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mini|hochkant=1.2|Neu-Ulmer Wasserturm, das Wahrzeichen der Stadt Neu-Ulm
Ensembles Ensemble Johannisstraße mini|Johannisstraße Neu-Ulm Die in der Zeit um 1900 bis 1903 meist von dem einheimischen Baumeister Paul Frank erbauten Wohnhäuser bilden mit ihren Fassaden in Rohbackstein, mit Putzrustikasockeln und feinen Details der Gliederungselemente in Haustein einen einheitlichen Straßenzug des Historismus. Die Bereicherung mit Erkern und die deutliche Hinwendung zu barocken Stilelementen ist zugleich Zeugnis für die Epoche der Stadt, in der sie im Begriff war, den reinen Festungscharakter abzustreifen. Die durch Kriegseinwirkung nicht durchweg erhaltenen Dachabschlüsse sind für die Geschlossenheit des Bildes nicht von allzu großer Bedeutung. Aktennummer: E-7-75-135-1.
Bundesfestung Ulm mini|Caponniere 4 Die zwischen 1842 und 1859 erbaute Bundesfestung Ulm, die zeit ihres Bestehens nie angegriffen wurde, war die zentrale süddeutsche Verteidigungsanlage des 1815 gegründeten Deutschen Bundes. Sie war als Waffenplatz für bis zu 100.000 Mann geplant und sollte als Ausrüstungsort insbesondere die Marschroute entlang der Donau nach Wien sichern helfen, war aber auch als Ausgangspunkt für gegen Frankreich gerichtete Operationen gedacht. Bei ihrer Fertigstellung war die Bundesfeste Ulm eine der größten und modernsten Festungsanlagen in Europa, gleichwohl aber wegen waffentechnischer Erfindungen schon bald wieder veraltet. Die Gesamtanlage der Bundesfestung Ulm besteht aus der Hauptumwallung und den vorgeschobenen Außenforts, die auf der bayerischen Seite Vorwerke heißen. Der innere Festungsgürtel wurde nach den Grundsätzen der „Neuen Deutschen Befestigung“ ausgeführt, eines fortentwickelten Polygonalsystems, das auf der Manier von Marc-René de Montalembert fußt. Prototyp dieses nach der Gründung des Deutschen Bundes bevorzugten Befestigungssystems war die zwischen 1815 und 1834 neu erbaute Festung Koblenz und Ehrenbreitstein. In Abkehr vom Bastionärsystem sind dementsprechend die Hauptmerkmale der Bundesfestung Ulm lange, gerade, bis zu 11 Meter hohe und stumpfwinklig aufeinandertreffende Mauer- und Wallzüge, die von in die Gräben vorspringenden, mehrgeschossigen Geschütztürmen, den Caponnieren, bestrichen werden konnten. Hinter dem Wall lagen die Reduits als Auffangstellungen. Da die Festung auf württembergischem wie bayerischem Territorium zu errichten war, setzte man zwei Festungsbaudirektoren ein, die unterschiedliche Baustile und Organisationsformen anwandten. Den Bau der bayerischen Neu-Ulmer Seite leiteten bis 1844 Friedrich Herdegen und dann Theodor von Hildebrand, die Vollendung erfolgte unter Albert Spieß. Während auf dem linken Donauufer Kalkstein verwendet und Materialien wie Arbeitsleistungen vom freien Markt bezogen wurden, bevorzugte Hildebrand Sichtbackstein als Baumaterial, setzte Kalkstein lediglich in Sockelzonen und Eckquaderungen ein, Sandstein bei Schartenkonsolen und unterhielt Regiebetriebe. Am 18. Oktober 1842 wurde der erste Spatenstich auf dem württembergischen Michelsberg getan, ebenfalls am 18. Oktober 1844, jeweils an den Jahrestagen der Völkerschlacht zu Leipzig, der Grundstein gelegt – auf bayerischer Seite in einem Mauerfundament bei der Caponniere 4. Bis 1848 waren weite Teile der Umwallung, Wilhelmsburg und Wilhelmsfeste errichtet. Politische wie wirtschaftliche Instabilität erzwangen beim Bau der Reduits und Außenforts, die bis 1859 fertig gestellt waren, starke Einschränkungen. Nach dem Zerfall des Deutschen Bundes ab 1866 übernahm das 1871 gegründete Kaiserreich das Festungswerk und brachte es zwischen 1875 und 1887 auf den neuesten kriegstechnischen Stand. Dabei wurden die Wallkronen mit Traversen versehen, die zu hoch aufragenden Mauern abgetragen und einige Bauwerke durch Erdvorlagen geschützt. In einer weiteren Modernisierung wurde ab 1901 der Fortgürtel durch die Anlage betonierter, in die Erde versenkter Infanteriestützpunkte mit Untertreteraum für die Mannschaft verstärkt. Auf bayerischer Seite wurde nur ein Stützpunkt 1907–1909 am Kapellenberg gebaut. Er blieb von der Sprengung durch die Alliierten 1945/46 verschont, ist jedoch inzwischen übererdet und unzugänglich. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erhielt die Bundesfestung einen modernen Verteidigungsring aus Schützengräben und Infanteriestützpunkten, der die Betonwerke der Vorkriegszeit zum Teil einbezog. Aufgrund des Kriegsverlaufs wurden 1916 die Bauarbeiten eingestellt und bereits vorhandene Stützpunkte eingeebnet, 1945/46 durch Sprengungen und bis heute durch Abbrüche weiter dezimiert. Erhalten blieb auf bayerischem Territorium lediglich der Infanteriestützpunkt 58 (Ludwigsfeld). 1918 verlor die Festung jede Bedeutung, 1938 wurde die Festungseigenschaft auch formal aufgehoben. Die Hauptumwallung war bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben und 1899 sowie 1906 in weiten Teilen an die Städte Ulm und Neu-Ulm verkauft worden. So konnten um 1900 im Zuge der Stadterweiterung die großen Freiflächen innerhalb der Hauptumwallung bebaut und erste Abbrüche vorgenommen werden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Werke nur noch zum Teil militärisch genutzt, teils dienten sie zu Wohn- oder Gewerbezwecken, ab 1945 auch als Notunterkünfte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Anlagen gesprengt, verfielen mangels Bauunterhalt und manche Werke und Nebengebäude (Exerzierhallen, Friedensspital, Offizierskasino, Geschützrohrschuppen, Magazine und Depots) wurden bis in jüngste Zeit abgebrochen. Auf der bayerischen Seite konnte die Hauptumwallung wegen des ebenen Geländes gleichmäßig angelegt werden und gliederte sich in vier nahezu gleiche Fronten mit je einer Caponniere in der Mitte und den drei verstärkten Umwallungsspitzen, Bastionen genannt, an den stumpfwinklig aneinanderstoßenden Escarpenmauern, Graben, gedecktem Weg und Glacis. Sie wurde zwischen 1844 und 1850 errichtet und in den folgenden Jahren durch einige Militärbauten ergänzt (Eisenbahnblockhaus, Kriegslazarett, Pulvermagazin).
Die Umwallung ist im Westen zwischen Donau und Hermann-Köhl-Straße in weiten Teilen unverändert erhalten, zwischen Hermann-Köhl und Reuttier Straße in Grundzügen und im östlichen Abschnitt nur mehr in einzelnen Bauwerken. Die Hauptumwallung begann im Osten mit der Halbbastion 1 (abgebrochen nach 1910), die wie auch das Augsburger Tor (1959/60 abgebrochen), die Caponniere 2 (um 1910 abgebrochen), die Bastion 3 und die verbindenden Mauerzüge nicht mehr erhalten sind. Lediglich der Sockel des inneren Anschlussblockhauses (im Gebäude Uferstraße 5), das Eisenbahnblockhaus (Bahnhofstraße 41) und einzelne Teile des Glacis sind noch oberirdisch erhalten. An der Festungsfront zwischen den Bastionen 3 und 5 wurden zwischen 1855 und 1859 zwei Blockhäuser errichtet, die wie auch die Mauerzüge und Wälle (zwischen 1911 und 1955 abgetragen) nicht mehr erhalten sind. Lediglich die Caponniere 4 besteht noch. Die Bastion 5 ist westlich der Memminger Straße erhalten. Sie besteht aus Wall, Escarpe, Glacis, Graben mit Künette, einer Mörserbatterie hinter einer Schildmauer im Saillant und dem dahinterliegenden Kriegslazarett (Turmstraße 43). Die Courtine 5–7 besteht wie auch die anderen Neu-Ulms aus Wall, Escarpe mit je zwei Tenaillen mit Flankenbatterien, einem Geschützschuppen hinter der rechten, dem Graben mit einer Künette, dem Glacis und der Caponniere 6 mit seitlichen Ausfallhöfen in der Mitte. Die beiden Blockhäuser, Exerzierhalle und Flankenbatterien sind nicht mehr erhalten. Der anschließende Abschnitt auf der Seite Neu-Ulm, das Werk 8, wurde 1906 von der Stadt aufgekauft, 1910 ließ man Wall und Mauer durchbrechen, um in Entlastung des einspurig zu durchfahrenden Memminger Tores die Schützenstraße nach außen zu führen. Westlich der Caponniere wurden im Festungsareal und auf dem Wall ab 1909 Wohnhäuser errichtet, wobei die mit Strebepfeilern aus Beton verstärkte Escarpenmauer und das Memminger Tor nicht abgebrochen, sondern in die Bebauung integriert wurden. Vom Werk 9, das aus Wall mit Toranlage, Graben und Künette, dem Glacis und zwei Blockhäusern bestand, existieren noch das Memminger Tor (Auf dem Wall), im Kern die beiden Blockhäuser in zwei Wohnbauten (Parkstraße 1, Jahnufer 54), Wall, Graben mit Künette, Glacis und Escarpenmauer. Von den 6 geplanten Außenforts, den Vorwerken, wurden drei ausgeführt (Schwaighofen, Ludwigsvorfeste, Illerkanal). Die Vorwerke 10 und 11 waren bei Offenhausen vorgesehen, konnten aber aus Kostengründen nicht realisiert werden, ein anderes Vorwerk war vor der Bastion 7 geplant und ein weiteres, 1863 geplantes Vorwerk südlich des Ortsteils Pfuhl wurde aufgrund des Zerfalls des Deutschen Bundes nicht mehr ausgeführt. Unter Denkmalschutz stehen die folgenden Bestandteile der Hauptumwallung mit ihren Mauerzügen, Bastionen und Halbbastionen: 1. Memminger Tor, einzige erhaltene Toranlage der Befestigung, mit gedrungenem Torturm auf der Escarpenmauer und Poternenbauwerk mit Tordurchfahrt und Kasematten unter dem Wall, Portal vor dem Wall durch Stich- und Spitzbogenblenden gerahmt, mit Rustikasockel, mehrstufigem Hauptgesims, Blech beschlagenem Holztor und Brücke über den Festungsgraben, Stadtseite einfacher, 1844–1849, 1881 für die neue Metallbrücke geringfügig umgestaltet; 2. Caponniere 8, aus der Außenseite des Festungswalls herausragendes, massiv in Ziegel gemauertes, fest gedecktes, pfeilförmiges Verteidigungsbauwerk mit Kalksteinsockel, Kalksteinelementen, Geschützkasematte in der Spitze und seitlichen Ausfallhöfen, 1844–1849; 3. Caponniere 6, heute gewerbliche Nutzung, aus der Außenseite des Festungswalls herausragendes, fest gedecktes, pfeilförmiges Verteidigungsbauwerk, massiv in Ziegel gemauert mit Kalksteinsockel und Kalksteinelementen sowie mit Mörserbatterie in der Spitze, 1844–1849; 4. Caponniere 4, heute kulturelle Nutzung, ehemaliges aus der Außenseite des Festungswalls herausragendes, fest gedecktes, pfeilförmiges Verteidigungsbauwerk, massiv in Ziegel gemauert mit Kalksteinsockel und Kalksteinelementen sowie mit Mörserhof in der Spitze, 1844–1849, 2008 instand gesetzt mit Entfernung der aufgesetzten Fabrikhalle und teilweisen Wiederherstellung des Grabenprofils; 5. und 6. Glacis-Anlagen, westlicher Teil des Festungsgrabens mit Glacis, 1844–1848, 1906 von der Stadt mit Umwallung und festungszeitlicher Anpflanzung aufgekauft, 1919 als Park angelegt, 1967 Wasserspielplatz und Parklandschaft eingerichtet, nochmals umgestaltet für die Landesgartenschau 1980; 7. Kollmannspark, Parkanlage mit kreisförmiger Wegstruktur um frei stehende Bäume, benannt nach Josef Kollmann (Politiker, 1855), der als Neu-Ulmer Bürgermeister 1906 mit dem Kauf von Grundstücken der Bundesfeste den Anstoß zur modernen Stadtentwicklung gab, angelegt 1910, 1994–1996 mit der Sanierung des Kriegspulvermagazins umgestaltet; 8. Reste des Blockhauses vor dem Memminger Tor im Erdgeschoss des jetzigen Wohnhauses, um 1850–1853; 9. ehemaliges Blockhaus oder Anschlussturm der Befestigung an das Donauufer, jetzt Terrasse, Mitte 19. Jahrhundert; 10. ehemaliges Blockhaus oder Anschlussturm der Befestigung an das Donauufer, Sockel im Norden des Wohnhauses erhalten, Mitte 19. Jahrhundert.
Aktennummer: D-7-75-135-1.
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Literatur
Weblinks
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