mini|links|Meister Gautier Map erhält von Eleonore von Aquitanien und Heinrich II. den Auftrag, den Vulgata-Zyklus abzuschließen.Der Schlussteil des Zyklus wird den Titel « La mort le reis arturs » tragen. Laut dem Explicit (in Versform) „Folium 264rb“ (BnF, fr. 123).Handschrift-Miniatur, 1275–1280.Das korrekte Blatt ist „Folium 229r“ (BnF, fr. 123). Incipit von « La Mort le Roi Artur »: « Aprés ceo ke mestre Gautier Map out treité des aventures du seint Graal assez souffisaument, si com il li fut avis, si fu avis au rei Henri, son seignour, ke ceo k’il aveit fet ne deveit pas souffire, s’il ne raconteit la fin de ceus de ki il aveit fet devaunt mention […] – […] Si comença mestre Gautier en teu manière ceste derniere partie ». Meister Gautier Map wird den Schlussteil laut dieser Handschriftf. 229r « la mort le reis arturs » nennen. mini|Königin Guenièvre und ihr Liebhaber Lancelot. Gemälde von T.B. Bitter, um 1814, Privatsammlung. Vulgata-Zyklus, kurz Vulgata (von Siehe H. Oskar Sommer (Hrsg.): The Vulgate Version of the Arthurian Romances. Edited from Manuscripts in the British Museum. 7 Bände und 1 Index-Band. Carnegie Institution of Washington, Washington 1909–1916.), ist in der romanischen Literaturwissenschaft der geläufige Titel eines umfangreichen altfranzösischen Prosaromans des 13. Jahrhunderts.

Dieser monumentale Prosaroman wird auch Lancelot-Gral-Zyklus, Pseudo-Map-ZyklusAufgrund einer Pseudepigraphie wurde der Lancelot-Gral-Zyklus bis Anfang des 20. Jahrhunderts dem walisischen Kompilator Gautier Map zugeschrieben., Großer Gral-Zyklus oder (altfranzösischer) ProsalancelotAchtung Verwechslungsgefahr! Der altfranzösische Prosalancelot, « Lancelot en prose », darf nicht mit dem „mittelhochdeutschen Prosalancelot“ verwechselt werden! (auf Neufranzösisch: « Lancelot en prose ») genannt.Ulrich Mölk (Hrsg.; literarhistorische Einf.), Irmgard Fischer (kodikologische Beschreibung): Lancelot en prose: Bonn, Universitätsbibliothek, Handschrift S 526 (= Codices illuminati medii aevi. 28). Edition Lengenfelder, München 1992, ISBN 3-89219-028-3 (omifacsimiles.com [PDF; 530 kB]).

Im Vulgata-Zyklus werden die aus der Historia Regum Britanniae von Geoffrey von Monmouth und dem Roman de Brut des anglonormannischen Dichters Wace bekannten Artussagen neu erzählt und um zahlreiche Details und Nebengeschichten ergänzt.

Den ersten Teil der Vulgata nehmen die weltlichen Abenteuer Lancelots du Lac ein, des tapfersten aller Artusritter. Seine bedingungslose, ehebrecherische Liebe zu Guenièvre, der Gemahlin des König Artus, ist den mittelalterlichen Lesern durch Chrétiens de Troyes dritten höfischen Roman, « Lancelot ou le Chevalier de la charrette » (deutsch „Lancelot oder der Karrenritter“), bereits wohlbekannt.

Im zweiten Teil des Prosa-Lancelot-Gral-Zyklus, in der Queste del Saint Graal, der spirituellen « Queste », der Suche nach dem Heiligen Gral, tritt Lancelot in Percevals Spuren. Aber auch er scheitert in der Gralssuche ob seiner Sünden. Erst Lancelots Sohn, Galahad, der „Reine Ritter“, erweist sich als des Grals würdig. Lancelot hatte Galahad mit Elaine gezeugt, der Tochter des Fischerkönigs Pellès, welche durch Zauberkraft die Gestalt Guenièvres angenommen hatte, um Lancelot zu verführen.

Der Zyklus endet mit der () « Mort Le Roi Artu » (König Artus’ Tod), mit dem Tod aller Helden, mit dem Untergang der Tafelrunde.

Die Vulgata ist die Hauptquelle der in der englischsprachigen Welt wirkmächtigen Zusammenstellung des Artusstoffs in Le Morte Darthur durch Thomas Malory im 15. Jahrhundert.

Die Teile des Großen Gral-Zyklus mini|links|Artus schlägt Lancelot zum Ritter.Miniatur aus der Handschrift BnF, Français 113fol. 1ra. In: Gallica. Abgerufen am 17. Mai 2022. mini|Lancelot schlägt seinen Sohn Galahad zum Ritter (Beginn der Quête du Saint Graal) mini|Galaad, Bohort und Perceval beenden die Gralsuche. Wie die Romanistin Marie-Luce Chênerie im Vorwort zu ihrer Lancelot du Lac-Ausgabe schreibtLancelot Du Lac. Roman français du XIIIe siècle (= Lettres gothiques; Livre de Poche. Band 4535). Band II. Nach der Edition Elspeth Kennedy, übersetzt und präsentiert von Marie-Luce Chênerie. Librairie Générale Française, Paris 1993, ISBN 2-253-06302-9, S. 5., umfasst der „Große Gral-Zyklus“ drei Hauptteile:

1. Teil: « Lancelot du Lac » oder « Le Lancelot propre » (Der ‹eigentliche› Lancelot) entstand um 1215 bis 1225.Der Lancelot propre ist der umfangreichste Teil des Zyklus. Die Edition von Alexandre Micha umfasst 9 Bände.Alexandre Micha (Hrsg.): Lancelot: Roman en prose du XIIIe siècle (= Textes littéraires français. 315). 9 Bände. Droz, Genève 1978–1983, (Kritische Ausgabe mit Einleitung und Anmerkungen). Die Forschung untergliedert ihn in drei Sektionen:Fanni Bogdanow: The Romance of the Grail. A Study of the Structure and Genesis of a Thirteen-Century Arthurian Prose Romance. Manchester University Press, Manchester; Barnes and Noble, New York 1966, , S. 6.

– Enfances Lancelot oder Galeaut

– Charrette (Elemente aus Chrétiens Versroman Le Chevalier de la charrette)

– Agravain

2. Teil: « La Quête du Saint Graal », „Die Suche nach dem Heiligen Gral“, entstanden um 1220 bis 1225.

3. Teil: « La Mort le Roi Artu », „König Artus’ Tod“, entstanden um 1225 bis 1235

Der Prosa-Joseph sowie der Prosa-Merlin des sogenannten „Kleinen Gral-Zyklus“ wurden später in erweiterter Form dem „Großen Gral-Zyklus“ als Vorgeschichte vorangestellt, so dass die Vulgata in ihrer Endfassung auf fünf Teile anwuchs.

Autorschaft und Einheit des Zyklus In der Literaturgeschichte haben sich die Bezeichnungen Vulgata-Zyklus und Lancelot-Graal-Zyklus für das äußerst umfangreiche Corpus des Prosalancelot-Stoffes eingebürgert. Vollständige Handschriften umfassen mehr als 700 Folia.

Die Bezeichnung Vulgata geht auf den Titel des ersten Editionswerks The Vulgate Version of the Arthurian RomancesThe Vulgate Version of the Arthurian Romances. Edited from Manuscripts in the British Museum. 7 Bände und 1 Index-Band der Namen und Orte. Carnegie Institution of Washington, Washington 1908–1916., des Philologen Heinrich Oskar Sommer zurück. Die Bezeichnung Lancelot-Gral-Zyklus wurde von dem französischen Mediävisten Ferdinand Lot in seiner Étude sur le Lancelot en proseFerdinand Lot: Étude sur le Lancelot en prose. Librairie ancienne Honoré Champion, Paris 1918, S. 4, Anm. 3 (). vorgeschlagen.

Die Bezeichnung „Pseudo-Map-Zyklus“ geht auf eine Falschzuschreibung, eine Pseudepigraphie, zurück. Der französische Romanist und Mediävist Albert Pauphilet schreibt in der Einleitung seiner Edition der « Queste del Saint Graal » apodiktisch:

Ein mittelalterlicher Kopist hatte am Ende der « Quête du Saint Graal » den gesamten Zyklus dem walisischen Kompilator Meister Gautier Map zugeschrieben:

Da es sich um eine Pseudepigraphie handelt, spricht man vom „Pseudo-Map-Zyklus“.

In mittelalterlichen Handschriften findet man nicht nur Pseudepigraphien, sondern auch eine Erzählstrategie, die sich Glaubhaftigkeit verschaffen will, indem sie sich auf eine angebliche Quelle, ein Buch, beruft, welche die Geschichte immer schon erzählt habe: mini|links|Merlin diktiert seinem Schreiber, Mestre Blaise, den Titel der Trilogie:« Li livres dou Graal »Miniatur der Handschrift BnF 95, f. 223r, Robert de Boron: L’Estoire de Merlin, um 1280.

« Or dist li contes », so erzählt die Geschichte, heißt die narrative Formel, welche beschwörend, meist zu Anfang eines neuen Kapitels, immer wiederholt wird.Carol Case: “Or dist li contes”. Narrative Interventions and the Implied Audience in the Estoire del Saint Graal. In: William W. Kibler (Hrsg.): The Lancelot-Grail Cycle. Text and Transformations. University of Texas Press 1994, ISBN 0-292-76340-9, doi:10.7560/743175-008. So illustriert zum Beispiel eine Miniatur aus der « Estoire de Merlin», wie Merlin seinem Schreiber Maître Blaise das Buch vom Gral diktiert.

Bis in die jüngere Forschungsdiskussion ist keine Einigung über die Frage nach der Autorschaft erzielt worden, weder nach der Existenz eines oder mehrerer Autoren, noch nach der Einheit der narrativen Verknüpfung der einzelnen Zyklusteile. Der französische Mediävist Ferdinand Lot vertrat in seiner Étude sur le Lancelot en prose die These eines einzigen Verfassers der Vulgata. Der Romanist und Mediävist Jean Frappier war hingegen der Meinung, der Zyklus sei zwar das Werk mehrerer Autoren gewesen, es habe jedoch einen « architecte », einen Gestalter, gegeben, der den Zyklus vorweg konzipiert habe:

Die britischen Mediävistin Elspeth Kennedy erläutert auf der Webseite „The Lancelot Grail Project“Elspeth Kennedy: What is the Lancelot-Grail? In: The Lancelot-Graal Project, abgerufen am 30. Mai 2022., wie in den überlieferten Handschriften die Etappen deutlich werden, in denen sich der Vulgata-Zyklus herausgebildet hat.

Der erste Entwicklungsstufe wird bereits in der ältesten bekannten HandschriftParis, BnF, fr. 768, 13. Jhd. sichtbar. Er umfasst den ersten und längsten Teil des Zyklus Lancelot du Lac. Es wird erzählt, wie Lancelot von der „Herrin vom See“, der Fee Viviane aufgezogen wird, die von Merlin Zauberkräfte erhalten hat. Es folgen die Abenteuer Lancelots, von seiner Ritterschaft bei König Artus über seine Liebschaft mit Guinevere, die Errettungen des Königreichs, seine Aufnahme unter die Ritter der Tafelrunde und wie er die Tafelrunde gemeinsam mit seinem Freund Galehaut wieder verlässt. Nach dem Identitätsverlust Guineveres (« La Fausse Guenièvre ») und ihrer Wiederherstellung kehrt Lancelot an den Artushof zurück.

Die zweite Entwicklungsstufe, die « Quête du Saint Graal » wird von einer anderen Ideologie geprägt, von der mystisch-spirituellen « Queste », der Gralsuche. Das „weltliche Rittertum“, « la chevalerie terrienne » des ersten Teils wird von der « chevalerie celestielle », dem „himmlischen Rittertum“ abgelöst. Die Ideologie des weltlichen Rittertums, vom Ideal der « fin’amors », der „höfischen Liebe“, geprägt, welche auch ehebrecherische Beziehung tolerierte, wird nun zur Sünde deklariert. Deshalb ist Lancelot wegen seiner Liebesbeziehung zu Guenièvre des Grals nicht würdig.

Der neue Held ist Galahad, der vollkommenste Ritter der Welt. Lancelot hat ihn mit Elaine von Corbenic, der Tochter des Fischerkönigs Pellès, gezeugt, welche die Gestalt von Königin Guenièvre angenommen hatte. Nur Galaad ist ohne Sünde und wegen seiner Reinheit würdig, die letzten Mysterien des Grals zu schauen, woraufhin er zusammen mit dem heiligen Objekt in den Himmel entrückt wird.

Der Erzählung wird eine Vorgeschichte vorangestellt. Den ersten Teil der Vorgeschichte bildet die Estoire del Saint Graal, in der die von Robert de Boron bekannte frühe Geschichte des Grals um Josef von Arimathäa umgeschrieben wird. Der zweite Teil ist Merlin, in dem Robert de Borons Versroman Histoire de Merlin in Prosaform wiedergegeben wird.

Die letzte Stufe,« La Mort Le Roi Artu », schildert die tragische „Heldendämmerung“ der Artusritter. König Artus und sein inzestuöser und verräterischer Sohn Mordred töten sich gegenseitig im Duell:

Handschriftliche Überlieferung Über hundert Manuskripte sind bekannt, welche jeweils nur einen der fünf Teile des Lancelot-Gral-Zyklus enthalten: (I) Joseph – (II) Merlin – (III) Lancelot propre – (IV) Quête – (V) Mort Artu. Sie werden „Teilhandschriften“ oder „fragmentarische“ Handschriften genannt.

Neun ManuskripteIrene Fabry-Tehranchi: Au seuil du Lancelot: transmission manuscrite et illustration liminaire de ‹la Marche de Gaule›. In: L’expérience des frontières et les littératures de l’Europe médiévale. Honoré Champion, Paris 2019, ISBN 978-2-7453-5139-5, S. 57–90 (Volltext auf Academia.edu). sind „zyklische Handschriften“, also solche, welche den gesamten Vulgata-Zyklus überliefern.Liste der Handschriften. In: lancelot-project.pitt.edu, abgerufen am 28. Oktober 2021.