VII. Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen fanden 29 Wettkämpfe in der Leichtathletik statt. Mit 509 Teilnehmern war die Anzahl der Sportler in der Leichtathletik gegenüber früheren Olympischen Spielen deutlich gesunken. Aber es war ein Wunder, dass weniger als zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg solch ein Großereignis stattfinden konnte – und das auch noch in einem Land, das von diesen Kriegsereignissen in besonderer Weise betroffen war.
Stadion mini|hochkant=1.9| Die Laufwettbewerbe wurden auf der in Eile errichteten 400-Meter-Rundbahn des 'Champs de Beerschot' ausgetragen. Antwerpen hatte die Austragung der Spiele erst im Jahr 1919 übertragen bekommen, sodass hier nicht viel Zeit geblieben war. Die Bahn hatte keine besonders gute Qualität. Darüber hinaus regnete es häufig. So waren die Voraussetzung für gute Leistungen nicht gerade günstig. In der Folge gab es in den flachen Laufstrecken keinen einzigen olympischen Rekord. Anders war das in den Hürdenläufen, wo auf beiden Strecken sogar Weltrekorde aufgestellt wurden.
Teilnehmer Weniger teilnehmende Athleten – es waren 509 – gab es auch deshalb, weil fünf Nationen nach den Kriegsereignissen nicht dabei sein durften. Dies waren Deutschland, Österreich, Bulgarien, Ungarn und die Türkei. Auch Sowjetrussland entsandte keine Sportler zu diesen Spielen.
In der Leichtathletik waren weiterhin nur Männer teilnahmeberechtigt. Erste Wettbewerbe für Frauen kamen bei Olympischen Spielen erst 1928 ins Programm.
Wettbewerbe Wie bei allen Olympischen Spielen zuvor kam es auch in Antwerpen wieder zu Änderungen im Wettkampfangebot. Allerdings nahm das Programm mehr und mehr die Formen an, wie wir sie heute kennen. Gestrichen wurden folgende fünf Disziplinen: die beiden Standsprungwettbewerbe Hoch- und Weitsprung aus dem Stand die drei beidarmigen Stoß-/Wurfwettkämpfe zum Kugelstoßen, Diskuswurf und Speerwurf. Folgende vier Disziplinen kamen neu oder wieder ins Programm: die lange Hürdenstrecke über 400 Meter Hürden der 3000-Meter-Hindernislauf als zweiter Gehsportwettbewerb das 3000-Meter-Gehen als Wurfdisziplin der Gewichtweitwurf, der allerdings nur eine einmalige Wiederauferstehung hatte.
Sportliche Erfolge So kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs konnte das sportliche Leistungsniveau noch nicht wieder auf der Höhe sein, wie es ansonsten bei einem solchen Großereignis zu erwarten wäre. Immerhin gab es auch einige Rekorde. 5 Weltrekorde: 110-Meter-Hürdenlauf: Harold Barron, USA – 15,0 s. Halbfinale am 17. August 110-Meter-Hürdenlauf: Earl Thomson, Kanada – 14,8 s. Finale am 18. August 400-Meter-Hürdenlauf: Frank Loomis, USA – 54,0 s. Finale am 16. August 4-mal-100-Meter-Staffel: USA (Charles Paddock, Jackson Scholz, Loren Murchison, Morris Kirksey) – 42,2 s. Finale am 22. August Stabhochsprung: Frank Foss, USA – 4,09 m. Finale am 20. August 1 Weltbestleistung: Marathonlauf: Hannes Kolehmainen, Finnland – 2:32:35,8 h. Rennen am 22. August 6 olympische Rekorde: 3000-Meter-Hindernislauf: Percy Hodge, Großbritannien – 10:00,4 min. Finale am 20. August 3000-Meter-Gehen: Ugo Frigerio, Italien – 13:14,2 min. Finale am 21. August Hochsprung: Richmond Landon, USA – 1,935 m. Finale am 17. August Speerwurf: Jonni Myyrä, Finnland – 65,78 m. Finale am 15. August Gewichtweitwurf: Pat McDonald, USA – 11,265 m. Finale am 21. August Zehnkampf: Helge Løvland, Norwegen – 6803,355 P nach offizieller Wertung (5803 P nach heutiger Wertung von 1985). 11./12. Juli
Erfolgreichste Nation war mit neun Goldmedaillen und einer Gesamtzahl von 29 Medaillen einmal mehr die USA. Aber das kleine Finnland – hier zum ersten Mal als eigenständige Nation und nicht als Teil von Russland am Start – war sehr stark geworden und gewann ebenfalls neunmal Gold. Großbritannien – Irland immer noch als Teil des sogenannten Vereinigten Königreichs – stellte vier Olympiasieger, aus Italien waren es zwei.
Erfolgreichster Teilnehmer war schon hier in Antwerpen der Finne Paavo Nurmi. Er gewann dreimal Gold – 10.000 Meter, 8000 Meter Querfeldein Einzelwertung, 8000 Meter Querfeldein Mannschaftswertung – und einmal Silber – 5000 Meter. Drei Sportler erzielten je zwei Olympiasiege: Charles Paddock, USA – Gold: 100 Meter und 4-mal 100 Meter; darüber hinaus: Silber 200 Meter Albert Hill, Großbritannien – Gold: 800 und 1500 Meter; darüber hinaus: Silber 3000-Meter-Mannschaftslauf Ugo Frigerio, Italien – Gold: 3000-Meter- und 10.000-Meter-Gehen. Es gab darüber hinaus zwei Sportler, die bereits bei zuvor ausgetragenen Olympischen Spielen siegreich waren: Hannes Kolehmainen, Finnland – Marathonlauf: 1912 Olympiasieger auf den Bahnlangstrecken über 5000 und 10.000 Meter sowie im Querfeldeinlauf, damit jetzt vierfacher Olympiasieger Pat McDonald, USA – Gewichtweitwurf: 1912 Olympiasieger im Kugelstoßen, damit jetzt zweifacher Olympiasieger
Resultate 100 m mini|hochkant=1.4|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Charles Paddock 10,8 2 Morris Kirksey 10,8 3 Harry Edward 10,9 4 Jackson Scholz 10,9 5 Émile Ali-Khan 11,1 6 Loren Murchison k. A. Finale: 16. August
In Antwerpen sah man bei Olympischen Spielen erstmals den bereits berühmten Zielsprung des Charles Paddock. Morris Kirksey wirkte bei all seinen zahlreichen Rennen gegen Paddock immer gehemmt, weil er von dieser Zielsprungtechnik seines Gegners so beeindruckt war. Loren Murchison hatte das Rennen durch ein Missverständnis vor dem Start bereits verloren. Ein Kampfrichter ermahnte ihn, die Hände hinter der Startlinie zu platzieren, was Murchison als Aufforderung für alle zum Aufstehen deutete. Mitten in seine Bewegung aufzustehen hinein fiel jetzt der Startschuss, sodass Murchison nur noch hoffnungslos abgeschlagen hinterher laufen konnte.
In vielen Quellen ist für Murchison die Zeit von 11,2 s angegeben, was allerdings angesichts der Startprobleme nicht stimmig sein kann. Entsprechend ist hier die u. g. Literatur von Ekkehard zur Megede Grundlage für Murchisons Endzeit, die dort ohne Angabe bleibt. Auch für andere Läufer sind dort teilweise andere Zeiten benannt, die allerdings höchstens um eine Zehntelsekunde abweichen.
200 m mini|hochkant=1.2|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Allen Woodring 22,0 2 Charles Paddock 22,0 3 Harry Edward 22,2 4 Loren Murchison 22,2 5 George Davidson 22,4 6 Jack Oosterlaak 22,4 Finale: 20. August
Auch über 200 Meter setzte Charles Paddock wieder seinen Zielsprung ein. Dieses Mal hatte er jedoch keinen Erfolg, denn Allen Woodring war zu stark und wurde Olympiasieger vor Paddock. Harry Edward, der im Viertelfinale mit 22,0 s genauso schnell war wie der spätere Olympiasieger im Finale, gewann Bronze.
400 m mini|hochkant=0.6|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Bevil Rudd 49,6 2 Guy Butler 49,9 3 Nils Engdahl 50,0 4 Frank Shea 50,2 5 John Ainsworth-Davis 50,4 6 Henry Dafel 50,4 Finale: 20. August
Die im Finale gelaufenen Zeiten waren angesichts Ted Merediths Weltrekords, der im Halbfinale ausgeschieden war, von 47,4 s schwach. Allerdings müssen der Zustand der Bahn und auch die Tatsache berücksichtigt werden, dass die Vorentscheidungen am selben Tag stattgefunden hatten wie das Finale.
Von der Überlegenheit der US-Amerikaner bei den letzten Spielen – dort war nur ein Läufer im Finale, der nicht aus den USA kam – war nichts mehr übrig geblieben. Siegreich war in einem klug eingeteilten Rennen der Südafrikaner Bevil Rudd.
800 m
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Albert Hill 1:53,4 2 Earl Eby 1:53,7 3 Bevil Rudd 1:53,7 4 Edgar Mountain 1:53,8 5 Donald Scott 1:54,8 6 Albert Sprott 1:56,4 7 Adriaan Paulen 1:56,4 8 Paul Esparbès 1:58,0 Finale: 17. August
Eingangs der Zielgeraden führte der spätere 400-Meter-Sieger Bevil Rudd. Albert Hill und Earl Eby sprinteten nun an Rudd vorbei. Hill verteidigte seinen Vorsprung gegen Eby und gewann seine erste von zwei Goldmedaillen bei diesen Spielen.
1500 m mini|hochkant=0.8|
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Albert Hill 4:01,8 2 Philip Noel-Baker 4:02,4 3 Lawrence Shields 4:03,1 4 Václav Vohralík 4:04,6 5 Sven Lundgren 4:06,3 6 André Audinet 4:06,4 7 Arturo Porro 4:06,6 8 Joie Ray 4:10,0 Finale: 19. August
Der US-Amerikaner Joie Ray war aufgrund seiner Erfolge bei den amerikanischen Meisterschaften über die Meile und den ausgezeichneten dort erzielten Zeiten Favorit für den 1500-Meter-Lauf. Doch wenige Tage vor dem Finale verletzte er sich und war chancenlos, obwohl er alles versuchte und zwischenzeitlich die Führung übernahm. Am Schluss kam Albert Hill zu seiner zweiten Goldmedaille vor seinem Landsmann Philip Noel-Baker und dem US-AmerikanerLawrence Shields. Philip Noel-Baker ging später in die Politik, hatte mehrere Ministerposten inne und setzte sich zeitlebens für Abrüstung und Frieden ein. Im Jahr 1959 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis.Philip Noel-Baker, Friedensnobelpreisträger 1959, geboren.am, abgerufen am 29. Juli 2017
5000 m mini|hochkant=1.5|
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Joseph Guillemot 14:55,6 2 Paavo Nurmi 15:00,0 3 Eric Backman 15:13,0 4 Teodor Koskenniemi 15:17,0 5 Joe Blewitt 15:19,0 6 William Seagrove 15:21,0 7 Carlo Speroni k. A. 8 Alfred Nichols Finale: 17. August
In diesem Rennen gewann der später legendäre Finne Paavo Nurmi seine erste olympische Medaille. Der Franzose Joseph Guillemot und Nurmi konnten sich schon bald nach dem Start vom Rest des Feldes absetzen. In der Zielkurve verschärfte Guillemot das Tempo und ließ dem Finnen mit einem brillanten Schlussspurt keine Chance. Der Franzose hatte sich trotz einer Gasvergiftung, die er im Ersten Weltkrieg erlitten hatte, zu einem so hervorragenden Langstreckenläufer entwickelt.
10.000 m mini|hochkant=1.4|
Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Paavo Nurmi 31:45,8 2 Joseph Guillemot 31:47,2 3 James Wilson 31:50,8 4 Augusto Maccario 32:02,0 5 James Hatton 32:14,0 6 Jean-Baptiste Manhès 32:26,0 7 Heikki Liimatainen 32:28,0 8 Fred Faller 32:38,0 Finale: 20. August
Am Tag vor dem Finale hatte es drei Vorläufe gegeben, aus denen sich die jeweils ersten Fünf für das Weiterkommen qualifiziert hatten. Zum Endlauf traten allerdings nur neun Läufer an. Der erwartete erneute Zweikampf zwischen Joseph Guillemot und Paavo Nurmi fand in der Anfangsphase nicht statt. Guillemot setzte sich gemeinsam mit dem späteren Dritten James Wilson ab und Nurmi hatte zeitweise bis zu zwanzig Meter Rückstand. Aber die beiden Führenden verschleppten das Tempo und Nurmi schloss wieder auf. Zweitausend Meter vor dem Ziel beschleunigte Guillemot, wurde jedoch seine beiden Gegner nicht los. Zu Beginn der letzten Runde begann Nurmi zu spurten und Wilson verlor den Anschluss. Guillemot und Nurmi liefen jetzt mit wechselnder Führung dem Ziel entgegen. Am Schluss setzte sich der Finne durch und drehte so die Reihenfolge vom 5000-Meter-Lauf um.
Marathon mini|hochkant=1|
Platz Athlet Land Zeit (h) 1 Hannes Kolehmainen 2:32:35,8 WBL/OR 2 Jüri Lossmann 2:32:48,6 3 Valerio Arri 2:36:32,8 4 Auguste Broos 2:39:25,8 5 Juho Tuomikoski 2:40:18,8 6 Sofus Rose 2:41:18,0 7 Joseph Organ 2:41:30,0 8 Rudolf Hansen 2:41:39,4 Datum: 22. August Offiziell angegebene Streckenlänge: 42,75 km
In diesem Rennen krönte der erste große finnische Langstreckenläufer Hannes Kolehmainen seine Laufbahn. Ihm war nach seinen drei Goldmedaillen von 1912 durch den kriegsbedingten Ausfall der für 1916 in Berlin geplanten Olympischen Spiele die Chance auf noch mehr Medaillen genommen worden.