mini|hochkant=1.6|Grand Entry des Omaha-Powwows 1983

Ein Powwow (auch Pow-Wow oder Pow Wow) ist im weitesten Sinne ein Treffen nordamerikanischer IndigenerChris Roberts: Powwow Country. American & World Geographic Publishing; Helena, MT 1992, S. 42 oder jede vergleichbare Veranstaltung. Im engsten Sinne ist es eine Form von Kulturveranstaltung, die auf Bräuchen von Kriegerbünden der mittleren Great Plains aus dem 19. Jahrhundert gründet. Durch verschiedene Aspekte des Brauchtums werden die kulturelle Identität gestärkt und überlieferte Wertevorstellungen vermittelt.Artikel Die Trommeln der Powwows. In Coyote Nr. 84 / Winter 2009. Zeitschrift der AGIM

Etymologie links|mini|365x365px|Tänzer beim Powwow 2016 in Wendake, einer Gemeinde der Wendat-Huronen, nahe der Stadt Québec, Kanada

Der Begriff „Powwow“ kommt aus der Narragansett-Sprache, bedeutet so viel wie er träumt und bezeichnet den Medizinmann. Seine Handlungen vor Zuschauern machten die Zeremonien zu einem Spektakel. Die anwesenden Weißen bezogen das Wort Powwow missverständlich auf das Geschehen.Volker Krasemann, Arnold Calf Boss Ribs, Nancy Tucker: Powwow, die magischen Trommeln des Lebens. Nymphenburger, München 1996, S. 11 Es wird in manchen Algonkin-Sprachen als Ratsversammlung übersetzt. Spätestens im 18. Jahrhundert wurde der Begriff von englisch- und deutschsprachigen Kolonisten als Bezeichnung für verschiedene traditionelle indianische Veranstaltungsformen übernommen und hat sich so über ganz Nordamerika verbreitet. Mit dem Wechsel von der Bezeichnung für eine Person zur Bezeichnung für eine Veranstaltungsform wird das Wort Powwow zu einem Kunstwort ohne eindeutige Definition. Bei den nordamerikanischen Völkern, die für diese Veranstaltungen in ihren Sprachen eigene Wörter haben, gilt das Wort Powwow als Anglizismus und Fremdwort. Wird das alte Wort der Narraganset als Ursprung genommen, ist die einzig richtige Schreibweise „Powwow“ in einem Wort (nicht Pow-Wow, Pow Wow, pow-wow oder pow wow).Letters to the Editor TA’C TITO’OQAN NEWS Juli 2003 S. 15.

Geschichte miniatur|hochkant|Junger Tänzer bei einem öffentlichen Powwow in der Nähe von Frankfurt (ca. 2000) mini|Powwow bei der Ho Chunk Nation, Wisconsin mini|Spezielle Trachten beim Powwow bei der Ho Chunk Nation, Wisconsin

Die Vorläufer der Powwows entstanden hauptsächlich aus zwei Kernen. Diese haben historisch und inhaltlich wahrscheinlich eine Verbindung, sind aber örtlich und zeitlich voneinander unabhängig.

Vorreservationszeit Ein Ursprung der Powwows sind die Iruska-Tänze der Pawnee auf den mittleren Great Plains. Diese Tänze wurden seit den 1820er Jahren an deren Nachbarvölker weitergegeben.James R. Murie: Pawnee Indian Societies. In: Anthropological Papers, American Museum of Natural History, Bd. 11, Nr. 7, New York, NY. 1914, S. 608 Auf den Großen Ebenen entwickelten sich Veranstaltungen von Kriegergesellschaften. Der Zweck dieser Veranstaltungen lag in der Stärkung der Gemeinschaft in psychischer und sozialer Hinsicht. Dies geschah durch die Entwicklung einer eigenen Identität der Gesellschaft in allen Bereichen des traditionellen Lebens und dem bewussten Umgang damit. Nach innen entstanden eigene Grundsätze, die bei bestimmten Anlässen in der Öffentlichkeit demonstriert wurden. Deshalb wiesen diese Veranstaltungen militärische, religiöse, soziale, wirtschaftliche, rechtliche, didaktische, kulinarische, künstlerische, unterhaltende und andere traditionelle Aspekte auf, die genau auf die betreffende Kriegergesellschaft zugeschnitten waren. Es waren typische Volksfeste. Verschiedene Kriegergesellschaften anderer Völker übernahmen im Laufe der Zeit diese Bräuche und verbanden sie mit ihren eigenen Bräuchen. Auf diese Weise verbreiteten sich die Powwow-Vorläufer im 19. Jahrhundert bei den Völkern der mittleren, nördlichen und südlichen Großen Ebenen und deren Randgebieten zu den (Lakota, Cheyenne, Absarokee (Crow) und Blackfoot).

Reservationsszeit Als diese Völker gezwungen wurden, in Reservaten zu leben, verloren die Kriegergesellschaften ihre Bedeutung. Die alten Bestandteile des Volksfestes wurden jedoch beibehalten und weiterentwickelt. Dabei wurden sie in einigen Teilen vereinfacht und in anderen komplexer. Der zweite Kern, aus dem sich die Powwows entwickelt haben, ist die Religion der großen Trommel. Diese verbreitete sich seit den 1880er Jahren von der Region der westlichen Großen Seen aus.Carl Waldman: Encyclopedia of Native American Tribes, S. 158 Seit der Reservatszeit ist es irrelevant, ob die Powwowleute Mitglieder einer Kriegergesellschaft sind, von welchem Volk sie stammen oder aus welchem Erdteil sie kommen. Die Nachfolger der Mitglieder der Kriegergesellschaften sind seit dem Ersten Weltkrieg die Kriegsveteranen. Deshalb lebten viele alte Kriegertraditionen in den 1920er Jahren wieder auf, die Powwows erlebten dadurch einen Aufschwung. Die Aspekte Sport und Spiel kamen hinzu. Bei den Völkern, welche die Powwowvorläufer bereits in der Vorreservationszeit praktizierten, gehören Powwows zur eigenen Kultur. Menschen aus anderen Kulturregionen können zusätzlich zur eigenen Kultur die Powwowtraditionen übernehmen. Einige nordamerikanische Völker, die ihre Kultur verloren haben, nutzen Powwow oft als Ersatz. Andere Ureinwohner Nordamerikas mit einer lebendigen eigenen Kultur lehnen Powwows als kulturelle Ausdrucksform für sich ab. Im 20. Jahrhundert verbreiteten sich die Powwowtraditionen über ganz Nordamerika und fanden in Europa ihre Anhänger. Unter anderem in England, Deutschland, Dänemark, Polen und Tschechien finden diese Feste seit mehreren Jahrzehnten statt.Informationen und Termine über Powwows in Deutschland Europäische Powwows werden auch von hier lebenden Natives besucht, aber die große Mehrheit der Teilnehmer sind Europäer. In Deutschland finden regelmäßig Powwows der hier stationierten amerikanisch-indianischen Soldaten statt. Die Teilnahme von nicht-indianischen Living-History-Darstellern, die in ihrer Freizeit das Leben der früheren Indianer nachspielen („Hobbyisten“ genannt), wird bei diesen Powwows nicht gern gesehen.

Zweck und Bedeutung Powwows sind der in der Öffentlichkeit deutlichste Ausdruck nordamerikanischer Indianerkulturen. Die Teilnehmer präsentieren stolz ihre Stammeszugehörigkeit und erneuern bei jeder dieser Veranstaltungen ihr Selbstverständnis als „Native Americans“. Demnach sind Powwows soziologisch betrachtet weit mehr als nur indianische Volksfeste. Der Zweck eines Powwows besteht darin, den gemeinschaftlichen Geist zu stärken und die Zugehörigkeit zu einer indianischen Kultur aktiv zu leben. Das geschieht durch Stärkung von Körper, Seele und Geist. Für ein gutes Leben ist es den Powwowleuten wichtig, bewusst die Traditionen zu pflegen. Auf den Powwows geschieht das beispielsweise durch Trachten, Abzeichen, Symbole, Tänze, Rituale, Rechtsakte, Zeremonien, Ehrungen, Speisen, Sprache, Lieder, Gebete, Geschichten, Anekdoten, Witze, Kunst, Spiele und Sport. Powwows sind in erster Linie ein komprimiertes Abbild der traditionellen Lebensweise der Ureinwohner der nordamerikanischen Plains und Prärien. Die gemeinsame Teilnahme von Angehörigen sehr unterschiedlicher Stammeskulturen führt trotz der Pflege der jeweiligen Eigenheiten zu einer Vermischung der unterschiedlichen kulturellen Elemente und fördert so das Entstehen einer gemeinsamen indianischen Kultur mit einem Schwerpunkt auf den Plainskulturen. Auch die Tatsache, dass sich bei Powwows häufig multikulturelle Liebespaare finden, bestätigt diesen Trend. Ein anderer Grund für Powwows war das Finden eines Kompromisses für ein Problem, auch für ein Friedensangebot zwischen verschiedenen Parteien. Die Menschen, bei denen Powwows einen großen Teil des Lebensstils einnehmen, werden Powwowleute genannt.

Organisationsstruktur Die Organisationsstruktur auf einem Powwow ist stark hierarchisch. Das ist durch den militärischen Ursprung der Veranstaltung begründet.

Veranstalter Gastgeber eines Powwows ist die veranstaltende Körperschaft mit ihren Mitgliedern. Verschiedene Arten von Körperschaften können als Veranstalter fungieren: Volksstämme, Dorfgemeinschaften, Gesellschaften, Vereine, Kasinos, Bildungseinrichtungen, Familien.Volker Krasemann, Arnold Calf Boss Ribs, Nancy Tucker: Powwow, die magischen Trommeln des Lebens. Nymphenburger, München 1996, S. 10 Bei Familienpowwows kann alles informell geregelt sein. Der Veranstalter kümmert sich durch seine Vertreter hauptsächlich um die rechtlichen Angelegenheiten, das Budget und den Ausschuss (das Komitee).

Ausschuss Zum Organisieren des Powwows wird aus den Angehörigen der veranstaltenden Körperschaft ein Ausschuss bestimmt.Chris Roberts: Powwow Country. American & World Geographic Publishing; Helena, MT 1992, S. 38 Dieser besteht aus dem Vorstand und weiteren Mitgliedern. Der Vorstand besteht aus Vorsitzendem, Kassierer und Schriftführer, weitere Positionen sind möglich. Der Vorsitzende beruft die Versammlungen des Ausschusses ein und leitet diese. Der Kassierer verwaltet die Finanzen bei den Vorbereitungen und auf dem Powwow. Der Schriftführer führt bei den Versammlungen Protokoll und erledigt den Schriftverkehr. Bei einem großen Ausschuss kann jeder Vorstandsposten einen Vertreter haben. Der Ablauf der Versammlungen richtet sich nach den Überlieferungen. Die Berufung in den Ausschuss ist eine große Ehre. Der Ausschuss kümmert sich um die Vermarktung, den Veranstaltungsort, den Zeitplan, die Finanzen, die Werbung, die Mitarbeiter, das Organisieren der Helfer, um die Regelung des traditionellen Ablaufs und um die eingeladenen Gäste. Der Ausschuss bildet sich ein Jahr vor der Veranstaltung und nimmt seine Arbeit auf. Er kann in dieser Zeit andere Veranstaltungen nutzen, um auf sein Powwow aufmerksam zu machen. Das kann durch Infostände, Verteilen von Werbematerial und Verkauf von Werbeartikeln geschehen, auch mit Unterstützung der Königlichen. Die Ausschussmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Gegenleistung für die Arbeit sind Anerkennung und Ehre durch die Mitglieder der veranstaltenden Körperschaft. Die Ehrungsveranstaltung für den Ausschuss ist ein wesentlicher Bestandteil des Powwows. Aufenthaltsort und Treffpunkt für den Ausschuss auf dem Powwow ist der Ansagerstand.

Hauptmitarbeiter Zur Durchführung der Veranstaltungen innerhalb der Tanzarena in seinem Namen verpflichtet der Ausschuss die Hauptmitarbeiter. Folgende werden aus den erfahrenen Tänzern bzw. Sängern ausgesucht: Sprecher, Arenadirektor,Volker Krasemann, Arnold Calf Boss Ribs, Nancy Tucker: Powwow, die magischen Trommeln des Lebens. Nymphenburger, München 1996, S. 94 gastgebende Trommelgruppe, Haupttänzer. Diese Positionen werden traditionell mit Männern besetzt, da sie auf Ämter innerhalb der alten Kriegergesellschaften zurückzuführen sind. Hauptpreisrichter, Haupttänzerin und Königliche sind später dazugekommen. Hauptmitarbeiter werden aufgrund ihrer Vorkenntnisse ausgewählt. Sie repräsentieren den Veranstalter nach außen und leiten innerhalb der Tanzarena alle Anwesenden durch das Geschehen. Spezifische Informationen zum jeweiligen Powwow und Anweisungen erhalten sie vom Ausschuss. Sie teilen sich untereinander ihre Entscheidung zum Ablauf des Geschehens mit. Aufenthaltsort oder Treffpunkt für die Hauptmitarbeiter ist der Ansagerstand oder seine direkte Umgebung. Arenadirektor Das englische Wort "arena director" lässt sich übersetzen als "Direktor, Regisseur, Leiter, Vorsteher innerhalb der Arena". Seine Aufgabe besteht darin, alle Abläufe in der Arena nach den Vorgaben des Ausschusses zu regeln und zu ordnen (Koordination). Sein Arbeitsplatz ist die Arena. Die historischen Vorbilder sind die Ordner der Kriegergesellschaften.

Gastgebende Trommelgruppe