„Trostfrauen“ (japanisch ) ist ein euphemistischer Begriff für Mädchen und Frauen, die für die japanischen Kriegsbordelle des Zweiten Weltkriegs zwangsprostituiert wurden. Die meisten Opfer – etwa 40 % der Trostfrauen – stammten aus Japan, ferner aus Korea und Taiwan sowie den besetzten Gebieten wie Indonesien, Malaysia, Philippinen und China., S. 10. In: awf.or.jp, abgerufen am 17. Juni 2010 (englisch). Die südkoreanische Regierung hat offiziell 240 Opfer registriert, aber eine genaue Zahl ist weiterhin umstritten mit Angaben zwischen 20.000 und 200.000. Laut Schätzungen überlebten nur 30 Prozent den Krieg. Haupttodesursachen waren Krankheiten und Hunger, aber auch Folter und Gewaltdelikte.Kazuko Watanabe: Trafficking in Women’s bodies, then and now. The issue of military „comfort women“. In: Women’s studies quarterly 27 (1999), New York, S. 19–31, Anmerkungen S. 20. Der Erinnerungsprozess an die „Trostfrauen“ kam erst Ende der 1980er Jahre in Gang. Die Thematik ist in Japan nach wie vor umstritten.

Teil der Kriegsführung Mit Prostitution in Japan wurde traditionell recht offen umgegangen. Die japanische Führung beabsichtigte, eine organisierte Prostitution für die japanische Armee bereitzustellen.George Hicks: The Comfort Women. Allen & Unwin, ISBN 1-86373-727-8. Sie versprach sich von einem einfachen Zugang zu Prostituierten eine bessere „Moral“ der Soldaten und damit eine effizientere Armee. Überdies sollte so die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten unter den Soldaten eingedämmt werden. Organisierte Prostitution sollte außerdem Vergewaltigungen an der Zivilbevölkerung verhindern. Es sollte mit diesen Maßnahmen auch kriegskritischen Stimmen in Japan begegnet werden.

Anwerbung und Zwang mini|Stellenannoncen für Trostfrauen in Tageszeitungen, die in Korea herausgegeben wurden. Links: „Dringend gesucht: Armee-Trostfrauen“. In Mainichi Shimpō, 27. Okt. 1944; rechts: „Höchstdringlich gesucht: Trostfrauen“. In Keijō Nippō, 26. Juli 1944.『』()「」 / / / 『』()//「」/ / / / / / Japanische Behörden rekrutierten Prostituierte durch konventionelle Methoden. So wurden mehrere offene Rekrutierungsaufrufe unter koreanischen Zeitungsanzeigen gefunden, wie die Annonce in der Mainichi Shimpo vom 29. Oktober 1944 für die „dringende Rekrutierung von militärischen Trostfrauen“. Das koreanische Tagesblatt Keijo Nippo druckte 1944, neben einer Mehrzahl anderer Jobannoncen, eine großflächige Stellenausschreibung unter dem Titel „Dringende Anwerbeaktion für Trostfrauen“. Die Ausschreibung bewarb einen ungewöhnlich hohen Einstellungsvorschuss von 3 000 Yen. Auch wenn die tatsächliche Zahlung geringer ausfiel, kann vermutet werden, dass die avancierten „Trostfrauen“-Löhne deutlich höher ausfielen als in anderen von Frauen ausgeübten Berufen. Die japanischen Zeitungen standen wiederum unter strenger Beobachtung der Polizei, weshalb dort ähnliche Anzeigen meist nicht zu finden waren.

Yoshiaki Yoshimi und Hirofumi Hayashi fanden 2007 Berichte der Tokioter Prozesse, laut denen die kaiserlich-japanischen Militärkräfte Töchter von Männern, die die japanische Heeresmilitärpolizei angegriffen hatten, zwangen, in Bordellen an der Front zu arbeiten. Eines der Dokumente zitiert einen Leutnant, der aussagte, ein solches Bordell eingerichtet und selbst genutzt zu haben. Eine andere Quelle berichtet von Tokkeitai-Mitgliedern (Marinemilitärpolizei), die Frauen von der Straße weg verhafteten, medizinisch zwangsuntersuchen ließen und danach in Bordelle brachten. Die koreanisch-amerikanische Anthropologin C. Sarah Soh und die südkoreanische Literaturwissenschaftlerin Park Yu-ha warnten jedoch vor einer Verallgemeinerung solcher Fälle direkter militärischer Zwangsausübung. Beide betonten stattdessen die Rolle privater Vermittler, ökonomischer Abhängigkeiten, patriarchaler Strukturen und kolonialer Machtverhältnisse, ohne die Zwangs- und Gewaltverhältnisse des Systems grundsätzlich zu bestreiten.

Da das Außenministerium keine Reisevisa für japanische Prostituierte mehr ausstellte, begann das Militär mehr und mehr „Trostfrauen“ außerhalb Japans zu suchen, speziell in Korea und dem besetzten Teil Chinas. Viele Frauen wurden auch durch Betrug zu Prostituierten gemacht. Ein Bericht der US-Armee, in dem Interviews mit 20 solcher Frauen wiedergegeben wurden, informiert über Frauen aus Burma, denen von japanischen Offizieren hohe Geldsummen für „Auslandsdienste“ versprochen wurden, mit denen sie Familienschulden und Ähnliches hätten bezahlen können. Nachdem die Frauen sich verpflichtet hatten, wurden sie nie gezahlt, stattdessen nur ein niedriger Abschlagsbetrag von einigen hundert Yen ausgehändigt.

Es ist anzunehmen, dass die Rekrutierung von den damaligen Betreibern der Bordelle durchgeführt wurde. Berichten zufolge wurden die Mädchen oft mit Jobbeschreibungen als Aushilfen in Teehäusern, Sängerinnen oder Tänzerinnen zur Unterhaltung der Truppen oder als Krankenschwestern rekrutiert.

In städtischen Gebieten wurden neben der Anwerbung durch Anzeigen auch Entführungen genutzt. Besonders in Frontnähe wurden lokale Autoritäten direkt vom japanischen Militär aufgefordert, Frauen für Bordelle bereitzustellen. Mit Fortgang des Krieges verschlimmerte sich diese Situation. Zeugen aus Osttimor berichteten, dass es Mädchen gab, die noch vor ihrer ersten Regelblutung eingezogen wurden.

Als im Laufe des Krieges dennoch die Zahl neuer Prostituierter zum Teil nicht mehr ausreichte, begannen die japanischen Truppen, während Plünderungen Frauen auf eigene Faust in Zwangsprostitution zu bringen. Vor allem in Gebieten, in denen die Bevölkerung den Besatzern besonders feindlich gesinnt war, vergewaltigten und entführten sie Frauen aus der Bevölkerung.Akira Fujiwara (): The Three Alls Policy and the Northern Chinese Regional Army. (「」), Kikan sensō sekinin kenkyū 20, 1998Mitsuyoshi Himeta (): Concerning the Three Alls Strategy/Three Alls Policy By the Japanese Forces. (『』), Iwanami Bukkuretto, 1996Herbert P. Bix: Hirohito and the Making of Modern Japan. Harper Collins, 2000, ISBN 0-06-019314-X. So entstand in den von Japan während des Zweiten Weltkriegs besetzten Gebieten eines der größten historisch bekannten und systematisch aufgebauten Netzwerke von Zwangsprostitution.Burkhard Eiswaldt: „Hainan Comfort Women“ – Zwangsprostitution unter japanischer Besatzung, Hainan 1939–1945. März 2009, ISBN 978-3-8370-8838-0.

2007 veröffentlichte Taichiro Kaijimura die Entdeckung von 30 Dokumenten der niederländischen Regierung, die an das Tokio-Tribunal gesendet worden waren, in denen von massenweiser erzwungener Prostitution bei einem Vorfall 1944 in Magelang berichtet wird.

Behandlung der Frauen Die Lebensrealitäten der Frauen waren von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Ein Soldat der Einheit 731, Yasuji Kaneko, sagte aus: „Die Frauen schrien, aber uns war egal, ob die Frauen lebten oder tot waren. Wir waren des Kaisers Soldaten. Ob in Militärbordellen oder in den Dörfern – wir vergewaltigten, ohne zu zögern.“ Auch Schläge und Folter seien nicht unüblich gewesen.

Im Februar 1944 wurden zehn niederländische Frauen von Mitgliedern der kaiserlich japanischen Armee aus ihren Gefangenenlagern in Java herausgeholt, um sie als Zwangsprostituierte einsetzen zu können. Sie wurden täglich geschlagen und vergewaltigt. Vor einem Komitee des US-Repräsentantenhauses bezeugte Jan Ruff-O’Hearn: Aufgrund von Protesten der Niederlande wurden die Frauen drei Monate später zurück in ihre Gefangenenlager gebracht, die verantwortlichen Offiziere allerdings von japanischer Seite dafür bis zum Ende des Krieges nicht bestraft. Nach dem Krieg wurden elf japanische Offiziere durch den Kriegsgerichtshof Batavia für schuldig erklärt und einer davon hingerichtet.

Hank Nelson, emeritierter Professor der Australischen Nationaluniversität, hat über Bordelle in Rabaul in Papua-Neuguinea geschrieben, die vom japanischen Militär betrieben wurden. Er zitiert darin aus dem Tagebuch von Gordon Thomas, einem Kriegsgefangenen in Rabaul. Thomas schreibt, dass die Frauen, die in den Bordellen arbeiten, täglich „zwischen 25 und 35 Mann“ zu Diensten sein müssten und Opfer des „gelben Sklavenhandels“ seien.Hank Nelson (2008): The Consolation Unit: Comfort Women at Rabaul. The Journal of Pacific History, 43 (1), S. 1–21. online Nelson zitiert auch einen Chirurgen der Marine namens Kentaro Igusa, der beschreibt, dass die Frauen trotz Infektionen und anderen Krankheiten arbeiten mussten, obwohl sie um Hilfe bettelten und weinten.

Ein Bericht des U.S. Büros für Kriegsinformation beschreibt mit Berufung auf Interviews von Kriegsgefangenen detailliert die Zustände der Trostfrauen in Myitkyina, Burma. Ohne zu wissen, dass es sich bei ihrer Arbeit um Prostitution handeln würde, wurden die koreanischen Frauen dazu überredet, in Burma ihre familiären Schulden zu begleichen. Die meisten der dort eingesetzten Frauen wurden in Korea unter der Vorgabe rekrutiert, ihre Arbeit als „Trostdienst“ bestünde darin, verwundete Soldaten zu versorgen. In Burma wurden die Frauen meist in einem großen zweistöckigen Haus in separaten Zimmern einquartiert, in denen sie wohnten, schliefen und ihre Kunden empfingen. Die Frauen arbeiteten für einen Lohn von etwa fünfzehnhundert Yen, von denen sie circa fünfzig bis sechzig Prozent an den „Hausherrn“ abgeben mussten, welcher sich unter anderem um den Einkauf und die Zubereitung von Mahlzeiten kümmerte. Die genaue Abschlagssumme konnte der „Hausherr“ nach eigenem Ermessen bestimmen. Laut dem Bericht konnten die Frauen an Sportveranstaltungen, Picknicks, Unterhaltungen und gesellschaftlichen Abendessen teilnehmen. Die befragten Frauen wiesen einen guten Gesundheitszustand auf, da sie regelmäßigen Zugang zu Hygieneschulungen und ärztlicher Betreuung der japanischen Armee hatten. Außerdem hätten sie das Vorrecht gehabt, einen Kunden abzulehnen. Laut dem Befehl der japanischen Armee in 1943 durften Frauen, die ihre familiären Schulden abbezahlt hatten, nach Hause zurückkehren.

Opfer Eine offizielle Opferzahl ist nicht festzustellen, da die Schätzungen weiterhin eine große Bandbreite aufweisen. Offiziell hat die südkoreanische Regierung 240 Opfer registriert, aber sowohl die südkoreanische als auch die japanische Regierung geben keine eindeutige Opferzahl an. Aktuellen Schätzungen zufolge geht man von insgesamt 20.000–200.000 Trostfrauen aus. Der Historiker Yoshiaki Yoshimi berechnete basierend auf Daten einer Einheit, bei der eine Trostfrau auf 100 Soldaten kam, dass es insgesamt etwa 50.000 bis 200.000 Trostfrauen gegeben haben dürfte. Ikuhiko Hata setzte die obere Grenze bei 20.000. Der chinesische Historiker Su Zhiliang geht hingegen von 360.000 bis 410.000 Trostfrauen aus, davon 200.000 Chinesinnen. Die meisten Opfer stammten aus Korea, China sowie Japan selbst, aber auch aus Taiwan und anderen besetzten Gebieten wie Indonesien, Malaysia und den Philippinen. Ein geringer Anteil der Frauen stammte auch aus den Niederlanden, Australien, Deutschland und Ungarn.

Nach Kriegsende Nach 1945 wurden viele Dokumente vernichtet, damit die beteiligten Männer nicht als Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Viele Frauen wurden vom japanischen Militär ermordet oder an der Heimkehr in ihre Heimatländer gehindert. Diejenigen, die in Lager der Alliierten kamen, konnten nach einiger Zeit in ihre Heimat zurückkehren. Viele der Frauen schwiegen aus Scham oder wurden stigmatisiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Bei den Tokioter Kriegsverbrecherprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg (Pazifikkrieg) wurde die Zwangsprostitution nicht thematisiert.

Öffentliche Debatte nach dem Krieg bis heute mini|Kundgebung ehemaliger „Trostfrauen“ vor der japanischen Botschaft in Seoul, 2011